Medstudium: Prozessieren geht über Studieren

14. Mai 2010
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Deutschland sucht Ärzte. Doch der Zugang zum Studium ist reglementiert. Oft werden Studienplätze vor Gericht erstritten - zum Leidwesen der Universitäten und nicht immer zielführend für die Studenten, wie ein Fall an der MHH zeigt.

Was war geschehen? Seit 2005 gibt es an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) den medizinischen Modellstudiengang „HannibaL”, dessen Ziel es ist, hervorragenden Nachwuchs auszubilden. Pro Jahrgang könnten aufgrund der Patientenzahlen aber nicht mehr als 270 Bewerber aufgenommen werden, sagt der Studiendekan Professor Hermann Haller. Über eine solche Kapazitätsgrenze lässt sich mit der Uni natürlich trefflich streiten, was einige Bewerber 2008/2009 auch getan haben – primär erfolgreich.

Doch vor wenigen Monaten hob das Oberverwaltungsgericht Niedersachsen das Urteil der ersten Instanz auf – mit dem Ergebnis, dass die betroffenen 32 Studentinnen und Studenten unmittelbar vor Ende des dritten Semesters die Universität verlassen sollten, ohne an den Abschlussprüfungen teilnehmen zu können. Völlig überrascht sahen sich die Studenten plötzlich mit leeren Händen dastehend. Nach einigem medialen Aufsehen, einer Neu-Interpretation des letzten Urteils und nach einem Auftritt der Protagonisten bei „Stern-TV“ haben die MHH und die Studenten jetzt einen Vergleich geschlossen. Die Betroffenen können ihr drittes Semester mit den Prüfungen beenden, müssen dann aber die Universität verlassen – mit den Scheinen in der Tasche und der Hoffnung, sich jetzt mit etwas mehr (oder etwas weniger geringen) Erfolgschancen an anderen Hochschulen bewerben zu können. Für die Studenten ist dies zwar ein Erfolg, aber nur ein Teilerfolg, denn es gibt keine Garantie, dass andere Universitäten die in „Hannibal“ erworbenen Scheine problemlos anerkennen.

Professorale Rache?

Auch für die MHH und ihre Verantwortlichen ist der geschlossene Vergleich wohl nur ein Teilerfolg. Den Studenten wenige Wochen vor Semesterende die Teilnahme an den Prüfungen zu verweigern, war dem Ansehen der Universität kaum förderlich. Auch dann nicht, wenn man die Befürchtung des Dekans ernst nahm, dass eine Zulassung zu den Prüfungen einen Präzedenzfall schaffen könnte. Nicht nur die Studenten und ihr Anwalt, der Frankfurter Jurist Dr. Robert Brehm, sondern selbst neutrale Betrachter konnten kaum den Eindruck unterdrücken, dass hier möglicherweise „kleinliche Rache“ geübt worden sei. Sie hätten immer wieder das Gefühl gehabt, nicht willkommen zu sein, sagte Rebecca Kurz, eine der betroffenen Studentinnen bei „Stern-TV“, eine Aussage, die nicht unglaubwürdig wirkte, etwa angesichts von professoralen Äußerungen, wonach die Studenten mit irgendwelchen „Tricks“ gearbeitet hätten. Auch die Bemerkung des Studiendekans Haller im Fernsehen, dass ihn das Schicksal der 32 Studenten das „Herz bluten“ lasse, überzeugte wahrscheinlich nicht jeden Zuschauer.

Studienplatz per Klage – eine „unselige“ Praxis?

Gleichwohl sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass die Universitäten und ihre Verantwortlichen in keiner glücklichen Situation sind: Sie wollen und sollen Studenten zu guten Ärzten ausbilden und müssen immer wieder Klagen über zu wenig Betreuung und überfüllte Kurse über sich ergehen lassen. Von der Verantwortung gegenüber Patienten einmal ganz abgesehen. Ein Studienplatz in Medizin ist darüber hinaus nicht gerade preiswert: 30 000 Euro etwa kostet ein Medizinstudium im Jahr – im Vergleich zum Durchschnitt von 7200 Euro. Zum anderen werden die Universitäten seit Jahrzehnten von Gerichten gezwungen, Bewerbern einen Studienplatz zu geben, deren Abiturnote nicht gut genug ist und die auch nicht über die Hürde Auswahlgespräch gekommen sind. Als „unselig“ bezeichnete diese Praxis erst vor wenigen Wochen ein Kommentator in der „Zeit“.

