Häusliche Gewalt: “Der will doch nur prügeln”

23. Juli 2013
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Gewalterleben in der Kindheit ist ein starker Risikofaktor dafür, später selbst zum Opfer oder Täter zu werden. Um Frauen zu therapieren, haben sich psychodynamische Psychotherapien als sinnvoll herausgestellt.

Mädchen, die von ihren Eltern gedemütigt, vernachlässigt und missbraucht werden, haben eine unstillbare Sehnsucht nach Zuwendung und Liebe. Um ihren Zustand aushalten zu können, sehen die Kinder trotz der Ablehnung häufig das Gute in den Eltern. Aus ihrem emotionalen Hunger heraus entwickeln sie unrealistische Vorstellungen von übergroßer Liebe. Als Erwachsene suchen sie nach Partnern, die ihnen Aufregung versprechen. Viele Frauen geraten in missbrauchende Beziehungen und erleben Gewalt in der Partnerschaft. Je chronischer die Gewalterfahrungen, desto schwerwiegender sind die psychischen Folgen: 45–80% derjenigen, die Gewalt in der Partnerschaft erleben, leiden an einer Posttraumatischen Belastungsstörung. Was Therapeuten bei der Therapie von Frauen aus gewaltsamen Beziehungen berücksichtigen sollten, fassten Anne Bogat et al., Universität Michigan, USA, zusammen.

Schutz der Frauen oberstes Gebot

In den USA zeichnen sich 10–15% der Paarbeziehungen durch Gewalt in der Partnerschaft (Intimate Partner Violence, IPV) aus. Auf dem Land und in Gruppen mit geringem Einkommen sind die IPV-Raten besonders hoch. Dabei kommen sowohl körperliche als auch psychische Gewalt vor. Einige Partnerinnen halten aus materieller Not in der gewaltsamen Beziehung fest. Doch auch finanziell unabhängige Frauen bleiben.

Suchen Frauen nach Hilfe, ist der Schutz der Frau oberstes Gebot. Die vorübergehende Unterbringung in Schutzräumen, wie z. B. Frauenhäusern, kann sinnvoll sein, doch ist sie Studien zufolge nicht nachhaltig wirksam. Hilfreich können psychodynamische Psychotherapien sein, denn sie berücksichtigen auch die persönliche Geschichte der Frau, die sie häufig in eine gewaltsame Beziehung gebracht hat.

Anne Bogat et al. interviewten 15 Frauen aus gewaltsamen Beziehungen; alle Frauen waren Teilnehmerinnen einer Langzeitstudie zu den Folgen der Gewalt in der Partnerschaft. Die Autoren stellten immer wieder fest, dass die Frauen gewaltsame Übergriffe in der Anamnese zunächst gar nicht erwähnten oder herunterspielten. Daher sei es empfehlenswert, immer wieder vorsichtig, aber genau nach gewaltsamen Auseinandersetzungen zu fragen. Nach McCloskey und Grigsby 2005 haben sich folgende Fragen bewährt:

  • Wie fangen die Streitereien an?
  • Warum kommen die Streitereien Ihrer Meinung nach immer wieder vor?
  • Wo waren Sie beim letzten Streit? Wo standen Sie? Wo war Ihr Partner?
  • Wie lange dauerte der Streit?
  • Wie endete er?
  • Was passierte nach dem Streit?
  • Ist es während des Streits jemals dazu gekommen, dass Ihr Partner Sie geschlagen, getreten oder gedroht hat, Sie zu töten?

Streit ist oft der Beginn der Gewalt

Den meisten gewaltsamen Situationen ging ein Streit voraus. Emotionaler und körperlicher Missbrauch gehen dabei Hand in Hand. 8 von 15 Frauen berichteten davon, dass ihr Partner androhte, ihnen Schaden zuzufügen. Mit Drohungen kontrollieren die Partner das Verhalten der Frauen. Sie versuchen auch, die Frau von Freunden und der Familie zu isolieren. 14 der 15 befragten Frauen berichteten über körperlichen Missbrauch.

