Apotheken, was soll aus euch werden?

19. Dezember 2017
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Andernorts erfindet sich die Apotheke neu: In Großbritannien arbeitet man eng mit dem Arzt zusammen – als Kollege, nur ein Zimmer weiter. Schweizer Apotheker impfen selbst. Bei uns ist bisher nicht viel passiert. Experten diskutieren darüber, wie es weitergehen soll.

Landflucht, demographischer Wandel, Digitalisierung – auch Apotheken müssen mit innovativen Ideen und Konzepten auf große Herausforderungen reagieren. Wie kann der Pharmazeut sein Wissen vermitteln? Welche Rolle soll die Apotheke im Gesundheitswesen spielen? Diese und viele andere Fragen diskutierten rund 40 Fachleute zum Thema „Die Apotheke der Zukunft“ im November in Berlin-Charlottenburg, zu dem der Verein der Pharmazeuten und Pharmazeutinnen (VdPP) eingeladen hatte.

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Verbraucherschützer Kai Helge Vogel sieht den Berufsstand vor großen Herausforderungen stehen.

Dass der Berufsstand vor großen Herausforderungen stehe, darüber waren sich alle Teilnehmer einig. Doch wohin geht der Weg? „Apotheken müssen auf die zunehmende Digitalisierung und auf die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs reagieren und in der Praxis damit umgehen“, meinte Kai Helge Vogel, Leiter Gesundheit und Pflege beim Bundesverband der Verbraucherzentrale als Referent auf der Veranstaltung. „Egal, ob Versandhandel ja oder nein, die Sicherstellung der flächendeckenden Versorgung in strukturschwachen und ländlichen Regionen muss in den Blick genommen werden. Und es braucht eine verlässliche Datenbasis zur Situation vor Ort.“ Darauf aufbauend halte er Lösungen zur Stärkung von Landapotheken, analog zum Nacht- und Notdienst, für eine gute Option, sagte Vogel.

Kommt die Spezialisierung der Apotheke?

Es gebe sowohl interne als auch externe Herausforderungen für die Apotheken, sagte Eckart Bauer, Abteilungsleiter Wirtschaft und Soziales beim Berufsverband ABDA, ebenfalls als Referent eingeladen: „Zu den internen Herausforderungen gehört die Vorbereitung darauf, einem in einer älteren Gesellschaft absehbar ansteigendem Bedarf an qualifizierten Leistungen von Apothekern und Apotheken entsprechen zu können.“ Hierfür gelte es, eine genügende Zahl junger, qualifizierter und motivierter Jugendlicher für ein Studium der Pharmazie zu gewinnen. Wie in allen Berufen werde es immer wichtiger, die Vereinbarkeit von Berufsausübung und Familie zu ermöglichen, so Bauer. Der ABDA-Vertreter sah auch eine Spezialisierung der Apotheken kommen: „Es kann und wird sie geben, sie existiert in Grundzügen auch heute schon. Sie wird aber nicht derart weitgehend sein, wie sie bei Ärzten zu finden ist, denn die besondere Stärke der flächendeckenden Bereitstellung eines Basis-Versorgungsangebots auf hohem Niveau muss gewährleistet und von den Menschen genutzt werden können.“

Der engagierte Pharmazeut Udo Puteanus beobachtet seit Jahren, welche Wege Apotheker in anderen Ländern gehen.

Pharmazeut Udo Puteanus beobachtet seit Jahren, welche Wege und Modelle Apotheker in anderen Ländern ausprobieren.

Udo Puteanus, Apotheker und Vorstandsmitglied des VdPP sagte als dritter Redner, es sollte nach der Bildung der neuen Bundesregierung und Veröffentlichung des erwarteten Gutachtens des Bundeswirtschaftsministeriums zum Apothekenhonorar eine Kommission aus Politik, gesellschaftlich wesentlichen Gruppierungen im Gesundheitswesen und Leistungserbringern gebildet werden: „Diese sollte auf der Grundlage bisheriger Erkenntnisse über Leistungsbereiche und Leistungsorte von Pharmazeuten in anderen Ländern und in der Bundesrepublik Ziele festlegen, welche pharmazeutischen Leistungen in und außerhalb von öffentlichen Apotheken an welchen Stellen erbracht werden sollen. Auch die finanziellen Anreize der Zukunft sollten gesetzt werden“, meinte Puteanus. „Auf dieser Grundlage lässt sich ein gutes Fundament errichten für mehr gesellschaftlichen Nutzen von pharmazeutischen Leistungen, insbesondere von Information und der Beratung, vermehrte Nutzung der Apotheken in der Primärversorgung und für den Ausbau der Apotheken als Knoten in Public Health-Netzwerken.“

