Dolby Surround im Uterus

28. Mai 2010
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Musik ist gut für Stimmung und Hirn. Aber auch gut fürs Baby? In Zeiten, in denen das Kinderkriegen immer stärker im Alter stattfindet, in dem Mensch sich früher der Esoterik zuwandte, wundert nicht, dass der Glaube an die segensreiche Wirkung pränataler Beschallung boomt.

Ob Sie es glauben oder nicht, wenn Sie einen 8 bis 16 Wochen alten Fetus gezielt mit Schallimpulsen traktieren, dann zeigt er messbare Reaktionen. Diese Erkenntnis ist mittlerweile fast zwanzig Jahre alt. Sie stammt von Wissenschaftlern aus Nordirland, die für ihre Studie immerhin 400 Feten akustisch „beschallten“, während sie sie medizinisch „geschallt“ haben (Shahidullah S., International Journal of Prenatal and Perinatal Studies 4(3/4):235ff).

Pränatalmusik bringt Mutter und Kind in Gleichklang

Die Beobachtung ist insofern bemerkenswert, als die Struktur des Ohrs zu diesem Zeitpunkt, wie viele andere Dinge am Fetus, noch nicht wirklich als vollständig bezeichnet werden kann. Ob nun schon nach 16 Wochen oder eher etwas später: Tatsache ist, dass Fetus hören kann. Besonders gerne mögen die Allerkleinsten offenbar klassische Musik beziehungsweise Volksweisen. Viele Untersuchungen wurden beispielsweise mit dem Schlaflied von Johannes Brahms gemacht („Guten Abend, gute Nacht“). Schon 1975 wurde gezeigt, dass Frühgeborene, denen dieses Lied sechsmal am Tag vorgespielt wurde, schneller an Gewicht zulegen als Kinder, die in der gleichen Frequenz nur „besprochen“ wurden. Etwas neueren Datums sind Untersuchungen zum Einfluss der pränatalen Musikexposition im Rahmen von Mutter-Kind-Gruppen auf die spätere Interaktion zwischen Müttern und ihren Kindern. Die finnische Wissenschaftlerin Kaarina Marjanen hat sich damit in ihrer im vergangenen Jahr publizierten Dissertation befasst. Ihre Botschaft lautet, dass das gemeinsame pränatale Musikerleben von Mutter und Kind einen dezidiert positiven Einfluss auf das Mutter-Kind-Verhältnis in den ersten 18 Lebensmonaten habe. Festgemacht wurde das unter anderem daran, dass die in der Schwangerschaft musikalisch agierenden Mütter besser mit dem Stillen klarkamen, dass die musisch geschulten Babies besser schliefen und dass auch diverse emotionale Parameter auf Seiten der Mutter günstiger ausfielen.

Dolby Surround in uteri

Nun sind Mutter-Kind-Gruppen mit edukativem Anspruch nicht jederfraus Sache. Das heißt aber nicht, dass Mütter, denen pränatale Gruppensitzungen ein Gräuel sind, auf die segensreichen Wirkungen der Musik verzichten müssten. Am einfachsten lässt sich Baby natürlich mit der Stereoanlage beschallen, aber das ist in unseren subtilen Zeiten nun wirklich nicht mehr zeitgemäß. Wie es anders geht, zeigt beispielsweise das Unternehmen Nuvo Group aus Columbia in den USA. Es vertreibt seit Neuestem ein RITMO genanntes Beschallungssystem für Schwangere, das in Design und Funktionalität der Gadget-Moderne angepasst wurde. Es handelt sich um einen Bauchgürtel mit Klettverschluss, der optisch gelungen genug aussieht, um ihn sich auch im Hochsommer als Ergänzung zu Bluse oder Top am Schwangerenbauch vorstellen zu können. Der Gürtel besitzt Tasche und Anschluss für den iPod. Das eigentliche Highlight sind aber die vier integrierten Lautsprecher, die das Baby von links oben, rechts oben, recht unten und links unten beschallen können. Eine Art Dolby Surround für den Fetus also. Um den Kleinen nicht zu überfordern, gibt es außerdem einen Controller, der die innerhalb gewisser Grenzen verstellbare Lautstärke überwacht, indem unterschiedliche Aufnahmelautstärken erkannt und korrigiert werden.

Kind wächst. Gürtel wächst mit.