Als besonders gerecht oder fair wird die Option, per Klage einen Studienplatz ergattern zu können, ohnehin nicht immer angesehen. So schreibt etwa ein Heidelberger Medizinstudent in einem Leserbrief zu dem Kommentar: „Ich bin selbst Medizinstudent an der Uni Heidelberg, und mir wäre es im Traum nicht eingefallen, im Falle einer Ablehnung durch die ZVS einen Platz einzuklagen – wahrscheinlich hätte ich es mir auch gar nicht leisten können. Wo leben wir denn, dass man sich einen Studienplatz kaufen kann?“ Und ein anderer Leser ergänzt unter dem Stichwort „Gerechtigkeit“: „Es wäre zu begrüßen, wenn die Praxis des Einklagens unmöglich werden würde. Sie bildet den Gipfel eines Berges sozialer Selektion in unserem Bildungssystem. Wer zum Gymnasium zugelassen wird, wer sein Abitur meistert, wer dann studieren will und eben auch, wer genommen wird, hängt in Deutschland extrem vom Einkommen und der Bildung der Eltern ab.“ Außerdem: Dass von Bewerbern, die an den Hürden Numerus clausus und Auswahlgesprächen gescheitert sind, gerne vorgebrachte Argument, ein Einser-Abitur und ein erfolgreiches Auswahlgespräch seien keine Garanten dafür, dass gute Ärzte die Universitäten verlassen, ist zwar nicht falsch. Aber allein großes Interesse am Arztberuf ist eben auch kein Garant.

Genügend gute Ärzte wollen alle, aber…

Womit die eigentliche Kernfrage eben die ist: Wie kann so gut wie möglich sichergestellt werden, dass nur geeignete Bewerber Medizin studieren und nur gute Ärztinnen und Ärzte die Universitäten verlassen? Und dies auch noch in genügend großer Zahl und natürlich ohne die Patienten, mit und „an“ denen die Studenten lernen sollen, über Gebühr zu belasten. Einen so genannten Königsweg zur Auswahl der Bewerber gibt es nicht. So haben im vergangenen Jahr Wissenschaftler um Professor Wolfgang Hampe von der Universität Hamburg nach einer Analyse vorhandener Daten die Schlussfolgerung gezogen: „Trotz intensiver Bemühungen ist es bisher nicht gelungen, Verfahren zu entwickeln, die mit hoher Treffsicherheit vorhersagen, ob aus einem Studienbewerber ein guter Arzt wird.“ Relativ klar ist inzwischen: Die Abiturnote ist kein so schlechtes Kriterium wie immer wieder angenommen oder behauptet. Hampe und seine Kollegen fordern daher: „Die Abiturnote sollte und muss einen wesentlichen Anteil an der Auswahlentscheidung haben. Ergänzende studienfachspezifische Tests können die Prognose der Studienleistung und der klinischen Fähigkeiten verbessern. Trotz ihrer geringen prognostischen Validität und des erheblichen Aufwandes können Interviews sinnvoll sein, um die Wertigkeit nichtkognitiver Eigenschaften zu verdeutlichen und die Bindung an die Fakultät zu erhöhen.“

Auch Susanne Schilden von der Pressestelle der Hochschulrektorenkonferenz etwa betont, dass ein guter Notendurchschnitt ein gutes Kriterium dafür sei, ob jemand sein Studium erfolgreich abschließen könne. Daher würden sich viele Universitäten auf diese Auswahlmethode verlassen. Auswertungen von Klausurergebnissen an der Frankfurter Universität haben zum Beispiel ergeben, dass die Abiturbesten ganz oben stehen, gefolgt von den Studenten, die nach speziellen Schulnoten (naturwissenschaftliche Fächer) ausgewählt wurden. Danach kamen die über Sonderleistungen ausgesuchten Studenten, mit denen man ein Auswahlgespräch geführt hatte. Auch die Pharmazeuten in Frankfurt haben laut einem Bericht in der „FAZ“ im vergangenen Jahr ihr Auswahlverfahren wissenschaftlich begleiten lassen und herausgefunden, dass der Studienerfolg hauptsächlich mit der Abiturnote korreliert sei.

Längst seien hingegen Zweifel an der Aussagekraft von Auswahlgesprächen gewachsen. An der Universität Mainz habe man sich schon wieder von Gesprächen abgewandt, hieß es Mitte April in einem Blog-Beitrag in der „FAZ“. Auch Hampe und seine Kollegen stellen das Gespräch als Auswahlmethode in Frage. Und völlig unklar ist, ob die von Philipp Rösler vorgeschlagenen Einführung einer so genannten „Landarzt-Quote“ eine wirkliche Hilfe gegen den angeblichen Mangel an genügend guten Medizinern wäre.

