Die Suizid-Lücke

19. Dezember 2017
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Nur halb so viele Männer wie Frauen erkranken an Depressionen, heißt es in etlichen Studien. Es begehen aber mehr als drei Mal so viele Männer Suizid. Die häufigste Ursache von Selbstmord: die Depression. Die Rechnung geht nicht auf, kritisiert Soziologin Möller-Leimkühler.

Depressionen zählen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen in Deutschland, laut Robert-Koch-Institut (RKI) stehen sie an erster Stelle der Krankheitslast. Weniger bekannt ist, dass weitaus mehr Männer betroffen sind, als bisher angenommen. „Der Befund, dass Frauen zwei bis drei Mal häufiger an einer unipolaren Depression erkranken als Männer scheint eher ein methodischer und diagnostischer Artefakt zu sein, als dass er ein geringeres Depressionsrisiko von Männern belegt“, sagt Anne-Maria Möller-Leimkühler, Professorin für psychiatrische Soziologie am Klinikum der Uni München: „Denn Männer begehen mindestens drei Mal so häufig Suizid, und die häufigste Ursache für einen Suizid ist Depression. Dahinter steckt also eine hohe Unterdiagnostizierung von Depressionen bei Männern.

Heute gilt die Depression als Volkskrankheit, das RKI bescheinigte ihr eine herausragende gesundheitspolitische und gesundheitsökonomische Bedeutung. Die Studie Gesundheit in Deutschland aktuell (GEDA) von 2010 besagt zudem, dass Frauen ungefähr doppelt so häufig betroffen sind wie Männer. Dies belegen auch Zahlen des statistischen Bundesamts (Destatis) von 2016: Fast 60.000 Fälle von einmaligen oder rezidivierenden, immer wiederkehrenden, depressiven Störungen bei Frauen stehen weniger als 30.000 Fälle bei Männern gegenüber.

Aggression, Wut und Suchtmittel

Das bedeutet aber nicht, dass Männer seltener unter Depressionen leiden – sie werden nur seltener erkannt. „Dies hat mehrere Ursachen“, erklärt Möller-Leimkühler: „Eine unterschiedliche Symptomatik, die vom klassischen Bild der Depression abweicht, die geringe Inanspruchnahme professioneller Hilfe von Männern und ein Genderbias in der Depressionsdiagnostik.“ Epidemiologische Studien hätten gezeigt, dass Männer konsistent weniger konventionelle Depressionssymptome angeben würden als Frauen, etwa Traurigkeit, Antriebslosigkeit oder Interessenverlust, sagt die Soziologin. Das bedeute aber nicht, dass sie nicht an einer Depression leiden würden.

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Depressionen werden bei Männern häufig nicht erkannt, sagt Anne-Maria Möller-Leimkühler.

Bei Männern würden sich depressive Symptome anders äußern, sie würden anders mit depressiven Symptomen umgehen und sie als solche oft nicht identifizieren können: „Typischerweise verarbeiten Männer emotionale Probleme über externalisierte Strategien auf der Verhaltensebene, also durch Aggression, Wut, riskantes Verhalten oder auch durch verstärkten Suchtmittelkonsum“, so Möller-Leimkühler. „Auch Hyperaktivität und suchtähnliches Verhalten in Bezug auf Arbeit, Sport, Internet oder Sex sind typisch. Man könnte das auf die Formel bringen: Außen Action, innen Konflikt.“

Dies seien zum Teil Formen der Selbsttherapie und der Abwehr. Denn eine Depression werde von Männern eher als typische Frauenkrankheit wahrgenommen, die sich durch Passivität, Schwäche, Klagsamkeit und depressive Verstimmung äußere, sagt die Soziologin. Dies sei nicht mit traditionellen Männlichkeitsnormen vereinbar: „Zwar gilt das Stereotyp vom starken Mann, der alles wegsteckt, heute als veraltet, aber solche Ideale haben immer noch einen starken Einfluss auf die Bewertung männlichen Verhaltens. Deshalb versuchen Männer so lange wie möglich, die Fassade des reibungslosen Funktionierens aufrechtzuerhalten und verleugnen oder bagatellisieren ihre Probleme, um ihre männliche Identität zu schützen.“

Männer fallen durchs Raster

Dieser Unterschied zwischen Frauen und Männern ist auch in anderen Ländern so. Laut zahlreicher Studien sind doppelt so viele Frauen wie Männer depressiv. Allerdings gibt es auch Studien, die diese Quote anzweifeln. Im Rahmen einer Metaanalyse werteten amerikanische Psychologinnen 160 Studien mit repräsentativen Daten von 1,7 Millionen Frauen und Männern aus 90 Nationen aus. Ihr Resumee: Frauen sind zwar häufiger von Depressionen betroffen als Männer, aber anhand ihrer Daten konnten sie nicht belegen, dass es Frauen doppelt so häufig trifft. Es seien mehr Männer, als bisher angenommen. Das heißt, dass mehr Männer depressiv sind als es der weitläufigen Meinung entspricht. Die Wissenschaftlerinnen geben zu bedenken, dass männliche Betroffene aufgrund des Stereotyps „Depressionen sind eine weibliche Erkrankung“ häufig übersehen und nicht adäquat behandelt werden.

„Verhaltensmuster wie Aggressivität, Risikoverhalten oder Hyperaktivität werden in der Regel nicht mit einer Depression in Verbindung gebracht“, sagt Möller-Leimkühler. „Sie erscheinen auch nicht in den gängigen Depressionsinventaren, so dass Männer, die vorwiegend diese Art des Stressverhaltens schildern, tendenziell durch das diagnostische Raster fallen. Es wäre deshalb wichtig, die konventionellen Depressionskriterien um externalisierende Symptome zu erweitern“, rät die Expertin. Die Art der Stressverarbeitung spiele also eine wichtige Rolle: „Frauen internalisieren, grübeln und suchen Hilfe, Männer schweigen, werden aggressiv, lehnen Hilfe ab und wählen eher Suizid als eine effektive Problemlösung“, sagt Möller-Leimkühler. Männer seien vor allem gefährdet, wenn ihr sozialer Status bedroht oder verloren sei: „Ein niedriger sozioökonomischer Status, eine Scheidung oder Trennung, berufliche Stressoren wie Gratifikationskrisen, Arbeitslosigkeit oder Pensionierung, aber auch chronische körperliche Erkrankungen haben ein stärkeres Gewicht für Männer als für Frauen“, so die Soziologin.

