Deutsche Repro ist retro

6. November 2017
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Der Reproduktionsmedizin sind riesige Fortschritte gelungen. Dem gegenüber steht ein veraltetes Embryonenschutzgesetz, das wissenschaftliche Realitäten kaum noch abbildet. Verzweifelte Paare sehen oft keine andere Möglichkeit, als bezahlte Leihmütter in Osteuropa zu engagieren.

Olga und Anouschka lächeln in die Kamera. Sie sind gerade Mitte 20 und verkaufen – besser gesagt verleihen – ihren Körper. Über BioTexCom, ein Unternehmen mit Sitz in der Ukraine, kommen solvente Paare vielleicht doch noch an das ersehnte Babyglück. „Es gibt keine absolute Unfruchtbarkeit – wir behandeln sogar die hoffnungslosesten Fälle“, heißt es auf der deutschsprachigen Website. Potenzielle Kunden werden mit „Geld-zurück-Garantien“ nach mehreren Misserfolgen geködert. Und in Foren tauschen sich verzweifelte Paare aus. „Ich bin auf der Suche nach einer sicheren KiWu-Klinik in Osteuropa“, postet eine Frau unter dem Pseudonym little_sweety. Paare, die es sich leisten können, umgehen deutsches Recht. Das könnte sich durch einen neuen Vorstoß bald ändern.

Experten fordern klare Regeln

Jochen Taupitz © Leopoldina

Jochen Taupitz © Leopoldina

Zum Hintergrund: „Das Embryonenschutzgesetz von 1990 ist ein reines Strafgesetz. Es kann nicht ohne völlige Umgestaltung seines Charakters zu einem Fortpflanzungsmedizingesetz erweitert werden“, kritisiert Professor Dr. Jochen Taupitz. Der Hochschullehrer ist Mitglied im Ethikrat und Coautor eines neuen Diskussionspapiers. Im Auftrag der Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina hat ein Gremium etliche Schwachpunkte im deutschen Recht aufgedeckt, die sich aus wissenschaftlichen Neuerungen ergeben.

Taupitz zufolge hinke das Embryonenschutzgesetz dem naturwissenschaftlichen Fortschritt „erheblich hinterher“. Während Österreich und die Schweiz umfassende Regelungen verabschiedet haben, gilt hierzulande ein Werk, das etliche Bereiche nicht abdeckt.

In-vitro-Fertilisation

Dazu gehören in erster Linie In-vitro-Fertilisationen (IVF). Dabei benutzten Ärzte Eizellen künstlich im Labor. Nach der Kultur und der Qualitätskontrolle werden zwei bis maximal drei Embryonen in den Uterus transferiert, um eine Schwangerschaft wahrscheinlicher zu machen.

Leopoldina-Wissenschaftler schreiben: „Die medizinische Praxis der In-vitro Fertilisation in zahlreichen europäischen Staaten folgt dem allgemein anerkannten internationalen Stand des Wissens, wonach von mehreren Embryonen geplantermaßen nur derjenige mit der größten Entwicklungsfähigkeit übertragen wird.“ Ziel des Transfers einzelner Embryonen ist, risikobehaftete Mehrlingsschwangerschaften zu vermeiden, ohne die Erfolgsaussichten zu schmälern. Bei uns ist dieses Verfahren strafbar.

„Im Gegensatz zu anderen Ländern werden deswegen in Deutschland Mehrlingsschwangerschaften mit Frühgeburten in Kauf genommen, die erhebliche Gesundheitsrisiken insbesondere für die Kinder mit sich bringen“, heißt es weiter. Äußerst umstritten ist auch die Regelung, Samenzellen nach dem Tod eines Mannes nicht mehr einzusetzen.

Eizellspende

wiesemann

Claudia Wiesemann © Universitätsmedizin Göttingen

Als weiteren Schwachpunkt im deutschen Recht identifizierten Forscher ungleiche Regelungen für Frauen und Männer. Die Spende von Samenzellen ist in Deutschland seit Jahren gängige Praxis, während der Gesetzgeber Eizellspenden verbietet. Aktuell sieht die Medizinethikerin Professor Dr. Claudia Wiesemann aus Göttingen eine „große Ungleichheit zwischen Männern und Frauen“: „Beide können aus biologischen Gründen beispielsweise unfähig sein, Keimzellen zu produzieren, die Frau zum Beispiel nach einer Chemotherapie, und warum sollen dann Frauen weniger das Recht haben, eine Familie zu gründen mithilfe der Eizellspende, als Männer eben mithilfe einer Samenspende?“ Diese Ungleichbehandlung der Geschlechter lässt sich schwerlich rechtfertigen.

