Impfung gegen Magenkrebs

29. April 2010
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90 Prozent aller Magenkarzinome sind auf eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori zurückzuführen. Eine neue Impfstrategie, die zurzeit an der TU München entwickelt wird, könnte eines Tages helfen, die Entstehung von Magenkrebs zu verhindern.

Noch vor wenigen Jahrzehnten galt eine Gastritis als chronisches Leiden, ausgelöst vor allem durch zu viel Stress. Erst der australische Wissenschaftler Barry Marshall konnte 1982 in einem Selbstversuch zeigen, dass das Magenbakterium Helicobacter pylori diese Erkrankung verursacht: Marshall nahm ein Gebräu zu sich, in dem die spiralförmige Mikrobe millionenfach herumschwamm. Prompt erkrankte er an einer Entzündung der Magenschleimhaut. Der Mediziner behandelte sich dann mit Antibiotika – und war nach zwei Wochen wieder gesund. Für diese Entdeckung erhielten Marshall und sein Kollege Robin Warren 2005 den Medizinnobelpreis.

Normalerweise reagiert der Mensch mit einer starken Immunantwort auf das Bakterium. Doch diese reicht nicht aus, um Helicobacter pylori wirklich in den Griff zu bekommen. Die Folge: Die Infektion bleibt meist lebenslang bestehen. Bei 10 bis 15 Prozent der Infizierten entwickelt sich ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür und bei einem Prozent sogar ein Magenkarzinom. Experten schätzen dass rund 90 Prozent der Magenkrebserkrankungen durch das Bakterium ausgelöst werden. In Deutschland erkranken an dieser Krebsart jedes Jahr fast 20000 Menschen.

Keime resistent gegen Antibiotika

Ein neuer Impfstoff, den Forscher der TU München um Privatdozent Markus Gerhard von der II. Medizinischen Klinik und Poliklinik und Professor Dirk Busch vom Institut für Medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene zurzeit entwickeln, könnte das verhindern. Zwar stehen mittlerweile wirkungsvolle Antibiotikatherapien gegen Helicobacter pylori zur Verfügung, aber sie haben einen entscheidenden Nachteil: In den vergangenen zehn Jahren ist der Erreger vermehrt unempfindlich gegen die Behandlung mit Antibiotika geworden. „In einigen Regionen Süd- und Osteuropas sind schon 40 bis 50 Prozent der Keime resistent gegen eines dieser Medikamente“, sagt Gerhard. „Um dieses Problem zu lösen, sind neue Ansätze nötig, um den Keim in den Griff zu bekommen.“

Auch wenn immer wieder neue gegen Helicobacter pylori wirksame Antibiotikatherapien erprobt werden, glaubt der Forscher nicht, dass mit diesen eine flächendeckende Bekämpfung der Infektion möglich ist. Gerhard: „Ihr Einsatz wird vor allem für ärmere Länder zu teuer sein, die einzige bezahlbare Alternative wird ein Impfstoff sein.“ Obwohl bereits zahlreiche Impfstoffe getestet wurden, gibt es bisher jedoch noch keinen, der beim Menschen wirksam ist. Im Rahmen eines von der Deutschen Krebshilfe geförderten Projektes forschen deshalb Gerhard und seine Mitarbeiter an einem neuartigen Impfansatz gegen das Bakterium.

Enzym fängt T-Zellen ab

In einer früheren Studie haben die Wissenschaftler bereits ein zentrales Molekül identifiziert, das ein idealer Impfstoff-Kandidat sein könnte: Es handelt sich dabei um ein Enzym, das das Bakterium selbst produziert und ausscheidet. Dieses bakterielle Protein blockiert angreifende T-Zellen und verhindert so, dass das Immunsystem das Bakterium beseitigen kann. „Mit Hilfe der neuen Impfung wollen wir erreichen, dass der Körper spezifische Antikörper herstellt, die das Enzym erkennen und blockieren“, sagt Gerhard.

Doch die Blockade des Enzyms wird wahrscheinlich nicht ausreichen, um den Erreger endgültig auszuschalten. Deshalb haben die Forscher den Impfstoff mit klassischen Impfantigenen kombiniert, die dem Immunsystem helfen, zusätzlich Proteine zu erkennen, die auf der Oberfläche des Keims sitzen, und gegen diese T-Zellen zu mobilisieren. Gerhard: „Wir brauchen beides: Eine Blockade des immunsuppressiven Enzyms und gleichzeitig eine T-Zell-Antwort gegen bestimmte Oberflächenstrukturen des Erregers.“ Denn dadurch werde das Immunsystem endgültig in die Lage versetzt, das Bakterium eigenhändig zu zerstören.