Andere psychosoziale Probleme

Um Männern mit Depressionen besser zu helfen, seien insbesondere Hausärzte gefragt, sagt Möller-Leimkühler: „Studien zur Arzt-Patienten-Kommunikation haben gezeigt, dass Hausärzte unterschiedlich mit männlichen und weiblichen Patienten kommunizieren. Dies betrifft sowohl die Dauer der Gespräche, die bei männlichen Hausärzten und männlichen Patienten am kürzesten ausfällt, als auch die Inhalte.“ Nur selten würden psychosoziale und emotionale Probleme thematisiert, im Unterschied zu weiblichen Patienten. „Zusammen mit stereotypen Vorstellungen, dass Männer eigentlich nicht so häufig an einer Depression erkranken wie Frauen, besteht die Gefahr, dass Depressionen bei Männern nicht erkannt werden, zumal wenn der Hausarzt diese erst gar nicht nach typisch männlichen Stresssymptomen befragt“, erklärt Möller-Leimkühler. Eine Möglichkeit, männliche Patienten schonend mit der Diagnose Depression zu konfrontieren, sei die Thematisierung von Stressfaktoren und Burnout, die mittlerweile gesellschaftsfähig geworden seien.

Die Soziologin rät, es müsse eine Sensibilisierung für Depressionen bei Männern auf verschiedenen Ebenen: „Einerseits durch gezielte Fort- und Weiterbildungen der Ärzte, speziell der Allgemeinmediziner, weil sie die erste Anlaufstelle sind. Andererseits durch gendersensitive Screeninginstrumente, um routinemäßig männerspezifische Symptome erkennen zu können.“

Männer müssten einen besseren Zugang zu ihrer Psyche finden, um Emotionen differenzierter wahrnehmen zu können und um sich nicht durch unrealistische Männlichkeitsideale selbst zu schädigen, sagt Möller-Leimkühler: „Dies ist eine gesamtgesellschaftliche Vermittlungsaufgabe, die schon bei der Erziehung von Kindern in Familie, Schule und Sportvereinen beginnen sollte.“

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Bildquelle: Paul Englefield, flickr / Lizenz: CC BY
Forschung, Medizin, Psychiatrie

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58 Kommentare:

Elisabeth Redicker
Elisabeth Redicker

woher will man wissen, dass nur halb so viele Männer an Depression erkranken. Daran glaube ich nicht. Im Bekanntenkreis 2 männliche
Suizide (32 und 40 Jahre) in den letzen 3 Wochen ohne erkennbarer
Probleme. Männer sind wahrscheinlich emotional introvertierter und
in der Endphase dann aber mutiger als Frauen.

#58 |
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FocusTurnier
FocusTurnier

Interessanter Beitrag. Danke dafür. Weitere Infos und Hintergründe zur Situation findet man bei MannDAT:

“Die Forderung nach einem Männergesundheitsbericht (in Ergänzung zum 2001 von der Regierung herausgegebenen Frauengesundheitsbericht)wird seit Jahren von allen politischen Entscheidungsträ­gern abgelehnt bzw. nicht unterstützt. ”

https://manndat.de/maennergesundheit/maennergesundheit-kein-thema.html/4

#57 |
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Gast
Gast

Suizid nach Zahlen…. na ja. Es ist schon ewig bekannt, dass viele Männer, die unter einer Depression leiden, eben nicht mit Rückzug und nach außen sichtbaren depressiven Erscheinungen auftreten. Viele niedergelassene Haus und Fachärzte bescheinigen/unterstellen lieber eine Depression, anstatt offen zu sagen “Ich habe gerade keine Erklärung für ihre Beschwerden, aber wir schauen, wie wir das Problem lösen” Viele Therapeuten füllen sich lieber ihre Praxen mit Menschen, die ihre Alltagsproblemchen “besprechen” müssen. Das nimmt ernsthaft erkrankten Plätze weg. Anders ist das ewige Warten auf einen Termin nicht erklärbar. Es hakt an vielen Stellschrauben, aber es ist gängige Praxis, sich hinter Zahlenkonstrukten zu verstecken, anstatt dieses aus den Rudern gelaufene System grundsätzlich in Frage zu stellen!

#56 |
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Dr. Kobenius
Dr. Kobenius

#50
Da haben sie einen Faktor für die Zunahme von Depressionen gefunden.

Soziale Kontroll- und Pflegesysteme, wie Familie, Freunde und Umfeld fallen häufig aus. Das gibt dem Menschen mehr Freiheiten und individuelle Gestaltungsmöglichkeiten, die enge Einbindung in eine Gemeinschaft fehlt. Es werden Verstimmungen und Leistungsausfall zu spät erkannt. Und es wird sich nicht mehr gekümmert.

#55 |
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Gast
Gast

Fortsetzung… und wenn sich dann die Ausgebeuteten Alle umgebracht haben, wer soll dann eigentlich die Drecksarbeit für die Sklaventreiber machen????

#54 |
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Gast
Gast

# 46 Daran kann man sehen ,wie geisteskrank unsere Gesellschaft wirklich ist , die dem Geld hinterherrennt und die Menschlichkeit ist schon lange auf der Strecke geblieben. Ein Umdenken und Umverteilung der Besitztümer ist zwingend notwendig ,ansonsten endet das Ganze vielleicht wieder in einem Holocaust

#53 |
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Thomas Friedrich
Thomas Friedrich

@Remedias Cortes:

“Menschen müssen generell in sozialen Krisen besser aufgefangen werden, und zwar durch Jobcenter, Arbeitsamt, Behörden, Sozialarbeiter, Nachbarn, Gemeinde, Umfeld und dann erst durch den Mediziner,wenn tatsächlich eine Depression vorliegt.”

Am einfachsten wäre es, die Hartz IV-Sanktionen abzuschaffen. Denn diese bedeuten, dass arbeitslose Menschen unter das Existenzminimum gedrückt werden, sobald sie einen Termin verpassen oder nicht bereit sind, jeden Billigjob anzunehmen.

Von den ganzen Suizidpräventionsaposteln habe ich diese Forderung aber noch nie gehört. Im Bundestag gibt es eine direkte Korrelation zwischen der Befürwortung der Hartz IV-Sanktionen und der Ablehnung des ärztlichen assistierten Suizids. Auf der einen Seite sollen selbst todkranke Patienten zum Weiterleben gezwungen werden, auf der anderen Seite darf und soll der Staat Arbeitslose unter das Existenzminimum fallen lassen.

