Omega-3-Fettsäuren: Demenz im Rapsfeld

12. Januar 2018
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Rapsöl ist vielleicht gar nicht so gesund wie bisher vermutet. Forscher zeigen im Mausmodell, dass Rapsöl negative Effekte auf die Pathogenese der Alzheimer-Demenz hat. Olivenöl scheint hingegen protektiv zu wirken. Rapsöl-Produzenten kritisieren die Studie vehement.

„Rapsöl […] ist reich an ungesättigten Fettsäuren und weist zudem ein besonders günstiges Verhältnis von Omega-3- zu Omega-6-Fettsäuren auf“, erfahren Verbraucher auf gesundheit.de. „Deswegen gilt Rapsöl als äußerst gesund.“

Eine neue Studie von Elisabetta Lauretti und Domenico Praticò nährt jedoch Zweifel an diesen Aussagen. Beide Forscher arbeiten an der Lewis Katz School of Medicine, Temple University, in Philadelphia.

Rapsöl lässt Zellen rosten

Lauretti und Pratico wollten wissen, welchen Effekt die längerfristige, tägliche Aufnahme von Rapsöl auf Mäuse mit der Alzheimer-Krankheit hat. Die Tiere erhielten sechs Monate lang entweder normales Futter oder eine mit Rapsöl angereicherte Spezialdiät. Das Rapsöl führte zu einem signifikanten Anstieg des Körpergewichts und zur Beeinträchtigungen des Arbeitsgedächtnisses. Das Team untersuchte zudem auch diverse Biomarker.

Typischerweise sind intrazelluläre Aggregate des Tau-Proteins sowie extrazelluläre Beta-Amyloid-Plaques zu finden. Verglichen mit der Kontrollgruppe verringerte sich der Spiegel an postsynaptischem Dichteproteins 95 (PSD-95), einem Marker der synaptischen Integrität. Außerdem nahm das Verhältnis von Beta-Amyloid 42/40 zu.

Dieser Laborparameter ist Teil der erweiterten Alzheimer-Diagnostik und hilft Neurologen, Morbus Alzheimer von anderen Demenzen zu unterscheiden. Bei der Tau-Phosphorylierung und der Neuroinflammation wurden hingegen keine signifikanten Veränderungen beobachtet.

Olivenöl macht Mäuse munter

„Zusammenfassend unterstützen unsere Ergebnisse die negative Wirkung von langfristigem Rapsölkonsum auf zwei wichtige Aspekte der Alzheimer-Pathophysiologie, nämlich auf Gedächtnisstörungen und auf die synaptische Integrität“, heißt es in der Veröffentlichung.

Praticò und Lauretti hatten zuvor im gleichen Mausmodell natives Olivenöl untersucht. Verglichen mit Kontrollen zeigten Mäuse, die entsprechende Diäten erhielten, weniger Verhaltensdefizite. Der Spiegel an Synaptophysin, einem Proteinmarker der synaptischen Integrität, ging nach oben. Gleichzeitig verringerte sich die Konzentration an unlöslichem Beta-Amyloid und an phosphoryliertem Tau-Protein. Damit geht die Empfehlung also klar weg von Rapsöl und hin zum Olivenöl.

Verbraucher aufgepasst!

Umgehend meldete sich das Canola Council of Canada – ein Interessenverband – zu Wort. Kanada beliefert den Weltmarkt mit großen Mengen an Rapsöl. In einer Meldung fasst Peter J. Jones vom Richardson Center for Functional Foods and Nutraceuticals, University of Manitoba in Kanada, zentrale Schwächen der Arbeiten von Praticò und Lauretti zusammen:

  • In der Testgruppe nahmen die Tiere zusätzliche Kalorien durch Rapsöl auf.
  • Rapsöl und Olivenöl wurde in Fütterungsexperimenten nicht direkt verglichen.
  • Tierversuche an Krankheitsmodellen lassen sich nicht zwangsläufig auf den Menschen übertragen.

Alle drei Aussagen sind nachvollziehbar und korrekt. Jones’ Folgerung, die neue Studie beinhalte „nichts Sinnvolles für Verbraucher“, entspringt aber vermutlich eher seiner Angst vor Umsatzeinbußen. Gemäß der alten Maxime „primum non nocere“ (zuerst einmal nicht schaden) haben Patienten mit Morbus Alzheimer oder mit bekanntem Alzheimer-Risiko jedoch die Möglichkeit, zu Olivenöl zu greifen, bis weitere Daten vorliegen.

49 Wertungen (4.37 ø)

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11 Kommentare:

Andreas M. Oberheim
Andreas M. Oberheim

Die Studie wird von Dr. Folta hinterfragt. Er hält sie für von der Presse fehlinterpretiert und kritisiert sie auch inhaltlich:

No Evidence of Canola Oil Causing Alzheimer’s and Dementia
Sensational Misinterpretation of Published Data Creates Concern where None is Warranted

https://medium.com/@kevinfolta/science-illiteracy-strikes-again-canola-oil-is-not-causing-alzheimers-and-dementia-c5694fd536b

#11 |
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Gast
Gast

@9 Ok, er hat den Link nicht selber empfohlen, sondern Sie.
Die Kritik an dem Inhalt des Videos bleibt aber uneingeschränkt.
Sie weisen auch auf die Bedeutung der Erhitzung von Rapsöl hin.
Dass es auch native, kaltgepresste Rapsöle gibt, erwähnt er im
Video nicht, weil dass nicht in sein Konzept passt…

Aber nochmals, man möge aus meiner Kritik an dem Inhalt des
Videos keine Werbung für Rapsöl machen. Ich will damit nur zur Wissenschaftlichkeit anregen.