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Medizin

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24 Kommentare:

Linda Neumann
Linda Neumann

…und zur kapazität und überlastung der lehrveranstaltungen… da müssen sich auch die unis höchstselbst an die eigene nase packen. an meiner uni wurden früher jedes semester studenten zugelassen, dann die gleiche anzahl nur noch zum wintersemester. es liegt also nicht an mir und der weiteren einklägerin aus meinem semester, dass die 400 studenten pro ws nicht in die alten 200-plätze-hörsääle passen, die wir uns in manchen fächern dann noch mit den 150 zahnis teilen sollten… und da sich nach dem physikum alles nivelliert… pro trimester gibt es 150 studierende bei uns in dem jeweiligen themenblock. nun sind diese in den unterricht-am-krankenbett-veranstaltungen so verteilt: im gleichen fach gibt es gruppen mit 3 und gruppen mit 8 menschen, die dann um das patietenbett herum stehen. schuld der einkläger? dass drei solcher gruppen dann in einem anderen fach mal schnell zusammengeworfen wurden, um 25 teilnehmer zu zählen… schuld der einkläger?

#24 |
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Gesundheits- und Krankenpfleger

ich denke auch, der abi-schnitt sagt garnichts über die fähigkeiten als arzt aus. viele wollen mit 1,0…1,2 med. studieren, weil es “schick” ist arzt zu sein. die holt die realität schnell ein. ich fand die praxis in der ddr gut, das man vorher möglichst beim drk dienst geleistet haben sollte um schon mal einem pat. begegnet zu sein ;-). es gehört eben mehr dazu ein guter arzt zu sein. einigen ist eben nicht klar, das der pat. einmal ex. gehen kann, es gibt da keinen 2.therapieversuch.
viele habe auch ganz falsche vorstellungen vom altag in einer klinik oder lasse sich durch die wenigen “premium-ärzte” blenden, die mit ferarri oder porsche zur arbeit fahren.
wer wirklich will nimmt eben den umweg über die pflege. auch dort kann man heute mitlerweile “doktor” werden.

#23 |
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Martina Reinecke
Martina Reinecke

Danke Pharmazeutix für die Topantwort!!! Auswendig lernen bekommt sie vielleicht gerade so hin.

#22 |
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Martina Reinecke
Martina Reinecke

Abidurchschnitt und Intelligenz stimmen nicht immer überein.
Meine Tochter,hochbegabt, eine Klasse übersprungen, hat sich in der Schule zu Tode gelangweilt und ihr Abi mit 2,3 bestanden.Sie hatte keine LK in Naturwissenschaften machte aber im mündl. Abi in Biologie 14 Punkte! Wenn sie nicht zum Gespräch der betreffenden Uni geladen wird und dort überzeugen kann, muss sie warten. Das würde sie auch tun. Doch wie lange soll sie warten?

#21 |
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Dr. Klaus Schedel
Dr. Klaus Schedel

Nach fünf Jahren Wartezeit auf meinen Studienplatz hatte ich vor 30Jahren meinen Studienplatz erfolgreich eingeklagt, übrigens für damals 33,-DM vor dem Verwaltungsgericht und ohne Rechtsanwalt. Dazu mußte ich allerdings schon drei Jahre lang an den damals vier Tiermedizinfakultäten klagen. Wenige Wochen später erhielt ich via ZVS noch einen regulären Platz. Die Korrelation zwischen Abiturschnitt und Staatsexamen würde ich lediglich bis zum Physikum bestätigen. Die Besten meines Examensjahrganges gehörten sicher nicht zu den Einserabiturienten, was auch für mich galt (Abi vs Examen =
4,0 vs 1,8). Wenn ich dann noch sehe was aus den Kommilitonen geworden ist, so sind Einige darunter, die während des Studiums mittelmäßig waren, im Beruf aber international anerkannte Spezialisten innerhalb und außerhalb der Universitäten geworden sind. Die Chancengleichheit ist in unserem föderalen Bildungssystem schon von Gymnasium zu Gymnasium extrem unterschiedlich, ganz zu schweigen vom Vergleich der Bundesländer untereinander. Ein gutes Examen spiegelt nicht automatisch einen guten Arzt/Tierarzt/Lehrer etc. wieder. Das Entscheidende ist die Begabung und Berufung zum jeweiligen Beruf. Berufsethos ist etwas anderes, als wer die spitzesten Ellenbogen auf der Karriereleiter vorweisen kann. Ein dem Studium vorgeschaltetes halb- bis einjähriges Praktikum in Allgemeinpraxis und Krankenhaus würde den Berufsaspiranten ein realistischeres Bild ihres “Traumberufes” vermitteln und bei entsprechender Bewertung zumindest ein objektiveres Auswahlkriterium als die Abiturnote gewährleisten.

