Erhöhte Mortalität durch Blutdruckschwankungen

8. Dezember 2017

Ein hoher Blutdruck ist ein Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen. Nun zeigt eine Studie: Auch langfristige starke Schwankungen erhöhen die Sterblichkeit. Patienten sollten deshalb ihren Blutdruck regelmäßig kontrollieren und Medikamente gewissenhaft einnehmen.

Starke Schwankungen des Blutdrucks könnten genauso gefährlich für die Gesundheit sein wie eine konstante Hypertonie. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Studie eines Forscherteams vom Intermountain Medical Heart Institute in Salt Lake City (USA). Ein erhöhter Blutdruck gilt als wichtiger Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen, insbesondere für Herzinfarkte und Schlaganfälle.

Die Wissenschaftler um Brian Clements werteten die Daten von insgesamt 10.903 Patienten aus, bei denen im Zeitraum zwischen Januar 2007 und Dezember 2011 der Blutdruck mindestens sieben Mal gemessen worden war. Die Patienten waren im Schnitt 71,5 Jahre alt. 39 Prozent von ihnen waren männlich und 61 Prozent weiblich. Im Anschluss an die siebte Messung wurden die Teilnehmer über fünf Jahre weiter beobachtet und dabei insbesondere Todesfälle und ihre Ursachen erfasst. Die Ergebnisse der Untersuchung stellten die Forscher im November bei der Tagung der American Heart Association (AHA) in Anaheim (USA) vor.

Blutdruck sollte nicht außer Kontrolle geraten

Demnach haben Patienten, bei denen über längere Zeit Schwankungen des systolischen Blutdrucks zwischen 30 und 40 mmHG zu beobachten waren, ein höheres Sterberisiko als Probanden mit geringer ausgeprägten Blutdruckschwankungen. Ähnlich hat eine Studie aus dem Jahr 2016 gezeigt, dass eine hohe Blutdruckvariabilität mit schweren kardialen Komplikationen (MACE, major adverse cardiac events) zusammenhängt.

Der systolische Blutdruck zeigt an, wie stark der Druck des Blutes gegen die Blutgefäße ist, wenn das Herz schlägt. Der diastolische Blutdruck zeigt dagegen den Druckabfall in den Blutgefäßen an, wenn sich die Herzkammer nach dem Schlag entspannt. Als normal gilt ein Blutdruck um 120/80 mmHg, als erhöht ein Blutdruck ab 140/90 mmHg.

Blutdruckmedikamente ernst nehmen

„Die wichtigste Aussage unserer Studie ist: Wenn jemand zulässt, dass sein Blutdruck über eine längere Zeit außer Kontrolle gerät, oder wenn bei mehreren Arztbesuchen große Unterschiede zwischen den Blutdruckwerten festgestellt werden, ist das Risiko für Schlaganfälle, Herzinfarkte, Nieren- oder Herzversagen und auch das Sterberisiko erhöht“, sagt Clements.

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Das bedeute für Patienten, dass sie alles tun sollten, um ihren Blutdruck auch über längere Zeiträume unter Kontrolle zu halten. „Dafür sind eine gesunde Ernährung und regelmäßiger Sport wichtig“, erläutert der Spezialist für innere Medizin. „Und wenn der Arzt Blutdruckmedikamente verschrieben hat, sollten sie wirklich regelmäßig eingenommenn werden. Denn jedes Mal, wenn der Blutdruck außer Kontrolle gerät, erhöht dies das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und das Risiko, zu sterben.“

Messung unter kontrollierten Bedingungen

Bei den meisten Menschen steigt der systolische Blutdruck mit zunehmendem Alter an. Gründe dafür sind laut American Heart Association eine zunehmende Steifigkeit der Arterien, Bildung von Plaque in den Blutgefäßen sowie Erkrankungen des Herzens oder der Blutgefäße. Studien haben zudem gezeigt, dass viele Patienten ihre Medikamente gegen erhöhten Blutdruck nicht konsequent einnehmen. Das erhöht wiederum die Wahrscheinlichkeit für starke Blutdruckschwankungen.

