Die Streichelorthopäden kommen

30. November 2017

Immer häufiger greifen Orthopäden zum Skalpell. Das zeigen aktuelle Zahlen. Ein Weißbuch soll dafür sorgen, dass konservative Therapien an Bedeutung gewinnen. Die damit erzielten Erfolge lassen sich durchaus mit Operationen oder Pharmakotherapien vergleichen.

Deutschlands Orthopäden greifen immer häufiger zum Skalpell. Zu diesem Ergebnis kommen Versorgungsforscher der Bertelsmann Stiftung. Zwischen 2007 und 2015 erhöhte sich die Zahl an Eingriffen aufgrund von Rückenbeschwerden von 452.000 auf 772.000 pro Jahr. Das entspricht plus 71 Prozent. Betrachtet man die Daten im Detail, zeigen sich einige Schwachpunkte der Versorgung.

Fulda hat Rücken, Bremen nicht

Aus medizinischer Sicht lässt sich nicht erklären, wie es zu regionalen Unterschieden kommt. Das zeigt sich beispielhaft anhand von drei OPs: der Entfernung von Bandscheibengewebe, der Versteifung von Wirbelkörpern und der knöchernen Dekompression. Je nach Kreis treten im Vergleich immense Schwankungen auf, wobei Ärzte aus Deutschlands Mitte besonders oft zum Skalpell greifen.

Häufigkeit von operativen Eingriffen der Orthopädie

Häufigkeit von operativen Eingriffen der Orthopädie je 100.000 Einwohner, 2014/2015 ©Bertelsmann Stiftung

Die interessantesten Details aus der Studie:

  • Die Zahl an Dekompressionen zur Therapie spinaler Stenosen hat zwischen 2007 und 2015 um rund 130 Prozent zugenommen – von 48.000 auf 111.000 Eingriffe.
  • In Thüringen hat sich die Zahl an Dekompressionen im gesamten Zeitraum verdreifacht.
  • Operationen zur Verblockung oder Versteifung von Wirbelkörpern bei Rückenschmerzen nahmen im gleichen Zeitraum bundesweit um 57 Prozent zu – von 46.000 auf 72.000 zu.
  • In Hessen und Thüringen werden diese Eingriffe fast doppelt so oft wie in Sachsen oder Bremen vorgenommen.

Warum wird öfter zum Messer gegriffen?

Für den Anstieg der Eingriffe gibt es unterschiedliche Erklärungsansätze. Unvollständig definierte Leitlinien sind eine von mehreren möglichen Ursachen, argumentiert Eckhard Volbracht von der Bertelsmann Stiftung. „Lokale Versorgungsmuster verstärken sich, wenn klare medizinische Leitlinien fehlen“, kritisiert er. Und fügt hinzu: „Die Entscheidung für einen operativen Eingriff darf jedoch nicht aufgrund von individuellen Vorlieben der ortsansässigen Ärzte fallen.“

Es liegt aber nicht nur an fehlenden Handlungsempfehlungen oder an der eigenen Berufserfahrung. Gemeinsam mit Kollege Prof. Dr. Heinz Naegler hat Professor Dr. Karl-Heinz Wehkamp, Facharzt für Frauenheilkunde und Professor für Gesundheitsmanagement am Socium Forschungszentrum der Universität Bremen, 60 Ärzte und Krankenhausmanager interviewt. Die Ergebnisse der bislang unveröffentlichten Studie wurden Anfang des Monats auf einem Symposium in Bremen vorgestellt. Laut Angaben der Befragten herrsche ein deutlich spürbarer ökonomischer Druck in Kliniken. Ohne medizinische Notwendigkeit würden Patienten aufgenommen, die Entscheidung für eine OP wäre oft wirtschaftlich motiviert.