Bogat et al. erklären, dass bei einem Drittel der gewalttätigen Paare gegenseitige Gewalt vorkommt. Die Gewalt sei in diesen Fällen häufig “mild bis moderat”; es handele sich zumeist um “situative Gewalt”. Wird die Frau gewalttätig, so handelt es sich oft – aber nicht immer – um gewaltsamen Widerstand. In dieser Studie war dies bei 8 von 15 Frauen der Fall. In der Regel sind die körperlichen Verletzungen, die Frauen infolge der Gewalt ihres Mannes davontragen, weitaus schwerer als die Verletzungen des Mannes durch die Gewalt der Frau.

Obwohl die Frauen immens leiden, ist es oft schwer, Veränderungen herbeizuführen. Die Frau hat unter Umständen relativ effektive Coping-Strategien entwickelt, um mit der Situation zurechtzukommen und redet die Gewalt klein. Manchmal hilft ihr die Gewalt auch, eigene Schuldgefühle zu minimieren. Frauen, die ihren Partner schließlich doch verlassen, sind oft weiterhin in Gefahr, Stalking und gewaltsame Übergriffe zu erleben. Besonders groß ist die Gefahr, wenn die Frau den Partner in der Schwangerschaft verlässt.

Eifersucht, Erziehung, Geld

Aus ihren Interviews ermittelten Bogat et al., dass die drei häufigsten Gründe für einen Streit Eifersucht, Erziehungs- und Geldfragen waren. Fünf Frauen sagten aus, dass die Gewalt mit Alkoholmissbrauch verbunden war.

Psychische Gewalt geht besonders häufig von antisozial und narzisstisch strukturierten Partnern aus. 10 der 15 befragten Frauen bemerkten, dass sie mit ihrem Verhalten der Gewalt Vorschub leisteten. Gleichzeitig glauben viele Frauen jedoch auch, dass sie die Gewalt des Partners stoppen könnten, wenn sie sich nur stark genug bemühten. Diese Vorstellung trägt zum Haftenbleiben in der Partnerschaft bei. Hier ist es wichtig, dass der Therapeut zusammen mit der Patientin die Kollusionen, also das unbewusste Zusammenspiel, identifiziert. Allerdings können die Auslöser der Gewalt nicht immer identifiziert werden – besonders bei antisozial strukturierten Männern kommt es immer wieder zu unvorhersehbarer Gewalt.

Ziel der Therapie ist es, die Gewalt zu minimieren. Der Aufbau eines sozialen Netzes ist dabei unerlässlich. In der psychodynamischen Psychotherapie können außerdem die sogenannten “inneren Arbeitsmodelle” der Frau untersucht werden. Therapeut und Patientin arbeiten heraus, wann die Patientin Aggressionen in der therapeutischen Beziehung erwartet. Dabei kann die Frau neue, sichere Beziehungskonstrukte aufbauen. Die Therapie wird zu einem haltgebenden Raum, in dem die Frau eine neue Vorstellung von ruhigen Beziehungsformen entwickeln kann.

116 Wertungen (3.94 ø)

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15 Kommentare:

Gast
Gast

Hallo nochmal, ich bin Gast vom 24.7. 01:15.

Ich stimme Frau Meyer weitgehend zu, allerdings würde ich die sexuelle Gewalt, die ich erlitten habe, nicht nur auf mein mangelndes Selbstwertgefühl zurückführen wollen. Vielmehr sehe ich es so, dass der Mann (Ausbilder) sein mangelndes Selbstgefühl auf diese Weise kompensiert hat. Sicher hätte er vielleicht eine andere als Opfer gewählt, wenn ich selbstbewußter gewesen wäre, damit ist das Problem aber auch nicht gelöst.

