Totgeburt: Geringeres Risiko für Seitenschläfer

14. Dezember 2017

Bei einem Drittel aller Totgeburten bleibt die Ursache unbekannt. Wissenschaftler haben aber nun herausgefunden, dass die Schlafposition der Mutter eine entscheidene Rolle dabei spielen könnte. Sie empfehlen, lieber auf der Seite als auf dem Rücken zu schlafen.

0,24 Prozent der Kinder in Deutschland werden laut einer Studie von 2016 tot geboren – das ist im weltweiten Vergleich eine sehr niedrige Zahl. Für die werdenden Eltern ist eine Totgeburt immer ein tragisches Ereignis. Obwohl verschiedene Faktoren das Risiko erhöhen können, ist die Ursache in einem Drittel der Fälle unbekannt. Deshalb ist es wichtig, besser zu verstehen, welche Faktoren zu einer Totgeburt beitragen können.

Nun hat ein Forscherteam eine einfache Möglichkeit entdeckt, die die Zahl der Totgeburten verringern könnte: Die Forscher um Alexander Heazell vom St. Mary’s Hospital in Manchester fanden in einer Studie mit über 1.000 Teilnehmerinnen heraus, dass Frauen, die in den letzten drei Monaten ihrer Schwangerschaft auf der Seite schlafen, ein deutlich geringeres Risiko für eine Totgeburt haben als Frauen, die auf dem Rücken schlafen.

An der bislang größten Studie dieser Art nahmen 291 Frauen teil, die in oder nach der 28. Schwangerschaftswoche eine Totgeburt erlitten hatten sowie 733 Frauen, die zum Zeitpunkt der Untersuchung eine normale Schwangerschaft hatten und später ein gesundes Kind zur Welt brachten. Die Frauen wurden nach ihren Schlafgewohnheiten vor der Schwangerschaft sowie in den vier Wochen vor der Totgeburt bzw. vor dem Zeitpunkt der Untersuchung gefragt. Auch der letzte Tag davor war von Bedeutung.

Gefährliche Rückenlage

Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass Frauen, die im dritten Trimester ihrer Schwangerschaft auf dem Rücken schliefen, ein doppelt so hohes Risiko für eine Totgeburt hatten wie Frauen, die auf der Seite schliefen. Der genaue Zeitpunkt der Schwangerschaft, die Größes des Babys und das Gewicht der Mutter hatten keinen Einfluss auf diesen Zusammenhang.

Warum das Risiko für eine Totgeburt in Rückenlage erhöht ist, ist bisher nicht bekannt. Die Wissenschaftler um Heazell vermuten, dass das Gewicht des Babys und der Gebärmutter in Rückenlage Druck auf wichtige Blutgefäße ausübt und das Ungeborene so schlechter mit Blut und Sauerstoff versorgt wird. In Großbritannien könnten etwa 130 Totgeburten pro Jahr verhindert werden, wenn Schwangere im letzten Trimester konsequent auf der Seite schlafen würden, schätzen die Autoren.

Kleinere Studien in Australien und Neuseeland haben bereits einen ähnlichen Zusammenhang nahegelegt. So verglich eine Studie der University of Auckland (Neuseeland) aus dem Jahr 2011 155 Frauen, die eine Totgeburt erlebt hatten, mit 310 Frauen, die später ein gesundes Baby auf die Welt brachten. In dieser Untersuchung war das Schlafen auf dem Rücken mit einem doppelt so hohen Risiko für eine Totgeburt verbunden wie auf der linken Seite. Auch auf der rechten Seite fanden die Forscher ein leicht erhöhtes Totgeburt-Risiko. Allerdings betonen sie, dass weitere Studien notwendig seien um die Ergebnisse zu bestätigen.

Richtig einschlafen

In der aktuellen Studie ergaben sich jedoch keine Hinweise, dass das Liegen auf der rechten Seite mit einem erhöhten Totgeburt-Risiko einhergeht. Heazell und sein Team raten Frauen in den letzten drei Monaten der Schwangerschaft daher generell auf der Seite zu schlafen – egal ob auf der rechten oder auf der linken. Dabei sollten sie vor allem darauf achten, immer seitlich einzuschlafen – auch dann, wenn sie tagsüber ein Nickerchen machen.

„Wir haben die Frauen gezielt gefragt, in welcher Position sie beim Einschlafen liegen. Das ist besonders wichtig, weil man im Schlaf am längsten in der Position liegt, in der man eingeschlafen ist“, erläutert Heazell. „Wenn die Frauen nachts oder morgens auf dem Rücken aufwachen, ist das aber kein Grund, sich zu beunruhigen. Stattdessen sollten sie sich einfach wieder auf die Seite drehen und so weiterschlafen.“ Ein Kissen im Rücken könne ihnen dabei helfen, sich nicht auf den Rücken zu drehen.

