Der Landarzt – ein Auslaufmodell?

16. April 2010
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Der Beruf des Landarztes scheint auszusterben. Immer weniger junge Mediziner entschließen sich für eine Praxis auf dem Land. In der Politik brütet man daher zur Zeit, wie man mehr Ärzte aufs Land locken kann.

Der Ärztemangel in Deutschland, besonders in den ländlichen Gebieten, wird schon seit langem vielfach diskutiert. Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler hat nun eigene Vorschläge zur Rettung der Ärzteschaft geäußert und ist damit auf harte Kritik gestoßen.

Bundesgesundheitsminister Rösler will dem drohenden Ärztemangel den Kampf ansagen. Um mehr Ärzte aufs Land zu locken, fordert er die Einführung einer „Landarztquote“. So sollen in Zukunft Studienplätze bevorzugt an Studenten vergeben werden, die sich verpflichten, nach dem Studium in eher ländlichen Gegenden zu praktizieren. Zudem soll der Numerus clausus abgeschafft und durch Auswahlgespräche an den Universitäten ersetzt werden.

Die Kritiker

Sind diese Vorschläge des Gesundheitsministers jedoch überhaupt realistisch und umsetzbar?
Vor allem die SPD hat große Bedenken hinsichtlich der geforderten „Landarztquote“. Denn wenn Ärzte in städtischen Gegenden weiterhin wesentlich mehr verdienen als auf dem Land, werde der Beruf des Landarztes auch in Zukunft uninteressant bleiben.
Auch der Verband der deutschen Hausärzte hat sich kritisch gegenüber Röslers Vorschlägen geäußert. Die Gründe vieler Ärzte für die fehlende Bereitschaft sich niederzulassen lägen vor allem in der großen finanziellen Belastung, der sich Hausärzte ausgesetzt fühlten.

Die Gegenvorschläge

Viele Stimmen, wie beispielsweise der Vizepräsident der Bundesärztekammer, Frank-Ulrich Montgomery, fordern deshalb, vor allem die Studien- und Arbeitsbedingungen von Ärzten zu verbessern. Demnach sollen nicht noch mehr Studienplätze geschaffen werden, da Deutschland genügend Mediziner ausbilde. Das Problem sei nicht die Menge der Studenten, sondern die schwindende Zahl der Ärzte, die ins Ausland abwandern oder nach dem Studium eine nichtärztliche Tätigkeit ausüben.

Trotz aller Kritik hält der Bundesgesundheitsminister jedoch weiterhin an seinen Vorschlägen fest und plädiert für mehr Studienplätze und sein Landarztmodell.
Bleibt nur die Frage, ob noch mehr Gedränge in Hörsälen und Präp-Kursen den zukünftigen Medizinstudenten wirklich zu wünschen ist…

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2 Kommentare:

Ich habe seit 1.03.2010 in einer Landarztpraxis meine Weiterbildung begonnen. Nach dem Klinikstreß, mal etwas ruhiger zu arbeiten, kommt mir sehr entgegen. Die Probleme die abschreckend sind, ist die Knebelung durch unsere ärztlichen Vertreter, die mit den Krankenkassen Verträge aushandeln, sich immer neue Budgetierungen ausdenken, z.B. sollen nun hausärztliche Notfälle ebenfalls darunter fallen. Also schickt man die Patienten am besten gleich ins Krankenhaus, womit man die Knebelung umgehen kann, ob das wirtschaftlicher ist, sei nun mal dahin gestellt. Ich habe jedoch in dieser kurzen Zeit den Eindruck, dass unsere Vertreter offensichtlich keinen Durchblick haben, oder nicht über den Tellerrand hinweg schauen. Dieser Ärger mit der Budgetierung ist sicherlich noch ein zusätzlicher Punkt, der uns Assistenzärzte abschreckt.

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statt schwindend muss es steigend heissen

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