Causa obscura: Trübe Aussichten

22. November 2017

Ein 11-jähriger Junge verliert seit einigen Monaten kontinuierlich an Sehkraft. Die Eltern geben an, er leide an Neurodermitis und zahlreichen Lebensmittelallergien. Um die damit verbundenen Symptome zu lindern, greifen sie zu drastischen Maßnahmen.

Beim Kinderarzt stellen die Eltern ihren 11-jährigen Sohn vor, weil er seit acht Monaten kontinuierlich an Sehkraft verliert. Er klagt zudem über Nachtblindheit, Lichtempfindlichkeit und trockene Augen. Bei der Untersuchung stellen sie fest, dass seine Sehkraft inzwischen stark eingeschränkt ist: Handbewegungen nimmt der Junge erst bei einer Entfernung unter 30 cm wahr.

Auf der Bindehaut sind trockene, schaumige Stellen, sogenannte Bitot-Flecken sichtbar und die Hornhaut weist getrübte Bereiche auf. Kopfschmerzen oder Fieber habe der Junge nicht. Auch äußere Verletzungen an den Augen können die Ärzte auschließen. 

Eine besondere Diät

Ein Hinweis auf die Ursache findet sich im Gespräch mit den Eltern. Sie erklären, ihr Junge leide an Neurodermitis und zahlreichen Lebensmittelallergien. Aufgrund der vielen Neurodermitis-Auslöser beschränkten die Eltern die Ernährung ihres Sohnes auf wenige Nahrungsmittel. Er aß daher seit Monaten nichts anderes als Kartoffeln, Schweine- und Lammfleisch, Äpfel, Gurken und einer bestimmte Sorte Frühstücksflocken.

Daraufhin haben die Ärzte einen Verdacht. Sie bestimmen den Vitamin-A-Spiegel im Blut und werden fündig. Dieser liegt bei 14,33µg/dl, während der Normwert 25.79 – 48.71µg/dl beträgt.

Reversible Sehschwäche

Vitamin A-Mangel ist die häufigste Ursache vermeidbarer Erblindungen bei Kindern. Weitere Folgen sind Wachstumsretardierung und eine relative Schwächung des Immunsystem. Der junge Patient erhält große Mengen Vitamin A und bereits sechs Wochen später ist eine deutliche Verbesserung der Symptomatik zu verzeichnen. Sehschwäche, die durch Vitaminmangel verursacht wird, ist reversibel. Daher mahnen die Ärzte in ihrem Bericht, bei Augentrockenheit und Visusverlust stets auch einen möglichen Vitaminmangel in Betracht zu ziehen.

 

Quelle: 

An 11-Year-Old Boy With Vision Loss
Dustin Jacobson et al., JAMA Pediatrics Clinical Challenge, doi: 10.1001/jamapediatrics.2017.2543 / docc.hk/3zhtb6

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5 Kommentare:

Gast
Gast

Parallel zur Vitamin A Substitution wäre es sehr sinnvoll den/die Ernährungsberater/ Beraterin zu kontaktieren und mit dem Fall zu konfrontieren.
Ein Umdenken bzgl. Existenzberechtigung der Alternativmedizin ohne Medizinstudium ist von höchster Dringlichkeit!!

#5 |
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Gast
Gast

Kurze Nachfrage mit der Bitte um Klarstellung an Frau Ade: Sie selbst hatten Impfschäden? Oder haben dies bei anderen erlebt? Welche Impfstoffe? Wurden die Schäden anerkannt?

#4 |
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Gast
Gast

Schrecklich diese derzeitigen Ernährungstrends. Kollektive Orthorexie und man redet sich auch noch ein dass es ja ach so gesund ist. Nicht genug damit, jetzt werden auch noch unschuldige Kinder mit schwachsinnigen Verzichtsdiäten gequält und um dem Verwurf der mutwilligen Misshandlung entgegenzuwirken denkt man sich fadenscheinige Nahrungsmittelallergien und Unverträglichkeiten aus. Dabei sind die „Allergie-Beschwerden“ in vielen Fällen Lebenmittelvergiftungen und infektiöse Gastroenteritiden welche nicht selten von schlampiger Küchenhygiene herrühren.

#3 |
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Studentin der Humanmedizin

Impfschäden hatte ich auch schon, die mit Sehproblemen einhergingen.

#2 |
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Tierarzt

Auch vit. B1 Mangel ist zu prüfen. Thiaminmangel kann auch bis zur Erblindung führen (durch Thiaminasen in der Nahrung)

#1 |
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