Pharmakologisches Wissen erhalten

Auch Vogel glaubt, das Gutachten werde von großer Bedeutung sein, denn es werde die Grundlage für die weitere Diskussion über die Zukunft der Apotheken sein. „Aus meiner Sicht ist die Chance momentan groß, dass praktikable Vorschläge aus der Apothekerschaft auch gehört werden. Selbstverständlich müssen Apotheker etwa auch beim Medikationsplan stärker eingebunden werden.“ Persönlich sehe er jedoch noch einen anderen wesentlichen Aspekt: „Das grundlegende allgemeine Verständnis für die Bedeutung des Apothekers und seines pharmakologischen Wissens für das Gesundheitssystem scheint mir verloren gegangen zu sein. Warum ist zum Beispiel die Apothekerschaft nicht der maßgebliche Akteur beim Medikationsplan?“ Vogel hält es für notwendig, sich in Erinnerung zu rufen, gerade auch aus Sicht der Verbraucher und Patienten, dass die wichtigste Aufgabe des Apothekers die Vermittlung seines pharmakologischen Fachwissens als qualifizierte Beratung ist, nicht die reine Packungsabgabe. Dies müsse sich auch in der Honorierung stärker abbilden. Eine grundsätzliche Überprüfung der derzeitigen Apothekerhonorierung sei daher notwendig, meinte der Verbraucherschützer: „Der Apotheker ist kein reiner Verkäufer und er leitet auch keinen Arzneimittelsupermarkt. Er ist die zentrale Anlaufstelle in Sachen Arzneimittel. Eine evidenzbasierte Beratung im Sinne der Patienten steht im Mittelpunkt seiner Tätigkeit, auch im Bereich der Selbstmedikation.“

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Das pharmazeutische Fachwissen darf nicht zugunsten des Verkaufsstands Apotheke verloren gehen, so ABDA-Vetreter Eckart Bauer.

Wie auch die anderen Redner warnte ABDA-Vertreter Bauer davor, dass die Apotheke zu einem reinen Verkaufsstand verkomme: „Der Beruf des Apothekers ist ohne das Produkt Arzneimittel kaum denkbar. Da, wo es zu einer Trivialisierung dieses spezifischen Produktes kommt, wird letztlich auf Dauer auch der Beruf in seiner spezifischen Schutz- und Beratungsfunktion für die Kranken infrage gestellt.“ Das Leistungspotenzial der Apotheker müsse insbesondere für die Patienten stärker als heute erlebbar gemacht werden, so Bauer: „Hierzu gehört ein Ausbau gerade der pharmazeutischen Dienstleistungen, die nicht unmittelbar an die Versorgung mit einem einzelnen Arzneimittel gebunden sind. Dies schließt eine Intensivierung der Zusammenarbeit mit den Ärzten ein. Sie bietet die Möglichkeit dem Patienten aufzuzeigen, dass die Heilberufler seines Vertrauens ihre jeweiligen spezifischen Kompetenzen zusammenbringen, um seine Versorgung zu verbessern.“

