EMS: Falsche Trainingsversprechen

2. Februar 2018

Fit mit nur 20 Minuten Training pro Woche. Fitnessstudios locken Kunden mit einer vermeintlichen Wundermethode – dem Elektromyostimulationstraining (EMS). Neurophysiologen warnen vor unerwünschten Effekten. Das betrifft nicht nur Patienten mit Vorerkrankung.

Beim Elektromyostimulationstraining (EMS) tragen Sportler spezielle Anzüge mit Elektroden. Während des normalen Trainings stimulieren elektrische Impulse zusätzlich die Muskeln. Dass das Konzept einen regelrechten Hype erlebt, liegt auch an einer Marketingstrategie. Große Anbieter locken Existenzgründer mit geringen Investitionen und mit innerbetrieblichen Trainings. Vorkenntnisse scheinen nicht erforderlich zu sein. Grund genug für Ärzte, Patienten eindringlich zu warnen.

Gefahren auch für Gesunde

DocCheck hat mit Professor Dr. Stefan Knecht gesprochen. Er ist Direktor der St. Mauritius Therapieklinik Meerbusch und Professor für Neurologie an der Universität Düsseldorf. „Besonders Menschen mit Nieren- oder Muskelerkrankungen sind gefährdet“, sagt Knecht. Er warnt vor der Meinung, ohne Vorerkrankung sei das Training harmlos: „Auch völlig Gesunde können sich durch eine Kombination von EMS und muskulärer Ausbelastung gefährden.“ Der Experte warnt auch vor fehlenden Kompetenzen in vielen Studios: „Während Ärzte und Physiotherapeuten in dieser Methode ausgebildet wurden, ist das Personal in Fitnessstudios aber oft nicht ausreichend geschult, um die Belastung richtig einzuschätzen.“

Hohe Creatinkinase-Werte als Warnsignal

Was sich im Körper abspielt, hat Prof. Dr. Wolfgang Kemmler von der Uni Erlangen untersucht. Zusammen mit Kollegen nahm er 26 Probanden ohne EMS-Erfahrung in eine Studie auf. Bei ihnen führte die Erstanwendung unter Standardbedingungen zum Anstieg der Creatinkinase um das 117-Fache. Es handelt sich dabei um einen Indikator für den Zerfall von Muskeln, bekannt als Rhabdomyolyse. Allerdings beobachtete Kemmler weder Hyperkaliämien noch Hypokalzämien oder ein akutes Nierenversagen. Der Experte sagt: „Inwieweit eine derart hohe Belastung bei vorliegender Nierenschädigung oder -insuffizienz, einschlägigen Medikamenten, Alkohol oder zu niedrigem Flüssigkeitsstatus ebenso kompensiert werden kann, ist fraglich.“ Tatsächlich erweist sich die Studienlage momentan als recht dünn.

Tipps für Kunden

Laut Knecht wird beim längerfristigen Training die Stromintensität entsprechend erhöht. Er warnt deshalb vor zu häufigen Besuchen im Studio: „Der geringe Aufwand ist tückisch und kann dazu verleiten, häufiger oder ausgiebiger zu trainieren als empfohlen.“ Wer trotzdem trainieren möchte, sollte auf mehrere Punkte achten:

  • nachweislich geschultes Personal im Studio
  • ein moderater Anstieg der Stromintensität
  • maximal ein bis zwei Trainingseinheiten pro Woche
  • ausreichende Erholungsphasen

Der Experte resümiert: „Der Trainingseffekt ist nicht bewiesen und bei falscher Anwendung ist die Methode sogar riskant.“ Deshalb rät Knecht primär zu normalem Fitnesstraining.

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16 Kommentare:

Gast
Gast

Durch eine neurologische Erkrankung hatte ich eine komplette Hemieparese.
Das EMS Trainig in einem reinem EMS Studio hat mir bei der Rehabilitation sehr geholfen .
Das Personal war gut geschult und ich erhielt eine perfekte Betreuung.
Vergleichbare gute Geräte und so individuelle Begleitung konnte ich zu dem Zeitpunkt in keiner Physotherapeutischen Praxis finden.

Dank meiner medizinische Fachaubildung sind mir die Risiken des übertriebenen EMS Trainigs gut bekannt.
In einem guten Studio wird auf Zeit und Intensivität geachtet.

Meine Muskelmasse blieb erhalten und durch die Stimmulation kahmen die Funktionen zurück.
Ich halte es für ein tolles Training im Bereich der Rehabilitation .