Und ich finde es nicht in Ordnung, wenn so manche Männer ihre Übergrifflichkeiten damit entschuldigen, dass die Frau sich nicht selbstbewußt genug gewehrt und die Tat verhindert hätte. “Wie soll ein Mann merken, dass die Frau nicht will, wenn sie sich nicht genug wehrt” ist nur eine Ausrede und nicht mehr zeitgemäß.

Und auch ein Mann ist für sein Handeln verantwortlich – es mag sein, dass dieser Ausbilder in der Kindheit von der Mutter oder im Erwachsenenalter von seiner Frau misshandelt wurde. Aber bevor er selbst Täter wird, kann er sich auch seinerseits Hilfe holen und nicht alles nur auf Frauen schieben.

#15 |
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Studentin der Humanmedizin

Edith Meyer medith.jgmosa@yahoo.com
Studentin Jura

Grosses Mitleid habe ich mit geschiedenen Männern. Sie haben grundsätzlich eine ganz andere seelische Beziehung zur Frau als die Frau zum Manne: In der Kindheit und Jugend mussten die Knaben sich ja loslösen von der Mutter. Wenn Männer scheitern in der Beziehung zur Frau, die sie als Lebenspartner gewählt haben, dann werden sie viel eher eine schmerzhafte Beziehung zur Mutter zurück erleben, da sie eben das Scheitern in Beziehung zur Frau zutiefst erlebt haben. Die geschiedenen Mütter bekommen gewöhnlich das Sorgerecht über die gemeinsamen Kinder, was den Wert des Mannes noch mal ‘runterspielt. Kein Wunder, dass Männer suizidgefährdet sind nach Scheidung, die Frauen eher nicht. Wir sollten als Frauen immer mit dem Grundsatz der Liebe handeln, und in dem Rahmen verstehen, wie viel schwieriger die Situation des Mannes in Beziehung zum Gegengeschlecht ist.
Vielleicht sind wir als Kinder zweier Elternteile mehr geschützt vor seelischer und körperlicher Gewalt, wenn wir unsere Eltern nicht in jeder Hinsicht schlichtweg ehren, sondern uns schon früh distanzieren können von bestimmten Verhaltensweisen. Auf der Art schützen wir uns vor Opfer- und Täterrollen in unserer eigenen Familiengründung.
Ich selber hatte eine schwere Kindheit und Jugend bei zwei Elternteilen, die häusliche Gewalt ausübten in vielerlei Hinsicht. Und ich habe bisher keinen Mann gefunden, da die besten längst verheiratet sind.
Leider bin ich nicht geschont geblieben vor sexueller Gewalt durch Männer; Da fehlte mir tatsächlich sowas wie ein gesundes Selbstwertgefühl. Das soziale Umfeld und das kulturelle Milieu in dem man lebt, ist massgebend. Aber wir sind teil davon und können mitgestalten. Dàs bewirkt stetig wachsend Lebenssinn für die wohlwollenden Männer und Frauen! Mann und Frau sind dabei gleichsam wichtig und würdig. Die Betonung einer Opferrolle der Frau finde ich nicht sinnstiftend.

#14 |
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Fraufraufraufraufraufrau…
Zum Glück ist die Einseitigkeit Ihres Artikels bereits von anderen Lesern erkannt und kommentiert worden, Frau Voos.
In Ihrem Artikel kommen Frauen nur als Opfer vor und Männer prinzipiell nur als Täter.
Das allein ist in der generell von der Genderideologie verseuchten Atmosphäre zwar nichts ungewöhnliches.
Jedoch erwarte ich von einem medizinischen Nachrichtendienst vor allem, dass er sich der Realität widmet, die offenbar von Millionen Menschen anders erlebt wird.
Darüber hinausgehend wäre es auch sehr angemessen, Wissenschaft im Sinne des Menschen zu betreiben und pseudowissenschaftliche und antisoziale Ideologien wie Genfer-Mainstreaming zu entlarven und nicht etwa kreuzbrav deren menschenfeindliche Sosse zu kolportieren.

#13 |
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Bei Kindern sind bekanntlich häufiger die Frauen die Täter einschließlich Kindstötung.
Deshalb ist dieser einseitige Beitrag völlig verfehlt.