#10 |
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Gast
Gast

@Gast 8, Sie beschuldigen den Herrn zu Unrecht, er hat den Link nicht
selbst eingestellt. Ich habe deshalb auf das Video hingewiesen, weil
es mich persönlich vor ein paar Jahren dazu angeregt hat, über das Thema
nachzudenken und das “gesunde” Rapsöl nicht mehr stark erhitzt und dann
überhaupt nicht mehr zu verwenden- Sonnenblumenöl allerdings auch nicht.

#9 |
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Gast
Gast

@6 Dieser Link zu Ihrem EIGENEN Video disqualifiziert Sie!!!
Wer der Meinung ist, wie Sie in diesem Video berichten, dass Sonnenblumenöl besonders geeignet sei zum Braten und Sie vorher den Hinweis zum Verwenden von gesättigten FS für das Braten geben, zeigt, dass er zumindest von diesem Öl keine Ahnung hat. Die handelsüblichen Sonnenblumenöle haben durchschnittlich nur 8% gesättigte FS!!! Beim Erhitzen über 130 Grad C bilden sich bei diesen Ölen u.a. bereits durch thermische Isomerisierung von ungesättigten cis-Fettsäuren die gesundheitsschädlichen Transfettsäuren!
Dass Sie desweiteren aus Tierversuchen und Beobachtungen an Wildtieren aus Zeiten weit zurück in das vergangene Jahrhundert berichten, als die Rapssorten noch hohe giftige Anteile von Erucasäure enthielten und das als Argument gegen heutige Rapssorten mit nur noch geringsten Anteilen (00-Raps) verwenden, lässt die Frage offen, wissen Sie das auch nicht, oder wenn Sie es wissen und damit vor Laien für Ihre Medizin werben, wird das nicht strafrechtlich relevant.

Ich will hiermit keinesfalls Werbung für Rapsöl machen, der Artikel der DocCheck News Redaktion stimmt mich auch nachdenklich, auch wenn es bisher nur bei Mäusen untersucht wurde. Bei der Bekömmlichkeit der Fette und somit auch der Öle ist sicher noch viel Forschung nötig. Studien haben uns unlängst gezeigt, dass wir vielleicht Patienten jahrzehntelang bezüglich ungesättigter und gesättigter FS nicht richtig beraten haben. Die Diskussion hält an und Aspekte zur Arachidonsäure etc. machen das Ganze noch komplizierter.
Dass aber ein Mediziner einen Link mit seinem Vortrag offensichtlich vor Laien (Kaffeefahrt?) mit soviel überholtem Wissen zu Fetten hier reinstellt, hätte ich nicht für möglich gehalten.

Dank an die DocCheck News Redaktion für diesen Artikel und die Bitte, mehr zur aktuellen Entwicklung über gesunde Ernährung und hier insbesondere die Rolle der verschiedenen Fette zu veröffentlichen.

#8 |
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Dr. Michael Weller
Dr. Michael Weller

Wer die wissenschaftliche Diskussion zu diesem Artikel verfolgen möchte:
https://pubpeer.com/publications/53AD37C10D1EE5B2F83537844AF815?

#7 |
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Gast
Gast

Peter-Hansen Volkmann über Rapsöl und Fütterungsversuche:
https://www.youtube.com/watch?v=1_Sq49G16aM

#6 |
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Gast
Gast

Um Rapsöl zu extrahieren werden diverse Zusatzstoffe benutzt (wie bei Palmöl), bei Olivenöl keine. Toxische Wirkungen dieser Stoffe werden totgeschwiegen.

#5 |
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Paul Hoehn
Paul Hoehn

Warum findet man immer noch tote Hasen und Rehe mit rapsgefülltem Magen in der Nähe von Rapsfeldern, wenn er doch so gesund sein soll ???
Wahrscheinlich fehlen bei der Sorte OO Raps die Bitterstoffe, die herausgezüchtet wurden um es als Speiseöl zuvermarkten, und das Wild dadurch dass diese Bitterstoffe fehlen, einfach zu viel von diesem eiweissreichen Futter frisst, es zerstört die Pansenflora und die roten Blutkörperchen.
Fazit: Wir haben noch nie Rapsöl benutzt und werden das auch in Zukunft nicht tun, es gibt genug gute Öle und wie Frau Dr. Wegener schon schrieb sollte der Raps nur als Kraftstoff verbrannt werden.

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Dr. Christina Schlumbohm
Dr. Christina Schlumbohm

Adipositas führt zu Insulinresistenz und Insulinresistenz/T2D korreliert mit Demenz/Alzheimer. Irgendwie reißt mich der Bericht nicht wirklich vom Hocker.

#3 |
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Ich empfehle kein Rapsöl, aber das ist meine persönliche Meinung, auch weil es mir nicht schmeckt. Die Qualität hängt davon ab, wie rein das Rapsöl ist und wie gut die schädlichen Beistoffe entfernt wurden. Das haben wir Verbraucher aber gar nicht unter Kontrolle. Wir haben genug sehr gute Öle zur Verfügung – Olivenöl, Leinöl, Walnussöl, Sonnenblumenöl usw., da kann der Raps ruhig im Trecker verbrannt werden.

#2 |
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Gast
Gast

In der Studie konnte ich keine Hinweise auf die Wirkmechanismen finden, auch keine Hypothesen. Wäre interessant, auf Grund welcher Bestandteile und über welche Wege Olivenöl hier mehr nützen und Rapsöl mehr schaden soll.

#1 |
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