In Großbritannien sitzt der Apotheker direkt in der Praxis

Puteanus beschäftigt sich schon lange mit Modellen, die im Ausland ausprobiert werden. Dies vor dem Hintergrund des demographischen Wandels und von arzneimittelbedingten Erkrankungen und Todesfällen, von evidenzbasierter Medizin und Pharmazie, von Fachkräftemangel sowie von der Versorgung der älter werdenden Bevölkerung in ländlichen Regionen. „In einigen Ländern wurden die Aufgabenbereiche von Pharmazeuten ausgedehnt“, so Puteanus, „etwa durch Abgabe verschreibungspflichtiger Arzneimittel, Behandlung von leichteren Erkrankungen zu Lasten der Solidargemeinschaft oder Impfen durch den Apotheker.“ In manchen Ländern würden Pharmazeuten auch direkt in Primärversorgungszentren eingesetzt oder in Public-Health-Netzwerke eingebunden, sagte er. In Großbritannien zum Beispiel seien Apotheker direkt in den Praxen vor Ort und könnten sich mit dem Arzt absprechen. Auch das schweizerische Projekt NetCare ginge ganz neue Wege, sagte Puteanus. Mehr als 100 Schweizer Apotheker sind bereits Mitglieder dieses Netzwerks. Sie beraten ihre Patienten direkt und ohne Voranmeldung in einem separaten Raum und können nach Bedarf einen Arzt per Telefon zur Beratung hinzuziehen. Oder aber sie verschreiben Medikamente gegen gewissen Erkrankungen wie Blasenentzündung, Rückenschmerzen oder Ausschlag selbst. Apotheker verstehen sich hier als Gesundheitsberater und übernehmen auf Wunsch zum Beispiel auch Impfungen.

„In allen Ländern, wo wirklich etwas passiert und neue Wege der Weiterentwicklung pharmazeutischen Tätigkeiten gegangen werden, kommen seiner Beobachtung nach drei Voraussetzungen zusammen“, sagte Puteanus abschließend: „Ein gehöriger Handlungsdruck, ausreichende wissenschaftliche Evaluationsmöglichkeiten und politischer Gestaltungswille.“

29 Wertungen (3.66 ø)
Bildquelle: Kurtis Garbutt, flickr / Lizenz: CC BY

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38 Kommentare:

Cand. pharm.
Cand. pharm.

Ich suche noch die “News”. Eigentlich sind das doch hinlänglich bekannte Allgemeinplätze?
Dass der Nachwuchs “keinen Bock” auf die öffentliche hat sollte eigentlich nicht verwundern. Für bürokratische Gängelungen wie Rabattverträge oder Substitutionsausschlussliste braucht man keinen pharmazeutischen Sachverstand.
Ein Medikationsplan ohne Einbeziehung der Pharmazeuten? Auch irgendwie lächerlich.
Mich für dreist falsche Rezepte anmachen lassen? Kein Bedarf.

#38 |
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Manfred L. DIETWALD, Apotheker
Manfred L. DIETWALD, Apotheker

“Gast” was soll aus Dir werden, oder bist Du schon abgehoben, aber doch nicht als Apotheker?

#37 |
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Apothekerin

Ich glaube, da haben Sie was gründlich missverstanden, genau darum geht es doch, dass Ärzte und Apotheker mehr zusammenarbeiten sollen zum Wohle der Patienten. Die Situation ist doch so, dass zu wenig Kommunikation stattfindet.

#36 |
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Günter Schäfer
Günter Schäfer

#15 Herr H. Hebecker
Sie schreiben so schön, sie würden sich die Ärsche aufreißen, ich denke, das wird für mindestens 90 % der Apothekenmitarbeiter und Leiter zutreffen.

Was jedoch nicht so ganz stimmig ist: Sie haben in Ihrem Laden keine Gäste, Passagiere, Mandanten oder Patienten, nein Sie haben Kunden.

Weiter: eine medizinische Betreuung Ihrer Kunden verlangt ja auch keiner. Wenn Sie diese pharmazeutisch betreuen, ist das allemal in Ordnung.

Was hingegen sehr auffällig ist, dass Sie unumwunden zugeben, mit der gegenüberliegenden Arztpraxis gemeinsame Sache zu machen. Offensichtlich bewegen Sie sich hier am Rande der Legalität, mit der Sie „ein wenig Geld“ verdienen.

Fazit: eigentlich bin ich froh über jeden konkreten Vorschlag zur Zukunft der Apotheke, in diesem Fall könnte man Ihren Weg insofern herunterbrechen, die apothekerliche Zukunft im Status eines „Barfuß-Arztes“ zu sehen.

Also… unterschreiben würd ich das nicht. Der Gegenwind wäre zu heftig.

#35 |
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Gast
Gast

Na Frau Seibel, dann sind Sie eine der ganz wenigen (!!) Apotheker, die ihr Personal nicht so schlecht behandeln. Glückwunsch! Aber Sie sind ja auch nicht der Chef.