#52 |
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Gast
Gast

Suizidalität ist ein komplexes Thema, und die Ursachen sind vielfältig. Bilanzsuizidalität gibt es, wie auch Suizidalität bei Depressionen, Psychosen, Abhängigkeitserkrankungen, Persönlichkeitsstörungen usw. Im Akutfall ist das alles sehr ernstzunehmen, aber die Prognose ist doch unterschiedlich und gerade bei behandelbaren psychischen Erkrankungen kann der Suizid oft verhindert werden und die Patienten sind hinterher sehr dankbar dafür. Bei der Bilanzsuizidalität sieht das oft anders aus.
Bei Männern scheint Suizidalität oft mit narzisstischen Kränkungen einherzugehen, ohne dass eine eigentliche Depression vorliegt. Eine effektive Krisenintervention kann hier oft rasch eine Verbesserung bringen und den Suizid, der in diesen Fällen ansonsten oft effektiv (und mit “gewaltsameren” Methoden) durchgeführt wird, verhindern. Auch hier sind die Patienten hinterher meist dankbar für die Intervention.
Wie auch bei vielen anderen psychiatrischen Erkrankungen (z.B. ADHS, Autismus) gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede, sowohl in der Symptomatik, als auch in der Diagnostik (viele neuropsychiatrische Testverfahren sind auf Jungen/Männer “geeicht” und erfassen nicht das Symptomspektrum von Mädchen und Frauen, ähnliches gilt wohl umgekehrt für depressive Symptome oder Suizidalitet), mit gemeinsamer “Endstrecke”, wenn es zu spät ist.
Wichtig ist es daher, über diese Unterschiede Bescheid zu wissen.

#51 |
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Nichtmedizinische Berufe

“„Ein niedriger sozioökonomischer Status, eine Scheidung oder Trennung, berufliche Stressoren wie Gratifikationskrisen, Arbeitslosigkeit oder Pensionierung, aber auch chronische körperliche Erkrankungen haben ein stärkeres Gewicht für Männer als für Frauen“, so die Soziologin.”
Es kann ja sein, dass bei Männern der Bilanzsuizid öfter vorkommt. Aber unabhängig von der Diagnose einer Depression; was ist das denn für eine Gesellschaft, in der ein Mann, weil er beispielsweise seinen Arbeitsplatz verliert, nicht mehr leben will?
“Männer müssten einen besseren Zugang zu ihrer Psyche finden, um Emotionen differenzierter wahrnehmen zu können und um sich nicht durch unrealistische Männlichkeitsideale selbst zu schädigen, ”
Menschen müssen generell in sozialen Krisen besser aufgefangen werden, und zwar durch Jobcenter, Arbeitsamt, Behörden, Sozialarbeiter, Nachbarn, Gemeinde, Umfeld und dann erst durch den Mediziner,wenn tatsächlich eine Depression vorliegt.

#50 |
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Dipl.-Psych. Katrin Hemminger
Dipl.-Psych. Katrin Hemminger

Steht schon genau so im Lehrbuch von vor 20 Jahren…

#49 |
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Nichtmedizinische Berufe

Ärzte müssen nicht nur für Depressionen bei Männern sensibilisiert werden – sondern auch bei sich selbst und Kollegen: http://news.doccheck.com/de/blog/post/7702-der-arzt-der-suizid-und-das-tabu/

#48 |
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Corypheus
Corypheus

Zu 48: Eine sehr christliche Einstellung und mit der Erwähnung der Euthanasie direkt am Thema vorbei.

#47 |
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Corypheus
Corypheus

Frau Doktor, das streitet niemand ab. Aber wo soll Hilfe herkommen? Wer soll sie leisten? Hausärzte, die jetzt schon vollständig überlastet sind? Psychiatrischen Einrichtungen, die bis unter das Dach vollbelegt sind? Therapeuten, die für eine Weiterbehandlung nach dem einstündigen Erstgespräch Wartezeiten von bis zu einem Jahr haben? Die Unterscheidung zwischen einem wirklich freiwillig gewählten Tod und einem Tod in Folge einer Depression ist Sache einer ausgebildeten Fachkraft und nicht zwischen Tür und Angel. Also, wer soll diesen Menschen Stütze und Beistand gewähren? Unser bereits in der Agonie befindliches Gesundheitssystem? Kleriker verschiedener Religionen? Heilpraktiker und Schamanen? Oder vielleicht gar der Krankenhausarzt, der vor lauter Papier und Erschöpfung den Patienten nicht mehr sieht?

#46 |
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Gast
Gast

Dieser angebliche “Freitod” aus freien Stücken führt ganz schnell in Teufels Küche. Das, was unsere Schweizer Freunde von Dignitas “Freitod” nennen, das ist überhaupt nicht weit weg von der Euthanasie – und mit der haben wir in Deutschland ja nun so unsere zivilisatorisch ganz dunklen Erfahrungen gemacht, von 1933 bis 1945.
Rentenkasse durch “Einschläfern” der Rentner entlasten und sonstiges “lebensunwürdiges” Leben, das nur im Bett liegt und sich vollsabert aber die Pflegekassen belastet, gleich dazu… so weit kommt´s noch. Aber wollen wir das? ich glaube eher nicht.

#45 |
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Ärztin
Ärztin

@Corypheus: Ja, es gibt den Bilanzsuizid. Eine bewusste und freie Entscheidung nach reiflicher Überlegung im Vollbesitz der geistigen Kräfte. Das trifft jedoch nicht bei jedem Suizid zu. Es gibt auch Patienten die aufgrund einer Depression diese Entscheidung treffen weil ihre Krankheit es nicht zulässt dass sie Hoffnung verspüren obwohl es Hoffnung gibt. Und diese Patienten berichten häufig nach Abklingen der Beschwerden dass sie froh darüber sind es nicht getan zu haben oder dass es nicht geklappt hat. Diese Menschen haben ein Recht auf Hilfe und Schutz bis sie wieder sie selbst sind.

#44 |
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Corypheus
Corypheus

Zu 42: Doch, das macht er oder sie! Nicht immer steckt eine Krankheit hinter dem Wunsch, nicht mehr leben zu wollen!
Es gibt wirklich und in echt Menschen, die wählen freiwillig, ohne Zwang oder Einflussnahme von außen, den Freitod.
Siehe meinen ersten Kommentar weiter unten. Bitte gründlich lesen, Gast Nr.42!