„Die Ergebnisse sind für schwangere Frauen eine positive Nachricht, weil sie die Schlafposition selbst beeinflussen können“, so Heazell und sein Team. „Das bedeutet, dass sie selbst etwas tun können, um das Risiko einer Totgeburt zu reduzieren.“ Die Forscher haben nun in Großbritannien eine Kampagne gestartet, um die Ergebnisse in der Öffentlichkeit bekannt zu machen. In Zukunft wollen sie herausfinden, wie gut Mütter dies umsetzen und einhalten können und ob die veränderte Schlafposition tatsächlich das Risiko einer Totgeburt reduziert.

12 Wertungen (4.58 ø)
Forschung, Gynäkologie, Medizin

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10 Kommentare:

Scheinheiliges “Don’t panic” bei fehlenden statistischen Grundrechenarten?
Wenn, wie in der Publikation “Association between maternal sleep practices and late stillbirth – findings from a stillbirth case-control study” vom Corresponding Author alexander.heazell@manchester.ac.uk et al. http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/1471-0528.14967/full
bereits im ersten Satz der Einführung [“Introduction – Stillbirth, the death of a baby before birth, affects between 1.7 and 8.8 per 1,000 births after 28 weeks’ gestation in high-income countries”] behauptet wird, dass Totgeburten, definiert als intrauteriner Tod eines Babys nach der 28. Schwangerschaftswoche (SSW), eine inzidenten Ereignisrate von 1,7 bis 8,8 (Mittelwert 5,25) auf 1.000 Geburten betreffen, weiß ich schon auf einen Blick, dass hier wissenschaftlich um eine seltene Häufigkeit von im Mittel 5,25 Promille gerungen wird.

Wenn dann auf Grund von Befragungsdaten 291 Schwangere mit einer Totgeburt jenseits der 28. SSW beschrieben, und die möglichen Ursachen auf die Schlafposition auf dem Rücken, Nickerchen tagsüber, nur maximal 1 x Nykturie und weniger als 5 Stunden Nachtschlaf vor der Fehl-Geburt heruntergebrochen werden, schwanen mir als Fehlannahmen bereits “böswillige Bias”.

Das wird bestätigt durch folgende Fakten: Statistisch korrekt müssten die 291 Schwangeren mit Totgeburten und ihrer mittleren Ereignis-Wahrscheinlichkeit von 5,25 auf 1.000 Lebendgeburten einer Kohorte von 55.429 Schwangeren mit Lebendgeburten gegenübergestellt werden: Und nicht lediglich mit nur 733 mit einer Lebendgeburt und Schlaf in Links-Seitenlage (Prävention des Vena-Cava-Kompressionssyndroms!) verglichen werden [“Main outcome measures – Maternal sleep practices during pregnancy. Results – In multivariable analysis, supine going-to-sleep position the night before stillbirth had a 2.3-fold increased risk of late stillbirth [adjusted Odds Ratio (aOR) 2.31, 95% CI 1.04–5.11] compared with the left side]”.

Bei 0,525 Prozent Risiko für eine Totgeburt sind das 291 Fälle auf 55.429 Lebendgeburten. Der Vergleich der Befragungen von 1.024 Frauen aus dem Datenpool, wobei 733 davon eine Lebendgeburt erlebt und 291 eine Totgeburt im Zeitraum nach der 28. SSW erlitten hatten, ist empirisch-statistisch unhaltbar.

Wissenschafts- und erkenntnistheoretisch demaskierend ist ebenfalls, dass eine (retrospektive) Fall-Kontroll-Studie, im Titel zutreffend “case-control study” genannt, niemals eine im Studien-Design so genannte prospektive Fall-Kontroll-Studie werden kann [“Design – Prospective case-control study”]. Das ergibt sich schlussendlich aus der befragten Population [“Population – Women who had a stillbirth after = 28 weeks’ gestation (n = 291) and women with an ongoing pregnancy at the time of interview (n = 733)”). Es wurden Frauen direkt n a c h ihren stattgehabten Fehlgeburten, und, in krassem Gegensatz dazu, Frauen in ihrer weiteren, positiv verlaufenden Schwangerschaft interviewt.

Geradezu zynisch, wenn Forscher mit einem statistisch derart verquasten Studienansatz vor falscher Panik warnen: “Ich will nicht, dass Frauen jetzt auf dem Rücken aufwachen und denken: ‚Oh mein Gott, ich habe meinem Kind gerade etwas furchtbares angetan!‘”, so Studienleiter Prof. Alexander Heazell, Klinikdirektor am Tommy‘s Stillbirth Research Centre in Manchester. Das soll doch nur von fehlendem statistischen Grundlagen-Wissen ablenken.

#10 |
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Gast X
Gast X

@Frau Schmedes-Bindra: genau, erholsamer Schlaf ist das wichtigste. Aber eine Signalmatratze oder Linksseitenschläferformschale? Wozu? Dafür gibt es doch die guten alten Stillkissen. Die helfen oft sehr gut wenn es schwer fällt eine erträgliche Schlafposition zu finden.