#34 |
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Apothekerin

Die PTAs, mit denen ich zusammenarbeite, werden nicht wie Fußabtreter behandelt, sorry, dass ich da widersprechen muss.

#33 |
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Gast
Gast

Eine Apotheke ist wie Nordamerika nach der Wahl von D. Trump. Gespalten in die da oben und uns.

#32 |
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Gast
Gast

Korrekt, Nr. 30! Approbierte werden hofiert und gut behandelt, das Handlangerpersonal dagegen…sprechen wir nicht davon. Nicht das jemand die Wahrheit herausfindet. Niemand behandelt Sie wie Fußabtreter oder erachtet Sie als teurer Verkäufer. Sie sind einfach mehr wert als eine PTA. So ist es nun einmal.

#31 |
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Gast
Gast

#29 Sie haben was zu sagen, ich nicht.

#30 |
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Apothekerin

Ich bin auch nur Angestellte, wo is da der Unterschied?

#29 |
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Gast
Gast

Tja, 26 und 27, beides Apotheker. Was der Kollege Dorian meint, bezieht sich aber auf PTA, nicht auf Approbierte.

#28 |
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Apothekerin

Ich stimme Ihnen voll und ganz zu, Frau Mende, ich arbeite auch seit über 20 Jahren, und kenne diese Zustände auch nicht. Im Übrigen gibt es in Deutschland ca. 20.000 Apotheken und man kann nicht alle über einen Kamm scheren. Da reicht auch die Mitgliedschaft in der Adexa nicht!

#27 |
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Dr. rer. nat. Rita Mende
Dr. rer. nat. Rita Mende

@Dorian ich arbeite ebenfalls seit mehr als 20 Jahren jn verschiedenen Apotheken, das habe ich noch nie erlebt. Ich “darf” sogar beraten, wär ja auch noch schöner….
Übrigends die PTA neben mir auch.
Das mit dem Gelddrucken gilt leider auch nur noch bei wenigen Apotheken, aber das ist ja allen wirklich Interessierten hinlänglich bekannt. Gut dass ich nicht nur von meiner Rente leben muss, wäre schon traurig. Bin verheiratet habe vier Kinder, die langsam alle im Studium wirkliches Geld kosten und bezahle mit der Hälfte meines Gehaltes (halbe Stelle) meine Putzfrau, denn sorry, dass schaff ich mit 21 Stunden Apotheke (plus vielen noch unbezahlten Überstunden) und dem Managment unseres “Familienunternehmens” nicht mehr.
Was mir aber am meisten weh tut in meinem Berufsleben, dass IMMER das zählt, was der Arzt sagt, und sei es auch auf MEINEM Fachgebiet.

#26 |
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Dorian
Dorian

Frau Seibel,nach zwanzig Jahren als PTA und vielen Apotheken habe ich einen reichen Erfahrungsschatz. Außerdem bin ich in der ADEXA, da hört man so allerlei.

#25 |
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Apothekerin

@ Dorian Woher wissen Sie, welche Zustände in den meisten Apotheken herrschen? Sie können im Prinzip nur von sich ausgehen, und wenn das bei Ihnen so ist, traurig, aber dann würde ich mir eine andere Stelle suchen.

#24 |
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Gast
Gast

#24 Glaube ich ihnen!

#23 |
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Dorian
Dorian

Zu 22: Das werden Sie aber nur selten hören. Das Apothekenpersonal neigt nämlich dazu, alle aufgezählten Punkte geflissentlich zu ignorieren und denjenigen zu denunzieren der auf die Missstände hinweist. Die wenigsten sind bereit, offen und ehrlich über die unhaltbaren Zustände in vielen deutschen Apotheken zu berichten. Sie können auch, spätestens heute nachmittag, von einem massiven Shitstorm gegen mich ausgehen. Nestbeschmutzer und Wahrheitsliebende werden in der Pharmazie selten gerne gesehen. Deswegen muss ich auch mit einem Decknamen schreiben, sonst verliere ich meinen Job. Und woanders ist es noch schlimmer, das können Sie mir glauben!

#22 |
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Gast
Gast

Wovon lebt der Apotheker? Von einem Gesundheitssystem, das den Rubel leicht rollen lässt und von billigem Personal. Beides zusammen: Feinster Wohlstand

#21 |
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Gast
Gast

#18 + #21 Das sind doch mal Klänge direkt vom HV Tisch, die mir gefallen.