#20 |
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Dr. Thomas Horch
Dr. Thomas Horch

Vielleicht sollte mal ueberlegt werden, ob nicht alle erst einmal in einem Krankenhaus arbeiten und fuer sich dann entscheiden ob ihnen der Beruf zusagt oder nicht. Dann sollte erst, wenn auch die Fachkraefte, Krankenschwestern etc. sich dafuer aussprechen, ein Studium begonnen werden koennen. So haetten wir Hilfe im Krankenhaus und koennten die Frage klaeren, ob der- oder diejenige willens und geeignet ist, Arzt/Aerztin zu werden.
Dr. Horch, Dubai

#19 |
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Ralf Reiche
Ralf Reiche

Als Arzt, Gesundheitswissenschaftler und Medizididaktiker bin ich mittlerweile schon seit 15 Jahren in der Lehre tätig. Als Didaktiker, der sich wissenschaftlich mit Ausbildungsfragen beschäftigt, kann ich viele der hier diskutierten Aspekte nur bestätigen.

Jeder hat unterschiedliche Vorstellungen von Kompetenzen, die Ärzte und Ärztinnen aufweisen sollen, je nach Tätigkeitsort, Fachgebiet, Position und Versorgungssektor können die diesbezüglichen Anforderungen völlig unterschiedlich sein. Und es hat sich seit langem herausgestellt, dass Auswahlgespräche sicher nur eines sind: völlig subjektiv und damit völlig beliebig.

Wir benötigen aber engagierte, gut ausgebildete Kolleginnen und Kollegen, die ihren Beruf mit einem möglichst hohen Maß an Berufszufriedenheit ausüben. Auch in Zukunft so tun, als ob alle identisch ausgebildet und somit gleich qualifiziert sind, halte ich für einen Anachronismus.

Das bedeutet aber vor allem, dem Nachwuchs die Aufmerksamkeit zu widmen und die Unterstützung anzubieten, die er benötigt. Dabei sollten wenn immer möglich, die individullen Stärken und Schwächen berücksichtigt und die hohe Bedeutung von psychosozialen und kommunikativen Kompetenzen erkannt werden.

Daran sollten eigentlich alle Interesse haben. Möglichkeiten dies in der täglichen Praxis durchzuführen gibt es reichlich.

#18 |
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Dr. med. Undine Blattmann
Dr. med. Undine Blattmann

Offensichtlich wird´s die Zeit nicht richten, denn als ich mich vor 30 Jahren um einen Studienplatz bewarb, war die Situation nicht anders, was mich verwundert. Die Tatsache eines guten Abiturs zeigt eigentlich nur die Fähigkeit, eine gute Lernleistung zu erbringen, was für das verschulte Studium unbestitten von Vorteil ist. (Ich bin übrigens ebenso der Meinung, dass ein Medizinstudium von jedem geleistet werde kann, wenn er nur gut lernen kann). Allerdings braucht man für später doch noch andere Qualitäten, die weitestgenend in der Person begründet sind. Um beim Unfallchirurgen zu bleiben, auch dort gibt es nicht nur den OP sondern auch den Patienten hinter der Diagnose. – Den Kolleginnen und Kollegen kann ich nur raten, sich für ihre Wünsche maximal einzusetzen, wenn es hilft, auch per Klage, denn 12 Wartesemester sind einfach zuviel.

#17 |
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Im Herbst meines Arbeitslebends als Hausarzt kann ich nur sagen, wahrscheinlich wäre mein Leben besser und zufriedener verlaufen, wenn der Numerus clausus mich vom Studium der Medizin abgehalten hätte!
Jeder der nicht zum Medizinstudium zugelassen wird, sollte dankbar sein, es sei denn, sie oder er plant jetzt schon, später Deutschland zu verlassen

#16 |
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Weitere medizinische Berufe

@ Max:
Ich glaube nicht, dass es Leute sind, die “meinen, sich für Geld alles kaufen zu können”. Ich kenne eine sehr motivierte Medizinstudentin, deren Eltern auch für sie geklagt hatten. Sie musste dann in 3 Monaten (!!) das Pensum der ersten beiden Semester mit allen Scheinen und Prüfungen schaffen, was sie auch mit Erfolg geschafft hat. Sie hat dadurch nach eineinhalb Jahren ihr Physikum geschafft – das spricht nicht für mangelnde Motivation sondern für mangelnde Möglichkeit, sich in der Schule die “richtigen” Fächer für ein dem NC entsprechendes Abi auszusuchen.

