Deprescribing: Die Pillen-Aussteiger

2. Januar 2018
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Jeder fünfte Patient nimmt dauerhaft drei oder mehr Präparate. Ob die Medikation langfristig schadet, hinterfragen Ärzte aus Angst vor Rebound-Phänomenen zu häufig nicht. Durch Deprescribing werden unnötige Pillen zum Wohle des Patienten systematisch gestrichen.

„Ich habe schon nach wenigen Monaten gemerkt, dass ich nicht mehr ohne Medikamente schlafen kann“, sagt Karin V.*, 73 Jahre alt. „Sobald ich meine Tabletten wieder geschluckt habe, wurde es besser.“ Alles fing bei ihr mit Rückenschmerzen an. Nach der OP erhielt sie Hypnotika und Benzodiazepine, kommt aber nicht mehr davon los. Dr. Rüdiger Holzbach beschreibt das Grundproblem bei der langfristigen Einnahme dieser Präparate: „Eigentlich hilft es nicht mehr, aber es verhindert Absetz- oder Entzugserscheinungen, deshalb wird es immer weiter genommen.“

Der Arzt arbeitet als Experte für Suchterkrankungen in Augsburg und kennt die Nebenwirkungen: „Wir sehen oft Pseudodemenzen – Patienten haben Gedächtnisprobleme oder Konzentrationsstörungen.“ Auch das Sturzrisiko steige. Gleichzeitig verringere sich die „körperliche und emotionale Energie“. Benzodiazepine oder Z-Substanzen sind aber nur ein Teil der Wahrheit. Medikamente wie Protonenpumpeninhibitoren (PPI), Statine oder Antihypertensiva werden oft als Dauertherapie verordnet, ohne dass ihre Sinnhaftigkeit überprüft wird .

 

arzneimittel

Pro-Kopf-Arzneimittelverbrauch von GKV-Versicherten in Deutschland (DDD: definierte Tagesdosis) © Statista, WidO/ Screenshot: DocCheck

Schritt für Schritt reduzieren

So ist es nicht verwunderlich, dass ABDA-Angaben zufolge 23 Prozent aller Erwachsenen drei oder mehr Arzneimittel dauerhaft nehmen. In 40 Prozent aller Fälle treten Probleme auf, etwa durch die Wechselwirkung von Pharmaka. Ärzte und Apotheker versuchen nicht nur, diese Interaktionen zu beheben. Ihr Ziel ist es auch, die Verabreichung unnötiger oder schädlicher Medikamente zu verringern. Dabei hilft ihnen der Prozess des sogenannten Deprescribings, dem systematischen Streichen von langfristig eingenommenen Medikamenten. Die wichtigsten Fragen lauten hierbei:

  1. Welche Arzneimittel nimmt der Patient gerade ein?
  2. Aus welchem Grund hat ein Arzt die Präparate verschrieben? Und besteht die Voraussetzung immer noch?
  3. Welches Risiko hat das Medikament? Hier kommen neben dem eigentlichen Wirkstoff Vorerkrankungen, Alter, Geschlecht und Wechselwirkungen zum Tragen.
  4. Welchen Nutzen hat der Arzneistoff, sollte die Therapie fortgesetzt werden?
  5. Wie lassen sich alle Pharmaka, die ein Patient verwendet, hinsichtlich ihres Nutzen-Schaden-Verhältnisses priorisieren?
  6. Welche Arzneimittel können gestrichen werden? Und welche unerwünschten Effekte sind vielleicht in den ersten Tagen oder Wochen zu beachten?

Ein Ergebnis des Deprescribings könnte so aussehen:

Deprescribing

© lessismoremedicine.com / Screenshot: DocCheck

Genaue Kriterien oder Leitlinien, wann Arzneimittel abzusetzen sind, gibt es nicht. Damit brauchen Arzt und Apotheker viel Fingerspitzengefühl, aber auch viel Kommunikation. Dass die Vorgehensweise ihre Berechtigung hat, steht außer Frage. Einer älteren Übersichtsarbeit zufolge ist es Ärzten und Apothekern gemeinsam gelungen, bei mindestens 20 Prozent aller Patienten Pharmaka langfristig zu streichen. Selbst bei Palliativpatienten war es anhand des Schemas möglich, Medikamente einzusparen. Mittlerweile gibt es diverse Studien zu Absetzmöglichkeiten von besonders häufig verordneten Medikamenten.

