Hemipelvektomie: Auch im Alter sinnvoll

18. Juli 2013
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Wenn der Krebs sich im Körper ausbreitet, helfen manchmal nur noch umfassende Eingriffe. Bei der Hemipelvektomie wird die Hälfte des Beckens, häufig mitsamt eines Beines, entfernt. Wie Wissenschaftler herausfanden, profitieren aber auch ältere Patienten von der riskanten Operation.

Die Hemipelvektomie ist riskant – trotzdem profitieren auch ältere Patienten, wie Wissenschaftler der Universität Münster herausgefunden haben. Das Team untersuchte die Krankheitsverläufe von 34 Patienten, die im Alter von mehr als 65 Jahren (im Mittel: 70,6 Jahre) zwischen 1999 und 2013 behandelt worden sind. „Auch bei Patienten im Alter von mehr als 65 Jahren ist die Operation in manchen Fällen sinnvoll“, erläutert die Erstautorin der Studie, Wiebke Guder: „Allerdings ist sie dann mit einem längeren stationären Aufenthalt verbunden, und es ist wahrscheinlicher, dass Komplikationen auftreten.“ Während der Operation können Bauchorgane oder große Gefäße verletzt werden, danach können Wundheilungsstörungen, Nachblutungen oder Gefäßverschlüsse auftreten.

Insgesamt wurden bei den 34 Patienten 37 Hemipelvektomien durchgeführt; in 13 Fällen konnte das Bein erhalten werden, in 21 Fällen wurde es mit einem Teil des Beckens entfernt. Bei 30 Patienten gelang es durch die Operation, den Tumor komplett zu entfernen, bei zwei Patienten gelang das nicht. Bei den verbliebenen beiden Patienten operierten die Ärzte ohne das Ziel einer kompletten Tumorentfernung und unter Erhaltung des Beines, um starke Schmerzen zu verhindern und ein Durchwachsen des Tumors durch die Haut zu vermeiden;  einer der beiden verbliebenen Patienten war zum Operationszeitpunkt bereits unrettbar krank.

Häufig mit  Komplikationen verbunden

Komplikationen gab es häufig: Bei 21 Patienten traten Wundheilungsstörungen auf, 18 mal mussten die Ärzte das Skalpell wieder ansetzen. Bei drei Patienten brach der Krebs nach kompletter Tumorentfernung erneut aus. Elf der Patienten leben nach einer mittleren Nachsorgezeit von vier Jahren und acht Monaten ohne erneuten Krankheitsnachweis. Drei Patienten verstarben während des stationären Aufenthalts an Komplikationen. Die Patienten, bei denen der Krebs zum Operationszeitpunkt bereits gestreut hatte, überlebten durchschnittlich 22 Monate.

„Bei Krebs im Beckenbereich ist die Prognose meist schlecht, etwa wegen der ortsbedingten Größe der Tumoren und der Nähe zu wichtigen Gefäßen, Nerven und Organen“, so Guder. „Für uns ist besonders interessant, dass auch Patienten, bei denen sich der Krebs zum Operationszeitpunkt schon ausgebreitet hat, im Durchschnitt noch beinahe zwei Jahre überleben. Das weist darauf hin, dass auch diese Patienten von der schweren Operation profitieren. Die Einzelfallentscheidung für oder gegen eine Hemipelvektomie hängt von Nebenerkrankungen, dem Allgemeinzustand und der Diagnose des Patienten ab.“

Originalpublikation:

Surgical Outcome of Internal and External Hemipelvectomy in Patients above the Age of 65 years
Wiebke Guder et al.; 26th European Musculoskeletal Oncology Society Meeting, 2013

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Medizin, Onkologie

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9 Kommentare:

Drs Ludwig Grote
Drs Ludwig Grote

Sehr geehrte Frau Kollegin Guder,

können Sie bitte einmal Stellung nehmen zur Untersuchung der p.o. Lebensqualität in Ihrer Arbeit.

Mit kollegialen Grüßen

#9 |
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Dr. Sandra Single
Dr. Sandra Single

Wenn man Krebs hat, den Tode greifbar sieht, macht man vieles, nur um zu leben …. manches erscheint Aussenstehenden unfassbar (eigener Krebsfall aktuell in der Familie).

#8 |
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Ärztin

“profitieren”?

#7 |
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DP Volker Ramm
DP Volker Ramm

Mir stellt sich ebenfalls die Frage nach der Lebensqualität. Es scheint nicht so, als hätten die Pat. postop mehrheitlich noch eine besonders gute Zeit gehabt…

#6 |
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Es ist schon erstaunlich was der menschliche Körper alles aushält und die Virtuosität der Chiruurgie scheint keine Grenzen zu kennen
Aber wie geht es wirklich den Betroffenen? Lohnt das Leiden und die Quälerei für eine nicht beweisbare Verlängerung des “Lebens”, das dann kaum noch Lebensqualität besitzt?
Ich jedenfalls würde solche Prozeduren an meinem Körper nicht durchführen lassen!

#5 |
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Bernd Westbomke
Bernd Westbomke

Im Grunde spiegelt dieser Artikel die Ausrichtung unseres medizinischen Systems wider: Zahlen und Fakten stehen im Vordergrund, nicht der Mensch. Es steht nirgendwo, mit welcher Lebensqualität die 22-monatige Überlebenszeit ausgestaltet ist.
Wie kann allein durch das Faktum der Überlebenszeit behauptet werden, auch ältere Menschen würden durch die Operation “profitieren”?
Interessant wäre es, die Patienten einige Monate nach der Operation zu fragen, ob sie einem solchen Eingriff erneut eine Zustimmung geben würden….
Dann kämen andere Kriterien hinzu, die entscheiden, was “Profit” letztlich wirklich ausmacht…

#4 |
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Norbert Manteuffel
Norbert Manteuffel

Was soll das? Gilt der Mensch nichts mehr? Wo ist der Gewinn?

#3 |
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Heilpraktikerin

Mehr als die reine Überlebenszeit würde mich die gewonnene (?) Lebensqualität der Patienten interessieren.
Wenn ich dann lese: 21x Wundheilungsstörungen, 18x nach-OPs, 3 X Todesfälle wegen Komplikationen, 21 Amputationen (und somit sehr wahrscheinlich zum Pflegefall geworden), dann wage ich es doch zu bezweifeln dass diese Therapie eine entscheidende Verbesserung der Lebensqualität brachte.

#2 |
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“bei den 34 Patienten 37 Hemipelvektomien durchgeführt”
hmmm 34/37 HEMIpelvektomien, ein Schelm….

#1 |
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