#15 |
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Student der Humanmedizin

Ich kann mich nur Herrn Korn anschließen. Wer als Medizinstudent die Arroganz besitzt, zu behaupten, er wüsste, was einen guten Arzt ausmacht und dass alle anderen diese zweifelhaften Kriterien nicht erfüllten ausgenommen der eigenen Persönlichkeit, sollte ab und zu mal von seinem hohen Ross steigen. Nicht nur differieren die sozialen und fachlichen Kompetenzen wahrscheinlich beträchtlich zwischen den einzelnen Disziplinen, noch ist fraglich, in wie fern diese überprüfbar sind im Hinblick auf Zulassungskriterien. Weiterhin sollte man dem Menschen seine Fähigkeit zum Erlernen respektive Ausweiten dieser Kompetenzen nicht absprechen. Dass ein Dreißigjähriger mit abgeschlossener Ausbildun als Studienanfänger bereits auf einen tiefergehenden Fundus zwischenmenschlicher Strategien zurückgreifen kann als ein 18 jähriger Abiturient ist wenig verwunderlich. Es wird keinen Königsweg für die hier so emotional aufgeladene Debatte um die Selektion geben. Denn das ist und bleibt es – Selektion. Meines Erachtens macht es die Mischung, die ja bereits längst Praxis ist, aus Auswahlgesprächen, N.C. und möglicherweise auch Tests. So wird vielleicht am ehesten der hohen interdisziplinären Divergenz Rechnung getragen.

#14 |
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Prof. GROSS vor Jahren in der FAZ : “Der ist immer noch der beste Arzt, der die meisten Scheine hat.” Bei ihm in der Nachbarschaft ( Köln-Lindenthal) war das ein Kollege mit einer damaligen Abitur- Note von 3,3 und > 2000 Patienten. Hatte er Unrecht ?

#13 |
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Es ist abartig. Unsere Gesellschaft wird bestimmt durch Rechtsverdreher und Geldschinder und deren Handwerk. Wo man auch hinschaut, haben die ihre Hände im Spiel.
Wenn ich mitbekomme, dass es bei Klagen nicht mehr nur um das Erlangen eines Studienplatzes geht, sondern um das Bestehen einzelner Klausuren (im Zweifelsfalle ALLER Klausuren), dann stellt sich in letzter Konsequenz die Frage nach der Sinnhaftigkeit des universitären Systems. Dann wäre es volkswirtschaftlich effektiver, gleich allen Kindern einer reichen Famile einen Doktortitel zu verleihen.
Aus diesem Blickwinkel betrachtet kann ich rückblickend gut verstehen, wenn sich die Prüfer immer merkwürdigere und abstrusere Fragen haben einfallen lassen, deren Beantwortung immerhin noch ein wenig Feingeist und kein dickes Portemonnaie erforderten. Ich gratulieren allen, die ihr Studium eingeklagt haben und es jetzt ehrlich erfolgreich durchziehen, aber das kann kein normal zu beschreitender Weg sein.

#12 |
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Dr. Brita Ambrosi
Dr. Brita Ambrosi

Nach der Zulassung zum Medizinstudium konnte ich ein paar Tage zwecks Zimmersuche bei zwei Schulfreundinnen unterschlüpfen, die gerade ihr Medizin-Examen hinter sich hatten. Ängstlich fragte ich: “Medizinstudium ist schwer, nicht wahr?” Da lachten Beide laut und meinten: “Medizin kann jeder Idiot studieren, Hauptsache, er hat ein gutes Gedächtnis!” Ich fand das sehr herablassend von den Beiden, nach meinem Studium musste ich ihnen aber voll und ganz zustimmen: Wer in der Lage war, 200 Seiten Waldeyer in einer Nacht zu lesen und zu behalten, hatte besseren Studienerfolg als z.B. ein Mathe-Genie. Dabei steht aber im herkömmlichen Studium der Erfolg dort nicht in Zusammenhang mit einem Berufserfolg als Arzt. Jetzt – endlich!- gibt es Reformschritte in die richtige Richtung, z.B. an der Uni Münster, wo Medizinstudenten an Phantomen und in einem Lehrkrankenhaus mit Hilfe von Schauspielern ganz viel praktisch üben können. Hier hat das Studium schon Bezug zum späteren Berufsalltag, und hier können die Ausbilder und auch die Studenten selbst bereits im Studium abschätzen, ob ihnen der Arztberuf liegt oder nicht. So müsste es überall sein!