Auf die Vorwürfe reagierte die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) unbeeindruckt. „Studie ohne wissenschaftlichen Anspruch“ lautet der Titel der Pressemitteilung. „Wenn als Ergebnis einer Befragung von 60 Ärzten und Geschäftsführern aus Krankenhäusern abgeleitet wird, dass in deutschen Krankenhäusern „nicht selten“ aus rein wirtschaftlichen Gründen operiert wird, kann dies nicht ansatzweise als validierte oder gar wissenschaftliche Feststellung ernst genommen werden“, argumentiert Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der DKG.

Nicht-chirurgische Behandlungsmöglichkeiten stärken

Matthias_Psczolla

Matthias Psczolla ©DGMM

Viele Ärzte fordern, nicht-chirurgische Behandlungsmöglichkeiten zu stärken. Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) hat ein Weißbuch zur konservativen Orthopädie und Unfallchirurgie veröffentlicht.

„Durch nicht-operative Behandlungsmethoden können wir in vielen Fällen erfolgreich und risikoarm Schmerzen lindern, Beweglichkeit und Lebensqualität verbessern oder das Fortschreiten von Erkrankungen bremsen“, fasst Dr. Matthias Psczolla zusammen. Er ist Orthopäde aus Sankt Goar in Rheinland-Pfalz und Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Manuelle Medizin (DGMM). „Früher dachte man nach einem Unfall weitaus schneller an eine Operation, während heute ein deutlich größeres Bewusstsein dafür besteht, dass sich viele Verletzungen wie etwa des Sprunggelenks oder des Schultergelenks auch konservativ erfolgreich therapieren lassen.“

Im Weißbuch finden sich unter anderem Kapitel zu zentralen Themen wie Arthrose, rheumatischen Erkrankungen, Erkrankungen der Wirbelsäule, Osteoporose, neuromuskulären Erkrankungen, Sportverletzungen oder Verletzungen der Wirbelsäule. Psczolla zufolge sei die Spinalstenose früher häufig operiert worden. „Hier ist man inzwischen zur Erkenntnis gekommen, dass die konservative Behandlung zumindest einen Aufschub gibt.“, kommentiert Psczolla.

Orthopäden kritisieren beispielsweise, Spinalkanalstenosen würden kernspintomografisch bei älteren Patienten fast regelhaft beschrieben, seien aber nicht immer behandlungsbedürftig. Grundsätzlich werden nur Patienten mit Beschwerden therapiert. Das konservative Behandlungskonzept arbeitet mit medikamentösen, krankengymnastischen und physikalischen Strategien. Kommt es zu neurologischen Defiziten oder beeinträchtigen die Schmerzen den Patienten zu stark, ist eine OP unausweichlich.

Auch bei Rückenschmerzen nennt das Weißbuch Alternativen wie Physiotherapien, psychologische Schmerztherapien, die manuelle Medizin und nicht zuletzt Analgetika. „Wer eine gute Krankengymnastik hat, kann dann auf Spritzen verzichten“, konstatiert Psczolla. Stellt sich kein Erfolg ein, bleibt die operative Intervention. Dazu gehören die Wirbelkörperverblockung oder die Entfernung von Bandscheibengewebe.

Alles eine Frage der Evidenz

Außerdem bewerten die Autoren verschiedene konservative Methoden hinsichtlich ihrer Evidenz. Einige Aspekte:

Bei Pseudarthrosen seien die Ergebnisse operativer Behandlungen und extrakorporaler Stoßwellentherapien vergleichbar, heißt es im Weißbuch. Sie sehen weitere Einsatzmöglichkeiten bei Sehnenansatzerkrankungen, um nur zwei Beispiele zu nennen. Im Bereich gibt es starke Wachstumstendenzen: Die Publikationsdatenbank PubMed listet für 2016 mehr als 100 Studien zur nicht-urologischen Stoßwellentherapie. Schwerpunktmäßig geht es um Knochen, Sehnen, aber auch um Nerven, um die Wundheilung und um kardiale beziehungsweise angiologische Anwendungen.