Säureblocker stoppen

Bei der Behandlung von Säure-assoziierten Erkrankungen wie der gastroösophagealenRefluxkrankheit (GERD) haben sich Protonenpumpenhemmer bewährt. Dauertherapien machen jedoch nur bei ausgewählten Indikationen wie einem Barrett- oder einem Zollinger-Ellison-Syndrom Sinn. Dem stehen mögliche Nebenwirkungen, allen voran mehr Knochenbrüche und häufigere Infektionen, gegenüber. Trotzdem verordnen Ärzte PPI langfristig, ohne die Sinnhaftigkeit regelmäßig infrage zu stellen. Das liegt an der Angst vieler Ärzte vor Rebound-Phänomenen: Das Phänomen beschreibt in der Pharmakologie eine überschießende Gegenreaktion bei abruptem Absetzen eines Medikaments. Das allzu schnelle Absetzen kann selbst bei gesunden Menschen zu Beschwerden führen.

Vor einigen Monaten untersuchten Forscher der Cochrane Collaboration PPI-Ausstiegsstrategien. Momentan gibt es jedoch zu wenige methodisch hochwertige Arbeiten, um eine abschließende Empfehlung zu geben. Kanadische Ärzte haben auf Basis weiterer Veröffentlichungen sogar eine eigene Leitlinie zum PPI Describing entwickelt. Sie raten Erwachsenen, die mindestens vier Wochen lang Säureblocker aufgrund von Sodbrennen, oder wegen einer leichten bis mittelschwerer gastroösophagealen Refluxkrankheit oder einer Ösophagitis erhalten haben, zu folgender Vorgehensweise:

  • Nach Absprache mit dem Arzt oder Apotheker die Dosis verringern (aber die Medikation nicht abrupt stoppen),
  • Zusätzliche Dosen ihres PPI bei Bedarf („on demand“) einnehmen, sollten sich die Beschwerden wieder verschlechtern.

Lebenslang Statine?

Neben PPI gehören Statine zu den am häufigsten verordneten Arzneimitteln. Sie machen bei Patienten zur Primär- und Sekundärprophylaxe kardiovaskulärer Erkrankungen Sinn, werden aber langfristig mit Typ 2-Diabetes und mit Nierenschädigungen in Verbindung gebracht. Ärzte hinterfragen zu selten, ob ihre Medikation im Gesamtkonzept noch sinnvoll ist.

Vielleicht machen Lebensstil-Interventionen das Präparat ja überflüssig? Oder vielleicht haben sich die Leber- und die Nierenfunktion verschlechtert, so dass Statine auf die Abschussliste gehören? Häufig werden Präparate aus dieser Wirkstoffgruppe bis zum Tod verordnet. In einer großen Kohorte mit mehr als 1.700 Krebspatienten bekam jeder dritte noch einen Monat vor seinem Ableben Statine.

Dass Deprescribing bei diesen Arzneistoffen risikolos möglich ist, zeigt eine Veröffentlichung von Jean S. Kutner, Forscher an der University of Colorado School of Medicine in Aurora. Zusammen mit Kollegen hat er 381 multimorbide Patienten in eine Studie aufgenommen. Von ihnen stoppten 189 die Statin-Therapie und 192 führten sie fort. Kutner fand keine signifikanten Unterschiede bei der 60-Tage-Sterblichkeit. Kardiovaskuläre Ereignisse traten bei 13 (Deprescribing) versus elf Patienten (Dauertherapie) auf. Ärzte strichen bei Personen, die auf Statine verzichteten, weitere Präparate. Kutner vermutet, diese seien vor allem verordnet worden, um Statin-assoziierte Nebenwirkungen zu kompensieren. In Summe war die Lebensqualität ohne Statineinnahme deutlich höher. Kutcher arbeitete dabei mit dem McGill Quality of Life in Life Score. Der Fragebogen umfasst 18 Fragen rund um die physische und psychische Beeinträchtigung durch Krankheiten.