#43 |
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Martin Pinnau
Martin Pinnau

Ad #13: Nicht nur sexuelle Misshandlung hat verheerende Auswirkungen auf die Seele/Psyche der Opfer, auch die sehr häufig totgeschwiegenen oder als unwichtig abgetanen seelischen Misshandlungen können extrem fatale Folgen haben, häufig über Jahrzente hinweg nach der eigentlichen Misshandlung. Dies wird zum Glück immer mehr beleuchtet, hat aber bis heute noch eine extrem hohe Dunkelziffer und ist, was Suizidalität angeht, nicht zu unterschätzen. Da sexuelle Misshandlung mit seelischer Misshandlung einhergeht, potenziert das die Traumafolgen für die Opfer.

#42 |
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Rentenberater Johann simon Genten
Rentenberater Johann simon Genten

Traurige Wahrheiten. Traurig auch: Wenn es umgekehrt wäre, gäbe es sofort entsprechende Programme, Maßnahmen und der Aufschrei der Frauen bzw. der mächtigen Frauen-Lobby wäre groß. Gesellschaftliche Realität. Gleichberechtigung ja, aber Frauen werden zunehmend gleicher…Frauen in die Vorstände der Aktiengesellschaften, aber niemand interessiert, dass Männer bei ABI mittlerweile schlechter abschneiden und mehr Frauen als Männer z.B. wegen des höheren Notenschnitts Medizin studieren können.

#41 |
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Ralf
Ralf

@Corypheus

Da bin ich voll bei Ihnen- auch eine bemerkenswerte Art der Menschen- urteilen über Andere- ohne in dessen Schuhen gegangen zu sein!

#40 |
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Gast
Gast

Der Betroffene bringt sich eben gerade nicht aus freien Stücken um! Dieses Doccheck-Kommentariat….

#39 |
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Corypheus
Corypheus

Bitte nicht mehr vom Selbst”mord sprechen, ein Mord impliziert negatives, heimtückisches. Besser ist der Begriff Freitod.
Niemand, wirklich niemand, hat das Recht über einen Suizidenten zu urteilen.
Niemand weiß in was für einer Situation sich die Person befunden hat und nur jemand, der wirklich einmal am Grund der sprichwörtlichen Hölle war, kann es nachvollziehen. Damit meine ich nicht eine verlorene Jugendliebe mit sechzehn und auch keinen Jobverlust, sondern wirklich einschneidende Lebenssituationen, in denen man keine Hilfe bekommt wenn man sie braucht. Viele solche Patienten würden nur zu gerne Hilfe annehmen, aber wenn der früheste Termin beim Therapeuten erst in sechs bis acht Monaten ist, schwindet das Vertrauen doch arg und die Hoffnungslosigkeit kehrt zurück. Und nein, Benzodiazepine sind zur Überbrückung ebenso wenig geeignet wie Rauschmittel oder andere Arzneimittel.
Wir erdreisten uns, zu den am Boden liegenden und Verzweifelten zu sagen: Steh auf, ist doch nicht so schlimm, wird schon wieder, reiß dich zusammen, das Leben ist lebenswert usw.
Wir glauben, dass ein Leben zu kostbar ist, um es fortzuwerfen. Dass es immer Gründe gibt, warum man oder frau weiterleben müssen hauptsächlich weil es die Gesellschaft will, nicht der oder die Betroffene).
Ich aber sage: Wer den Freitod wählt, hat meist einen Grund.
Die Person hat ihr Leben für Ruhe und Frieden geopfert, es hergegeben damit sie nicht mehr leiden muss.
Ist es nicht furchtbar arrogant von uns (Heilberuflern, Psychotherapeuten, Heilpraktikern und Assistenzpersonal) zu sagen, wir können in jedem Fall immer helfen und demjenigen die “Flausen” austreiben?
Ist es nicht anmaßend, sich über den Willen einer anderen Person zu erheben?
Vielleicht urteilen wir zu schnell.
“Verurteile keine Person, solange du nicht wenigstens eine Meile in ihren Schuhen gegangen bist.”

#38 |
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Dieter Grotjahn
Dieter Grotjahn

@21: “Offensichtlich wird das Forum hier zur Selbstdarstellung missbraucht.”

leider trifft das im weitesten Sinne für das Ganze Internet zu!

#37 |
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Ralf
Ralf

Liebe Ärztin, absolut- die Mischung macht es- ein Cocktail wird nur dadurch geniessenswert und immer etwas “anders” – weil eben viele Zutaten und Mischungsverhältnisse darin möglich sind.
Ich fühle mich genauso wohl in einem Flugzeug wenn es von einer Frau gesteuert wird- so wie Eltern vielleicht ebenfalls ein gutes Gefühl haben sollten wenn die Kindergärtnerin ein Mann ist.
Leider gibt es immer wieder Dinge, die mir das Leben und frei sein schwer machen- Beispiel aktuell “MeToo”
Ich denke wir haben noch einen weiten Weg vor uns, ein Stück ist gegangen und ein Stück liegt noch vor uns- Verständnis und Humanität sind die Bausteine für einen guten Bau auf solidem Fundament. Gruss aus Freiburg!

#36 |
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Ärztin
Ärztin

Lieber Ralf, da sind wir vollkommen einer Meinung. Ein GleichSEIN kann und soll es nicht werden, denn Mann und Frau sind nicht gleich, aber sie sind gleich viel wert und bedeutend und das sollte endlich in den Köpfen ankommen. Und in diesem Punkt gibt es leider noch viele Missverständnisse. Auch wir haben unsere Rollen nicht 1:1 getauscht, nach wie vor erledigt mein Mann lieber Dinge wie Reifenwechseln oder Rasenmähen und ich bin ihm sehr dankbar dafür. Die Wäsche muss er nicht waschen, wenn er nicht möchte das kann ich auch nach der Arbeit tun. Dafür ist er mir dankbar. Der Punkt ist aber: es gibt individuelle “Abweichungen” von Klischeerollenbildern. Und kaum jemand ist dauerhaft glücklich mit: und so läuft das jetzt für immer. Es gibt Männer die ganz hervorragend kochen und gerne Einkaufen gehen den kindern vorlesen oder Rosen züchten und wenn es nur für eine gewisse Zeit ist, also sollten sie das mal machen dürfen ohne dass jemand urteilt und ihnen ihre Männlichkeit abspricht. Es gibt Frauen die möchten das alles nicht immerfort also sollte man es nicht von ihnen erzwingen, dafür haben einige das Zeug dazu große Firmen in Spitzenposition zu führen oder Flugzeuge zu fliegen oder Menschen zu operieren, also sollten das auch tun können. Solange immer jemand vorliest, kocht, einkauft, Blumen gießt, Geld heimbringt ist es doch gut, Abwechslung schadet nicht.

