Entzündliche Erkrankungen: Enge Verwandtschaft

17. Juli 2013
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Chronische Entzündungen sind schwerwiegende Krankheitsbilder: Sie können zu bleibenden Organschädigungen führen, wenn sie nicht rasch therapiert werden. In Studien entdeckten Forscher Verwandtschaften zwischen unterschiedlichen chronisch-entzündlichen Erkrankungen.

Die Erkenntnisse und einen Stammbaum verschiedener Krankheitsbilder haben die Wissenschaftler um Prof. Dr. med. Georg Schett (Direktor der Medizinischen Klinik 3) und Prof. Dr. med. Markus F. Neurath (Direktor der Medizinischen Klinik 1) vom Universitätsklinikum Erlangen jetzt in Nature Medicine veröffentlicht.

Die Symptome sind grundverschieden: Arthritis führt zu einer schmerzhaften Zerstörung der Gelenke, Knochen und der Wirbelsäule. Die Crohn’sche Erkrankung befällt die Darmwand und zeigt sich in Krämpfen und blutigen Durchfällen. Schuppenflechte wiederum führt zu einer sehr belastenden und teilweise sogar entstellenden chronischen Entzündung der Haut. Eine Verwandtschaft ist zwischen diesen entzündlichen Erkrankungen nicht auf Anhieb ersichtlich.

„Die Verwandtschaft entzündlicher Erkrankungen ist manchmal nur eine entfernte, teils aber auch eine enge, fast familiäre Beziehung“, erklärt Prof. Georg Schett. „Durch die Verordnung moderner Arzneimittel und die Reaktionen darauf verstehen wir nun, dass nicht alle entzündlichen Erkrankungen die gleichen Mechanismen benutzen – wir konnten aber auch erstaunliche Gemeinsamkeiten erkennen“, erklärt Prof. Schett. Man weiß etwa, dass diese unterschiedlichen Krankheiten fast allesamt gut auf die therapeutische Hemmung eines bestimmten Entzündungsstoffes, des Tumor-Nekrose-Faktors (TNF), reagieren.

Weitere Allianzen

Darüber hinaus ließen sich auch weitere Gemeinsamkeiten zwischen einzelnen Erkrankungen ausmachen: Beispielsweise besteht hinsichtlich der Abhängigkeit von bestimmten Entzündungsbotenstoffen – und einem entsprechenden therapeutischen Erfolg, wenn man diese hemmt – eine enge Verbindung zwischen der rheumatoiden Arthritis, einer schweren Form des Gelenkrheumas, und einer seltenen Form der Gefäßentzündung, der Riesenzellenarteriitis, die vor allem im Alter auftritt und zu gefährlichen Gefäßverschlüssen führen kann.

Eine weitere Allianz bildet die Gicht mit bestimmten Formen des kindlichen Rheumas: Beide Erkrankungen sind stark von dem Entzündungseiweiß Interleukin-1 abhängig. Ebenso konnten die Wissenschaftler eine Verknüpfung zwischen der Schuppenflechte und speziellen Formen der Gelenk- und Wirbelentzündung erkennen.

Experten gefragt

Ähnliches ließ sich für chronische Darmentzündungen feststellen: „Die Darmentzündung spricht auf einige Entzündungshemmer ausgezeichnet an, während andere Wirkstoffe wenig hilfreich oder sogar schädlich sind“, sagt Prof. Markus F. Neurath. „Unsere Untersuchungen haben aber auch gezeigt, dass es Entzündungshemmer gibt, die insgesamt eine positive Wirkung auf das Gleichgewicht der Organfunktionen ausüben. Hemmen wir den falschen Botenstoff einer Entzündungsreaktion, können wir mehr Schaden als Nutzen anrichten“, fasst Prof. Neurath zusammen.

Angesichts dieser Erkenntnisse sind sich die Forscher darüber einig, dass es gerade bei der Behandlung entzündlicher Erkrankungen ausgewiesener Spezialisten bedarf, die dank ihrer Kenntnisse über Wesen und Funktion der Entzündung, die richtigen Diagnosen stellen und die richtigen Therapie-Entscheidungen treffen können.

Originalpublikation:

How Cytokine Networks Fuel Inflammation: Toward a cytokine-based disease taxonomy
Georg Schett et al.; Nat Med., doi: 10.1038/nm.3260; 2013

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4 Kommentare:

Wäre doch eigentlich mal von praktischer Nützlichkeit, auch die nützlichen und schädlichen Antiphlogistika zu nennen, wenn man sie offenbar schon den einzelnen Krankheitskombinationen zuordnen kann!
Wem nützt zu diesem Zeitpunkt dieser Artikel?

#4 |
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Biochemiker

Ich denke, man darf ganz allgemein in der evolutionaer aelteren – und damit am wenigsten mit der modernen Lebensweise kompatiblen – unspezifischen Immunabwehr einen Motor vieler chronisch-degenerativer Krankheiten vermuten.

So konnte man zB. zeigen, dass Maeuse, bei denen der IL-1-Pathway ausgenockt wurde, im Modell keine Atherosklerose zu entwickeln scheinen.

Ebenso produzieren die Betazellen des Pankreas glucose-induziert IL-1b, was beim DM Typ-2 den Untergang der Zellen beschleunigt und so in einen Circulus Vitiosus fuehrt.

Die Liste laesst sich fast beliebig fortsetzen. Ich gehe davon aus, dass IL1-Rezeptor-Antagonisten wie Anakinra in den kommenden Jahren ein sehr interessante Zukunft haben.

#3 |
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dr. med.dent. Wolfgang Stute
dr. med.dent. Wolfgang Stute

naja, vielleicht muß man die Problematik mal so einfach ansprechen .

hervorheben sollte man die Rachenentzündungen in der Kinderzeit , bs aber die zunehmenden Störungen aus dem Zahn- Mund- Kieferbereichen .

#2 |
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So viele unwissenschaftliche Allgemeinplätze auf einmal in einem einzigen Artikel. Diesen Artikel hätte man sich sparen können, er bringt keinerlei neue Erkenntnisse, und natürlich können auch Allgemeinärzte, Pädiater etc. entzündliche Erkrankungen behandeln und haben “Kenntnisse über Wesen und Funktion der Entzündung”, sie können sogar “richtige Diagnosen” stellen und “richtige Therapieentscheidungen” treffen. Eine “Verknüpfung der Schuppenflechte und Gelenkerkrankungen” ist die Psoriasisarthritis, die bereits seit mehr als 40 Jahren jedem Studienanfänger bekannt ist. Bitte nicht solche laienhaften Artikel, hier sollten doch wohl Fachleute für Fachleute schreiben.

#1 |
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