Umfrage: Medizinstudium schneidet nur mau ab!

16. April 2010
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Vor einigen Wochen hat DocCheck Campus Medizinstudenten dazu aufgerufen, ihr Studium zu bewerten. Fast 1000 angehende Mediziner haben an der Umfrage teilgenommen und ihrem Studium teils vernichtende Noten gegeben.

Es brodelt in den Unis und Ministerien: woran liegt es, dass sich immer weniger Studenten für Medizin einschreiben? Liegt es am Beruf? Oder schon am Studium? Sollte man die Studiengänge reformieren oder an Altbewährtem festhalten?
Fragen über Fragen, bei denen die Medizinstudenten zumeist nur wenig Mitspracherecht haben. Deshalb hat DocCheck euch gefragt, wie zufrieden Ihr mit eurem Studium seid. 970 Studenten der Humanmedizin haben an unseres Umfrage teilgenommen und ihr Studium bewertet.

Und, wie isses so?

Dass das Medizinstudium kein Spaziergang wird, weiß jeder, der sich auf einen solchen Studienplatz bewirbt. Aber lohnt sich die ganze Arbeit auch? Auf einer Zufriedenheitsskala von 1 (sehr zufrieden) bis 6 (sehr unzufrieden) brachte es das Medizinstudium im Allgemeinen auf einen Durchschnitt von 2,8. Einer Note, bei der wohl jeder Medizinstudent seine Lernstrategien überdenken würde. Auffällig ist hierbei besonders, dass die vergebenen Noten mit dem Studienabschnitt immer schlechter wurden: die Studenten in der Vorklinik bewerteten das Studium noch durchschnittlich mit 2,7 Punkten, die Studenten der Klinik vergaben im Schnitt 2,8 Punkte und das PJ erlange schließlich nur 3,0 Punkte.

Sollten demnach in Zukunft mehr Unis die Strategie ihres Medizinstudienganges überdenken? Die meiste Kritik übten die Studierenden in der Umfrage an den Inhalten und der Organisation des Studiums.

Praktisch nur Theorie!

Der Punkt, den die meisten Studenten bemängelten, ist der zu geringe Praxisbezug. In den neuen Modellstudiengängen, die in einigen Städten bereits angewandt werden, wird die Praxis stärker berücksichtigt als in den Regelstudiengängen. Studenten aus Modellstudiengängen bewerteten ihre Uni im Hinblick auf den Praxisbezug mit 2,4 Punkten, Unis mit Regelstudiengang erhielten im Durchschnitt 2,9 Punkte.

Die ersten Überarbeitungen des Medizinstudiums tragen offenbar Früchte: die Zufriedenheit der Studenten ist gestiegen. Ein guter Anlass, um über weitere Veränderungen nachzudenken, vor allem im Bereich der Lernstrategie und Organisation.

Das finden offenbar auch die Studenten. Auf einer Skala von 1 (keine Belastung) bis 6 (Überbelastung) bewerteten unsere 970 Befragten ihr Studium im Schnitt mit 3,9. Als Gründe für die Überbelastung wurden am häufigsten zu viele Pflichtveranstaltungen sowie zu viel Nachbereitung und Lernaufwand angegeben. Jeweils 35% der Befragten, die angegeben hatten, überlastet zu sein, wählten diese Begründungen aus.

Fürs Lernen leben?

Besonders stressig wird das Lernen natürlich zusätzlich sobald die Prüfungen näher rücken. Laut der Umfrage bereiten sich 99% der Studenten mit Hilfe von eigenen Büchern und Materialen auf die Prüfungen vor. 84% der Studenten nutzen außerdem CD-ROMs mit Prüfungsfragen. Die Vorbereitung über Angebote im Internet nutzen hingegen nur 36% der Befragten.

Dabei bietet gerade das Internet viele Möglichkeiten, zeit- und ortsunabhängig zu lernen. Ein Student, der viel Bahn fährt kann im Zug mit seinem Netbook lernen, ohne einen Stapel dicker Bücher mit zu schleppen. Mp3-Player geben heute nicht nur Musik, sondern auch Bilder und Videos wieder – dem Anschauen von Lernfilmen im Bus oder zwischen zwei Vorlesungen steht damit nichts mehr im Wege. Über Netzwerke und Foren können sich Studenten austauschen, ohne zur gleichen Zeit am gleichen Ort zu sein.

Kann man dir helfen?

In der DocCheck Umfrage konnten die Studenten bewerten, welche Hilfsmittel sie für sinnvoll halten würden. In den Ergebnissen fällt auf, dass die am häufigsten gewählten Mittel auf dem Internet basieren, oder zumindest sehr gut darüber umsetzbar sind.

Die Top 5 der Hilfsmittel zur Organisation des Studiums

  1. Literaturdownload zu bestimmten Themen
  2. Austausch mit Kommilitonen
  3. Bilder und Photos von gesunden und erkrankten Personen
  4. Anleitung per Video/Anime
  5. Bessere Vorbereitung von Vorlesungen/Kursen

Sollten die Organisatoren des Medizinstudiums im Hinblick auf Lernstrategien und Organisation also mehr auf das Internet und digitale Medien setzen?

Zusammengefasst zeigt die Studie, wie zufrieden die Studenten mit ihrem Studium sind und was sich aus ihrer Sicht ändern sollte: gewünscht werden mehr Praxisbezug, eine bessere Organisation der Veranstaltungen sowie themengenaue und graphische Lernmaterialien.

Ob sich das Studium dahingehend wandeln wird, bleibt abzuwarten. In Bezug auf die Hilfsmittel, haben Studenten jedoch natürlich die freie Wahl und können schon jetzt ins Medizinstudium 2.0 starten.

Ihr wollt mehr wissen?

Hier gibt es die Ergebnisse der Studie als Download!

4 Wertungen (2.75 ø)
Allgemein

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3 Kommentare:

@1: Sie haben recht: Vom SS 2007 zum SS 2010 ist die Anzahl der Bewerber pro Studienplatz von 8,2 auf 10,6 gestiegen – keine gute Recherche unsererseits. Sorry. Vor diesem Hintergrund sind auch die schlechten Befragungsergebnisse verständlich: Angesichts des Bewerberdrucks scheinen die Unis wenig Interesse daran zu haben, ihr Angebot zu verbessern.

#3 |
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Dr Norbert Krey
Dr Norbert Krey

Vielleicht schreiben sich immer weniger Studenten für Medizin ein, weil immer mehr erkennen, wie wenig frei dieser angeblich “freis Beruf” noch ist.
Vielleicht haben einige auch den Eindruck, dass der Inhalt des Studiums recht einseitig ausgerichtet ist.

#2 |
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“woran liegt es, dass sich immer weniger Studenten für Medizin einschreiben?” – oder: Woran liegt es, dass Autoren so einen Blödsinn schreiben??! An Unwissenheit oder Desinteresse am wahren Problem…? So lang wie heute war die Warteschlange auf die Plätze noch nie…

#1 |
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