Im Bereich der manuellen Medizin fassen DGOU-Experten die umfangreiche Datenlage folgendermaßen zusammen:

  • Wirbelsäulenmanipulationen haben eine mäßige Evidenz bei akuten oder chronischen Rückenschmerzen.
  • Bei chronischen Kopfschmerzen waren manuelle Therapien der Massage überlegen und gleichwertig zur Gabe von Medikamenten.
  • Bei Nackenschmerzen war die manuelle Therapie in Verbindung mit Übungstherapie der Placebogruppe deutlich überlegen.

Gleichzeitig heißt es im Text, verschiedene Probleme erschwerten den Wirksamkeitsnachweis. Als Hauptproblem wird die fehlende Möglichkeit, eine manuelle Therapie mit Placebo zu vergleichen, genannt.

Alles hat seine Grenzen

Das Weißbuch soll aber nicht als generelles Plädoyer gegen chirurgische Eingriffe missverstanden werden. Abhängig von der Indikation werden auch Grenzen gezogen. Der Orthopäde Dr. Hermann Locher zieht beispielsweise einige Grenzen für die manuelle Medizin, die Chirotherapie und für osteopathische Verfahren.

Zu den absoluten Kontraindikationen zählen frische Traumata, osteoporotische Frakturen, bakterielle Entzündungen, manche Tumoren, Instabilitäten der Wirbelsäule oder entzündliche Schübe. Als relative Kontraindikationen nennt Locher u.a. Osteoporose, schwere degenerative Veränderungen der Wirbelsäule, die Reizung oder Schädigung bestimmter Nerven, aber auch wenig kooperative Patienten.

Die Zukunft in zehn Punkten

Jenseits von Kontraindikationen profitieren etliche Patienten schon heute von konservativen Therapien. Experten der DGOU leiten daraus zehn Forderungen für die Praxis ab:

  1. Die konservative Therapie muss gestärkt werden.
  2. Alle Patienten sollten Zugang zu konservativen Methoden erhalten – auch in Kliniken, die eher operativ ausgerichtet sind.
  3. Vor einer OP sollten Ärzte konservative Methoden leitliniengerecht ausschöpfen. Hier steht nicht die Wirtschaftlichkeit im Fokus.
  4. Die Sektoren im Gesundheitsbereich sollen sich stärker als bisher vernetzen.
  5. Die Weiterbildung in konservativen Verfahren sollte in der Muster-Weiterbildungsordnung berücksichtigt werden.
  6. Die Grundlagen- und Versorgungsforschung im Bereich konservativer Methoden ist zu stärken.
  7. Auch im Bereich der Prävention spielen konservative Methoden eine tragende Rolle. Hier ist weitere Förderung notwendig.
  8. Diagnostik und Therapie bleiben in ärztlicher Hand. Kooperationen mit nichtärztlichen Gesundheitsberufen werden dadurch aber nicht ausgeschlossen.
  9. Die Akademisierung von Gesundheitsfachberufen ist ein weiteres Ziel. Sie sollte aber nicht zum direkten Zugang führen. Ärzte entscheiden weiterhin, ob beispielsweise eine Überweisung zum Physio- oder Ergotherapeuten sinnvoll ist.
  10. Auch die ärztliche Osteopathie soll weiterentwickelt werden.
43 Wertungen (4.7 ø)
Chirurgie, Medizin, Orthopädie

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23 Kommentare:

Anne-Kathrin Böttger
Anne-Kathrin Böttger

Diese 10 Punkte Programm hat Zukunft und wird hoffentlich Anwendung finden. Das die ärztliche Osteopathie weiterentwickelt werden soll, kann ich nur begrüßen.
Wenn Ärzte aber ihren Schwerpunkt auf Diagnostik und Therapie legen, sind sie für die tägliche Anwendung der Osteopathie gar nicht frei. Die tägliche Übung und Anwendung sowie Zeit dafür, ist bei dieser sehr umfassenden Therapiemethode eine Vorrausetzung für ihre Wirkung. Physiotherapeutische Osteopathen die seit Jahren ihre taktilen Fähigkeiten geschult haben und tagtäglich diese Therapieform anwenden, sollten endlich vom deutschen Staat und den Krankenkassen als Beruf anerkannt werden. Des weiteren wäre endlich eine anständige finanzielle Bewertung der physiotherapeutischen Arbeit notwendig. Genau wie im Pflegebereich gibt es seit Jahren einen Exodus aus der Physiotherapie wegen der geringen Verdienstmöglichkeiten. Eine intensivere interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Ärzten und den Therapeutischen Leistungserbringern ist für eine Qualitätsverbesserung unabdingbar.