#20 |
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Dorian
Dorian

Herr Hebecker, das sehe ich ehrlicherweise anders. Waren wir PTAs früher gefragtes Fachpersonal, so müssen wir heute primär am HV den Ramsch verhökern, den der Chef billig eingekauft hat. Oft wird einem dabei sogar verboten, eine anständige Beratung vorzunehmen. Was, warum haben Sie denn kein Medinait an den schwer einstellbaren Hypertoniker herausgegeben? Warum verkaufen Sie keine zehn Schachteln PCM wenn der Kunde das doch will?
Warum haben Sie dem Mann mit der schweren Niereninsuffizienz keine Großpackung Orthomol Immun verkauft? Was fällt Ihnen ein, dem Herren fünfzehn Flaschen Nasenspray zu verweigern, wenn er es doch haben will?
Vielleicht sollten sich die Apotheker mal überlegen, dass man sein Handlangerpersonal besser behandeln muss, wenn man es behalten möchte.
Sonst stehen Sie und Ihre Kollegen bald ganz alleine in Ihrem Laden!

#19 |
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Gast
Gast

#19 Registrierung: Berufliche Qualifikation ist nicht erforderlich. Einzelhändler dürfen hier auch schreiben.

#18 |
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Apothekerin

Oha, Gast Nr.1 hat sich einen Namen gegeben, und was für einen! Das soll wohl bedrohlich klingen, dabei macht er sich mit seinen unqualifizierten Kommentaren nur lächerlich. Er hat ja, wie man sieht, keine Ahnung vom Apothekenwesen, und will im Grunde nur provozieren. Deshalb sollte man keine Energie darauf verschwenden, auf die dummen Sprüche zu reagieren. Ignorieren!
Übrigens, Frage an die Redaktion: ich dachte, um sich bei DocCheck zu registrieren, müsste man bestimmte berufliche Qualifikationen nachweisen?

#17 |
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Dorian
Dorian

Das heutige Apothekensystem hat überhaupt keine Zukunft mehr, schon gar nicht für das pharmazeutische Hilfspersonal, von den PKAs ganz zu schweigen. Kaum jemand tut sich den Dienst in der öffentlichen Apotheke noch freiwillig an und das kann ich auch sehr gut nachvollziehen.
Arbeitszeiten familienunfreundlich, kaum Work-live balance, pöbelnde Kundschaft, die immer anspruchsvoller, unerzogener und unfreundlicher wird, bösartige Seniorinnen und Senioren, ein kärglicher Lohn und zu allem Überfluss sehr oft menschlich und emotional vollständig unterentwickelte Apothekerinnen und Apotheker, die ihren Allmachtsanspruch durchsetzen wollen. Hat man dann noch einen standesdünkelbehafteten Chef, macht das Arbeiten erst richtig Spaß.
Auch und gerade wenn man weiß, dass man als PTA irgendwann in der Altersarmut endet. Apotheker brauchen das sicher nicht zu fürchten.
Und da wundert sich noch irgendwer, dass wir bei diesen Arbeitsbedingungen Personalmangel haben? Nicht ernsthaft, oder?

#16 |
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Hendrik Hebecker
Hendrik Hebecker

Was hier teilweise verzapft wird, ist wirklich eine Unverschämtheit gegen unsere Zunft. Ich bin weit davon entfernt zu einer Gelddruckmaschine zu werden, trotz gutgehender Landapotheke. Wir reissen uns tagtäglich unsere XXX auf ,um gemeinsam mit dem Ärztehaus gegnüber und unseren Patienten eine gute medizinische Versorgung zu erlangen. Dabei steht das Geld nicht an erster Stelle. Für 60 Stunden und mehr pro Woche darf ich aber auch ein wenig Gedl verdienen. Der “Sensenmann” ist der erste, der stänkert oder noch besser : klagt, wenns schiefgeht, und Medikamente im einzelhandel zu verteilen, das kann nur schiefgehen. Übrigens: Gerne mal vorbeikammen, um vor Ort zu sehen, daß wir keine Pillenverkäufer sind!!!