#16 |
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Josefine Zierer
Josefine Zierer

Habe EMS für 1,5 Jahre unter professioneller Anleitung durchgeführt, ohne muskulär-funktionellen Erfolg – und bin wieder beim klassischen Fitnessstudio angelangt.
Es ist schlicht eine Marketing-Lüge, dass 20 min /Woche EMS der Trainingsersatz für 3 x 1 Stunde / Woche klassisches Fitnesstraining sein soll. Ganz fraglich ist, ob die passive Stimulation / Aktivierung der Muskeln der aktiv zentral-nervöse Stimulation durch den Gyrus präzentralis überlegen sein soll. Nicht der passive EMS Sport, sondern der aktive Sport führt zur Verbesserung der cognito-mororischen Leistung, stimmungsanhebend, antidepressiv etc.
Die ursprünglichen Untersuchungen der Sporthochschule Köln haben belegt, dass es eben NICHT zu einer Zunahme der Muskelmasse unter EMS kommt, wie vom Marketing versprochen. Einfach mal nachlesen. Nach 1,5 Jahren war meine Muskelmasse die gleiche wie am Anfang. Zusätzlich habe ich intensives Eislauftraining absolviert, und darunter Fett verbrannt. Der kurzzeitige Einsatz bei immobilisierten Patienten in der REHA könnte von Nutzem sein, wird vorsorglich aber immer in Kombination mit klassischen sportlichen Maßnahmen durchgeführt: Tretergo, Gymnastik etc.

#15 |
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HP Annette Uebach
HP Annette Uebach

Ich widerspreche Ihnen bei der Aussage Ärzte seien in Elektrostimmulation ausgebildet, Nein das gehört nicht zum Ausbildungsspektrum.

Physiotherapeuten werden durch aus in der Anwendung derselben unterrichtet.

Es ist jedoch in vielen vor allem Orthopädiepraxen selbige durch die Azubis durchführen zu lassen. Und zwar eigenständig nach kurzer Erklärung der Geräte.
Ich erlebte 2015 wie ein Notfall durch EMS auftrat. Nicht die angehende medizinische Fachangestellte, nicht der Arzt, sondern ich rettete der Patientin das Leben und versorgte sie bis der Notarzt kam. Und ich bin ja nur Ergo und HP.
Hier wird im großen Stil Kasse gemacht.

#14 |
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Der Wunsch, mit möglichst geringem Zeit- und Arbeitsaufwand Optimales zu erreichen wird nicht in Erfüllung gehen. Sucht Euch einen Sport, der Euch Freude bereitet und in den Ihre gern Zeit und Energie investiert. Das ist physisch und psychisch viel gesünder!

#13 |
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Gast
Gast

Hatte mich auch für EMS interessiert und vorher reichlich Tante Google bemüht.
Es gibt Studien, die an Krebs erkrankte Menschen (3x), für nicht geeignet halten bzw. es gefährlich eingestuft wird.
ich gehe kein Risiko ein und bleibe ein Schlaffi :(

#12 |
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@ Jens Jankowski, Bamberg

Wurde bei Ihnen ein late-onset Morbus Pompe gesucht oder ein CPT2-Mangel?
Die CK-Werte sind zwar nicht enorm, aber doch recht markant….

#11 |
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Gilles Quinet
Gilles Quinet

Was ein reines Training der Muskulatur einmal die Woche ohne grossartiges Cardiotraining bringen soll, das muss mir mal einer erklären. Gezielter Muskelaufbau erreicht man, auch zu therapeutischen Zwecken, am besten unter Anleitung durch prof. Personal. Einmal ist keinmal gilt tatsächlich beim Sport. Sich das eine Mal auch noch völlig muskulär über zu strapazieren kann wohl kaum Sinn machen.

#10 |
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Silke Belau
Silke Belau

Ich habe in unserem Ort ein tolles EMS Studio gefunden. Hier ist sehr wohl gut ausgebildetes Fachpersonal und es wird immer! darauf geachtet, ob man gesund ist, ggf. wird man auch nach Hause geschickt, es wird vorab eine ausführliche Anamnese gemacht und vor jedem Training wird gefragt, wie es einem geht – das ist also wie bei anderen Studios auch, in dem einen wird geachtet, in den anderen halt gar nicht und wenn ich falsch trainiere, ist das immer schlecht.

#9 |
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Jens Jankowski, Bamberg
Jens Jankowski, Bamberg

Ich lese in den Kommentaren:

– “Nicht kommen zu können, wenn man Lust und Zeit hat”…
– “hohe Kosten” …

Ich persönlich hasse Fitnessstudios. Unpersönlich, langweilig, zeitraubend (wenn es halbwegs effektiv sein soll). Ich war im Oktober 2017 in einer 2wöchtigen vollstationären Schmerztherapie. Mit der Psychologin dort haben wir Strategien besprochen, wie man den persönlichen Teufelskreis zur “Vermeidung” von sportlicher Aktivität durchbrechen kann.