Vorgaben, wie sie bei der Lebendorganspende gelten, könnten der Kommerzialisierung entgegenwirken. Das Transplantationsgesetz, Paragraph 8, beschränkt entsprechende Transfers auf „Verwandte ersten oder zweiten Grades, Ehegatten, eingetragene Lebenspartner, Verlobte oder andere Personen, die dem Spender in besonderer persönlicher Verbundenheit offenkundig nahestehen“. Dem stehen unbefriedigende Möglichkeiten im Ausland gegenüber: Bei anonymen Eizellspenden haben Kinder keine Möglichkeit, ihre Abstammung nachzuvollziehen. „Jeder Mensch muss das Recht haben, seine Erzeuger zu kennen“, konstatiert der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf.

Leihmutterschaft

Auch die bundesweit verbotene Leihmutterschaft ist Gegenstand des Diskussionspapiers. Dabei tragen Frauen gegen eine Entschädigung befruchtete, fremde Eizellen aus.

„Unabhängig von der stark umstrittenen Frage einer rechtlichen Zulassung in der Zukunft besteht aber schon heute Regelungsbedarf für die im Ausland von einer Leihmutter geborenen und dann in Deutschland aufwachsenden Kinder“, schreiben Leopoldina-Experten. Das betrifft vor allem die rechtliche Eltern-Kind-Zuordnung. Aspekte aus den Bereichen Sorgerecht, Unterhalt oder Staatsbürgerschaft sind eng damit verbunden.

Am richtigen Weg scheiden sich die Geister. CDU-Rechtsexperte Dr. Stephan Harbarth fordert zusammen mit Kollegen, „die kommerzielle Leihmutterschaften national wie international zu unterbinden“. Jochen Taupitz kann sich eher einen „vernünftigen politischen Kompromiss“ vorstellen.

Kryokonservierung

Bei der Kryokonservierung ist die Lage ebenfalls juristisch unklar. Ärzte haben das Verfahren ursprünglich entwickelt, um Eizellen vor der Chemotherapie zu entnehmen, bei tiefen Temperaturen aufzubewahren und später per IVF zu übertragen. Daraus ist das „Social Freezing“ entstanden. Passen Babys nicht zur aktuellen Lebensplanung, lassen Frauen Eizellen für spätere Schwangerschaften einfrieren – eine laut Taupitz „bedenkliche Entwicklung“. Rahmenbedingungen für die Aufbewahrung, Befruchtung und Übertragung von Eizellen sucht man bislang vergebens.

Jamaika hat andere Sorgen

Damit wären die Hausaufgaben für Berlin klar verteilt. Ob sich Union, die Grünen und die FDP mit der Thematik bald befassen, ist mehr als fraglich. Falls sie das Thema überhaupt in ihren Koalitionsvertrag packen, wird es bei unverbindlichen Bekenntnissen bleiben. In der Zwischenzeit packen Medizintouristen ihren Koffer.

40 Wertungen (3.73 ø)
Bildquelle: ZEISS Microscopy, flickr / Lizenz: CC BY-SA

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22 Kommentare:

Sabine Urban
Sabine Urban

schließe mich dem Beitrag 13 an. Wie in diesem Werbefilm die Körper junger Frauen (gesund, gutaussehend, sexy) einem zahlungskräftigen Publikum angeboten werden, um in einer sterilen, sektenartigen Atmosphäre nur dem einen Zweck zu dienen, nämlich einen gesunden Nachwuchs für den/die Kunden zu produzieren, stößt mich auf das äusserste ab. Junge Frauen als gehirngewaschene Wesen, die ihren Körper als Fortpflanzungsmaschine begreifen und deren einziges Ansinnen es ist diesen diesbezüglich zu optimieren, auf eigene Ansprüche verzichten (Sex? – oh Gott nein!, vielleicht sollten es ja am besten gleich Jungfrauen sein! Wegen des Übertragunsrisikos…) und dieses auch noch toll finden. Das sind Auswüchse, die im Gesundheitssystem nichts zu suchen haben und an denen wir Ärzte uns auch nicht beteiligen sollten! Die schweren Belastungen, die mit einer Schwangerschaft einher gehen können, hormonelle Umstellungen, Hyperemesis, HELLP, postpartale Depressionen werden natürlich nicht aufgezeigt. Was ist eigentlich, wenn etwas schiefgeht z.B. bei der Geburt? Was ist wenn das Produkt nicht den Erwartungen der Kundschaft entspricht? Ich habe selber drei Kinder zur Welt gebracht und weiß wovon ich rede. Jede Schwangerschaft ist eine Beziehung zu dem in uns entstehendem Leben, das kann und darf man nicht kommerzialisieren.
Wenn jemand seine Keimzellen zur Verfügung stellen will, dann sollten das Männer und Frauen gleichermaßen tun dürfen, aber eine Leihmutterschaft sollte nur im Ausnahmefall unter der Berücksichtigung der ganz besonderen Umstände aller Beteiligten und ohne Gewinnerzielung in Frage kommen. Manchmal ist Retro nämlich gar nicht so schlecht!