#11 |
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Mich würde sehr interessieren, was eigentlich ein guter Arzt ist. In diesen ganzen Diskussionen wird so getan, als sei dies völlig klar. Dabei wird auch übersehen, dass es in Abhängigkeit von der späteren ärztlichen Tätigkeit ganz unterschiedliche Voraussetzungen gibt. Von einem Unfallchirurgen, der meine Tibiafraktur soteosynthetisch versorgt, erwarte ich erstklassiges Handwerk, ob er ganzheitlich denkt (was ist das eigentlich?), ist mir reichlich egal. Von einem Psychiater wiederum erwarte ich was anderes. Und ein Neuroradiologe sollte schon etwas mehr von Physik als der Normalbürger.
Was die Auswahlkriterien angeht: Natürlich ist der NC nicht das berühmte Ei. Aber ein schlechtes Abi ist auch kein Garant dafür, dass jemand ein guter Chirurg oder Dermatologe wird. Außerdem ist die medizinische Versorgung in Deutschland trotz der vielen Einser-Ärzte so schlecht nun auch wieder nicht.
Und was das Einklagen angeht: Der NC ist doch allgemein bekannt. Und auf das ABI kann man sich doch ein paar Jahre vorbereiten. An manchen Sporthochschulen gibt es zum Beispiel praktische Aufnahmeprüfungen. Die Leistungsanforderungen sind bekannt. Und trotzdem scheitern 20-Jährige Bewerber an fünf Klimmzügen und einem “Langstreckenlauf” über 3000 Meter. Warum?

Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, dass überfüllte Praktika in der Medizin (25 Studenten am Bett einer ältern Dame etwa) eine Zumutung sind, für die ältere Dame, die Ausbilder und die Studenten.

#10 |
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Dr. med. Ernst Wassermann
Dr. med. Ernst Wassermann

Die Abiturnote sollte (neben anderen Kriterien) für die Zulassung zum Medizinstudium eine durchaus gewichtige Rolle spielen. Allerdings ist es aus Gründen der Vergleichbarkeit und Gerechtigkeit zwingend erforderlich, in Deutschland endlich ein Zentralabitur einzuführen. Es ist nun doch ein Unterschied, ob das Abitur z.B. in Bremen oder in München abgelegt wird. Unter diesen Umständen habe ich durchaus Verständnis dafür, dass der 2-er Abiturient aus München versucht, seinen Studienplatz auch evtl. über eine Klage zu bekommen, hätte er doch mit einem Abitur aus Bremen mit hoher Wahrscheinlichkeit die NC-Hürde genommen. Also: Zentralabitur einführen und juristische Tricksereien abschaffen!

#9 |
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Dr. Regina Reinsperger
Dr. Regina Reinsperger

Und wie steht´s hiermit:
“(1) Alle Deutschen haben das Recht, Beruf, Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte frei zu wählen.Die Berufsausübung kann durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes geregelt werden.
(2)Niemand darf zu einer bestimmten Arbeit gezwungen werden, außer im Rahmen einer herkömmlichen allgemeinen, für alle gleichen öffentlichen Dienstleistungspflicht.
(3)Zwangsarbeit ist nur bei einer gerichtlich angeordneten Freiheitsentziehung zulässig.”
Das ist der “Artikel 12 (Freiheit der Berufswahl)”unseres gültigen Grundgesetzes und er enthält keinen “Numerus clausus”. Nur zur Erinnerung an alle, die gegen Gerichtsentscheidungen wettern und Zulassungsbeschränkungen verteidigen statt den Ausbau der Lehre voranzutreiben.

#8 |
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Franziska de Jong
Franziska de Jong

@Michael und Klaus Samer:
Ich glaube nicht, dass der ärztliche und der pflegerische Bereich weiterkommen, wenn sie sich gegenseitig abwerten und anderen ihre Leistung aberkennen.
Meiner Meinung nach ist an beiden Beiträgen etwas Wahres dran. Klaus Samer schrieb: “Was da alles auf die Patienten losgelassen wird”, hier möchte ich einwerfen, dass man dies leider auch von unserem Berufsstand sagen muss. Es ist insgesamt im Gesundheitswesen der Trend möglichst “billige” Arbeitskräfte einzustellen. Da werden dann Ärzte eingestellt, die der deutschen Sprache nicht Herr sind ¿ was ich aber zur richtigen Arzt-Patienten Kommunikation als unabdingbar empfinde.
Zum Arztstudium:
Hochachtung vor den Ärzten die ihr Studium durchziehen; ich stimme ihnen, Michael, zu, dass dies ein große Herausforderung ist, würde mir aber auch wünschen, dass sich an der Einstellung zum Medizinstudium etwas ändert. Lassen sie mich hierfür ausholen: Oft höhere ich den Satz: ¿Ich habe ein 1-er Abi, jetzt studiere ich Medizin¿. Bevor man dies tut, würde ich aber jedem raten, erstmal in die Praxis zu gehen, reinzuschnuppern und dann den Berufswunsch evtl. nochmal zu überdenken.
Ich würde hier durchaus Parallelen zu Lehrern ziehen: Auch in dieser Berufssparte kommt es leider vor, dass viele zwar die fachliche Kompetenz, nicht aber die notwendigen sozialen Fähigkeiten in den Beruf einbringen können.