# Da kam mir das EMS Studio “Kraftwerk20” in Bamberg gerade recht. Es liegt auf meinem direkten Weg zur Arbeit, ich fahre also eh 2 x am Tag daran vorbei. Erstes Argument gegen Sport entkräftet.
# Ich MUSS einen Termin machen, weil die Trainer maximal 2 Sportler gleichzeitig betreuen (und auch nicht mehr Geräte vorhanden sind!). Somit hat das ganze eine viel größere Verbindlichkeit für mich. Zweites Argument gegen Sport entkräftet.
# Das Training dauert nur 20 Minuten, einmal in der Woche. Drittes Argument gegen Sport entrkäftet.
# Es ist permanent jemand dabei, der motiviert, anspornt, zu jeder Zeit die korrekte Haltung prüft und ggf. korrigiert, der jederzeit eingreifen kann wenn es mal zu viel (oder zu wenig) Belastung ist. Viertes Argument gegen Sport entkräftet.

Mir gingen also langsam die Argumente aus. Dazu kommt, dass ich auf Grund meines Rheumas an klassischen Geräten bei entsprechendem Gewicht (z.B. Lat-Zug), welches meine Arme zwar problemlos ziehen / drücken können, meine Hände aber die Griffe nicht halten können. Somit entwickelte sich schon im Vorfeld das EMS Training zu einer guten Alternative.

Rücksprache beim Rheumatologen ergab, dass es keine Grundsätzlichen Einwände gibt, lediglich der Hinweis auf meinen ohnehin schon permanent erhöhten CK Spiegel (~1.000 seit 7 Jahren, unklare Ursache, Neuromusuläre Untersuchung in der Uniklinik Erlangen ohne Befund).

Eben diese Unikliunik Erlangen, der der Prof. Dr. Kemmler angehört, setzt das EMS Training ganz gezielt in der neuen Multimodalen Adipositas-Therapie im Hektor-Center ein. Dort wird damit geworben (Zeitungsartikel, Webseite), dass insbesondere sehr dicke Menschen (politisch korrekteres Wort fällt mir nicht ein, ich hab aber selbst einen BMI jenseits von gut und böse) hier erfolgreich damit wieder an Muskelaktivität herangeführt warden. Genau diese Information war für mich ausschlaggebend, mit dem Training tatsächlich anzufangen.

Und ich bin wirklich begeistert! Ich habe seit Anfang Dezember durch gezieltes Muskelaufbautraining mit EMS meinen Grundumsatz erhöht, durch Schwimmen (seit 2-3 Jahren bereits regelmäßig 1-2 x pro Woche) die Ausdauerkomponente im Training berücksichtigt, und durch die gute Betreuung im Studio meine Ernährung leicht umgestellt (mittags möglichst wenig, abends keine Kohlenhydrate). So habe ich in der Zeit ohne Stress und Hunger und mich schlecht zu fühlen 10 kg abgenommen. Ich habe Spaß dabei, bin fitter, die Bauchmuskulatur wird gut aktiviert, es strafft sich und es entwickeln sich (zumindest bis jetzt) keine hässlichen Hautlappen (habe überwiegend viszerales Fett und Bauchspeck).

Mein CK Wert ist am Tag nach einer Trainingseinheit bei gut 4000-5000. Nach 5 Tagen aber wieder bei den (für mich normalen) 800-1000. Wenn ich intensive schwimme und eine intensive Trainingseinheit bemacht habe, steigt mein CK Wert im übrigen auch gerne auf über 3000 an – also eine völlig normal Reaktion des Körpers auf muskuläre Ansträngung (steht auch in einem anderen Kommentar).

Sicherlich sollte man (wie vor jedem Training / Fitness Studio ohnehin ja auch!) vor dem Start eines solchen Trainings seinen Hausarzt befragen. Insbesondere eher unsportliche Menschen sollten nicht versuchen von Null auf Olympia zu springen.

#8 |
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Per Fossdal
Per Fossdal

Ich habe mit über 70 mit EMS angefangen und bin seit mehr als 3 Jahren dabei. Gleichgewicht, Gewicht, Koordination, Kraft und auch Ausdauer hat sich spürbar und Muskelmasse sichtbar gebessert. Fühle mich rundum pudelwohl.
Die Betreuung erfolgt durch eine Personal Trainerin, die jede Sekunde mit viel Engagement dabei ist. Eine Überwachung von schnell eingeschulten Kräften, die dann noch häufig wechseln, halte ich für unverantwortlich, sogar gefährlich.