#12 |
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Annette Peter
Annette Peter

Da bin ich doch richtig froh, dass die Einseitigkeit Männer = Täter und Frauen = Opfer schon angesprochen wurde. Ergänzen möchte ich noch folgendes: Männer, die prügeln, haben ebenso psychische Probleme, wie FRauen, die sich prügeln lassen. Oder allgemeiner: Menschen, die in familiären Beziehungen gewalttätig werden, haben oft selbst Gewalt erfahren, es ist dann eine Frage der Entwicklung oder des Temperamentes oder der Art des psychischen Schadens, ob sie als ehemalige Opfer später Täter oder wieder Opfer werden. Solange wir nicht bereit sind, und mit der Psyche der Täter auseinanderzusetzen, werden wir die Gewalt nicht besiegen.

#11 |
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L.G.
L.G.

Sehr geehrte Frau Dr. Voos,

Nach dem Lesen Ihres Kommentars bin ich sehr traurig, dass Sie nur die Konstellationen Mann=Täter Frau=Opfer oder Frau=Täter Mann=Opfer als Möglichkeit berücksichtigen. Es gibt auch Gewalt in homosexuellen Beziehung oder aber auch Gewalt durch Vater an Sohn oder durch Mutter an Tochter.

Ich (w.) und meine Schwester wurden von unserer Mutter misshandelt. Ich bin als Erwachsene nicht in eine Beziehung gagangen. Meine Schwester hatte eine kurze missbräuchliche Beziehung mit einem Mann, sozusagen als Rettung vor der Mutter. Diese Beziehung war natürlich nicht gesund, sie wurde selbst psychisch auffällig.

Meine Mutter ist jetzt viel milder geworden.

Nun ist meine Schwester psychisch viel gewalttätiger als meine Mutter, auf die gleiche Weise wie die Mutter, nur noch viel schlimmer – immer wenn meine Schwester Langeweile hat, terrorisiert sie mich und meine Mutter. Ich habe meine Angst mehr vor meiner Mutter, vor meiner Schwester aber schon.

Und das Tückische dabei ist: meine Schwester fühlt sich immer noch als Opfer und sieht nicht ein, dass sie für mich längst Täterin geworden ist. Und aus dieser Opferposition agiert sie wie sie will, und will Verständnis.

Solche Situationen verstehen Therapeuten oft nicht. Weil für sie entweder die Mutter die Schuld hat oder der Mann.

#10 |
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Dr. med. Dunja Voos
Dr. med. Dunja Voos

Sehr geehrter Herr Johann Simon Genten,

auch Männer werden Opfer von weiblicher Gewalt. Auch Jungen werden von ihren Müttern missbraucht und misshandelt. Das steht außer Frage.

Ich habe hier über eine Studie von amerikanischen Wissenschaftlern referiert, die gezielt weibliche Opfer befragt haben. Das heißt, in dieser Studie ging es explizit um weibliche Opfer.

Doch auf Ihre Anregung hin werde ich nun verstärkt auch nach Studien Ausschau halten, die sich mit der Gewalt gegen Männer befasst.

Mit freundlichen Grüßen
Dunja Voos

#9 |
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Rentenberater Johann simon Genten
Rentenberater Johann simon Genten

Erschreckend: Wieder ein Artikel, der nur Frauen als Opfer sieht. Frauen als Opfer männlicher Gewalt. Die Realität sieht anders aus ! Es ist aber immer wieder dasselbe: Die von Frauen und Frauenorganisationen dominierte Beratungszene sieht die anderen Opfer nicht: Die Männer und natürlich auch die Kinder, die sehr oft Opfer von Frauen werden !!! Es wird Zeit, dass die wiederum weiblich dominierten sogenannten Gleichstellungsbeauftragten sich des Themas annehmen und endlich für eine echte Gleichststellung sorgen ! Wo ist der/die Gleichstellungsbeauftragte in der Redaktion ??? Ich fühle mich durch diesen Artikel in hohem Maße diskriminiert !

