Demenzen: Harnstoff im Gehirn

8. Januar 2018
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Bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Chorea Huntington oder Morbus Alzheimer fanden Wissenschaftler überraschend hohe Harnstoff- und Ammoniakwerte. Darin sehen sie nicht nur diagnostische Marker, sondern auch neue Zielstrukturen für die Therapie.

Erkranken Patienten an der erblichen neurodegenerativen Erkrankung Chorea Huntington, bildet ihr Körper aufgrund von Mutationen im Huntingtin-Gen (HTT) ein instabiles Protein. Dieses veränderte Huntingtin besitzt mehr als die übliche Anzahl aneinandergereihter Glutamin-Reste. Es kann nicht abgebaut werden, so dass intrazelluläre Ablagerungen auftreten. Freies, mutiertes Huntingtin scheint in Zellen aber auch toxisch zu wirken und Änderungen im Stoffwechsel auszulösen. Trotz aller Ansätze ist nicht klar, warum Schäden vor allem im Bereich des Striatums auftreten, obwohl Huntingtin in allen Neuronen exprimiert wird.

Proteinstoffwechsel außer Kontrolle

Renee R. Handley von der School of Biological Sciences, University of Auckland, kann das Rätsel zwar nicht lösen. Zusammen mit Kollegen ist es ihr aber gelungen, einen vielleicht entscheidenden Aspekt im Stoffwechsel aufzuklären. „Wir wissen bereits, dass Chorea Huntington eine Krankheit ist, die durch ein fehlerhaftes Gen in unserer DNA verursacht wird – aber bis jetzt haben wir nicht verstanden, wie es zu Gehirnschäden kommt“, sagt Coautor Garth J.S. Cooper von der Universität Manchester.

Handley und Cooper arbeiteten mit transgenen OVT73-Schafen als Prodromal-Modell. Das heißt, ihre Neuronen exprimieren zwar geringe Mengen humanes Huntingtin. Die Versuchstiere zeigen aber keine Symptome oder gar neuronale Läsionen. Besonderheiten gab es trotzdem. „Wir haben im Striatum zusammen mit anderen wichtigen osmotischen Regulatoren signifikant erhöhte Konzentrationen des Harnstofftransporters SLC14A1 gefunden“, fasst Handley zusammen. „Weitere Untersuchungen zeigten erhöhte Harnstoffwerte im Striatum und Cerebellum, was mit unseren kürzlich veröffentlichten Beobachtungen im postmortalen menschlichen Gehirn von Huntington-Patienten übereinstimmt.“

Als mögliche Erklärung sieht Handley einen erhöhten Proteinkatabolismus aufgrund zellulärer Defekte durch die Erkrankung. Harnstoff und Ammoniak sind Produkte des Proteinstoffwechsels. Durch die steigenden Harnstoff- und Ammoniakwerte kommt es zu neurologischen Beeinträchtigungen.

Ähnliche Effekte bei Morbus Alzheimer

Damit nicht genug. Im Rahmen einer Fall-Kontroll-Studie mit menschlichen Proben hat Cooper sieben Gehirnregionen untersucht. Er fand „überzeugende Beweise, dass Alzheimer eine metabolische Gehirnerkrankung ist“. Das betrifft Defekte im Energie- und im Aminosäure-Stoffwechsel inklusive Harnstoff. „Alzheimer und Huntington sind an entgegengesetzten Enden des Demenz-Spektrums zu finden – da unsere Befunde für diese Typen zutreffen, glaube ich, dass es sehr wahrscheinlich für alle großen altersbedingten Demenzen gilt“, konstatiert Cooper. Was haben Mediziner von seiner Erkenntnis?

Neue Impulse für Diagnostik und Therapie

„Ärzte wenden bereits Medikamente gegen hohe Ammoniakkonzentrationen in anderen Teilen des Körpers an“, weiß Cooper. Bei der hepatischen Enzephalopathie senkt Lactulose entsprechende Werte im Blut. Cooper: „Es wäre denkbar, dass eines Tages Arzneistoffe in der Lage ist, dem Fortschreiten der Demenz Einhalt zu gebieten.“ Harnstoff könne sich aber auch als diagnostischer Marker eignen, um Demenzen lange vor dem Auftreten erster Symptome zu erkennen.