#9 |
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Heike Schmedes-Bindra
Heike Schmedes-Bindra

Heike Schmedes-Bindra
Hebamme
Leider kommen immer mehr Schwangere, zum Teil völlig verunsichert, mit dieser Info in die Beratung.
Die sowieso häufig gestressten, verunsicherten und auf “Selbstoptimierung” ausgelegten Mütter, sollen jetzt auch noch ihren eigenen Schlaf überwachen. Selbst bei der so wichtigen Regenerationszeit für den Körper und die Psyche kann etwas schiefgehen, wenn Frau NICHT RICHTIG schläft!
Also erfinde doch jetzt bitte schnell einer mal eine Signalmatratze, oder eine Linksseitenschläferformschale für das letzte Trimenon.
Welche Frau, die ein totes Kind gebären muss, kann schon zuverlässig, vor allem vor sich selbst!, behaupten , dass sie nie auf dem Rücken geschlafen habe?!
Selbst wenn die Studien belegen könnten, ist das jetzt wirklich schon der Fall???, dass die These stimmt, ist gut darüber nachzudenken, ob werdene Mütter weiter verunsichert werden sollen.
Es gibt mittlerweile gute Studien dazu, wie ein Fet in einem gestressten mütterlichen Körper heranwächst und was “Dauerstress” für das weitere Leben des Kindes bedeutet. Stress, den die Mutter erleidet, ist bindungsschwächend, auch das ist hinreichend belegt.
Die Langzeitfolgen von intrauterinem Stress sind gravierend.
Es macht keinen Sinn, den Müttern den Schlaf zu rauben, sie sind eh schon häufig genug schlaflos. Vertauen in den eigenen Körper, die Schwangerschaft und das Baby zu vermitteln, tragen sicherlich mehr zu einer gesunden Schwangerschaft und einer guten Bindung bei, als weitere Stressoren. Resilienzförderung!
Post partum geht es dann ja gleich weiter mit dem SIDS-Thema.

#8 |
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Gast
Gast

Das mit der Seitenlage ist ja nun wirklich nichts Neues. Das wurde schon vor 12 Jahren postuliert. Im Übrigen stimme ich meiner Vorkommentatorin #6 voll und ganz zu.

#7 |
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Hebamme

Immer wieder habe ich Frauen, die vor Angst kaum noch schlafen, weil irgend jemand ihnen gesagt hat, dass das Schlafen in Rückenlage ihr Baby gefährdet und sie aber immer wieder in Rückenlage aufwachen.
Diese Aussage: “Wenn die Frauen nachts oder morgens auf dem Rücken aufwachen, ist das aber kein Grund, sich zu beunruhigen. Stattdessen sollten sie sich einfach wieder auf die Seite drehen und so weiterschlafen.“ ignoriert völlig die psychologische Wirkung der Meldung, dass die Frau selbst verantwortlich (=schuld) für den Tod ihres Kindes sein könnten, weil sie in der “falschen” Position geschlafen haben.
Das ist auch (sorry #1) kein altes Hebammenwissen, sondern Bedarf bitte wirklich weiterer Untersuchungen, bevor man so eine Feststellung auf die Schwangeren loslassen sollte.

#6 |
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Gast X
Gast X

Als ob es für eine schwangere Frau nicht schon schwer genug wäre überhaupt eine Position zu finden in der sie es zumindest für eine Weile aushält… darüberhinaus wird vorzugsweise Linksseitenlage empfohlen um Druck auf die V. cava inferior zu vermeiden. Interessant wäre jedoch auch die Frage nach einem Zusammenhang mit der Lage der Plazenta im Uterus…

#5 |
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Nichtmedizinische Berufe

Könnte die Tatsache, dass eine werdende Mutter gerne auf dem Rücken schläft, nicht schon auf latente gesundheitliche Probleme hindeuten?
Vielleicht bekommt sie auf der Seite schlecht Luft oder Herzrasen?

#4 |
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Mitarbeiter Industrie

Wie wurde in den Studien denn die Statistik erstellt?
Wenn die Quote bei Totgeburten 0,24% ist, dann also grob 1 von 400 Fällen. Wie viele zufällig ausgewählte Schwangere müsste man in eine Studie einschließen, um eine aussagekräftige Gruppe zu erhalten?

#3 |
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Dr. Wilfried Aschauer
Dr. Wilfried Aschauer

Wieder mal Panikmache!Der Wahnsinn der modernen Medizin!Forschung überall!Das Ergebnis ist die noch ängstlichere Schwangere!Als ob es nicht schon genügend Empfehlungen von irgendwelchen Schlaumeiern gibt! Ich bin jetzt 30 Jahre in der Medizin tätig und sehne die alten Tage herbei wo die Frauen schwanger waren und und sich unbeschwert auf Ihr Kind gefreut haben! Gott sei Dank muss ich den Wahnsinn nicht mehr allzu lange mitmachen! Übrigens werde ich ab heute allen meinen Schwangeren das Schlafen verbieten!

#2 |
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Gast
Gast

Altes Hebammenwissen, aber Hebammen sollen ja aus Deutschland verschwinden, ist ja politisch gewollt

#1 |
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