Impfstoff schützt Mäuse vor Infektion

Ein weiterer Vorteil der neuen Impfstrategie: Die Struktur des Enzyms ist an der Stelle, wo die spezifischen Antikörper angreifen, bei allen bekannten Helicobacter pylori-Stämmen weitgehend identisch. „Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Impfung bei einem Großteil der Geimpften wirken kann“, so Gerhard. Bislang haben die Wissenschaftler die neue Impfstoff-Kombination aber nur an Mäusen getestet. Hier zeigte sich, dass geimpfte Mäuse spezifische Antikörper gegen das bakterielle Enzym bildeten und vor einer Infektion geschützt waren. Noch sind keine konkreten klinischen Studien beim Mensch geplant. Zuerst muss der neue Impfstoff in größeren Mengen produziert werden, damit in präklinischen Studien seine Anwendung optimiert sowie seine pharmakologischen und toxikologischen Eigenschaften untersucht werden können.

Andere Experten halten die Idee, mit der die Münchener Arbeitsgruppe den Mageneindringling in den Griff bekommen will, für viel versprechend: „Gerhards Arbeit ist ein wertvoller Ansatz, der gut untermauert ist mit experimentellen Ergebnissen“, sagt Professor Peter Malfertheiner, Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie der Universität Magdeburg. „Die neue Impfstoff-Strategie wird uns sicher einen Schritt weiterbringen, aber möglicherweise wird auch sie nicht ausreichen, um einen vollständigen Schutz zu erzielen. Deswegen müsse man den Impfstoff um weitere Impfantigene ergänzen, die sowohl das Immunsystem dazu bringen, gegen die Kolonisierung der Magenschleimhaut durch den Erreger vorzugehen, als auch verhindern, dass sich die Entzündungsreaktion ausbreitet.”

109 Wertungen (4.54 ø)
Allgemein

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11 Kommentare:

Dr. Ezra Pierpaoli
Dr. Ezra Pierpaoli

@ Carotis,

Was hat den das mit Impfhysterie zu tun?Ich arbeite selber seit über 10 Jahren in der Pharmabranche und empfehle Ihnen einmal das Buch Impfen “Pro und Contra” von Martin Hirte zu konsultieren. Ich bin nicht gegen Impfen sondern die Art wie Impfstudien betrieben werden. Mit 2 Kindern mit Neurodermitis seit Säuglingsalter haben wir unsere Erfahrungen mit schulmedizinischen und alternativen Heilmethoden gemacht….

#11 |
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Dr. med. Matthias Zink
Dr. med. Matthias Zink

Leider sind speziell die Deutschen ja für ihre Impfmüdigkeit bekannt. Da rennt man einem Herrn Hanemann, der selbst Impf-Fan war und zu seiner Idee durch das Impfen erst gekommen ist, hinterher, und verteufelt gleichzeitig die “Impfwut”. Es ist erschreckend, dass es immernoch Unwissende giebt, die eine vernünftige Impfung für gefährlicher halten, als die zunehmende Antibioticaresistenz vieler Keime. Die cancerogene Potenz von H.pylori ist genauso bewiesen, wie die Tatsache das Seine Eradikation die enrtsprechenden Krebsfrühformen sogar heilen kann. Für diejenigen, denen “Einzelfälle” üerzeugender erscheinen als fundierte Studien: Ich habe eine solche Heilung nicht nur bei 2 meiner Patienten, sondern bei meiner eigenen Mutter erleben dürfen!

#10 |
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Dr. Ezra Pierpaoli
Dr. Ezra Pierpaoli

Ich finde die Tendenz, das Entstehen vieler Krankheiten mit Impfungen vorbeugen zu wollen höchst bedenklich und fragwürdig. Ich muss mit Frau Pristl übereinstimmen: Es würde mehr Sinn machen, die Neben- und Langzeitfolgen von bestehenden Impfungen genauer zu untersuchen, anstatt schnell neue Impfstoffe auf den Markt bringen zu wollen und die Leute unnötig mit zusätzlichen Impfungen zu beunruhigen.

#9 |
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Dr.med Martin Byrtus
Dr.med Martin Byrtus

Natürlich belebt es die Marktwirtschaft der Antibiotika und PPI Hersteller,obwohl sehr,sehr wenig über die ganze Biodynamik des HP bekannt ist insbes. über die Ansteckung, den gesamten Übertragungsmodus geschwaige den wiederholten Befall.Es gibt immer noch so viele ???? daß man damit Seiten füllen könnte.Aber wenn der HP verschwindet oder weggeimpft wird,was machen dan die Gastroenterologen?Nach mehr als 25 J HP-Geschichte kann man getrost bei der jetzigen Entwicklung behaupten : Wo die Wahrheit aufhört fängt der Glaube an.