#15 |
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Sensenmann
Sensenmann

#14 Hartz IV eine Demütigung, die Apotheker leider nicht erleben müssen. Die Gelddruckmaschine Apotheke ist dazu zu gut in das System der Leistungserbringer eingebunden, das einen flotten Griff in die Kassen der Allgemeinheit erlaubt. Wobei ich den Begriff “Leistungserbringer” bei Apotheken nur ansatzweise sehen kann, denn welche Leistung erbringen diese? Medikamente rüberreichen? Das kann auch der Einzelhandel.

#14 |
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Pharmazeutisch-technischer Assistent (PTA)

Guter Artikel Frau Grossmann!
Ich bin PTA und was mich schon sehr stört, ist, das man das Thema einer anonymen Meldung auch nur andeutungsweise zur Diskussion stellt.
Anonyme Meldungen sind gleichbedeutend mit “keiner Meldung”. Schade um die verbrauchte Energie.
Ich habe viel gesehen von der Welt und trotz der hochwertigen Pharmazieausbildung in Deutschland, kann man noch sehr vieles besser machen.
Die Ausweitung von gesundheitsspezifischen Mehrleistungen (wie Impfungen, Rezepte ausstellen, etc. ) für Apotheker zu ermöglichen, wäre der Beweis dafür, das man diesem Berufsstand auch etwas zutrauen darf und kann.
Ich habe in 25 Jahren immer erstklassigen Kontakt zur Ärzteschaft aufrechterhalten. Das geht mit fachlicher Kompetenz und Freundlichkeit.
Es wäre sicherlich möglich eine engere Zusammenarbeit mit den Ärzten für die Zukunft zu planen.
Aber, ja das aber….
Die pathologischen Standesdünkel auf beiden Seiten sind hervorragend geeignet eine gute Idee im Keim zu ersticken und wenn ich an einen früheren Betrieb zurückdenke, wären 2 PTA besser in der Lage gewesen eine Apotheke zu führen als der damalige Eigentümer.
Pharmazeuten, die ihren Beruf lieben, dürfen stolz auf ihr Wissen sein!
Dann dürfen sie sich auch ganz weit aus dem Fenster lehnen ohne herauszufallen.
Eine zufriedene Kundschaft durch große Kompetenz und gutem Gefühl für Menschen ist eine echte Belohnung für einen Pharmazeuten.
Dafür lohnt es sich auch mehr zu wagen.
Auf die Politik zu warten bis sich was ändert bleibt Utopie.
Der Fisch stinkt immer am Kopf zuerst!
Frohes Fest!

#13 |
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Apotheker

@ #1: Mit Handlungsdruck ist wohl eher der in Zukunft steigende Bedarf an qualifizierter und bezahlbarer medizinischer und pharmazeutischer Versorgung gemeint, dem auf der anderen Seite fehlender Nachwuchs in den entsprechenden Berufen, nachlassende Arzt- und Apothekendichte und zunehmender Kostendruck in den öffentlichen Kassen gegenüber stehen

#12 |
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Apo-Schreder
Apo-Schreder

Also ich lass meinen Apo-Man nicht an meinen Oberarm oder meine Venen. Sein fester Griff an meiner Geldbörse genügt mir an Intimität.

#11 |
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Christian Philipp Jüttner
Christian Philipp Jüttner

Die Probleme zu thematisieren ist sicherlich richtig, trifft aber noch nicht den Kern:die Pharmazie hat als Ganzes ein gewaltiges Legitimationsproblem.

Weder ist das Studium geeignet, klinisches Wissen in ausreichedem Maß zu vermitteln, noch wird die bloße Beratung in Zukunft unbedingt und absolut sicher verstärkt nachgefragt. Die ausländischen Beispiele zeigen eher, das ein Bedarf an klinischem Handeln (Impfen, Arbeiten in Ambulanzen) nachgefragt wird.