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6 Kommentare:

Dr. Christoph Truckenbrodt
Dr. Christoph Truckenbrodt

Hm, hm, hm,
Harnstoffgehalte beim Wiederkäuer im Blut?
Da muss man aber höllisch aufpassen, daß man da nicht auf den wissenschaftlichen Holzweg gerät.
Permanent hohe Harnstoffgehalte bei Milchkühen führen vielleicht zu Klauenerkrankungen und Infertilität, aber zu neurologischen Symptomen?
Vielleicht sollte ich mal genauer hinschauen.

#6 |
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Mitarbeiter von DocCheck

Liebe Leser, die Studie ist im Abschnitt “Proteinstoffwechsel außer Kontrolle” verlinkt. Schöne Grüße aus der DocCheck News Redaktion

#5 |
  0
Dr. rer. nat. Andreas Köpke
Dr. rer. nat. Andreas Köpke

Hier fehlt der Hinweis auf die Originalarbeit (Zitat)!

#4 |
  0

@ Franz Ladenbach

Rubbish

Period

#3 |
  2
Gast
Gast

Eine sehr interessante Sichtweise bzw. Erklärung Herr Laudenbach!

#2 |
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franz laudenbach
franz laudenbach

Meine Intention: Schlafapnoe in Kombination mit sogenannten ‘blutdrucksenkenden Medikamenten’:
Schlafapnoe bedeutet Ersticken im Schlaf. In Kombination mit blutdrucksenkenden Medikamenten kommt es zu hohem AHI (Anzahl der Apnoen pro Stunde), Bis zu 100 Atemaussetzer/Std. oftmals- Z.B. bewirken sie sinkende Blutsauerstoffsättigung bis < 50, 30 Leben OSAS visible ersehen kann. Nicht so bei ZSA; Sofern Zwerchfell Schädigung vorliegt. (Mütter ab Alter ~ 55. nach der Menopause oftmals völlig Schlank). Das Problem: Zwerchfell weil erlahmt, stützt die Ab-Atmung nicht kaum bis nicht. Muss also CPAP gestützt aufgeblasen werden damit korrekt abgeatmet werden kann.
Schlafapnoe bedeutet Bluthochdruck (essentielle Hypertonie) im Schlaf. Dummerweise kümmert das Ärzte wie Verantwortlich im Gesundheitswesen offensichtlich kaum bis nicht!
Easy: Verordnet werden Blutdrucksenker en Mass.
Betablocker führe in o. A. Kombination zu Herzflimmern über die gesamt Zeit des Schlafes. Sie Blockieren die Synapsen der Betarezeptoren, damit erfährt der Sinusknoten nicht das er die Herzfrequenz auf ~>128 treiben muss. Während Herzkraft unterstützende elektrische Impulse die ab Herzfrequenz > 90 in den Herzkammern anstehen. Vom Sinusknoten des Herz nicht gerichtet, nicht gesteuert, schlagen die elektrischen Impuls mit hoher Frequenz durch Herz und Gefäßsystem. Reisen Partikel mit sich , verstopfen die Gefäße an Engstellen an Orten wo sich Das Blut auf Grund Engstellen beruhigt. Folge; Thrombosen, Schlaganfall, Herzinfarkt, Herzinsuffizienz. Tritt das Them Kohlensäure im Blut auf: Alzheimer, Parkinson, MS, Rheuma Bechterew Tinnitus, Hörsturz, usw. Übrigens Demenz ist die Folge von Gedächtnisschwierigkeiten auf Grund AHI > 40 (Bsp. Wie bin ich gestern von Ort A nach Ort B gekommen. Ab AHI 47-55 ist Vergessen von Namen , von Sonstigem angesagt. Bsp.: Wie hieß das Ding da vorne noch (Tisch), usw. . Andere Blutdrucksenker führen ebenfalls zu Herzüberlastung. Sehr schlimm aber wirken Psychopharmaka, sie begrenzen die Herzfrequenz auf < ~ 45 /Blutdruck /

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