#23 |
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Marcus Finke
Marcus Finke

Rote Zahlen vieler Kliniken sprechen eine deutliche Sprache. Der finanzielle Druck ist da, wer das verneint lebt scheinbar auf einer Insel. Die konservative Therapie ist sehr umfangreich und vor allem eines, in der Regel mit weniger Risiko behaftet. Man verstehe mich nicht falsch, wenn alles konservative ausgereizt ist muss eine OP sein und es gibt sicher genug Indikationen für eine schnelle Skalpelltat. Aber häufig ist der rasche Schritt in den OP Alltag. Die Orthopädietechnik bspw. hat jede Menge an Möglichkeiten die leider niemand kennt weil sie nicht gelehrt wird und nur eine Handvoll Ärzte sich herablässt um diese richtig zu erleben. Das war mal anders, wenn es auch lange her ist, so war es Usus mehrere Wochen die Konservativen Möglichkeiten im orthopädischenken Bereich von der orthopädietechnischenken Seite genau zu kennenzulernen. Ich erlebe häufiges Staunen wenn man mal aus den Standarts im Gespräch herrauskommt. Eine Chance häufig für das ein oder andere mehr an Bewegung statt Versteifung und vor allem weniger Möglichkeiten für MRSA und andere potentielle negative Auswirkungen, welche nicht ganz so selten bis zur Amputation geführt haben, aber zumindest einen langen Krankenhausaufenthalt ermöglicht haben.

#22 |
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Student der Humanmedizin

Der Artikel begründet die Ursache falsch.

Schon seit einer Weile ist die Facharztausbildung Orthopädie mit der Facharztweiterbildung Unfallchirurgie vereint.

Es gibt per Definition keine nicht-chirurgischen Orthopäden mehr. Dementsprechend ist das orthopädische Denken primär ein chirurgisches.

#21 |
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Gast 15
Gast 15

Also ich habe meine Physio-Rezepte ganz einfach vom Hausarzt bekommen. Die sind nämlich auch nicht ganz doof, wissen Sie. Das was ich bei der Physio an Übungen gelernt habe setze ich zu Hause und beim Sport selbstständig fort. Ein bisschen selbstständigkeit und Eigenverantwortung ist nicht zuviel verlangt, man muss mich nicht dauernd anweisen wie ein Kleinkind. Klar die Besuche beim Osteopathen habe ich selbst bezahlt, war nicht billig aber das waren insgesamt nicht viele und ich habe im Laufe meines Lebens schon mehr für weniger Wichtiges ausgegeben, das muss es einem eben wert sein. Von Massagen als Kassenleistung halte ich nichts, das ist reine Wellness. Irgendwo muss der durch unsere Gesundheitssystem finanzierte Luxus auch Grenzen haben und das Geld wäre für Geburtshilfe oder Prävention besser aufgehoben aber das ist nur meine Meinung und nein, ich bin nicht sehr reich und auch nicht privatversichert. Mir ist klar dass es viele gibt die schwer beeinträchtigt sind und den Orthopäden wirklich dringend brauchen, aber viele andere eben nicht.