#7 |
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Dr. Peter Koch
Dr. Peter Koch

Zu einem guten Arzt gehört beides, die Motivation und die Fähigkeiten, sich komplizierte Sachverhalte anzueignen.
Motivation allein ergibt vielleicht einen guten Heilpraktiker, aber für einen guten und erfolgreichen Arzt ist auch eine anspruchsvolle wissenschaftliche Ausbildung erforderlich. Ob man sich diese aneignen kann. läßt eben doch am ehesten die Abiturnote einer entsprechend qualitätvollen Schule erwarten.

#6 |
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Klaus Samer
Klaus Samer

P.S. zu Professor Sonntag. Schön formuliert was den NC angeht ändert aber nichts an dem Faktum das der Abischnitt die Hürde fürs Studium darstellt und zwar immer noch an der Mehrzahl der medizinischen Fakultäten in Deutschland. Und viele Unis haben als eigenes Auswahlkriterium wiederum was in den Fordergrund gestellt ? Genau den Abischnitt.
Solange es kein absolut gerechtes System zur Vergabe der Medizinstudienplätze gibt und welches wäre das schon ?! muß man damit leben dass das deutsche Rechtssystem klagen dagegen zulässt
Man muß im Übrigen nicht perfekter in Naturwiseenschaftlen sein um ein fähiger Arzt zu werden, aber es hilft.
Das derzeitige Medinzstudium zeichnet – von Ausnahmen abgesehen – nicht unbedingt durch die Förderung von Verständnis aus sondern eher dadurch möglichst viel in geringer Zeit zu pauken und viel Streß auszuhalten , auch eine notwendige Qualifikation für den Arztberuf in Deutschland.

#5 |
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Klaus Samer
Klaus Samer

Die angeführten Untersuchungen, zur Korrelation zwischen Abischnitt und erfolgreichen Studienverlauf, messen ja im Prinzip – wenn überhaupt – nur diesen Zusammenhang. Die Frage ob einen das Medizinstudium in seiner derzeitigen Form dazu befähigt ein guter Arzt zu werden wird dabei schlicht aussen vor gelassen.
Wenn man sich ansieht wer inwzischen im Krankenhaus alles als Assistenzarzt angestellt und auf die Patienten losgelassen wird kann man durchaus bezweifeln das ein starker Zusammenhang zwischen Studienanforderungen und Befähigung zum “guten” Arzt besteht.
Es ist zwar klar dass das auch an der Tatsache liegt das nur noch wenige nach dem Studium den Weg ins Krankenhaus wählen , aber auch früher schon gab es eine nicht unerhebliche Diskrepanz zwischen Studienanforderungen und Assistenzarztwirklicht, die Dinge haben sich halt nur verschärft.

#4 |
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Ich kann auch keinen “Stein der Weisen” präsentieren, der ein zuverlässiges “Vorsortieren” der Kandidaten für das Medizinstudium ermöglicht; ich glaubae aber,daß nicht allein das Studium, sondern auch die postpromotionelle Ausbildung (in Österreich:z.Zt.: 3 jähriger “Turnus” ) erst einen guten Arzt ausmacht! Wir hatten in unserem Semester einen “ausgezeichnten ” Maturanten”(Abiturienten), der auch mit “summa cum laude” sein Studium abschloß; in der Praxis war er dann eine “Niete”..