Darüber hinaus empfehlen die Forscher um Clements, den Blutdruck unter kontrollierten und möglichst konstanten Bedingungen zu messen. Dies soll zufällige Schwankungen zwischen den Messungen vermeiden. „Der Patient sollte sich vor der Messung 15 Minuten lang hinsetzen oder hinlegen um während der Messung möglichst entspannt zu sein“, so Clements. „Vor und während der Messung sollten Stress und Aufregung vermieden werden, weil sie die Blutdruckwerte verfälschen können.“ Schließlich sollte die Blutdruckmanschette auch gut sitzen und nicht zu weit oder zu eng sein.

In Zukunft wollen Clements und sein Team genauer untersuchen, auf welche Ursachen die Schwankungen des systolischen Blutdrucks zurückzuführen sind. So legt eine aktuelle Untersuchung nahe, dass Rauchen, der Wert des diastolischen Blutdrucks und die glomeruläre Filtrationsrate – ein Messwert zur Einschätzung der NierenfunktionPrädiktoren für starke Blutdruckschwankungen sind. Die Ergebnisse könnten dazu beitragen, unkontrollierte Schwankungen des Blutdrucks und damit Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Zukunft besser zu vermeiden.

15 Wertungen (4.47 ø)
Kardiologie, Medizin

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7 Kommentare:

Prof. Dr. Stefan Dove
Prof. Dr. Stefan Dove

Der Artikel aus Circulation ist leider nur ein Tagungsabstract und daher zu wenig informativ. Aber zumindest lässt sich schlussfolgern, die Blutdruckschwankungen nicht zu stark als Risikofaktor zu bewerten. Die Standardabweichung (SD) des systolischen Blutdrucks (SBP) ist in vollständig korrigierten Modellen (Alter, SBP, Komorbiditäten, Medikamente) kein signifikanter Prediktor für Mortalität mehr. Ein solcher ist aber der Variationskoeffizient (Quotient SD/mittlerer SBP), wobei laut Grafik B die Mortalität bei hohem SD/SBP am geringsten ist. Das macht ja auch Sinn, je kleiner SBP, desto besser. Aber je größer SD??? Es gibt sicherlich eine Korrelation zwischen dem SBP und seiner SD, die obige Schlussfolgerungen über den Effekt von Blutdruckschwankungen auf die Mortalität noch unsicherer macht.

#7 |
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Gast
Gast

Herzfrequenzvariabilität ist gut, Variabilitäten im Blutdruck sind lebensgefährlich…. Die Fixierung eines Patienten auf seine Blutdruck-Erkrankung durch ständiges Messen halte ich ebenso für krank-machend und gefährlich!

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Joachim Bedynek
Joachim Bedynek

Wenn bei Selbstmessungen der syst. RR immer unter 150 ist, bei Arztbesuchen, wo die Messungen hoplahop gehen, 180 und höher, kann man wohl nicht von Blutdruckschwankungen sprechen. Bei RR-Medikamenten sollten die Nebenwirkungen stärker beachtet werden!

#5 |
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Gast
Gast

Eine Kollegin von mir litt auch an sehr starken Blutdruckschwankungen mit beträchtlichen Spitzenwerten. Als Grund konnte dann ein gravierender Vit. D- Mangel gefunden werden. Sie hatte Glück, dass das mit getestet wurde.

#4 |
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Heilpraktiker

die Empfehlungen zur Messung des Blutdruckes sollte man wirklich ernstnehmen. Dadurch wird so mancher Bluthochdruck Patient, zu einem gesunden Menschen, der allerdings keine Medikamente zur Blutdrucksenkung benötigt. Hat man in einer Arztpraxis diese Zeit?

#3 |
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Gast
Gast

Und wieder kein Wort darüber, wie hoher BLutdruck vermieden werden kann, das er eben nicht “normal” bei älteren Menschen ist oder das diese “Normaität” des hohen Blutdruckes bereits bei Menschen ab Mitte 40 um sich greift. Dafür immer wieder die Betonung, dass man die Medikamente auch wirklich nehmen soll – da fragt man sich doch, wer bezahlt den Schreiberling?

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Dr. Rainer Kaluscha
Dr. Rainer Kaluscha

Aussagen wie “… ist das Risiko erhöht …” lassen sich sich nur sinnvoll interpretieren, wenn auch die zugehörigen absoluten und relativen Risiken angegeben werden.

#1 |
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