#20 |
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Nichtmedizinische Berufe

Gast 15 : “Wer bei jedem Zipperlein sofort zum Facharzt geht braucht sich nicht zu wundern. Wer nimmt sich heute noch die Zeit geduldig an seinen Körper hinzutherapieren? Wer ist denn bereit es vorher erstmal wochenlang mit Physio, manueller Therapie, leichtem Sport, Yoga oder schlicht und ergreifend dem guten und bewährten Konzept des Zuwartens zu versuchen bevor er gleich mit Kanonen auf Spatzen schießt? ”
Und wer bitte soll mir Physio und manuelle Therapie verschreiben wenn nicht der Facharzt? Bin ich Krösus oder was?
Mit drei Rezepten KG im Jahr kommt man bei vielen Patienten nicht mal an die Basis, worauf sie mit Sport aufbauen können. Dann ist es nach einer Weile einfacher zu sagen:
“Wir operieren!”
Ist ja ganz toll für Sie, dass Sie alles alleine hinkriegen – Normalsterbliche sind darauf angewiesen, dass es ein Gesundheitssystem gibt, in dem sie Heilung finden können.

#19 |
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Dr. Peter Hammer
Dr. Peter Hammer

Eine OP bringt für die KH finanziell bedeutend mehr als eine nicht chirurgische Therapie. Grundsatz, das was viel Geld einbringt wird gemacht. Siehe Vergleiche von kassenärztlichen und privatärztlichen Untersuchungen bei gleicher diagnostische Fragestellung

#18 |
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lobeyer
lobeyer

Der Sachverhalt betrifft natürlich die gesamte Situation im dtsch. Gesundheitswesen. Siehe Werbung für Medikamente für neue Krankheiten und Leiden, die jeder haben muss! Siehe ständig neue Geschäftsmodelle im Gesundheitswesen ohne jemand zu Nahe zu treten.
Wenn diese Entwicklung so weiter geht, bleibt bei der digitalisierten Medizin und dem telegesteuerten Patienten nur noch der Manualmediziner, der einen nicht anaestesierten Patienten noch berührt. (Osteopathie wäre hier gesondert zu behandeln:-(

#17 |
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Dorothea Hugger
Dorothea Hugger

… der Artikel ist toll, aber eigentlich sprechen wir seit Mind. 10 Jahren darüber dass zu viel operiert wird!
Solange Apparatemedizin, und Op‘s So hoch – und Gespräche und manuelle Verfahren aber so schlecht bezahlt werden, wird sich daran weiterhin nichts ändern…,

#16 |
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Gast
Gast

Wer bei jedem Zipperlein sofort zum Facharzt geht braucht sich nicht zu wundern. Wer nimmt sich heute noch die Zeit geduldig an seinen Körper hinzutherapieren? Wer ist denn bereit es vorher erstmal wochenlang mit Physio, manueller Therapie, leichtem Sport, Yoga oder schlicht und ergreifend dem guten und bewährten Konzept des Zuwartens zu versuchen bevor er gleich mit Kanonen auf Spatzen schießt? Was soll der Orthopäde denn sagen? „Ich würde ja gerne helfen aber vielleicht wollen Sie es doch erstmal beim Osteopathen versuchen…“ na gut, mein Orthopäde hat genau das gesagt und ich bin ihm sehr dankbar dafür… aber eine Überweisung zum Facharzt hole ich mir in Zukunft nur noch wenn die OP tatsächlich als letzter Ausweg nötig ist.

#15 |
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Dr. med Siegfried Schlett
Dr. med Siegfried Schlett

Schmerzen sind etwas seltsames, Sie haben einen Ort, aber oft eine ortsfremde Ursache. Gerade bei Beschwerden des Bewegungsapparates gilt es, strukturelle Zusammenhänge zu entdecken und auszuwerten. Meist gelingt es bei einem Fersenspornes allein durch konsequente Dehnung, Gymnastische Übungen und Triggerpunktbehandlungen des rückwärtigen Anteils der Beinmuskulatur, Besserung zu erzielen. Ganz ohne Bestrahlung, Triamcinoloninjektionen oder Homöopathie.

#14 |
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Nichtmedizinische Berufe

“In Hessen und Thüringen werden diese Eingriffe fast doppelt so oft wie in Sachsen oder Bremen vorgenommen.”
Wäre auch mal interessant zu schauen, wo denn die großen neurochirurgischen und orthopädischen Operationskliniken sitzen. Dabei muss nicht Geldgier dahinter stecken, wenn die und die neue Methode halt nur in dem und dem Haus gemacht wird, fahren Patienten gezielt dorthin.
Seltsam wäre doch eher, wenn auch die Zahl der Notoperationen wie bei Cauda-equina-Kompressions-Syndrom unterschiedlich ausfällt.