Benzos bleiben problematisch

Weniger erfolgversprechend verliefen Deprescribing-Strategien bei Benzodiazepinen und Z-Substanzen. Emily Reeve von der Sydney Medical School fand bei ihrer Literaturrecherche sieben Studien. Dabei setzten Ärzte auf Melatonin, versuchten ihr Glück mit Patientenschulungen oder kombinierten beide Methoden. „Da der Nutzen und die Nachhaltigkeit dieser Interventionen unklar sind, sollten weitere Studien durchgeführt werden, um dies zu bewerten“, so Reeve. Deprescribing bleibt damit ein wichtiges Forschungsthema.

*Name von der Redaktion geändert

85 Wertungen (4.36 ø)

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33 Kommentare:

Gast
Gast

Vielen Dank an alle Kommentierenden! Die Thematik aus so vielen Perspektiven und Meinungen zu sehen, ist sehr sehr inspirierend und hilfreich um zukünftig einen guten Weg zu finden.
Liebe Grüße!
(angehender Medizinstudent)

#33 |
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Gast
Gast

@Fr. Seibel: Das Thema blutige Entlassung kennen sie sicher. Kurze Verweildauern im allg. in den KH wurde auch thematisiert. Und der Hausarzt soll es alles richten? Schauen sie sich bitte mal die Landärzte an. Da stellt sich die Frage wer hier wessen arbeit übernimmt!

#32 |
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Gast
Gast

Zu 28: Und der Hausarzt macht das alles selbstverständlich gratis? Er bekommt ja nur einen lächerlichen Betrag von der kranken Kasse!

#31 |
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Apothekerin

Sollen die Klinikärzte jetzt noch den Hausärzten die Arbeit abnehmen, damit diese genug verdienen? Wer ist denn näher am Patienten? Es sollte wohl jedem HA möglich sein, die Medikation seiner Patienten im Griff zu haben!

#30 |
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Gast
Gast

Man kann den Hausärzten keinen Vorwurf machen, denn ab 5min wird man unwirtschaftlich. Sicher, eine Katastrophe, aber hier liegt das Problem! Gelesen wird die 1 und die letzte von z.T. 5-8 Seiten – aus Zeitmangel. Ich bin für klare und kurze Epikrisen woraus dem Hausarzt klar wird was er in den nächsten Monaten zu tun hat, denn nicht alles
können die HÄ entscheiden. Zudem sollte es möglich sein auch mit 15min Visite als Hausarzt noch seine Angestellten sowie seine Rechnungen bezahlen zu können.

#29 |
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ein Klinikarzt
ein Klinikarzt

Immer wieder wird kritisiert dass während stationärer Aufenthalte zuviele Veränderungen am Medikamentenplan durchgeführt werden oder die Patienten bei Entlassung zuviele Medikamente in ihre Liste eingetragen bekommen… Bitte führen Sie sich vor Augen dass beim stationären Aufenthalt zumeist eine dringende wenn nicht gar lebenswichtige Akutbehandlung erfolgt. Die Medikamentenliste möglichst kurz und unkompliziert zu halten hat in dieser Phase keine Priorität!

Ein Patient wird oft mit akuter Psychose oder Depression und Suizidgedanken, mit Sepsis, mit Verdacht auf Schlaganfall, AP-Beschwerden, aktuer hypertensiver Entgleisung mit Drücken von 220/110mmHg, Magenblutung und Eisenmangelanämie, entgleistem Diabetes mellitus, akuter Niereninsuffizienz oder akuter Dyspnoe in die Klinik aufgenommen. Man kann wohl nicht erwarten dass das Problem während eines 4-tägigen Aufenthaltes (und mehr ist es heutzutage leider oft nicht mehr wegen der unsäglichen Sparpolitik und weil alle möglichst schnell nach Hause wollen) vollständig diagnostiziert, behandelt und aus der Welt geschafft wird.