#8 |
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Rettungsassistent

Einmal kurz die Sicht aus dem Rettungsdienst.
Wenn wir zu so etwas gerufen werden, ist es für uns völlig unmöglich, von wem was ausgeht, wir können erst einmal nur (wenn nötig, was häufig ist, mit Polizei) trennen in der Annahme, dass die Gewalt vom Mann ausgeht, was ja nicht sein muss.
Und dann irgendwelche zuständigen Stellen z uerreichen, die hier helfen, ist nahezu ein Ding der Unmöglichkeit.
Man telefoniert sich die Finger wund, den Akku leer und am Ende bleibt einem nichts anderes übrig, als die Frau in die Psychiatrie zu fahren mit dem Wissen, das Sie jetzt erst einmal mindestens eine Stunde im Wartezimmer sitzen darf.

Das System ist so unglaublich unflexibel, dass die, die wirklich dringend Hilfe brauchen, überhaupt keine Chancen haben.

Und wenn einem das Bauchgefühl oder der Gesamteindruck sagt, dass die Gewalt wahrscheinlich eher von Ihr ausgeht, wird man nur müde angelächelt.
Und das auch, wenn man sich lange vorher schon meldet, z.B. beim Jugendamt.

#7 |
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Bedauerlicherweise wird im Beitrag “Häusliche Gewalt ” hier ausschließlich auf die Konstellation “Mann als Täter-Frau als Opfer” (wie ganz überwiegend) eingegangen. Ganz dringend ist es,eine öffentliche Diskussion darüber zu führen, daß “Gewalt” in Familien zu gleich großen Anteilen von Frauen und Männern ausgeht-im Falle von betroffenen Kindern oder Senioren sogar überwiegend von der Frau. Daneben sind die Auswirkungen psychischer Gewalt gegen ALLE Familienmitglieder und ihre fatalen Auswirkungen für die Betroffenen ohne Zweifel angemessen zu benennen.Hilfe brauchen zweifellos ALLE

#6 |
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Gast
Gast

Ich habe in der Kindheit psychische und körperliche Gewalt durch meine Mutter erfahren, wobei ich den Verdacht habe, dass meine Mutter selbst traumatisiert war (ich habe mich als Kind immer falsch gefühlt, weil sie wegen Nichtigkeiten explodierte – erst später habe ich verstanden, dass nicht ich was falsch gemacht hatte, sondern dass sie getriggert wurde). Später habe ich sexuelle Gewalt durch Ausbilder erfahren, und habe aufgrund dessen PTBS entwickelt. Diese PTBS aufgrund der Vergewaltigung war allerdings auch nicht zu therapieren, ohne die Kindheit auch zu beleuchten. Meine Erfahrung ist, dass es sehr schwierig ist, das Ganze im Zusammenhang zu betrachten (insbesondere wenn z.B. wenn Vergewaltiger versuchen, seine Taten klein zu reden und das Problem auf die Eltern zu schieben – oder andersrum.)
Es gibt ja Studien wegen gesundheitlicher Folgen von sexueller Gewalt, häuslicher Gewalt usw. Diese Studien berücksichtigen oft nicht, dass Betroffene deswegen gesundheitliche Probleme entwickeln, weil sie mehrere Belastungen tragen. Auch hier: wenn es heißt, dass viele kindliche Opfer von Vernachlässigung später ein eine missbräuchliche Beziehung gehen und dass 45-80% der Betroffenen von Partnerschaftsgewalt PTBS entwickeln – wieviel davon kommt von den Eltern und wieviel von den Partnern?
Und was ist mit diesen aufgrund der Partnerschaftsgewalt traumatisierten Frauen? Sie können dann genauso Täterinnen gegenüber den Kindern sein, ohne es eigentlich zu wollen.