#35 |
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Ralf
Ralf

@Ärztin, herzlichen Dank für Ihren Beitrag, dem ich sehr gerne zustimme.
Das Ziel sollte sein, dass unabhängig vom Geschlecht jeder die gleichen Chancen und Möglichkeiten hat, richtig.
Vielleicht kann man es noch ergänzen und sagen, dass es einfach auch so ist, dass beide Geschlechter gewisse Eigenarten haben, die offenbar Biologisch gewollt sind und auch Ihre Richtigkeit haben. Deshalb kann es nie eine Gleichheit ‘1:1’ geben.
Ich verstehe die Bemühungen der Emanzipation und stehe ganz dahinter, jedoch möchte ich auch darauf hinweisen, dass es, wie bei allen anderen Diskussionen und Meinungsverschiedenheiten auch hier sinnvoll und wünschenswert ist, den ‘Anderen’ mitzunehmen anstatt ihn zu verprellen.
Das ist leider- wenn ich mit anderen Männern spreche- aktuell bei vielen das vorherrschende Gefühl.
Männer haben durchaus Gefühle und Sehnsüchte, sie müssen lernen dürfen diese auch zu formulieren. Insbesondere gegenüber den Damen fällt das oft schwer.

#34 |
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Ärztin
Ärztin

@Ralf: ich muss Ihnen zustimmen. Leider hinkt die Entwicklung des Rollenbildes des Mannes und seines Selbstverständnisses der Emanzipation der Frau leider etwas hinterher. Das ist schade. Als Hauptverdienerin sehe ich wie sehr mein Mann es nun genießt Zeit zu Hause zu verbringen. Nachdem er während meiner Studienzeit jahrelang der Brötchenverdiener war fällt es auch ihm manchmal schwer alle Aspekte seiner neuen Rolle anzunehmen obwohl es eine gemeinsame Entscheidung war. Der Grund ist einfach und der gleiche warum Männer keine Männerquote für „Frauenberufe“ einfordern. Sie empfinden das als Herabstufung, als Degradierung. Zu Recht. Traditionelle „Frauenberufe“ sind ebenso wie das Übernehmen von Haushalt und Erziehung in der Regel nicht weniger anspruchsvoll und anstrengend als viele „Männerberufe“ aber ausgesprochen schlecht bezahlt, mit wenig Anerkennung und noch weniger Aufstiegschancen. Warum sollten wir das wollen? Ziel der Emanzipation ist es dass niemand mehr wegen seines Geschlechtes herabgewürdigt wird. Ziel sollte schließlich nicht eine Unterdrückung des Mannes sein sondern das Ende der Unterdrückung und ein miteinander auf Augenhöhe.

#33 |
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Ärztin
Ärztin

Mir ist nicht klar warum Frau Großmann kritisiert schreibt weil sie als Soziologin einen Artikel über Suizid schreibt. JEDER kann einen guten Artikel schreiben, sogar Journalisten schaffen das hin und wieder obwohl die eigentlich von nichts eine Ahnung haben außer vom Schreiben möchte man meinen. Um einen guten Artikel zu schreiben ist lediglich sorgfältige Recherche erforderlich. Das hätte ein Psychologe oder Psychiater nicht unbedingt besser gekonnt.

#32 |
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Werner Theis
Werner Theis

Wenn man einen statistischen Befund alleine betrachtet, fehlt der Blick für größere Zusammenhänge. 2 Diagnosen zusammen gesehen ergeben ein klareres Bild: Depressionen sind bei Frauen doppelt so häufig wie bei Männern, Alkoholabhängigkeit ist immer noch bei Männern doppelt so häufig wie bei Frauen (als ich vor fast 40 Jahren in der Psychiatrie anfing, war das Verhältnis M:F noch 10:1, die Frauen haben sich hier mächtig emanzipiert). Die Alkoholabhängigkeit ist ja letztlich nur eine Art verzögerter Suizid, wenn man beachtet, das Alkoholabhängige mindestens 10 Lebensjahre verlieren. In dem Artikel wird es angedeutet, die bloßen Zahlen zeigen: die Alkoholabhängigkeit ist oft vermutlich nur eine Art Selbsttherapie der Depression.

#31 |
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@gast #27: wie können wir helfen?

#30 |
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Ralf
Ralf

Vielen Dank für diesen offenen Bericht- eigentlich müssten diese Zahlen doch aufschrecken- in einem Bericht des Spiegels werden folgende Zahlen genannt: 2014= 10126 Selbstmorde. Mehr als Verkehrstote, AIDS Tote und Drogenopfer zusammen. In der Gruppe der 20-25 jährigen liegt die Selbstmordquote der Männer in Deutschland vier mal so hoch wie bei den Frauen.

Woran liegt das?
in den letzten Jahrzehnten hat sich Frau immer weiter gleichberechtigt- für die Entwicklung des Mannes blieb weniger Platz- nach wie vor “weinen die Jungs nicht”, eine halbe Nation lacht über “Männerschnupfen”- es gibt keine Männerquote bei den Erziehern und Lehren in den Kindergärten und Grundschulen. Männerberufe, die oft hohe Anforderungen an den Körper stellen werden von Frauen gemieden. Eine Geschlechterquote in der Führungsebene der grossen Unternehmen wird munter diskutiert und realisiert.
Einer Umfrage zufolge ist es für über 2/3 der Paare, die Kinder bekommen selbstverständlich, dass der Mann weiter Vollzeit arbeitet und die Frau meist unter 16 Std. die Woche ihrem Beruf nach geht. Diese Aufteilung wird zumeist auch nicht mehr geändert, nachdem die Kinder erwachsen sind.
Die Rolle des Mannes ist nach wie vor sehr zementiert und unverrückbar. Man stelle sich einen Mann vor, der auf einer Polizeiwache erscheint und über eheliche Gewalt gegen ihn berichtet… selbst wenn er ernst genommen werden würde- im Gegensatz zu einer Frau braucht er keine Hilfe von einer staatlichen Stelle zu erwarten – wen wunderts, dass Mann da manchmal den Weg wählt der den Schlussstrich bringt…!

#29 |
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Joachim Bedynek
Joachim Bedynek

Hier hätten die angeborenen Unterschiede zwischen Männern und Frauen zumindestens mit eingebracht werden müssen.

#28 |
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Gast
Gast

Heute in Oberkirchen (Saar) vor 2 Stunden habe ich einen toten Man gefunden. Der ist von 30 Meter Höhe rünter gesprungen. Das Problem ist größer als ich gedacht habe. Für mich und die Familie kommt schwierige Nacht.