#8 |
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Carmen Pristl
Carmen Pristl

Wer Professor Enderlein und die Entstehung und Entwicklung von Mikroben kennt, weiss dass erst bei einer Verschiebung des gesunden, jeweiligen Milieus, krankmachende Keime entstehen können. Dass wir Menschen über und über von Keimen besiedelt sind, müsste mittlerweile auch jeder Biologe und Mediziner mitbekommen haben. Es ist auch nachgewiesen welchen Wissenschaftsbetrug Pasteur und Co. begangen haben als sie die Lüge der Impfung auf diesen Planeten gebracht haben. Kein unabhängiges Unternehmen hat jemals die Ergebnisse und vermeintlichen Beweise von Pharmaunternehmen untersucht. Tatsache ist, dass Kinder plötzlich Rheuma bekommen, oder Allergien, ADHS und Autismus. Wo kommt das plötzlich alles her? Sollten wir uns nicht mal fragen, ob die vielen kleinen Giftcocktails in Form von Spritzchen vom Onkel Doktor den kleinen Organismus völlig ausser Rand und Band bringt. Wieviel Quecksilber, oh Entschuldigung Abkömmling, Thiomersal verträgt denn so ein kleines Wesen. Nicht zu vergessen das Formaldehyd und noch vieles anderes. Warum bekommen denn die Eltern nie den Beipackzettel des Impstoffes mit.
Die ersten Herstellungsschritte eines Impfstoffes müssen nicht aufgeführt werden, das dürfen Pharmaunternehmen für sich behalten. Da kann dann natürlich so einiges verschwiegen werden. Als Nährboden Krebszellen, hm lecker.
Ein Hoch auf die Naturheilkunde, bringen wir sie voran, die ist wirklich zum Wohle der Menschheit. Chemie nur wenn nichts anderes mehr geht. Prävention und gesunde Lebensführung ist Alles. Impfen aufhören, gehört in die Schublade Mittelalter und die Erde ist eine Scheibe.

#7 |
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Ich halte das in diesem Artkel vorgestellte Projekt für sehr vielvesprechend warum therapieren wenn eine Impfung eine Erkrankung verhindern kann.

#6 |
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Weitere medizinische Berufe

Man braucht mehr Informationen über diese Entdeckung, um zu verstehen, um was es hier geht. Waren Mäuse gesund oder krank? Wie krank? Infektion bedeutet Besiedlung von Bakterien. Haben Wissenschaftler zuerst die Mäuse “geimpft” und dann mit H. pylori infiziert? Und die Mäuse wurden nicht krank?
Impfen bedeutet vorbeugend immun machen. Aktive Impfung – Impfstoff mit dem abgeschwächter, abgetöteter oder fragmentierter Krankheitserreger. Passive Impfung – Impfstoff mit spezifischen Antikörpern (Immunglobuline) gegen den betreffenden Krankheitserreger. Im entwickelten Stoff sind keine Erreger und keine Antikörper enthalten. Damit geht es hier nicht um eine Impfung, sonder um ein Medikament, der vorhandene Erreger blockiert.
Damit es ähnlich wie “Impfung” funktioniert, sollte man anscheinend ALLE Menschen in regelmäßigen Abständen untersuchen (monatlich, jährlich ???), um festzustellen, ob H. pylori schon so weit sind, gefährlich zu sein. Und dann den Stoff verabreichen? Dann geht es hier um Vorsorge, aber nicht um eine Impfung.
Es erinnert mich an die regelmäßige Koloskopie, um den Darmkrebs rechtzeitig zu entdecken. Oder wie Mammographie bei Brustkrebs.

#5 |
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Dr. med. Ulrich Wasserfall
Dr. med. Ulrich Wasserfall

Helicobacter ist in JEDEM Magen vorhanden(=natürliche Besied-
lung). Wie bei anderen “Infektionserkrankungen” auch, ist er
nur dann Auslöser entzündlicher Prozesse,wenn die Abwehrlage des befallenen Organismus ihn nicht allein in Schach halten kann.
Also bitte Ruhe bewahren, ggf. bei Symptomatik therapieren, wobei es jedem überlassen bleiben sollte, welche der diversen
Therapieformen ihm/ihr am besten helfen.

Bin übrigens auch Apotheker und halte viel von den Möglich
keiten der Naturheilverfahren

#4 |
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Dipl.Soz.Päd. Magenta Arnold-Nickel
Dipl.Soz.Päd. Magenta Arnold-Nickel

Ich habe diesen Artikel so verstanden,dass er eben die medizinische Seite aufzeigt.Ganzheitlich betrachtetalso auch aus meiner Sicht,muss diese von der Psychosomatik her selbstverständlich ergänzt werden.

#3 |
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Naturwissenschaftler

@1: Was soll denn der Therapeut therapieren, wenn nichts da ist? Kann es sein, dass Prophylaxe gemeint ist??
Wo steht in dem Artikel etwas von Omeprazol et al.?
Gute Erfahrungen mit dem Pilz: IN welcher Beziehung?

@2: Sorry, verstehe ich nicht, wozu soll ich ein Gleichgewicht einstellen und zwischen was genau, ich brauche und will H.pylori gar nicht in meinem G-i-Trakt haben, und somit brauche ich auch kein Gleichgewicht mit dem Parasiten.

Ich freue mich jedenfalls auch als (noch) nicht Bsiedelter über jede Möglichkeiten, diesem Typen den Garaus zu machen und eine solch eindeutige Kausakette zu haben die dies gestattet/ gestatten wird.

#2 |
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Heilpraktikerin

Vieleicht sollte der Therapeut therapieren, bevor es zu einem Magengeschwür oder sogat – karzinom kommt.
Ich jedenfalls habe mit dem Heilpilz Hericium gute Erfahrung gemacht. Omeprazol…adee

#1 |
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