In der Klinik kann allenfalls eine Anbehandlung und Akuttherapie erfolgen. Der Hauptbehandler ist und bleibt der Hausarzt. Also obliegt es ihm den Patienten durch die Erholungsphase zu begleiten, Nachkontrollen durchzuführen, bei Bedarf eine Wiedervorstellung in der Klinik zu veranlassen und langfristig die Medikamente dem Bedarf wieder anzupassen. So kann beispielsweise nach einer Magenblutung mit Eisenmangelanämie die Einnahme des PPI und der Eisenpräparate für mehrere Monate erforderlich sein bevor man sie wieder absetzt, nach einer Blutdruckkrise kann manchmal die durch die Klinik eskalierte Medikation bereits nach einer Woche wieder reduziert werden, manchmal auch nach mehreren Wochen, je nachdem wie sich die Nieren- oder Blutzuckerwerte nach abgeschlossener Behandlung entwickeln muss auch hier wieder eine langfristige Anpassung erfolgen…

Also ja, Klinikmedikation ist für den Patienten und den Hausarzt eine oft unwillkommene Veränderung in einem althergebrachten Konzept. Und ja, oft ist es für den Alltag “zuviel”… aber in der Klinik findet eben keine Medikation für den Alltag statt sondern für die Akutphase, wir verlassen uns auf die Hausärzte dass die Therapie wieder angepasst wird wenn der Patient sich erholt hat… dass der Patient dann oft jahrelang mit unveränderter Medikation herumläuft obwohl sie mittlerweile gar nicht mehr seinen Bedürfnissen entspricht ist von uns nicht vorgesehen.

Sollten sich hier Fragen und Unsicherheiten ergeben gibt es in den meisten Kliniken den Patienten poststationär noch einmal vorzustellen oder in der Sprechstunde oder Ambulanz anzumelden, wir helfen gern.

#28 |
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Dr. Andreas Triebel
Dr. Andreas Triebel

Zu Herrn Kühl und den PPI: Die überschießende Bildung von Magensäure hat Gründe und man kann sie beseitigen: Nicht rauchen, feste Essenszeiten, mit Appetit essen, bei erschlafftem Pylorus mit erhöhtem Oberkörper schlafen, Obstsäfte und Süßigkeiten meiden, Gewicht normalisieren und Anderes. Langsam absetzen der PPI natürlich. Sollte alles nichts nützen und die Ursachen sich nicht beseitigen lassen, dann gehören sie zu dem einen von fünfhundert PPI- einnehmenden Patienten, die ohne nicht auskommen.
Zur Kollegin Bauer und den Statinen: Traktieren Sie gesunde Patienten nicht mit Statinen wegen der Laborergebnisse. Diese werden dann lange leben ohne Demenz und ohne KHK.

#27 |
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Margarete Heidl
Margarete Heidl

Aus allem lese ich heraus, was ich seit Beginn meiner Berufstätigkeit versuche: Medikamente so wenig wie möglich und so viel wie nötig. Dazu müssen aber alle Betroffenen beitragen; Arzt, Patient und Apotheker. Redet miteinander – und die erfolgreiche Arzneimitteltherapie ist kein Wunschdenken mehr!

#26 |
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Dr. Gabriele Steinmetz
Dr. Gabriele Steinmetz

Wie wäre es denn mit naturheilkundlicher Begleitbehandlung? So kann man in vielen Fällen die Nebenwirkungen notwendiger allopathischer Medikamente deutlich reduzieren, in Absprache mit dem HA oft auch das Ausschleichen ermöglichen. Schwierig wird es allerdings bei gravierender Abhängigkeit….

