Fungämien: Gefährliche Durchfallmedikamente

30. Januar 2018

Präparate mit lebenden Hefezellen können die Erkrankungsdauer infektiöser Diarrhö nachweislich verkürzen. Die vermeintlich harmlosen Mittel sollten aber nicht von jedem eingenommen werden – bei schwerkranken Patienten wurden Todesfälle beschrieben.

Saccharomyces boulardii wird als probiotischer Arzneistoff zur Prophylaxe sowie zur Behandlung von Durchfall bei Antibiotikagaben eingesetzt. Daten der Cochrane Collaboration belegen, dass Probiotika zusammen mit einer adäquaten Rehydratation eine infektiöse Diarrhö um durchschnittlich einen Tag verkürzen können. Auch bei rezidivierenden Infektionen mit Clostridium difficile wird die Hefe zusammen mit Vancomycin und Metronidazol eingesetzt. In einem Rote-Hand-Brief weist die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) auf Fungämien als Nebenwirkung mit vereinzelten Todesfällen. Das sind systemische Pilzinfektionen. Eine Fungämie kann zur Sepsis führen.

Nicht öffnen, nicht anwenden

Die Meldung überrascht nicht wirklich. Bislang waren entsprechende Risiken bei Patienten mit zentralem Venenkatheter bekannt. Neuen Erkenntnissen zufolge kann es auch bei hospitalisierten, schwerkranken oder immunsupprimierten Patienten zu Fungämien kommen. Das typische Symptom zu Beginn ist Fieber. Ärzte setzen dann S. boulardii sofort ab und leiteten antimykotische Therapien ein, was meistens zum Erfolg führt. In den nun bekannt gewordenen Fällen starben dennoch einige Personen. Grund genug für die AkdÄ, Ärzte und Apotheker zu warnen. Gleichzeitig wurde die Fachinformation überarbeitet.

Experten weisen noch auf eine weitere Problematik hin: Schwerkranke oder immunsupprimierte Patienten sowie Patienten mit zentralem Venenkatheter oder auch peripherem Katheter dürfen sich nicht in der Nähe befinden, falls mit S. boulardii hantiert wird. Ärzte, Apotheker oder Pflegekräfte sollten daher in der Nähe von Risikogruppen den Umgang mit Mikroorganismen vermeiden. Um Kontamination mit den Mikroorganismen über die Hände oder die Raumluft zu vermeiden, dürfen die Beutel und Kapseln nicht im Krankenzimmer geöffnet werden. Außerdem sollte das ärztliche Personal Handschuhe tragen, diese nachher sofort entsorgen und ihre Hände desinfizieren.

Mehrere Präparate betroffen

Die aktuelle Warnung der AkdÄ bezieht sich auf folgende Präparate:

  • Perenterol®, Perenterol® forte, Perenterol® junior (Medice Arzneimittel Pütter GmbH & CO. KG)
  • Eubiol® (CNP Pharma GmbH)
  • Perocur® 250 mg (HEXAL AG)

Apotheker sollten Patienten, die entsprechende Präparate im HV wünschen, gezielt ansprechen.

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3 Kommentare:

Dr. med. Ursula M. Schleicher
Dr. med. Ursula M. Schleicher

Immerhin ist dieses so lebensgefährliche Medikament frei verkäuflich und wird wahrscheinlich hauptsächlich auch nicht in der Klinik, sondern zu Hause eingesetzt. Hoffentlich weiß da jeder, daß er zum Öffnen Handschuhe tragen und nachher die Hände desinfizieren muß, wenn schwerkranke oder immunsupprimierte Familienmitgleider in der Nähe sind.

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Gast-Johannes Ritschel Dipl.oec.-troph.
Gast-Johannes Ritschel Dipl.oec.-troph.

Ich finde den Hinweis gar nicht so schlimm, gerade weil absolute Hygiene oberstes Gebot sein muss bei einem Klientel mit Immunsuppression plus zentralem Zugang (ZVK). Jeder Keim, Mikroorganismus, Hefe oder Virus kann zum lebensgefährlichen Risiko werden. Ob sich alle im Patientenumfeld über so ein normalerweise harmloses Präparat diese Gedanken machen bin ich mir unsicher. Immerhin wird es i.d.R. als Medikament betrachtet und muss per se als Sicher gelten.

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Gast
Gast

Ich bin Apotheker und muss hier mal anmerken, dass nichts von dem oben genannten auf irgendeine Art und Weise neu ist. Die Fachinformationen zu diesen Produkten enthielten auch schon vorher genau diese Informationen. Die Informationen wurden lediglich detatillierter ausgearbeitet. Allein die Überschrift ist schon völlig übertrieben und verunsichert meine gesunden Kunden. Im großen und ganzen muss ich sagen, dass der Schreiber des Artikels keine Ahnung hat wie man verantwortungsvolle Artikel zum Thema Arzneimittel schreibt und anscheinend auch sehr schlecht informiert ist. Ich würde mich schämen so einen schlechten Artikel geschrieben zu haben. Nur damit man mich richtig versteht, es geht nicht darum das Informationen zu diesem Thema veröffentlicht werden, sondern um die Art und Weise. Traurig das solch eine Artikel hier auf DocCheck überhaupt veröffentlicht wird.

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