#5 |
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Medizininformatiker

“Der will doch nur prügeln”

Dieser Titel polarisiert finde ich. Wie wäre es mit:
“Die will doch nur verprügelt werden”

Ich hatte zwei Mal das fragwürdige Vergnügen, in der Wohnung über der meinigen eine Kleinfamilie beherbergt zu finden, die ohne ohne eine saftige Schlägerei mit reichlich materiellen Kollateralschäden unmittelbar nach der Tagesschau einfach nicht richtig schlafen konnte – vermutlich auch miteinander zur “Versöhnung”.

Ob man da noch von “Opfern” sprechen kann oder einer speziellen Form von Masochismus … ich weiss es nicht.

Dass Hunde und kleine Kinder immer wieder dahin gehen, wo es Futter gibt, auch bei Prügel zum Dessert, kann ich noch nachvollziehen. Aber weshalb Erwachsene das mitmachen, ist und bleibt mir ein Rätsel.

#4 |
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Prof. Dr. Beate Blättner
Prof. Dr. Beate Blättner

Schön, dass Sie dieses Thema aufgreifen. Leider ist es nicht in allen Punkten gelungen, die aktuelle Literatur zu berücksichtigen. Zudem ist es sinnvoll die unterschiedlichen Typen von Partnergewalt zu berücksichtigen, deren Unterscheidung schon klassisch ist. Michael Johnson unterschied bereits 1995 zwischen zwei Typen: common couple violence (CCV) und intimate partner terrorism (IPT). Die erste Form beschreibt Gewalt als Konfliktstrategie zwischen Partnern, die gleichberechtigt ausgeübt wird. Bei dem zweiten Typus geht es um Macht und Kontrolle der einen über die andere Person, durch körperliche, psychische, sexuelle, soziale und ökonomische Gewalt. Wesentliches Moment ist Abhängigkeit, Bedrohung sowie Angst. Wenn man diese Typisierung berücksichtigt, lässt sich besser beschreiben, wie dies mit der Verteilung von Gewalt zwischen den Geschlechtern ist.

#3 |
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Soziologin KHB KHB
Soziologin KHB KHB

Die Darstellung im ersten Abschnitt ist falsch.

Die Ursache für die Wiederholung liegt an dissoziativen Methoden, die misshandelte Kinder nutzen, um die Taten auszuhalten. Sie lernen in früher Kindheit, überforderndes Erleben auszublenden. Die neurologischen Systeme schalten notgedrungen in einen reinen Überlebensmodus.

Durch die Wiederholungen der Kindheitsjahre professionalisieren diese Kinder die Technik des Verdrängens/Dissoziierens. Darüber gehen Erinnerungen “verloren”. Das “Nicht-Wissen”, das noch für das Kind ein Schutz ist, wird für die Frau zur “Sozialen Behinderung”. Sie kann die Gefährlichkeit des Täters nicht indentifizieren aufgrund ihrer Erinnerungslücken: Es fehlt der kognitive Zugang zum Trauma der Kindheit und damit zur Identifikation des aktuellen Situation. Neurologische Prozesse verhindern den Zugang zum alten wie zum aktuellen Trauma. Das Erkennen der Gefährlichkeit der Situation bleibt aus.

Die Dissoziations-Technik der Kindheit hat sich frühzeitig durch Wiederholungen automatisiert und die nun erwachsene Frau nutzt sie, sobald sie getriggert wird, ganz automatisch: Sie “vergisst” sofort, was ihr getan wird/wurde vom aktuellen Täter. Sie blendet automatisch vieles aus. Sie deutet das Geschehen falsch. Häufig erleben diese Frauen in beruhigten Phasen, dass sie die aktuelle Situation für kurze Zeit “erkennen”, können sich daran aber teilweise später auch nicht erinnern. Sobald der Täter wieder da ist, ist die Bedrohung wieder da und der Trigger. Die Handlungsfähigkeit und Entscheidungsfähigkeit sowie die Entscheidungsnachhaltigkeit bleibt aus.