#3 |
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Prof. Dr. Hans-Günther Sonntag
Prof. Dr. Hans-Günther Sonntag

Zunächst einmal meinen Glückwunsch an Herrn Dr. Kron für den sachlichen Beitrag, der ja gerade einmal wieder ein aktuelles Thema als Inhalt hat. Erstaunlich, zum Teil amüsant aber auch erschreckend sind für mich die Kommentare, die ja wohl alle von Medizinstudierenden stammen und hier sollte man etwas mehr Sach- und Fachkompetenz erwarten. So hat der Numerus Clausus per se nichts mit den Auswahlkriterien zu tun, er legt nur fest, wieviel Ausbildungskapazität (Studienplätze für Medizin) pro Medizinfakultät in Deutschland zur Verfügung steht. Er sagt nichts aus über die Auswahlkriterien für einen Studienplatz und über diese kann man sich sicher streiten. Auch im internationalen Bereich gibt es keine 100% gen Kriterien dafür ob jemand ein guter Arzt, eine gute Ärztin wird (das weiß man ja oft nach dem Studium noch gar nicht). Die Harvard Medical School wählt per Papierform aus ihren ca 5000 Bewerbern ca 500 aus, die sie dann für eine Woche einladen und von Tutoren über diese Woche rund um die Uhr betreuen lassen, um sich dann für die 150 KandidatInnen zu entscheiden, die zugelassen werden. Welch ein finanzieller Aufwand, aber immerhin mit einem guten Erfolg. Aus meiner über 45 jährigen Erfahrung als Hochschullehrer in der Medizin kann ich zum einen feststellen, dass eine wesentliche Grundvoraussetzung für das Medizinstudium die Gymnasialleistungen in den naturwissenschaftlichen Fächern Chemie, Physik, Mathematik, Biologie darstellen, allein um das Grundwissen in der vorklinischen Ausbildung bewältigen zu können. Hier gibt es auch statistisch saubere Daten über den Notendurchschnitt bei diesen Fächern im Gymnasium und dem Abscheiden im Physikum. Für das Abschneiden nach der klinischen Ausbildung sieht dies schon wieder anders aus. Es sollte nicht verkannt werden, dass sich zahlreiche Medizinische Fakultäten um Alternativen für Aufnahmekriterien bemühen. So hat Baden-Württemberg ein Testsystem eingeführt, dessen Ergebnis immerhin mit 50% als Auswahlkriterium mit eingeht. Und auch diejenigen, die es beim ersten Anlauf nicht schaffen, haben insbesondere dann, wenn sie die Wartezeit für Medizin nahe Aktivitäten nutzen, eine gute Chance.Und nun noch eine Bemerkung zum “Einklagen”. Dies ist eines der unseligsten und nur auch in Deutschland möglichen Verfahren, um einen Studienplatz zu erhalten. Die Medizinischen Fakultäten in Deutschland bilden über Jahre an der Grenze ihrer Belastungsmöglichkeit aus und müssen trotzdem immer damit rechnen, dass gewiefte Juristen ein Haar in der Suppe finden, um noch mehr Studierende “hineinzudrücken”. Wie soll dabei die erforderliche Ausbildungsqualität garantiert werden. Die damit verbundenen Probleme bekommen nicht nur die gerade in der Ausbildung stehenden Studierenden insbesondere bei der Ausbildung am Patienten zu spüren, dies hat auch enorme Auswirkungen auf das Gesamtergebnis der Ausbildung und damit auf die Qualität der nachwachsenden Ärztegeneration. Abgesehen davon sind notwendige Neuerungen in der medizinischen Ausbildung kaum einzuführen und umzusetzen. Hier sind die Verantwortlichen der jeweiligen Landespolitik gefordert, klare Kriterien für die Ausbildungskapazität der jeweiligen Medizinischen Fakultät festzulegen, die nicht durch “Eingeklagte” überschritten werden darf. Der Bezug der medizinischen Ausbildung zur desolaten beruflichen Situation der Ärzte insgesamt in der BRD ist irrelevant. Dies ist wohl ein Thema, das erst dann auch politisch ins Rampenlicht – und hoffentlich zu annehmbaren Lösungsvorschlägen – führt, wenn nicht nur 40% sondern 60% und mehr unserer ausgebildeten Ärzte und Ärztinnen Deutschland verlassen, weil sie im Ausland deutlich bessere Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten angeboten bekommen.

#2 |
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Linda Neumann
Linda Neumann

also daniel, warte mal die pausen ab… früher oder später sind genug plätze in den vorlesungen frei ;) ich selber habe mich eingeklagt und bin jetzt erfolgreich in regelstudienzeit im 10. semester. ich sehe ein, dass es auf eine gewisse art und weise ungerecht ist, sich den platz zu erklagen. andererseits finde ich eben die zulassungsbedigungen auch ungerecht. es hängt halt einfach nciht nur am abi, wie erfolgreich man studiert oder ob man ein guter arzt wird. ich finde, um das einklagen zu vermeiden, muss man weiter über die zulassungsbedingungen zum studium nachdenken.

#1 |
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