#25 |
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Nichtmedizinische Berufe

Da ich unter neuroleotischer Medikation unter starken Nebenwirkungen litt, habe ich, um diese Nebenwirkungen zu bekämpfen, Lorazepam, Promethazin, Chlorprothixen, Melperon, Pipamperon, Pregabalin und Biperiden verschrieben
bekommen, und da ich das vom Magen her nicht vertragen habe; ich hatte Bauchschmerzen und mir war ständig übel, die PPI als “Magenschutz”.
Als ich die Primärmedikamente ausgeschlichen habe, konnte ich nach und nach mit den anderen Medikamenten raus . Seit drei Jahren nehme ich nichts mehr, außer Akutmedikation wegen Migräne.
Das passiert nicht nur im psychiatrischen Bereich: Eine Tante von mir hatte ein Asthmaspray, weil bei ihr durch einen Blutdrucksenker Husten ausgelöst wurde; nach einer Umstellung erübrigte sich auch das Asthmaspray….
ich habe gerade einen leichten Bronchospasmus,Morgen gehe ich zum Lungenspezialist und fürchte schon ein wenig, dass ich jetzt noch ein Medikament draufgepackt bekomme, ohne dass die Möglichkeit “Nebenwirkung von Naproxen ” beachtet wird.

#24 |
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Gast aus Nordhessen
Gast aus Nordhessen

# Dr. med. Norbert Mahla: Vielen Dank für die deutlichen Worte! Genau das erlebe ich gerade bei meinem erwachsenen Sohn, welcher seit Jahren unter Depressionen und Borderline leidet. Stationäre und teilstationäre Aufenthalte, ambulante Therapien, Versuchskaninchen für unzählige Medikamente. Immer wieder wird alles umgeschmissen. Das einzige, was ihm wirklich hilft sich abzugrenzen und das Leben zu erleichtern, sind Cannabisblüten. Und ich rede hier weiß Gott nicht als Befürworter von Cannabis als Spaßmacher oder ähnlichem. Das ganze Gegenteil ist der Fall. Ich selbst bin strikter Gegner von solchen Sachen, aber ich sehe im eigenen Umfeld, wo diese Dinge helfen können. Nur verschrieben bekommt man es nirgends. Überall die Aussagen “das darf ich nicht verschreiben” oder “davon habe ich keine Ahnung, also kann ich es nicht verschreiben”.

Dort, wo z. B. eben Cannabis helfen würde, werden jede Menge andere chemische Medikamente in Massen verschrieben, die keinerlei Linderung oder Hilfe bringen. Und weder Krankenkasse noch Kassenärztliche Vereinigung helfen hier bei der Suche weiter, obwohl die Therapie mit Cannabis kostengünstiger wäre als mit dem Haufen anderem Mist… Sorry für die Wortwahl, aber da fehlen mir 99 Cent am Euro…

#23 |
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Dr. med. Norbert Mahla
Dr. med. Norbert Mahla

Reduktion und Weglassen von Arzneien, die dem Patienten mehr Schaden als nutzen – Super.
Der Patient sollte aber das letzte Wort haben, gerade und besonders bei zentral wirksamen Pharmazeutika, die die Wahrnehmung und Stimmungslage beeinflussen.
Abhängigkeit wird m.E. in Deutschland überbewertet! Ich finde, sie ist ein kleiner Preis, wenn dafür z.B. Schmerzfreiheit erreicht werden kann. Die meisten Ärzte stellen sich immer noch an, [Kommentar wurde von der Redaktion gekürzt], wenn sie Btm verschreiben sollen.

#22 |
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Gast
Gast

Als Ergebnis solcher Studien wird den Patienten von “wohl meinenden” Ärzten oft das bitter benötigte Schmerzmittel gestrichen, woraufhin sich die Patienten dann wieder mit nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten selbst therapieren. Gut gemacht. Nicht.

#21 |
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Vielen Dank, dass sie das Thema aufgegriffen haben. Hier ein Hinweis auf den zum Thema gehörenden Kongress http://www.preventingoverdiagnosis.net/ . “Mehr Arzt und weniger Medizin” ist der bessere Weg.

