Übergewichtige Kinder: Taillenumfang im Fokus

18. Juli 2013
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Bisher war es unklar, inwieweit Übergewicht schon Kindern schadet. Doch nun belegt eine Studie: Gerade pubertierende Jungen mit erhöhtem Taillenumfang haben mit Risiken, wie erhöhten Leber- und Harnsäurewerten, zu kämpfen.

Je größer der Taillenumfang eines übergewichtigen Kindes oder Jugendlichen, umso höher ist das Risiko für Stoffwechsel– und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dies gilt vor allem während der Pubertät und stärker für Jungen als für Mädchen. Dr. Susann Blüher vom Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) AdipositasErkrankungen analysierte im Rahmen einer multizentrischen Erhebung die Daten von 1.278 Kindern und Jugendlichen im Alter von 11 bis 18 Jahren. Die Studie wurde kürzlich im “Journal of Clinical Endocrinology and Metabolsim” veröffentlicht.

Untersucht wurde der Zusammenhang zwischen verschiedenen Körpermaßen wie Taillenumfang, Body-Mass-Index oder Taille-Körpergröße-Quotient und dem Risiko für Erkrankungen, die mit starkem Übergewicht einhergehen. Für Kinder und Jugendliche war dieser Zusammenhang bisher noch weitestgehend unklar.

Taillenumfang bei Untersuchungen messen

Hauptsächlich für pubertierende Jungen mit erhöhtem Taillenumfang ergab die Studie ein größeres Risiko, bereits erhöhte Leber– und Harnsäurewerte oder ein erniedrigtes “gutes” HDL-Cholesterin zu haben. Erhöhte Leberwerte weisen z. B. auf eine beginnende Lebererkrankung hin. Außerdem war ein erhöhter Body-Mass-Index (BMI), vor allem während der Pubertät, mit einem größeren Risiko für eine Insulinresistenz verbunden, die auf eine sich entwickelnde Störung im Zuckerstoffwechsel hindeutet. Die Messung des Taille-Körpergröße-Quotienten hatte gegenüber BMI und Taillenumfang keine zusätzliche Aussagekraft über das individuelle Erkrankungsrisiko.

Für die standardmäßigen pädiatrischen Untersuchungen empfiehlt Studienleiterin Dr. Blüher deshalb, “den Taillenumfang bei übergewichtigen Kindern und Jugendlichen, vor allem ab dem Pubertätsalter, immer mit zu messen, weil ein erhöhter Umfang bereits in diesem Alter Hinweise auf bestehende Begleiterkrankungen liefern kann.” Wie bei Erwachsenen ist also auch bei Jugendlichen das bauchbetonte Übergewicht am schädlichsten. Da Jungen und Männer stärker dazu neigen, ist ihr Risiko für Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Arteriosklerose oder eine Fettlebererkrankung mit steigendem Bauchumfang erhöht.

Originalpublikation:

Body Mass Index, Waist Circumference, and Waist-to-Height-Ratio as Predictors of Cardiometabolic Risk in Childhood Obesity Depending on Pubertal Development
Susann Blüher et al.; Journal of Clinical Endocrinology and Metabolsim , doi:10.1210/jc.2013-1389, 2013

17 Wertungen (4.06 ø)

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3 Kommentare:

Ärztin

@ Frau Kirchner
Von Allem ist wohl ein Bisschen richtig !

#3 |
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Verehrte Frau Schuster, ich möchte Ihnen ein wenig Recht geben, aber noch etwas draufsetzen: nicht der medizinische Fortschritt allein begünstigt den Verfall der Menschheit, sondern ihr Suchtverhalten in punctoo Nahrungsaufnahme als Kompensation für fehlende Zuwendung, Wertschätzung,Zufriedenheit….. Und die großen Nahrungsmittelkonzerne bedienen genau das. Sie holen den Menschen, der faul ist und es bequem haben will, dort ab, wo er nur noch eine Tüte aufreißen, die Mikrowellentür öffnen oder die Tür der Burgerkette öffnen muss. Dummerweise sitzen die hohen Herren auch in “unabhängigen” Gremien, die dann zum “Wohle” aller, besonders aber ihrer Geldbörse entscheiden, was gut ist für uns Menschen. Und Mami steht dann vor dem Süßregal und kauft dem Spatzi die Gummischnitte als Ersatz für fehlende Zeit, denn wenns schaden täte, dürfte man ja sowas garnet verkaufen, gell?
Dort sehe ich die Herkunft der Kindlichen Bäuche.

#2 |
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Ärztin

Schon wieder so eine blöde Studie. Wenn man dann den Bauchumfang des Kindel kennt und weiß, dass es zu einer Risikogruppe gehört und dann…. -wird es einem umfangreichen Diätprogramm unterzogen, von dem man mittlerweile weiß, dass es außer zu psychischen Störungen zu sonst nichts führt.
Fettleber, Diabetes und erhöhter Bauchumfang sind drei Symptome ein und derselben mitochondrialen Störung.
Die fehlende biologische Auslese (z.B. Sectio bei zu großen prädiabetieschen Kindern mit relativem Missverhältnis des kindlichen Kopfes zum Beckenausgang der Mutter) begünstigt dieses Krankheitsbild, das mittlerweile schon Kinder betrifft. Der medizinische Fortschritt bedingt durch die Hintertür den Verfall der allgemeinen Gesundheit.
Nebenbefundlich begünstigt der Fortschritt der elektronischen Speichermedien, die Hirnleistungen ersetzen, ja sogar Realität durch virtuelle Welten ersetzten auch den Verfall der Intelligenz bzw der Hirnleistung.
Der Mensch schaftt sich so leise und komfortabel selbst ab.

Den “dicken” Kindern ist natürlich nicht geholfen indem man sie stigmatisiert und mit sinnlosen, weil bekanntermaßen auf lange Sicht nicht wirkungsamen Maßnahmen quält. (Wer meint dass das nicht stimmt zeige mir wenigstens eine Lanzeitstudie in der belegt wird, dass diese Kinder erfolgreich NACHHALTIG abgenommen und für ihr restliches Leben schlank und gesund geblieben sind. Grau ist alle Theorie….)
Nein, wir müssen mit diesem Problem des zunehmenden gesundheitlichen Verfalls der Gesellschaft leben und möglicherweise ganz neue medizinische und ethische Konzepte entwerfen, die nicht am Symptom (zB. relatives Missverhältnis zwischen kindl. Kopf und mütterlichem Beckensausgang oder symptomatische Thrapien von Diabetes mellitus) arbeiten sondern das “Übel an der Wurzel packen”.
Also doch “brave new world” ?

#1 |
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