Let’s go health!

30. April 2010
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Der 23. März 2010 wird in die Geschichte Amerikas eingehen. An diesem Tag wurde im Kongress der Vereinigten Staaten von Amerika der "Patient Protection and Affordable Care Act" mit 219 zu 212 Stimmen beschlossen. Präsident Barack Obama sagte danach: "This is what change looks like." Aber was genau wurde mit jenem viel umkämpften Gesetzesblatt beschlossen?

In Amerika gibt es zurzeit zwei staatliche Versicherungen mit den klangvollen Namen “Medicare” und “Medicaid”. Beide wurden im Jahr 1965 von Präsident Lyndon B. Johnson als Zusatz zum “Social Security Act” eingeführt und seitdem oftmals reformiert und abgeändert.

Medicare ist als staatliche Krankenversicherung hauptsächlich für über 65-Jährige gedacht. Mit ihr wird ein Großteil, jedoch nicht alle, der Leistungen von Krankenhäusern und niedergelassenen Ärzten abgedeckt. Deshalb schließen viele Bürger noch eine private Zusatzversicherung ab.

Die zweite staatliche Krankenversicherung, Medicaid, richtet sich, wie der Name (“aid”=Hilfe) schon sagt an die armen U.S. Bürger. Das klingt zwar nobel, läuft jedoch in der Praxis alles andere als reibungslos ab. Denn das maximal erlaubte Einkommen für den Bezug von Medicaid obliegt dem jeweiligen Bundesstaat und hier gibt es große Differenzen. Zum Beispiel darf ein Bürger aus Arkansas max. 17% der staatlich definierten Armutsgrenze verdienen, ein Bürger aus Arizona jedoch bis zu 200% um Medicaid beanspruchen zu können.

Krankenversicherungen in den USA

Mit Medicare und Medicaid ist ca. ein Drittel der 300 Millionen U.S. Bürger abgedeckt. Der Rest muss sich privat versichern und von hier an tritt man ein in ein Reich, das von milliardenschweren Versicherungen dominiert wird.

Wer Glück hat, wird über seinen Arbeitgeber mitversichert und muss nur einen Teil (ca. 25%) der monatlichen Kosten übernehmen, den Rest zahlt der Arbeitgeber. Ist dies nicht der Fall, muss man sich auf eigene Faust eine Krankenversicherung suchen.

Die Privatversicherungen sind jedoch nicht verpflichtet jeden Antragssteller zu versichern und nutzen dieses Recht auch konsequent aus. So wird vor Vertragsabschluss ein Gesundheitscheck durchgeführt. Werden dort chronische Erkrankungen (Koronare Herzkrankheit, Epilepsie, Diabetes o.ä.) entdeckt, darf die Versicherung die Kostendeckung für diese Krankheit verweigern. Dies kann auch im Nachhinein noch vorgenommen werden. Verlangt ein Versicherter also bei Eintreten einer chronischen Erkrankung die Bezahlung aller Behandlungskosten, wird von der Versicherung überprüft, ob bei Vertragsabschluss bereits absehbar war, dass eine chronische Erkrankung eintritt. Ist dies der Fall, darf die Bezahlung der Behandlungskosten verweigert werden.

45,7 Millionen Bürger ohne Krankenversicherung

Durch dieses Raster fallen 45,7 Millionen Amerikaner, die keine Gesundheitsversicherung besitzen. Sie müssen alle Gesundheitskosten aus eigener Tasche bezahlen. Wird ein nicht-versicherter Patient in einer “lebensbedrohlichen Situation” in ein Krankenhaus eingeliefert, so verpflichtet der “Emergency Medical Treatment and Labour Act” das Krankenhaus dazu, den Patienten zu versorgen. Die Kosten dafür hat jedoch das Krankenhaus zu tragen. Dies stellt wiederum eine schwerwiegende finanzielle Belastung für die Krankenhäuser dar.

So soll es werden:

Das alles soll sich ändern. Dazu beschloss der Kongress vor etwas mehr als einem Monat ein umfangreiches Maßnahmenpaket, das sich vor allem zum Ziel setzt, möglichst vielen Bürgerinnen und Bürgern eine Krankenversicherung zu gewähren. Nicht alle Maßnahmen treten sofort in Kraft, der Mehrstufenplan soll bis 2018 vollständig umgesetzt werden. Die wichtigsten Änderungen findet ihr hier zusammengefasst:

Die Maßnahmen

ab 2010:

  • Verbot für Versicherungen, Antragssteller abzulehnen oder laufende Verträge zu kündigen
  • Kinder sind bis zu ihrem 26. Lebensjahr bei ihren Eltern mitversichert (derzeit bis zum 19. Geburtstag)
  • Steuererleichterungen für Kleinunternehmen wenn sie ihre Mitarbeiter versichern lassen
  • Für Kinder mit bekannten Vorerkrankungen dürfen keine höheren Gebühren verlangt werden

ab 2014:

  • Landesweit einheitliche Bestimmungen für den Erhalt von Medicaid (133% der Armutsgrenze)
  • Auch für an chronischen Erkrankungen leidende Erwachsene dürfen keine erhöhten Abgaben verlangt werden
  • Nicht-Versicherte müssen Strafe zahlen, jedoch nur maximal 2% ihres Einkommens
  • Firmen mit über 49 Mitarbeitern müssen Strafe zahlen, falls sie keinen Versicherungsschutz anbieten
  • Einführung von “Versicherungsbörsen” bei denen Nicht-Versicherte und Kleinunternehmen Gruppenpolizzen erstehen können.

ab 2018:

  • Steuern auf „Luxusversicherungen“ werden erhoben, damit der durchschnittliche Steuerzahler nicht besonders kostspielige Gesundheitsversicherungen mittragen muss

Zusätzliche 32 Millionen U.S. Bürger sollen dadurch unter das Dach der Krankenversicherungen gebracht werden. Zu diesem Zweck nimmt der amerikanische Staat geschätzte 940 Milliarden Dollar in die Hand. Finanziert wird dieser finanzielle Kraftakt durch Einsparungen in Form von Synergien und Effizienzsteigerungen bei den bereits bestehenden staatlichen Versicherungen und durch den Erlass von Steuererhöhungen für reiche U.S. Bürger.

Fazit

Bis alle Neuerungen umgesetzt sind, wird es ein langer Weg für das U.S. amerikanische Gesundheitssystem. In den nächsten Jahren wird es spannend bleiben, die Umsetzung der Maßnahmen und ihre Wirkung zu verfolgen.

12 Wertungen (4.58 ø)
Allgemein

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1 Kommentar:

Student der Humanmedizin

Damit liegst Du im Prinzip richtig. Im Detail betragen die Strafen ab 2014 95 Dollar oder ein Prozent des Jahreseinkommens (je nachdem welcher Betrag höher ist), und steigen bis 2016 auf 295 Dollar bzw. 2,5 Prozent des Einkommens. Ausgenommen sind Personen deren Einkommen einen Grenzwert unterschreitet, Fälle in denen die billigste Versicherung mehr als 8 Prozent des Einkommens kostet oder Personen die aus religiösen Gründen die Gesundheitsversicherung verweigern.
Die Strafen sollen gewährleisten, dass sich auch “gesunde” Personen, die bis dato die Versicherung aus Spargründen verweigerten, versichern lassen und werden als Zugeständnis an die Versicherungen angesehen.

#1 |
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