#27 |
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Joachim Bedynek
Joachim Bedynek

Der Artikel ist zu oberflächlich.

#26 |
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Gast
Gast

Diese Hyperaktiven Männer, die hyperkompensieren nehmen sich selbst nicht wahr und verdrängen jede ihnen schädlich für ihre Männlichkeit erscheinende Regung. Bis da mal vielleicht ein Psychotherapeut überhaupt in die Nähe kommen darf, muß es schon sehr weit kommen. Es wäre schön, wenn Männer, genauso wie auch manche Frauen, sich einfach mal genau kennenlernen würden und – wenigstens mit sich selber – völlig ehrlich umgehen würden. Bei jedem Kopfschmerz oder sonstigen Beschwerden köärperlicher Art sucht sich der Mensch Hilfe, aber wenn es um die Seele geht, fällt allzuhäufig der Satz: Ich bin doch nicht geistesgestört… Leider.

#25 |
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Thomas Friedrich
Thomas Friedrich

@ #23: Gute Entscheidung. Ich werde mir auch früh genug eine ausreichende Dosis NaP besorgen. Ich möchte autonom entscheiden, wann mein Leben endet, und nicht dem palliativen/psychiatrischen Klüngel in die Hände fallen.

#24 |
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Gast (identisch mit Gast #20)
Gast (identisch mit Gast #20)

Ergänzung zu #20 (zu früh auf die Kommentier-Taste gedrückt – Versagen! (quod erat demonstrandum))

Deshalb gehe ich auch nicht zum Arzt oder Psychiater, sondern verschaffe mir Pentobarbital.

#23 |
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Thomas Friedrich
Thomas Friedrich

Der Begriff der Depression ist so vage, dass man jedem, der sein Leben freiwillig beendet, nachträglich eine Depression unterstellen kann. Damit ist aber eigentlich nur gesagt, dass er unglücklich war und nicht, dass er an einer Geisteskrankheit gelitten hat. Vielleicht war mit seinem Gehirn alles in Ordnung, aber sein Leben war so ungenießbar, dass er eine begründete Entscheidung gegen das Weiterleben getroffen hat.

Die Pathologisierung des Freitods beruht auf der Behauptung, dass jedes Leben besser ist als Nichtexistenz. Diese Behauptung wird aber nie begründet, sondern immer nur vorausgesetzt. Niemand kann erklären, warum dauerhafte Bewusstlosigkeit schlechter ist als zum Beispiel ein Leben mit einer schweren Behinderung, einem hässlichen Körper, einem trostlosen Job oder einem der vielen anderen Übel, die das Leben von Millionen Menschen ungenießbar machen.

Was man als Depression bezeichnet, muss übrigens nicht auf einer verzerrten Wahrnehmung der Realität beruhen. Es gibt sogar die Gegenthese, derzufolge depressive Menschen die Welt realistischer sehen, während wir “Gesunden” rosa Linsen auf den Augen tragen:

https://en.wikipedia.org/wiki/Depressive_realism

#22 |
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Dipl.-Psych. Susanne Petersen
Dipl.-Psych. Susanne Petersen

…also, angesichts mancher Kommentare hier kann einem schon der Kragen platzen. Warum kann man nicht schweigen, z.B. #20, wenn man offensichtlich nicht weiß, was eine Depression ist. Und wenn es, wie im Artikel beschrieben, um die Erklärung der “Suizid-Lücke” geht, dann handelt es sich auch nicht um jede Form der Depression. Aber dazu müsste man entweder wissen, dass es verschiedene Formen dieser Erkrankung gibt oder, wenn man es nicht weiß, was an sich ja auch gar nicht schlimm ist, könnte man auch einfach mal eine Frage stellen, wenn einen das Thema interessiert. Offensichtlich wird das Forum hier zur Selbstdarstellung missbraucht.
Mich wundert es dann auch nicht, dass hier Beiträge gelöscht werden.

#21 |
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Gast
Gast

Meine Ängste vor Autos, Radfahrern, Menschenmassen, eifrigen Verkäufern und eigenem Versagen sind wohl kaum Ausdruck einer Depression im klinischen Sinne, sondern schlicht und einfach altersbedingt – und nur zu berechtigt, wie ich fast täglich erleben muss.
(“Mann”, Jahrgang 1932)

#20 |
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Dipl.-Psych. Susanne Petersen
Dipl.-Psych. Susanne Petersen

Hier sprechen einige vom Umgang der medizinischen Fachleute mit depressiv erkrankten Männern.
Meine Erfahrung als Psychotherapeutin ist, dass Männer, die mit Depressionen so umgehen, wie im Artikel beschrieben, erst einmal überhaupt nicht in Kontakt mit Fachpersonal kommen. Sie gehen ja eben gerade nicht zum Psychologen oder Psychiater.
Sie klagen auch ihrem Augen- oder Zahnarzt nicht ihr Leid. Selbst dem Hausarzt, zu dem sie z.B. wegen eines grippalen Infekts gehen, schildern sie nichts von dem, was ihnen ja selbst nicht bewusst ist. Ich würde von den erwähnten fachfremden Arztgruppen überhaupt nicht verlangen, dann die Depression zu bemerken. Das ist schlicht sehr schwer zu sehen, auch für einen sehr guten Arzt, der nicht gerade Psychiater oder Psychologe ist.
Ich würde auch von einem Hausarzt nicht erwarten, ohne Anlass im Gefühlsleben von Patienten herumzubohren, die offensichtlich wegen etwas ganz anderem gekommen sind.

Da liegt das Problem: Diese bei Männern häufiger als bei Frauen vorhandene, spezifische Form des Umgangs mit einer depressiven Störung, fällt schlicht erst sehr viel später Dritten als pathologisch auf.

Aber das Wissen darum ist gut und kann vielleicht auch den ein oder anderen Allgemein- und Facharzt sensibilisieren, auf Anzeichen zu achten. Und wenn es solche Anzeichen gibt, dann macht es natürlich auch Sinn, vorsichtig nachzufragen.

Deshalb finde ich den Artikel, auch wenn ich merke, dass er nicht von einer Psychotherapeutin geschrieben ist, insgesamt sehr gut und wichtig.
Danke dafür!