#20 |
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Apothekerin

Voraussetzung für das Deprescribing ist, dass die Hausärzte allen Patienten, die mehrere Medikamente nehmen, einen Medikationsplan erstellen, was mittlerweile Pflicht ist, aber kaum umgesetzt wird. Alle neu dazu kommenden Medikamente, auch OTC, müssen erfasst werden. Dann kann man überlegen, welche man absetzen kann.
Im Übrigen übernehmen viele Hausärzte einfach die Medikation des Krankenhauses, ohne sie zu hinterfragen.
Ich denke auch, dass Statine allzu schnell verordnet werden, aber eine Studie mit 380 Patienten über einen Zeitraum von nur 60 Tagen ist nicht aussagekräftig genug.

#19 |
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Apothekennarr
Apothekennarr

Das schlimmste ist aber die ganzen Schlafmittelverordnungen auf Privatrezept, die gehen nämlich an der Statistik komplett vorbei. Und als Apotheker sage ich Ihnen, dass solche Rezepte eben ausgestellt werden bis der Drucker qualmt. Dann aber auch in beliebiger Menge: Hundert Zopiclon, zweihundert Diazepam, hundertfünfzig Oxazepam, alles kein Problem. Wenn Sie sich dann als verantwortungsbewusster Apotheker in der Praxis ob der Originalität der Verordnung erkundigen, gibt’s erstmal einen Einlauf vom Arzt und anschließend vom Apothekenleiter. Toll.

#18 |
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Gast
Gast

Sterbenden die Medikamente “wegzunehmen”, kann für die Patienten und deren Angehörige unangenehm sein.

#17 |
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Gast
Gast

zu 15: aber unter 140 nicht selten in dieser Altersgruppe

#16 |
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Gast
Gast

Spielen sie mit …“ Antihypertensiva werden oft als Dauertherapie verordnet, ohne dass ihre Sinnhaftigkeit überprüft wird .“ auf die Umstellung der AHA an oder geht es ihnen eher um den stäkeren Effekt unter Lifestyleänderung? Ich finde das Thema spannend und verfolge es z.T. mit Sorgenfalten auf der Stirn, da wir schlagartig fast jeden (2ten) Mann über 35 zum Hypertoniker machen. In der Praxis sehe ich Werte >130 aber

#15 |
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Evelyn Winges
Evelyn Winges

Auch ich nehme PPI und kann diesen nicht weglassen oder reduzieren, da ich bereits starke Veränderungen in der Speiseröhre habe und mit den PPI haben sich diese nicht mehr verschlechtert! Sobald ich versuche weniger zu nehmen, sterbe ich an Sodbrennen und kann mir ausrechnen, wie schnell sich das verschlechtern würde!
Im Moment Stadium 2, Grad B und dann zum Ösophagus Carzinom?!
Ich meine das man eben in vielen Fällen nicht einfach mal eben probieren sollte ein wichtiges Medikament wegzulassen, die Folgen können verheerend sein!!
Die Smilies sehen nett aus, aber das ist für mich blödsinnig, das Ergebnis ist vielleicht völlig anders!
Ebenso bei den anderen Medikamenten!
Es ist schön wenn es bei anderen Fällen funktioniert, aber das kann nicht für alle gelten! Als System ungeeignet, meine ich.
Die Umstellung von Medikamenten bei Krankenhaus Aufenthalten sollte nicht sein, so wie schon geschrieben, bringt diese meistens nicht viel, außer Problemen!
Also sollte weiterhin der HA entscheiden, er kennt die Patienten viel besser und weiß das jeder unterschiedlich, auf das Gleiche Medikament reagiert!

#14 |
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Gast
Gast

Immer dran denken: Wir behandeln Menschen, nicht Laborwerte.

#13 |
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Dr.med Jan Heller
Dr.med Jan Heller

Leider wurde unten aufgeführter Kommentar nur bruchstückhaft übertragen. Daher fasse ich nochmals kurz zusammen, dass die mir bekannten Kollegen immer mehr wieder zu alten Grenzwerten zurückfinden, die ich zu Beginn meines Studiums 1983 kennenlernte. Grund ist unter anderem die Erkenntnis, dass viele Studien in ihrer Bewertung und vor allem in der Unabhängigkeit der Beurteilenden stark anzuzweifeln sind. Im Vordergrund sollte für uns Mediziner neben der Notwendigkeit einer Medikation auch der Erhalt der Lebensqualität stehen. Was nützt die Beseitigung eines Übels wenn ein anderes damit geschaffen wird.
Der Tip für Herrn Kühl wurde korrekt wiedergegeben.