#10 |
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In der Intimität, die das ländliche Umfeld unserer Apotheke neben der Arzt-Praxis hier im hinteren Odenwald ermöglicht, sehen wir eine stimmige Voraussetzung für die ganzheitliche Begleitung in Beratung und Moderation und somit als erfolgreiche Umsetzung unseres Berufsethos. Zwischen pharmakologischem Know How, individuell orientierter Naturheilkunde und Homöopathie, aber auch via zwischenmenschlicher Zuwendung, füllen wir ein gesellschaftliches Defizit in Form eines fortschreitenden Verlustes menschlicher Gesamtschau im Gesundheitsbereich aus, und zwar durch Empathie und kompetente Weg-Weisung (gegebenenfalls auch Abraten). Hierfür sind Selbsterfahrung und psychologische Grundkenntnisse ebenso unterstützend wie unser pharmazeutisches Fachwissen. Eine verkopfte Pharmazie wird über kurz oder lang unser Klientel nicht begeistern. Wir bräuchten in der Ausbildung als Randstrukturen eben auch diese tiefere Fokussierung, die Menschen Vertrauen, Trost und natürlich medikamentöse Sicherheit vermitteln kann. Als Apotheker – wie in England – in einer Arzt-Praxis zu sitzen oder wie in der Schweiz jemand in den Oberarm zu piksen erachte ich für unsere Zukunftsfähigkeit nicht als tragend – abgesehen davon, dass das ja nicht gerade den Zenit unserer beruflichen Selbstverwirklichung darstellt.

#9 |
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Günter Schäfer
Günter Schäfer

Nein nein – “Gast” hat völlig recht.
Er beschreibt in leicht ironischer Art die vollkommen eingeschliffenen Vorurteile gegenüber Apotheken.
Und nen bisschen was ist ja dran.
Bei den Apotheken soll Innovation eintreten, sie sollen gesellschaftlich zukunftsfest gemacht werden? Pah! Dieses kurzgegriffene Gerede und sich ewig wiederholende Geschwafel hören wir doch seit Jahrzehnten.

Wie sieht denn die Realität aus?
Im Land der Doofen, Dilettanten, politischen Karrieristen und Feiglinge wundert doch nichts mehr.
“Wir” können keinen Flughafen, keine Autos, keine Justiz, kein Bildungssystem, kein reibungsloses Gesundheitssystem – wir können nichts.

Eine peinliche Lachnummer. Normalerweise sind das Indizien für einen 3. Welt-Land: verkommen, heruntergewirtschaftet und verrottet.

Das vielzitierte reiche Deutschland ist in Wirklichkeit bitterarm: es fehlt an politischer Größe, an Verstand und vor allen Dingen fehlt es an Ideen, Tatkraft und Klugheit, dringende Themen für einen absehbaren Zeitraum nachhaltig zu lösen.
Und dazu soll ausgerechnet irrelevantes Apothekengedöns gehören?

Irgendwann mal, ganz am Ende:

wenn sich das Problem allein basierend auf Industrieinteressen von selbst gelöst hat.

#8 |
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Jan Illgas
Jan Illgas

@ “Gast” ist von Selbstmitleid getroffen, da er mangelde gesellschaftliche Anerkennung durch solches Geschreibsel zu kompensieren versucht . Aber leider hat ihn Keiner auf die Schulter geklopft , schade

#7 |
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Yann Carstensen
Yann Carstensen

so ein Blödsinn, viele sind teilzeit beschäftigt – so wie ich.
Meine Rente wird einmal sehr, sehr klein sein. Und auch vollzeit angestellte Apotheker werden sich umschauen müssen.

#6 |
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Gast
Gast

#2 ja, das wissen alle, sogar meine Apothekentreue Mutter.

#5 |
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Kommentar zu Gast (19.11.2017, 16:11 Uhr)
Vielen Dank für Ihren qualifizierten Beitrag, der unheimlich viel zur Diskussion
beiträgt…… Schön wäre es gewesen, wenn Sie ihn wenigstens unter Ihrem Klarnamen veröffentlicht hätten.

#4 |
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Niklas Lang
Niklas Lang

zu #1 es ist ja klar, dass solcherlei pauschalisierende und unqualifizierte Kommentare lieber in der Anonymität (Gast) abgegeben werden, ist wahrscheinlich auch besser so :-)

#3 |
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Christopher Kunzer
Christopher Kunzer

Kommentar zu Gast (19.11.2017, 16.11) : schön dass alle wissen wie viel ich verdiene

#2 |
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Gast
Gast

Handlungsdruck gibt es in Deutschland nicht. Apotheker verdienen genug.

#1 |
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