#19 |
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Gast
Gast

Es ist herrlich: Jeder schreibt, was er will, keiner hat wirklich hinterfragt, was er sollte, aber alle machen mit.
Ob ein Selbstmord auf eine Depression zurückzuführen ist, kann im Nachhinein niemand belegen. Menschen, deren Weltbild zerstört wurde, Menschen, die alles verloren haben, was ihnen wichtig war, Menschen, die glauben, ihr Ableben könnte das Leben anderer ermöglichen…etc.pp. , all’ sie bedürfen keiner Depression (ist heute ohnehin ein unglaubliches Modewort geworden und wird nur allzu leicht übergestülpt). Verzweiflung reicht. Ist jeder der keinen Ausweg sieht gleich depressiv. Wohl kaum.
Aber egal. Was wirklich schlimm ist, ist dass eine Soziologin in einem Gebiet Profilierung sucht, das wirklich nur von Psychiatern und Psychologen beackert werden sollte. Bei all den Fachfremden stellt sich die Frage, weshalb die Menschen eigentlich einen Fachberuf erlernen müssen, wenn sich jeder als Fachmann sieht….

#18 |
  17
Gast
Gast

Depression als Hauptgrund für Suizide?! Cui bono? Ich halte das in einer Vielzahl der Fälle für eine Schutzbehauptung – vor Allem bei älteren Menschen. Es sei denn, man definiert die allzu sehr berechtigte Angst vor einem unwürdigen und zudem künstlich herausgezögerten Lebensende mit Hilfe unangemessener Hochleistungsmedizin als Depression. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Wir sollten ehrlicher im Umgang mit dem Sterben sein.
Weshalb reden gerade ältere Patienten nicht mit ihren Ärzten über ihre vermeintlich aus einer Depression heraus entstandenen Suizidgedanken? Die Patienten befürchten zu Recht eine Einlieferung in die Psychiatrie und die Ärzte haben zu Recht Angst vor den Drohungen des § 217 StGB (Gesetz zur Sterbehilfe). Leiden tut das schwächste Glied in der Kette, der Patient und der flüchtet sich, wenn er noch kann, in den selbstbestimmten Tod, den Suizid – auch wenn ihm das zu seinem Leidwesen als Depression ausgelegt wird.

#17 |
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Angelika Oetken
Angelika Oetken

Zur Diagnostik des Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätssyndroms: betrachtet man sich die Items in den entsprechenden Assessments, könnte man die Symptome des AD(H)S auch als Traumafolgestörung im Sinne eines PTBS ansehen. Deshalb wird in den Skalen auch immer nach lebensgeschichtlichen Ereignisse und dem Gesundheitszustand der Bezugspersonen gefragt.

Aber: welche Angehörigen würden zugeben, dass sie psychisch krank sind und ihr Kind darauf mit seelischer Erkrankung oder Verhaltensstörungen reagiert? Wer offenbart, dass es missbraucht oder misshandelt wurde? Abgesehen davon, wie schwer es betroffenen Jungen und Männern fällt, sich als Opfer zu erkennen zu geben?

Darüber sprechen ist möglich. Aber dazu muss man die Umstände erstmal in Erwägung ziehen.

#16 |
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Gast
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“Wann ist ein Mann ein Mann?”. Ein guter Artikel welcher vorrangig deutlich macht, dass es höchste Zeit ist über die Gesundheit des Mannes zu reden. Höchste Zeit! Allein die Tatsache der höheren Suicidrate legt das nahe. Probleme sehe ich beim Umgang der Therapeuten mit dem Mann. Therapeuten erreichen häufig ihre Kundschaft nicht. Sie sind überakademisiert und nur kognitiv ausgerichtet. So erreicht man kein Leid! Aber, es soll ja jetzt das neue Studium “Psychotheraphie”
geben. Dann haben wir die Situation, dass ärztliche Therapeuten nicht mehr, wie bisher, nur über die (fragwürdige) Zusatzausbildung qualifiziert werden.

#15 |
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Gast
Gast

@12 Das ist genau die Art von öffentlicher Debatte, die überhaupt nicht weiterhilft. Gesunde Menschen verfallen nicht einfach so dem Alkohol.

#14 |
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Angelika Oetken
Angelika Oetken

Danke für diesen guten Artikel zu einem wichtigen Thema.

Eine depressive Erkrankung ist die häufigste Traumafolgestörung. Bei männlichen Opfern wird ein sexueller Missbrauch als Ursache meistens verkannt, weil Jungen und Männer als Betroffene von sexuellen Übergriffen nicht zum überkommenen Rollenklischee passen. Hier ist die Förderung der auf das männliche Geschlecht bezogenen Forschung und Weiterbildung überlebensnotwendig!

Angelika Oetken, Berlin-Köpenick, eine von 9 Millionen erwachsenen Menschen in Deutschland, die in ihrer Kindheit und/oder Jugend Opfer schweren sexuellen Missbrauchs wurden

#13 |
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Gast
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Guten Tag Herr Schroller,
Sie haben recht. Frauen machen drei mal häufiger Suizidversuche als Männer, allerdings mit “weichen” Methoden wie Gift oder Tabletten. Männer versuchen es meist mit Gewalt – Erschießen, Sprünge von Höhen, Bahngleise – und sind deshalb “erfolgreicher”.
Vielleicht hätte der Artkel besser von einer Psychotherapeutin als einer Mag. Phil. und einer Soziologin geschrieben werden sollen.
Männer sind z.B. doppelt so häufig alkoholabhängig wie Frauen.

#12 |
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Spottdrossel
Spottdrossel

Vielleicht sollten Sie sich mal über die personelle Lage in der Psychiatrie informieren und diese mit der finanziellen Situation der Psychiater in Niederlassung in Zusammenhang bringen, bevor Sie wilde Vermutungen äußern.

Die zitierte Dame ist übrigens Soziologin, wie sie da den Schluss auf die Psychiater ziehen müssten Sie nochmal erklären. Bezahlen die die jetzt? Oder nur Frau Grossmann? Oder beide oder wie?

Ich könnte ja auch mit sowas schließen wie “typisch Pflegekraft – von nichts Ahnung aber zu allem eine Meinung”. Wäre eine genau so dumme Pauschalisierung.

#11 |
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Biologe

Danke für den Artikel. Es wird Zeit, dass das Thema Männergesundheit auf die Tagesordnung von Medien, Politik und Institutionen kommt. Leider ist die Debatte noch nicht über das Achselzucken gegenüber männlichen Problemen hinausgekommen. Wenn man schon feststellt, dass Männer eher gesundheitsschädigendes Verhalten zeigen, frage ich mich, wo die Kampagnen bleiben, um schon Jungen darauf zu sensibilisieren, sich auch um sich selbst zu kümmern. Stereotype dürfen nicht nicht auf der einen Seite der Geschlechtermedaille abgebaut werden.