#12 |
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Dr.med Jan Heller
Dr.med Jan Heller

den höheren Grenzwerten z.B. zum Blutdruck wie ich sie zu Anfang meines Studiums 1983 kennenlernte. Gleichzeitig wird auch dem Cholesterin grundsätzlich. So orientieren sich viele meiner Kollegen “draussen”, auch die jüngeren, wieder an nicht mehr die Schärfe zugebilligt wie lange in diversen Studien postuliert wurde.
Herr Kühl, versuchen sie mal zusätzlich frischgepressten ungesüßten Zitronensaft als natürlichen Protonenpumpenhemmer. Der Versuch kann nicht schaden. Dieser Tip kommt von einem leider schon nicht mehr unter uns weilenden sehr pragmatisch agierenden Chefarzt einer süddeutschen Kurklinik mit Schwerpunkt Ernährung. Als Student habe ich gerne seine Seminare besucht.

#11 |
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Wegen des Zufallbefundes einer „nichtstenosierenden“ Halsarterienartherosklerose verschrieb mir der Internist 20mg Atorvastatin und erhöhte die Candesartandosis auf 32mg täglich. Nach 3 Monaten hatte ich vier Kilo zugenommen.Ich hatte schon vorher ein paar Kilo zuviel.Jetzt habe ich Atorvastatin abgesetzt, kann ja offenbar (bei mir) nicht gesund sein

#10 |
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Gast X
Gast X

Wie nett und erwachsen einfach anderen den schwarzen Peter zuschieben zu wollen. Wir alle könnten mehr dafür tun die Medikation zu verschlanken und zu optimieren. Sowohl Kliniker, als auch Hausärzte, als auch Patienten. Nicht selten scheitert das Absetzen oder Ausschleichen eines überflüssigen Präparates an mangelnder Kommunikation. Ja, manchmal sind es die Patienten welche auf Präparate fixiert sind die sie eigentlich nicht mehr brauchen. Ja, bei etlichen Klinikaufenthalten werden viele Änderungen vorgenommen die dann wieder vom Hausarzt nachjustiert werden müssen. Und ja, auch seitens der Hausärzte werden manchmal haarsträubende Medikationsfehler gemacht (manchmal auch unverschuldet) ohne die gewisse stationäre Aufenthalte gar nicht nötig wären. Klar das dann der Patient mit einer völlig veränderten Medikamentenliste entlassen wird. So sollte sich nun jeder an die eigene Nase fassen und seinen Teil zur Verbesserung beitragen.

#9 |
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Dr. med. Harald Bliesath
Dr. med. Harald Bliesath

Ich habe den Eindruck, dass hier einmal mehr jemand schreibt, der kaum direkte Erfahrung in der Behandlung von Patienten hat. Allein die erste Zeile der Tabelle mit den “Rundgesichtern” ist ein Witz: “taper to INR Targets”; was denn wohl sonst bei der Therapie mit dieser Substanzgruppe? Bei den Statinen kann ich mich nur der Frage der Kollegin Bauer anschliessen.
Es liest sich auf den ersten Blick nett so ein Sammelsurium von Publiaktionen. Der klinische Alltag am Patienten ist jedoch etwas anders.

#8 |
  8
Gast
Gast

Bei der Medikation halte ich es für enorm wichtig, daß die aus verschiedenen Fachrichtungen verschriebenen Medikamente gleichzeitig erfaßt und auf Wechselwirkungen untereinander geprüft werden. Es ist zu vielen Patienten nicht bewußt, daß sie alle Medikamente, die sie einnehmen, beim jeweils behandelnden Kollegen einer anderen Fachrichtung angeben sollten, damit Beeinträchtigungen vermieden werden.