#13 |
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Dr. med.univ. Helmut Benda
Dr. med.univ. Helmut Benda

Dass Patientenakquise eine große Rolle spielt, ist kein Geheimnis. Das mag am Verrechnungssystem und an der wirtschaftlichen Forderung nach Gewinn und Wachstum liegen. Beaknnt sind viele Dinge – und auch nach streng wissenschaftlichen Kriterien hinreichend belegt: dass das Outcome für den Patienten mit Arthroskopie oder mit physiotherapeutischer Übung in etwa gleich ist …. dass eine Physiotherapie für den “Rücken” (Ausgleich der muskulären Dysbalance samt oft notwendiger Gewichtsreduktion) einen entsprechenden Erfolg erst nach 8 Wochen erkennen läßt …. dass das von den Kassen mit Behandlungen en bloc à 10 Stück geflissendlich ignoriert wird …. dass der Gewinn einer NSAR-Behandlung ala longe bei der Pharmafirma liegt …. dass die beiden letzten Punkte von den Patienten ebenso ignoriert werden (niemand mag sich anstrengen und etwas für sich selbst tun, wenn es eine Pille gibt, die das vermeintlich auch erledigt) ….

#12 |
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Nadja Pfau
Nadja Pfau

Als Arzthelferin geringfügig in der Arztpraxis, als Fußpflegerin und Heilpraktikerin in Teilzeit sehe ich die Tendenz sehr wohl zum schnellen operieren. Manchmal hat der Patient das Wort Knieschmerzen noch nicht ganz ausgesprochen kriegt er schon einen Arthroskopie Termin. Ich rate den Patienten die mich ansprechen grundsätzlich dazu eine Zweitmeinung beim niedergelassenen und nicht selbstoperierenden Orthopäden einzuholen. Auch mein Sohn wurde gleich unters Messer gelegt mit V.a. Schenkelhernie obwohl ich mehrfach die Chirurginnen auf eine Schürfwunde am US hinwies mit meinem V.a. Lymphknotenschwellung. Heute hat er nach OP vor einem Jahr ein chronisches Lympödem Stadium 2, es war doch ein Lymphknoten. Übrigens hat er nach der Lymphknotenentfernung gleich noch eine Sepsis entwickelt mit Multiorganversagen entwickelt ( er ist 17) weil die Lymphknotendiagnose nicht mal in Erwägung gezogen wurde. Man wollte halt unbedingt operieren.

Auch die Spinalkanalstenosen OP‘s meiner älteren Kunden sind nur bei einem Drittel erfolgreich, immerhin. Manche wurden aber auch zwei-und dreimal operiert und jedesmal wurde es schlechter…

Ich kann nur sagen, Augen auf bei angeratener Op und sich beim Hausarzt auch noch beraten lassen, am besten beim älteren HA, der weiß in der Regel noch wie man auch mit Hausmittelchen… ein Stück weiter kommt!

#11 |
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Gast
Gast

Manualtherapeutische Ansätze (Behandlungen sowie Übungsprogramme) sind immer zu empfehlen. Bevor eine OP nötig wird, um ggf dadurch diese zu verhindern oder Symptome vorerst zu lindern. Nach einer OP sind Therapien auf jeden Fall notwendig. In welchem Umfang ist individuell zu betrachten.
Wichtig ist jedoch immer, das der Betroffene Eigenverantwortung übernimmt und sich nicht nur bedienen lässt.

#10 |
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Dr. med. Gottfried Ebenhöh
Dr. med. Gottfried Ebenhöh

In der benachbarten hessischen Kreisstadt gab es bis Mitte der 90er Jahre keinen einzigen Neurochirurgen. Heute sind dort sechs als Niedergelassene tätig! Natürlich mit Belegbetten am Kreiskrankenhaus. Noch Fragen?