#10 |
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Gesundheits- und Krankenpfleger

Das ist nur eine weitere Art von Kundengewinnung durch erfundene, aber intellektuell klingende, “Diagnosen”. Auch die Psychiater wollen schließlich an den Segnungen des exorbitanen Konsumierens teilhaben.

#9 |
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Thomas Schopf
Thomas Schopf

Vermutlich sind Männer ähnlich häufig “depressiv” wie Frauen, auch wenn sie nicht unbedingt deren Symptome zeigen. Das Männer-Stereotyp spielt da sicher ebenso eine Rolle, wie die Ursachen unter der Depression.

Männer sind immer noch, veraltet hin oder her, eher Macher als “Fühler”, reden nicht über sich. Sie sind aggressiver, sicher auch gegen sich selbst. Aktiv in der Überschreitung der eigenen Grenzen, der Selbstausbeutung und anderen riskanten Aktivitäten, durchaus auch sozial anerkannt. Passiv in der Vermeidung von Vorsorgeuntersuchungen, im Ignorieren gesundheitsbewussten Verhaltens. Ja, es ändert sich etwas daran, aber es gibt sie noch die stereotypischen Männer, und sie finden auch ihre Nachfrage.

Bei den tieferen Ursachen unter der Depression, dem Unterdrücken von Gefühlen, Gedanken oder Verhaltensmustern haben Männer andere Hintergründe als Frauen. Aus der hypnotherapeutischen Dynamik heraus ist dieses Unterdrücken ein Dissoziieren (=Abspalten) von Bewusstseinsinhalten zugunsten des Überlebens. Es bedeutet einen Kraftaufwand und stiftet immer Symptome aus dem kompletten Spektrum aus Psyche, Psychosomatik bis weit in die Bereiche hinein, die heute noch nicht als Psychosomatisch anerkannt werden. Die Psycho-Neuro-Endokrino-Immunologie beginnt sich mit diesen Zusammenhängen auseinanderzusetzen.
In meiner Praxis unterdrücken Frauen in deutlich höherem Maße als Männer Bedürfnisse und Aggressionen, während Männer bei Ängsten und Trauer vorne liegen. Und vielleicht sind Männer deshalb auch erfolgreicher im Suizid, weil sie mit dem Ausdruck von Gewalt, in diesem Falle gegen sich selbst, erfolgreicher sind.

Vielen Dank jedenfalls für diesen erhellenden Artikel. Gerne mehr davon.

#8 |
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Gast
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@5 Aha? Was ist denn der aktuelle Wissensstand?

#7 |
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Helmut Schroller
Helmut Schroller

Interessant wäre der Vergleich der Selbstmordversuche der beiden Geschlechter. Vielleicht sind die Männer – um es salopp zu formulieren – einfach nur “erfolgreicher” beim Suizid, was den Unterschied erklären könnte. Und zu glauben, dass die männliche Verhaltensweise, über eigene “Schwächen” (Depressionen) nicht zu sprechen, der Vergangenheit angehört, halte ich angesichts der Realität auch für verwegen.

#6 |
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Gast
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Schwacher Artikel entspricht nicht mehr dem aktuellen Wissensstand.

#5 |
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Gast
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Wow, wir haben Männer dazu sozialisiert nur Wut und Agression als “gesellschaftsfähige Emotion” zu zeigen und DANN wundern wir uns dass sie auf psychischen Stress mit Wut und Agression (anderen und sich selbst gegenüber) reagieren? Wer hätte das gedacht? *Sarkasmus* Aber mal davon abgesehen, guter und wichtiger Artikel.

#4 |
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Gast
Gast

Außerdem soll es ja auch Fälle geben, wo beides vorliegt, ADHS und Depression. Aber von allzu vielen gerade auch Psychiatern kommt dann nur “Modediagnose!”, “Überdiagnostik!” etc. und nicht einmal eine Sondierung in die Richtung wird unternommen… und das, obwohl der entsprechende Psychiater wissen müsste, dass er sich nie ernsthaft mit der Thematik befasst hat. So was ist dann nicht nur haarsträubende Ignoranz, sondern auch skandalöse Arroganz und mit dem ärztlichen Berufsethos nach Hippokrates oder Genfer Gelöbnis ist es obendrein auch nicht vereinbar.

#3 |
  7
Gast
Gast

Bei Hyperaktivität denke ich dann doch immer noch eher an ADHS als an Depression. Und die Inkompetenz, Ignoranz und fehlende Sensibilisierung von ca. 70% der Psychiater in Deutschland zur Thematik ADHS bei Erwachsenen sind haarsträubend.

#2 |
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Dr. Martin Kauer
Dr. Martin Kauer

Sehr geehrte Kolleg/inn/en!

An dieser Stelle möchte ich DRINGEND darauf hinweisen, dass die DocCheck-Redaktion quasi willkürlich und ohne vorherige Kontaktaufnahme Ihre geschätzten Beiträge löschen kann!
Zuletzt geschah dies unter anderem MIR mit einem Beitrag zum Artikel „§219a: Ein Paragraf wird abgetrieben“ von Michael van den Heuvel.
Die Redaktion begründete dies auf meine direkte Anfrage zu diesem Verhalten mit folgendem Wortlaut:
„Als Redaktion behalten wir uns vor, den Kommentarbereich kontinuierlich
zu moderieren. Dabei achten wir darauf, dass die Diskussion sachlich und themenbezogen
bleibt.“
Meine wiederum direkte Anfrage an die Redaktion, was KONKRET an meinem Beitrag NICHT „sachlich und themenbezogen“ war blieb unbeantwortet!
Auffällig ist, dass neben meinem Beitrag gleich mehrere Beiträge anderer Kollegen gelöscht wurden, die – wie meiner – Kritik an Stil und Form des Artikels und des Autors äußerten; und dies geschah KEINESWEGS in unsachlicher Weise! Vielmehr hatten die jeweiligen Kommentatoren KEINE Gelegenheit mehr sich danach noch in die Diskussion einzubringen, da die Redaktion UNMITTELBAR nach dem Löschen der Beiträge die Kommentarfunktion deaktiviert hat!

Bitte sehen Sie mir nach, dass ich nunmehr über einen anderen Beitrag meinen großen Unmut über dieses journalistisch vollkommen unqualifizierte Verhalten der Öffentlichkeit dieses Forums zugänglich machen muss. Alles andere fände ich im Interesse eines ausgewogenen Diskussionsstils für hochgradig inakzeptabel.

Mit kollegialen Grüßen
Dr. Martin Kauer
35418 Buseck

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