Tatsächlich erfolgreich ist nur der Weg des vollständigen Erinnerns, der keine Erkenntnislücken ermöglicht. Damit endet die automatische Wiederholung des Kindheitsszenarios. Wenn die betreffende Frau in die Lage versetzt wird, nicht mehr triggerbar zu sein, endet die penetrante Wiederholung. Bis dahin muss sie vor Tätern geschützt werden.

Die erwähnten Dissoziations-Techniken dürften hinlänglich bekannt sein aus der Forschung zu sexuellem Missbrauch an Kindern.

Würde im Forschungskontext den betroffenen Frauen durch Hilfestellung ermöglicht, zu erinnern, würde man deutlich höhere Korrelationen zu sexuellem Missbrauch an Kindern und nachfolgender häuslicher Gewalt feststellen.

Diese zu erhebenden Daten sind nicht zugänglich, solange man betroffenen Frauen keine Hilfestellung zum Erinnern, zur Verarbeitung der Traumata anbietet. Standard in psychotherapeutischen Verfahren ist nach wie vor, scheinbare “Funktionalität” zu erhalten, in dem man von Methoden zur Erinnerung abrät.

Zudem sind körperpsychotherapeutische Methoden keine Kassenleistung. Diese aber bieten, gemäß 30-jähriger praktischer Erfahrung und offensichtlichen Erfolgen, die Möglichkeit des “einfachen” Erinnerns und beweisen täglich, dass der Körper “weiß”, wenn der Verstand dies nicht leisten kann und dass jahrzehntelanges Leid in wenigen Sitzungen beendet werden kann.

Hingegen bringen die von Krankenkassen anerkannten Leistungen häufig jahrzehntelange Therapie mit enormen Kosten ohne Erfolg.

Es wird höchste Zeit, für die betroffenen Frauen und Kinder, dass hier schnellstmöglich umgedacht wird und reagiert. Das Leid ist von einem Ausmaß, dass es einen gruselt. Die Kosten sind im übrigen gesamtgesellschaftlich horrend. Wenn man mal überschlägt, welche Auswirkungen Nicht-/Fehlbehandlung produzieren: Krankheit, Armut, Arbeitslosigkeit, familiäre Probleme durch kranke Mütter etc.., Scheidungen, Sozialarbeit uvm..

Zudem haben die betroffenen Frauen meist durch ihre “Behinderung” kaum die Möglichkeit, sich beruflich angemessen zu entwickeln. Ein weiterer Verlust für das gesellschaftliche Gefüge.

Misshandelte Frauen und Kinder nicht angemessen therapeutisch und sozialarbeiterisch zu versorgen, bedeutet für eine Gesellschaft, eine Wirtschaftsgemeinschaft einen gigantischen selbstverursachten Verlust! Abgesehen vom Terror, die das ungeklärte Leid verursacht.

Es schockiert mich stets auf’s Neue, wie blind Etablierte mit diesem Thema umgehen. Vielleicht haben sie einfach keine eigenen Erfahrungen und können daher gar nicht einschätzen, worum es geht, schreiben ab aus der Fachliteratur, ohne wirklich zu verstehen, was sie da schreiben. Die Zeilen im ersten Absatz sind aus meiner Sicht entsetzlich dumm und grausam!

Wenn Sie bis hierhin gelesen haben, sind Sie bestimmt auf eine ganz neue Idee gekommen, womit wir es als Gemeinschaft zu tun haben. Ich hoffe es!

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Gast
Gast

Hallo zusammen,
ein schöner Artikel. Nur leider – einseitig. Ich bin selbst ein Opfer häuslicher Gewalt. Als Mann ist der Mensch in dieser Lage leider immer noch zu wenig in diesem Rollenbild bekannt. Vielleicht gibt es auch für drangsalierte Männer (Obacht: Frauen üben nicht Gewalt in physisischer, sondern eher in psychischer Form aus – bin hin zur Vernachlässigung der Kinder!) eine Idee, wie – durchaus mögliche – posttraumatische Belastungsstörungen behandelt werden können?

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