#7 |
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Gabriele
Gabriele

Aber “Erwas schlechtere Effekte” bei “hohen Kosten und der Tatsache, dass man sich an Termine halten” ist noch was anderes als “Falsche Trainingsversprechen” oder?

#6 |
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Gast
Gast

Prof.Dr. Kemmler:” Ein entsprechender Vergleich unserer Arbeitsgruppe mit einem HIT-Protokoll, also einem Einsatztraining bis zur muskulären Ausbelastung (MF+) zeigte vergleichbare Ergebnisse für einen Zuwachs der Muskelmasse, eine Reduktion des Körperfetts, sowie der Kraft der Haltemuskulatur bei etwas ungünstigeren Daten für die Beinkraft. Allerdings war der notwendige Zeiteinsatz zur Erzielung dieser Ergebnisse bei der Ganzkörper-Elektromyostimulation nur halb so hoch.”

Also dann wohl statt 20min ganze 40min/ Woche. Erwas schlechtere Effekte um in der Woche 20min einzusparen.. Überzeugt mich jetzt nich wirklich, bei hohen Kosten und der Tatsache, dass man sich an Termine halten muss und nicht einfach trainieren kann wenn man Lust und Zeit hat.

#5 |
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Gast
Gast

Laut

#4 |
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miha bodytec GmbH
miha bodytec GmbH

Von wissenschaftlicher Seite liegen für den sicheren und effektiven Einsatz des EMS-Trainings deutliche Empfehlungen vor. Die im EMS-Bereich forschenden Trainingswissenschaftler der Universitäten Köln, Kaiserslautern und Erlangen sehen die Notwendigkeit einer engen Betreuung durch ausgebildetes Personal. Ganzkörper-EMS ist also nichts für den Heimgebrauch, sondern gehört in professionelle Hände, was bei den meisten deutschen Studios der gängigen Praxis entspricht.

Die wichtigsten Fragen zur Effektivität und Sicherheit des EMS-Training beantwortet Prof. Kemmler von der Universität Erlangen z.B. in diesem Interview:
https://newsystems.online/wissenschaft/prof-dr-kemmler-von-der-universitaet-erlangen-nuernberg-beantwortet-die-wichtigsten-fragen-zum-ems-training/

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Nichtmedizinische Berufe

Intensives sportliches Training – nicht nur EMS – hat häufig zur Folge, dass der CK-Wert im Blut ansteigt. Der Anstieg hängt dann v. a. vom Trainingsstatus, dem Wiederholungseffekt und der beteiligten Muskulatur ab.

Bei Untrainierten ist die CK-Aktivität höher als bei gut Trainierten, d.h. dass bei ihnen mehr Creatinkinase aus der Muskelzelle austritt und im Blut vorhanden ist. Es kommt auch darauf an, welche Muskelgruppen ins Training einbezogen werden. Muskeln, die weniger an Belastung gewöhnt sind, weisen einen höheren CK-Anstieg auf.

Beim EMS-Training spielen Stromintensität und die Pausengestaltung eine entscheidende Rolle. EMS-Training erzielt Langzeiteffekte, die größten Leistungsanstiege zeigten sich in Studien erst nach einer zweiwöchigen Pause. Deshalb und auch in Hinblick auf die CK-Werte sollte die trainingsfreie Zeit bei EMS länger sein und die Intensität immer im Auge behalten und nur moderat angepasst werden.

Wie Dennis schon vor mir geschrieben hat, ist es wichtig, sich an geschulte EMS-Trainer zu wenden – entweder online nachschauen, ob das Studio TÜV zertifiziert ist oder vom Trainer selbst einfach eine Lizenz anfordern und sichergehen, dass man in guten Händen ist. :-)

Beim EMS-Training ist es wie überall: Die Dosis macht das Gift, zu viel von einer Sache ist bekanntermaßen nie gut.

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Dennis von emsstudios.de
Dennis von emsstudios.de

Guten Morgen … leider gab es schon von verschiedenen Unis Gegendarstellungen. 3 Regeln beim EMS … viel Flüssigkeit, nicht zu oft ( max. 1 bis 2 mal die Woche ) und vor allem, nur mit gutem geschultem Fachpersonal!

Wer das beachtet darf gern mal probieren. EMS ist kein Kinderspiel und eine ernste Anstrengung für den Körper. EMS ist aber nichts Neues und existiert eigentlich schon im Grunde seit 4.ooo Jahren, dank Zitteraale ;) Scherz beiseite … Klären Sie vorher mit ihrem Arzt ab, ob Sie wirklich trainieren können.

Gruß Dennis von emsstudios.de

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