#9 |
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Gast
Gast

Beide Indikationen haben ihre Berechtigung. Ich wünschte, mein Gleitwirbel wäre früher operiert worden, dann hätte ich jetzt weniger Folgeschäden. Manchmal kann man auch mit 24 Sitzungen Physiotherapie nichts mehr verändern, und Sport anzubieten, wenn jemand nicht mehr gehen kann.. so ein Ratschlag kann nur von einem Gesunden kommen.

#8 |
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Gast
Gast

Erzählen sie das mal den Ärzten der Orthopäd. Versorgungszentren! Sobald d Patient mehr als 6 ggf 12 Behandlungen ( a 15 Min.!) benötigt, wird geblockt. Die Kassen als Druckmittel kommen hinzu weil sie längere Behandlung häufig nicht anerkennen. Zuletzt willigt d Patient i d OP ein damit ihm überhaupt irgendwie geholfen wird….Zeit kostet Geld. Und das wollen weder viele Ärzte, die Krankenkassen sowieso nicht und auch d meisten Patienten nicht bezahlen. Also lieber schnell schnippeln.

#7 |
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Dr. med. Frank Horlbeck
Dr. med. Frank Horlbeck

Sagen wir doch den Patienten, sie sollen regelmäßig ihre Muskeln trainieren. Dazu braucht es nicht mal ein Rehasport-Rezept. Und zwar bevor eine OP-Indikation gestellt wird…

#6 |
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Dr.med Willi Hornung
Dr.med Willi Hornung

Ein herausragendes Konzept zur Behandlung von Schmerzen am Bewegungsapparat
bietet das Fasziendistorsionsmodell von Typaldos.Kurse werden von der AIM der medizinischen Hochschule Hannover angeboten.Näheres auch unter:
http://www.fdm-europe.com
Ich habe meine unfallchirurgische Praxis verkauft und arbeite erfolgreich in meiner
FDM-Privatpraxis in Bad Gögging Ich stehe für Fragen gerne zur Verfügung.
Dr.med.Willi Hornung
http://www.fdm-hornung.com

#5 |
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Silke Törkott
Silke Törkott

In der Physiotherapie gibt es außer der Manuellen Therapie noch viele andere gute Konzepte. Die beste Evidenz hat mit Abstand das Mc Kenzie Konzept, dass meiner Meinung nach dringend in die Leitlinien gehört. Schon vor dem MRT lassen sich schnell und sicher die Patienten herausfiltern, die eine gute Prognose haben.

#4 |
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Die Indikation muss stimmen und das bestmögliche Ergebnis für den Patienten im Vordergrund. Beide Therapieformen haben ihre Berechtigung. Aber wie lange wird es noch konservativ tätige Orthopäden geben? Die operativ ausgerichtete Unfallchirurgie hat das Fachgebiet einverleibt und nun fragt man sich, wer sich diese Spielwiese aneignet oder wird sie gar verwildern? Die konservativen u.a. manualmedizinischen und osteopathischen Verfahren sollten wir Ärzte nicht leichtfertig aus der Hand geben! Also Herr Psczolla hat mit seiner Einschätzung mehr als Recht und man kann nur hoffen dass er Gehör findet.

#3 |
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Medizinische Dokumentarin

eine Operation bringt auch mehr Geld in die Kasse

#2 |
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Biologe

Das Problem scheint schon in der Ausbildung der Ortopäden angelegt zu sein, wie eine mir bekannte Orthopädin erklärte und wie es auch aus “Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie” verständlich wird:
die angehenden Orthopäden müssen unverhältnismäßig viel operieren und haben kaum Zeit ( und Angebote ), konservative Methoden kennen zu lernen. Und wer auf diesem Feld weder hinreiche Kenntnisse hat noch sich sicher fühlt, wird auch nicht ensprechende Behandlungen durchführen, sondern lieber zum Messer greifen.

#1 |
  4


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