Das Schöne an der Nuvo Group-Lösung ist, dass sie vergleichsweise unesoterisch daher kommt. Ein Konkurrenzprodukt wie das BabyPlus Prenatal Education System ist nicht nur weniger schick. Es trägt den verkrampft-pseudopädagogischen Ansatz, der bei vielen Baby-Produkten so unheimlich aufdringlich wirkt, schon im Namen. Bei Nuvo Group klingt das alles etwas entspannter. So soll die Mutter den Gürtel auch nach der Geburt und ohne dicken Bauch weiterverwenden können, etwa als praktischen iPod-Halter für den Musikgenuss beim Joggen oder beim Yoga. Anwendungen für Babies und Kleinkinder sind nach Unternehmensangaben in Vorbereitung. Kurz: Die Sache kann sich auch lohnen, wenn keine zehn Kinder geplant sind. Andererseits: Letztlich tut es die Stereoanlage natürlich auch.

78 Wertungen (3.14 ø)
Medizin

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7 Kommentare:

Ärztin

Ich habe bei meiner 1.Schwangerschaft bis zum 7. Monat 3xwöchtl. mit Heavy Metal Beschallung in meinen Ohren trainiert- meine Tochter ist jetzt 16J alt-vielleicht ist sie heute deshalb so aggressiv????

#7 |
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Dr. Jens Baumgart
Dr. Jens Baumgart

Es ist auch gar nicht zu unterscheiden, ob die Musik selber oder die Empfindungen der Mutter oder beides das Kind stimulieren. Und: Warum soll nicht auch Heyvy Metal die Mutter positiv stimmen können, wenn es ihr gefällt?

#6 |
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Altenpfleger

Ich bin mir ziemlich sicher, dass das beste “Dolby Surround System” für ein Baby die Stimme der eigenen Mutter ist, wenn diese singt und eventuell noch ein Instrument, mit dem sie sich begleitet. Von meinen eigenen Kindern weiß ich, dass sie von Beschallung, selbst vom Singen auch irgendwann überfordert waren und ihre Ruhe wollten. Im Mutterleib wird dieser Punkt wohl tendenziell früher erreicht werden, als in späteren Entwicklungsstadien. Wie sollte das ein auch noch so schickes Beschallungssystem für Feten erkennen können? Das heißt nicht, dass ich diese Systeme für Unfug halte. Aber die Vermutung, dass damit zuviel des Guten getan wird liegt doch nahe.

#5 |
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In der traditionellen chinesischen Medizin wird ja bekanntlich die Erreichung von “Harmonie” (auf die, wie man sieht, heutzutage nicht allzuviel Wert gelegt wird)im Organismus als das höchste Ziel angestrebt. Ich kann mir, nach meinen Erfahrungenin der Neonatologie ganz gut vostellen, daß Barockmusik auch dem Fetus wohltut; eine “Beschallung” mittels “heavy metal” aber keinesfalls gutheißen….

#4 |
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Marie-Luise Schmitz-Regnier
Marie-Luise Schmitz-Regnier

Die Trad.Chin. Medizin lehrt, die Leber nimmt alle Geräusche wahr, warum nicht auch die angenehmen? Dann braucht der Fötus noch keine Ohren. Meine Bdenken gehen in die Richtung “schadet die elektische Strahlung dem Fötus”? Warum tut es nicht die Musik aus der Stereo-Anlage, muss es unbedingt ein Gürtel sein? Zeitgemäß stehen wir doch noch genügend unter Strom.
Aus früheren Bekanntmachungen ist doch schon bekannt, dass Föten besonders positiv auf Barockmusik reagieren.

#3 |
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Hochenergetische Impulstherapie ¿ eine Revolution in der Pferdemedizin:

Über gute Erfahrung verfügen die Verfasser [Mag. Dr. R. Kaun et al.] auch bei Lungenerkrankungenvon der Bronchitis über die Pneumonie bis hin zum Emphysem. Durch die Zufuhr hoher Energiemengen wird als ¿ Nebenprodukt¿ die Arbeitsfreudigkeit, Rittigkeit und Losgelassenheit erhöht.

Da wiehert der Hippologe!

#2 |
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Mag. Dr. Reinhard Kaun
Mag. Dr. Reinhard Kaun

Der Artikel zeichnet sich nicht nur durch besonders schlecht angewandte deutsche Sprache aus, sondern auch durch tiefes Unverständnis des Energiebegriffes. Der Umstand, das der Fötus auf “Beschallung” reagiert, bedeutet keineswegs, dass er zu hören im Stande ist.
Reissersche Überschriften alleine machen keinen guten Artikel. Wissenschaftsjournalisten dürfen bedenkenlos seriös und ein Wenig trocken sein.
Univ.Lektor VR Mag. Dr.Kaun
A 4813 Altmünster
http://www.pferd.co.at

#1 |
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