#7 |
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Dr. Andreas Triebel
Dr. Andreas Triebel

Es ist völlig nutzlos, Benzodiazepine oder Statine absetzen zu wollen. Bei Benzodiazepinen sind die Patienten die Süchtigen und die Ärzte die Co- Abhängigen, die den Satinen ist es umgekehrt. Ihre Bedeutung und Wichtigkeit machen die kardiogischen Kollegen von der Einnahme der Statine durch die Patienten abhängig. Ein Teil der Kollegen glaubt fest daran, einanderer Teil sind gewissenlose Zyniker.
Argumente helfen nicht. Die Vorgänge sind ritualisiert und unterliegen nicht der Verstandeskontrolle.
Alle Welt darf Säureblocker verordnen. Die Orthopäden sind dazu übergegangen, Analgetika und PPI- Hemmer routinemäßig zu verordnen.
Die kollegen in den Krankenhäusern dürfen in ihren Entlassungsbriefen blühenden Unsinn schreiben und der Patient glaubt, dass die Genesung durch den Chemiecocktail verursacht sei und wir haben die größte Mühe, ihn wieder davon abzubringen. Zum Teil ist es auch, wie in dem Artikle geschildert, garnicht möglich, sondern ein längerer Prozess, da sie körperlich und seelisch abhängig gemacht wurden.

#6 |
  6

Aber gerade bei den Statinen erhebt sich doch dann die Frage: was tun, wenn nach Absetzen die Cholesterinwerte auf weit über 250 und die LDL-Werte auf über 150 mg/dl ansteigen?
Dann gibt man sie doch wieder!

#5 |
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Angestellte Apotheker

#Herr Kühl
Protonenpumpenhemmer bitte ausschleichen und nicht einfach absetzen.
Medikamente bitte nur nach Rücksprache mit dem Arzt reduzieren, es gibt Krankheitsbilder, die eine kontinuierliche Einnahme, auch von Säureblockern, erfordern.

#4 |
  4

Das ist ja gerade die Aufgabe des Hausarztes, den Medikamentenzettel zu entmüllen und die Dosierungen dem Alter anzupassen. Je betagter der Patient, desto geringer müssen viele Präparate dosiert werden. Auch und gerade Statine müssen keineswegs dauerhaft eingenommen werden, Absetzversuche lohnen sich immer. Leider werden diese Bemühungen häufig bei stationären Aufenthalten unterlaufen, indem die vorhandenen bewährten Medikationspläne ignoriert und schon bei einem dreitägigen Aufenthalt alles “über den Haufen” geworfen wird.

#3 |
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Dr. med. Antje Schneider
Dr. med. Antje Schneider

Ein sehr wichtiges Thema!
Und aus meiner Erfahrung als hausärztliche Internistin kann ich nur sagen: es ist sehr schwierig, Patienten davon zu überzeugen, dass weniger manchmal besser (gesünder) ist. Und gerade ältere Patienten nehmen ja zusätzlich zu den Internistischen hausärztlichen Medikamenten (zum Beispiel Antidiabetika und Antihypertensiva) noch Med vom Orthopäden (oft Analgetika in höherer Dosis) oder vom Urologen/ Augenarzt / Gyn etc! Und dann liest man immer wieder- nicht mehr als fünf Wirkstoffe wegen der Wechselwirkungen… alleine der Kardiologe steuert ja häufig vier Substanzen bei.

#2 |
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Bernd Kühl
Bernd Kühl

Solche Artikel sind sehr wichtig . Ich selbst nehme einen Protonenpumpenhemmer,
würde die Einnahme gerne stoppen , was aber fast unmöglich ist . Nachdem ich das Medikament eingestellt hatte ,ist die Magensäure fast explodiert. Sehr schnell habe ich das Medikament wieder genommen , denn wirken tut es . Reduzieren geht nicht , bin schon von 40 auf 20 mg gegangen , was der Wirkung keinen Abbruch tat.
Was tun ?

#1 |
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