Multiple Sklerose: Rauchen als Brandbeschleuniger

17. Juli 2013
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Wissenschaftler haben den Einfluss des Rauchens auf die Multiple Sklerose untersucht und herausgefunden: Bei Rauchern nimmt die MS einen schwereren Verlauf und schreitet schneller voran als bei Nichtrauchern.

„In der Bevölkerung verbindet man mit den Gesundheitsrisiken des Rauchens meist Lungenkrebs und Gefäßverschlüsse“, kommentierte dazu Professor Ralf Gold vom Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum und Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). „Rauchen hat aber noch eine dritte Dimension“, erklärt Gold. „Der heiße Rauch und die Teerstoffe regen das Immunsystem der Lunge an und können auf diese Weise die Autoimmunität der MS verstärken.“

Um Genaueres über den Einfluss des Rauchens auf die MS zu erfahren, hatten die Ärzte um Professor Cris S. Constantinescu an der Universität von Nottingham die Daten von 895 Patienten ausgewertet. Sie waren durchschnittlich 49 Jahre alt und litten im Mittel bereits seit 17 Jahren an der Immunerkrankung. Zum Zeitpunkt der Diagnose waren fast die Hälfte (49 Prozent) regelmäßige Raucher gewesen. Als die Ärzte nun diese Gruppe mit Patienten verglichen, die niemals geraucht hatten, zeigte sich, dass die Krankheit bei den Rauchern eindeutig schlimmer war: Auf der sechs Punkte umfassenden Skala EDSS, die den Schweregrad der Behinderung erfasst, waren die Werte der Raucher um durchschnittlich 0,68 Punkte schlechter gewesen.



Zigaretten erhöhen das Risiko einer Behinderung

Zwar hatten andere Studien schon gezeigt, dass Rauchen mit einem erhöhten Risiko einhergeht, an der Multiplen Sklerose zu erkranken. Welchen Einfluss die Zigaretten auf den Verlauf der Krankheit haben, war aber nicht eindeutig geklärt. Hier zeigte sich, dass die Raucher ein um 64 Prozent höheres Risiko hatten, den Schweregrad 4 auf der EDSS-Skala zu erreichen, bei dem man nicht mehr voll gehfähig ist. Das Risiko, den Schweregrad 6 zu erreichen, ab dem man ohne Unterstützung nicht weiter als 100 Meter gehen kann, war für Raucher um 49 Prozent erhöht. „Dies ist eine wichtige Arbeit, die zudem schwedische Studien ergänzt, bei denen Forscher des Karolinska-Instituts bei rauchenden Frauen teilweise eine noch größere Erhöhung des Risikos fanden“, bemerkte Gold.

Rauchstopp verbessert die Prognose

Die britische Studie fand auch erstmals Beweise für den möglichen Nutzen eines Rauchstopps bezüglich des Fortschreitens der MS. Der Verzicht auf Zigaretten nützte sowohl Patienten, die vor dem Ausbruch der MS mit dem Rauchen aufgehört hatten, als auch denjenigen, die erst später auf Zigaretten verzichteten. Für beide Gruppen sank das Risiko, einen EDSS-Wert von 4 oder 6 zu erreichen, um etwa ein Drittel im Vergleich zu Patienten, denen es nicht gelang, mit dem Rauchen aufzuhören.

Originalpublikation:

Tobacco smoking and disability progression in multiple sclerosis: United Kingdom cohort study
Ali Manouchehrinia et al.; Brain, doi: 10.1093/brain/awt139; 2013

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