#22 |
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Nichtmedizinische Berufe

Gast 21, auch ein Adoptivkind wäre Martinas Kind, was soll die Bemerkung?

#21 |
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Schwirrvogel
Schwirrvogel

Das deutsche Embryonenschutzgesetz ist inzwischen fast 30 Jahre alt, so alt wie kein vergleichbares Gesetz in irgendeinem anderen Land. Es hinkt dem naturwissenschaftlichen Fortschritt erheblich hinterher und enthält deshalb zahlreiche Lücken, Unklarheiten und Widersprüche. In seinem Regelungsbereich gab es so viele neue naturwissenschaftliche Erkenntnisse und Durchbrüche, zum Beispiel bei gezielten Eingriffen in das Erbgut, wie auf kaum einem anderen Forschungsgebiet. Zudem hat sich die ethische und juristische Diskussion in den vergangenen Jahren weiterentwickelt. Alles das wird vom Embryonenschutzgesetz nicht hinreichend abgebildet.

#20 |
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Martina
Martina

Oh, BioTexCom Klinik:-) Dort waren wir ja auch in Behandlung. Toll machen dortige Ärzte ihre Arbeit. Auf Anhieb war ich schwanger (dank der Eizellenspende). Bin also unendlich dankbar!

#19 |
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Gast
Gast

Ich halte das Thema “Kinder bekommen und großziehen” angesichts der demografischen Entwicklung für eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Dabei in vitro Techniken einzusetzen ist jedoch nur ein, obendrein auf die Lösung rein persönlicher Probleme fokussierter Teil, der aus meiner Sicht zu recht moralisch zu diskutieren ist.

Um dem Gesamtthema Kinder und Familien näher zu kommen, sollten nicht medizinischen, nicht invasiven, sozialen Techniken zuerst der Vorzug gegeben werden. Und erst in zweiter Linie geprüft werden, inwieweit eine weitere Öffnung der Reproduktionsmedizin notwendig und sinnvoll ist.

Im Jahr 2016 sind 21.700 Kinder < 14 Jahren durch die Jugendämter in Obhut genommen worden. In dieser Altersgruppe spielte die Flüchtlingsproblematik nicht die vorherrschende Rolle. Hiervon wurden 59 % dauerhaft außerhalb ihrer Familien untergebracht.

https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2017/08/PD17_290_225.html

Diese Tendenz ist nach wie vor steigend.

Gesamtgesellschaftlich gesehen sollte es ein Anliegen sein, diese Kinder in sozial stabilen Familien mit Kinderwunsch dauerhaft unterzubringen.

Die kommerzielle Reproduktionsmedizin steht dem neben verwaltungsrelevanten Hürden bedauerlicherweise entgegen.

Hier wäre aus meiner Sicht der erste Ansatz anzulegen.

#18 |
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Nichtmedizinische Berufe

All das ist die letzte Konsequenz eines uneingeschränkten Kapitalismus. Verstandesmäßig bin ich also dagegen. Aber gefühlsmäßig kann ich eine Frau, die umbedingt Mutter sein möchte,
nicht verurteilen. Was weiss ich denn von ihren Tränen, ihren durchwachten Nächten, ihrer Sehnsucht? Ich glaube auch nicht, dass 20jährige die besseren Mütter sind ( oft ungeduldig, glauben noch, sie versäumen was) oder dass “Retortenkinder” direkt in der Psychiatrie landen.
Vielleicht zum Nachdenken https://www.pressreader.com/germany/tina/20160615/283802853003903

#17 |
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Gast
Gast

Mich gruselt es bei der Vorstellung, dass alles erlaubt werden soll was möglich ist. Wo fängt Leben an? Ist ein Embryo eine Sache? Ist es gut, sein ganzes Lebensglück davon abhängig zu machen, ein eigenes Kind zu haben? Kann es auch andere Ziele geben, die mich glücklich machen?
Ich verstehe den Wunsch nach einem Baby so gut. Aber aufgrund einer Krebserkrankung habe ich gelernt, dankbar zu sein für das, was ist und den höchsten Respekt vor dem Leben bekommen.

