PPI: Dauergabe erhöht Magenkrebs-Risiko

14. November 2017

Protonenpumpenhemmer sollten nur zeitlich begrenzt eingesetzt werden. Ärzte verschreiben sie im Zuge der Behandlung von Helicobacter pylori jedoch oftmals länger als nötig. Eine Studie deutet nun darauf hin, dass Patienten dadurch häufiger an Magenkrebs erkranken.

Laut Zahlen des Robert Koch-Instituts erkranken jährlich etwa 15.000 Menschen an Magenkrebs – nur etwa halb so viele wie vor vierzig Jahren. Das liegt nicht nur am Rückgang krebserregender Konservierungsmethoden wie Pökeln oder Räuchern. Vielmehr kann der Keim Helicobacter pylori als wichtiger Auslöser heute gut behandelt werden.

Nimm drei oder vier

Zur Eradikation hat sich die Triple-Therapie mit Amoxicillin, Clarithromycin und einem Protonenpumpenhemmer (PPI) bewährt. Alternativ werden Metronidazol und Clarithromycin zusammen mit PPI verordnet. Immer öfter kommt auch die Quadrupel-Therapie zum Einsatz: Sie arbeitet mit Clarithromycin, Amoxicillin, Metronidazol und PPI.

Früher kamen statt PPI auch H2-Rezeptorantagonisten zum Einsatz. Dieses Therapieregime ist zeitlich befristet und sollte nach mehreren Wochen zum Erfolg führen. Trotzdem entscheiden sich viele Ärzte im Anschluss daran, Säureblocker weiter zu verordnen.

Nach der Therapie ist vor der Therapie

PPI sind speziell nach der Helicobacter-pylori-Eradikation mit einem erhöhten Magenkrebsrisiko assoziiert, berichtet Wai Keung Leung vom Queen Mary Hospital in Hong Kong. Das Team wertete Daten von 63.397 Patienten aus, die mit einer Dreifachtherapie behandelt worden waren. Als Säureblocker kamen neben PPI auch H2-Rezeptorantagonisten zum Einsatz.

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Die Nachbeobachtungsdauer betrug im Schnitt 7,5 Jahre. Während dieser Zeit nahmen 3.271 Studienteilnehmer fast drei Jahre lang PPI ein, und weitere 21.729 verwendeten H2-Blocker.

Klare Dosis-Wirkungs-Beziehung

Insgesamt erkrankten 153 Personen an Magenkrebs. Keiner von ihnen wurde positiv auf Helicobacter pylori getestet. Eine chronische Gastritis war aber häufig zu finden. Die Einnahme von PPI war mit einer Verdoppelung des Risikos an Magenkrebs zu erkranken, assoziiert (Faktor 2,44). Als Vergleich zogen die Autoren Personen heran, die H2-Blocker einnahmen. Weitere Risikofaktoren hatten sie bei ihrer statistischen Analyse zuvor berücksichtigt.

Alle Unterschiede waren statistisch signifikant. Zwar kann Wai Keung Leung mit der Studie nur Assoziationen, aber keine Kausalitäten belegen. Als weiteren Beleg führt der Forscher jedoch Dosis-Wirkungs-Beziehungen an: Eine häufigere Anwendung von PPI war mit einem höheren Risiko verbunden, wobei der tägliche Gebrauch mit einem mehr als vervierfachten Risiko (4,55) verbunden war, verglichen mit der wöchentlichen Anwendung.

Je länger Patienten PPI schluckten, desto größer war das Risiko an Magenkrebs zu erkranken. Nach mehr als einem Jahr stieg der Wert auf das Fünffache, nach mehr als zwei Jahren auf das Sechsfache und nach mehr als drei Jahren sogar auf das Achtfache an. Das absolute Risiko war jedoch gering. Leung zufolge führen PPI zu 4,29 weiteren Erkrankungen pro 10.000 Personenjahren.

Die Medikation regelmäßig überprüfen

Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten rät, PPI nicht ohne eindeutige, gesicherte Diagnose langfristig zu verwenden. Dafür sprechen mehrere Argumente. PPI werden mit Frakturen, Veränderungen der Darmflora und gastrointestinalen Infektionen in Verbindung gebracht.

33 Wertungen (3.82 ø)

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7 Kommentare:

Gast
Gast

gibt schon Alternativen, man muss sie als Arzt nur gelten lassen und wahr haben wollen

#7 |
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Gast
Gast

Die Magensäure erfüllt nun mal eine wichtige Funktion, sonst gäbe es sie nicht. Eine bessere Alternative zu PPI wäre wünschenswert, ist aber leider noch nicht in Sicht.

#6 |
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Dr. Marcel Gehlhaus
Dr. Marcel Gehlhaus

Die Studie hat einige wichtige Schwachpunkte (sagen selbst die Autoren): Es wurden viele Cofaktoren wie Rauchen, Alkohol, Ernährung, Übergewicht, familiäre Vorbelastung nicht berücksichtigt. Ausserdem wurde nicht zwischen den einzelnen PPI unterschieden.
Eine große FDA Analyse brachte in 2016 das Ergebnis “No increased risk was observed with prolonged PPI exposure.
Trotzdem sollte jede Therapie regelmäßig überprüft werden.

#5 |
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Felix M.
Felix M.

Klinikärztelogik:
Sie erhalten mehr als 3 Medikamente? Da muss unbedingt dauerhaft ein PPI dazu!
Zum Glück betreiben wir für manchen Patienten (die es sich leisten wollen) Medikationsanalysen und können diesen Quatsch absetzen (in Zusammenarbeit mit dem Hausarzt).

Aber mein Liebling sind die Klinikrezepte: IBU 600 10 Stück und Omep 40 30 Stück…

#4 |
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Gast
Gast

Wer lesen kann, ist im Vorteil: “Das absolute Risiko war jedoch gering. Leung zufolge führen PPI zu 4,29 weiteren Erkrankungen pro 10.000 Personenjahren.”

#3 |
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Gast
Gast

Jeder schreibt momentan über die Nebenwirkungen der H2- Blocker.
Die Menschen, die Beschwerden haben wird aber damit nicht geholfen.
Bieten Sie doch mal eine Alternative an. Ja da wird es schwierig, nicht wahr ?
Die Alternative wäre mal dann ein aktuelles Thema.

#2 |
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Gast
Gast

Mir wurden über 20 Jahre PPI verordnet, seit ich aus dieser Droge raus bin, geht’s mir besser – man muß nur den Entzug gegen den Rebound durchhalten. Erst als ich selber nachgelesen habe, ist mir die Gefahr deutlich geworden, Ärzte haben nur verschrieben und den Rebound als Verschlimmerung gedeutet.

#1 |
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