#16 |
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Gast
Gast

“…könnten der Kommerzialisierung entgegenwirken.”

Aussage Aussage Ende

#15 |
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Gender-spezifische Asymmetrie im Embryonenschutzgesetz von 1990

Nein, das ist keinesfalls ein modernes Fortpflanzungsmedizingesetz! Das immer noch gültige Embryonenschutzgesetz aus dem letzten Jahrhundert beinhaltete sozusagen von Anfang an einen “Geburtsfehler”: Die eklatante Ungleichbehandlung von Männern und Frauen!
Die aktuelle Debatte verkennt die bio-psycho-soziale Ursachen, den gesellschaftlichen Diskurs, die Häufigkeit und die sozialpolitischen Implikationen öffentlicher Kontroversen um reproduktives Verhalten in postindustriellen Gesellschaften mit hohem Steuerungsgrad von Fertilität/Infertilität, Fertilisation, Kinderwunsch, Kontrazeption und Konzeption.
Der fertile Lebensabschnitt beim Mann umfasst den Zeitraum zwischen erstem, meist spontan nächtlichen Samenerguss (Pollution) und dem signifikanten Nachlassen der Spermienproduktion um die 7. Lebensdekade.
Bei der Frau 14 Tage vor der der ersten Menstruationsblutung (Menarche) bis zum Sistieren der Ovulation ab der Menopause um die 5. Lebensdekade. Messbar bereits lange vor dem wegen fehlender ovarieller Antwort signifikanten Anstieg des Follikel-stimulierenden Hormons (FSH) mit dem Abfall des Anti-Müller-Hormons (AMH), englisch Anti-Müllerian hormone (AMH) als Proteohormon bzw. Glykoprotein.

Kleiner Exkurs: Das Anti-Müller-Hormon kann zur Fertilitätsdiagnostik verwendet werden. Es korreliert mit der Funktion der Eierstöcke. Es ist der Marker, der am frühesten mit dem Alter korreliert, die kleinste Variabilität innerhalb und zwischen den Zyklen hat und so zu einem beliebigen Zeitpunkt bestimmt werden kann. Bei Werten über 6,95 ng/ml besteht ein hohes Risiko für die Ausbildung eines ovariellen Hyperstimulations-Syndroms. Mit zunehmendem Alter sinkt der AMH-Spiegel der Frau entsprechend dem Verlust an ovarieller Funktionsreserve auf < 0,4 µg/l ab. Ein Abfall des AMH ist schon vor einem eindeutigen Anstieg des FSH erkennbar (modifiziert nach WIKIPEDIA https://de.m.wikipedia.org/wiki/Anti-Müller-Hormon).
 
Männlicher Sub- und Infertilität wird als ultima ratio mit heterologer Samenspende nach erfolglosen autologen Inseminationsversuchen begegnet. Bei Frauen wäre das Korrelat die nach dem Embryonenschutzgesetz von 1990 verbotene Eizellspende. Die bisher in Deutschland weiter verbotene externalisierende Leihmutterschaft eröffnet ein extrem weites Kapitel reproduktionsmedizinischer Variationen, so dass sie hier nicht weiter berücksichtigt wird. Zu bedenken bleibt allerdings ein transplantationsmedizinisches Korrelat, bei dem der lebensspendende Organ-Donator in unumkehrbarem Sterbeprozess à priori nicht überleben kann. Die Leihmutterschaft bewegt sich damit auf einem medizinethisch überschaubaren, nicht vital bedrohlichen Niveau.

Zusammenfassung: Das Embryonenschutzgesetz von 1990 kann weder mit reproduktionsmedizinischer Forschung und Entwicklung, noch mit der gesellschaftlichen Realität der Prokrastination von Kinderwunsch und reproduktivem Verhalten durch verlangsamten Generationswechsel, längere Lebenserwartung, aktive Kontrazeption, problematische Partner-, Liebes- und Beziehungs-Situationen, längere Ausbildung, späte Berufs-Findung, -Entscheidung und -Verwirklichung etc. Schritt halten.
Es benachteiligt und diskriminiert bio-psycho-sozial tendenziös in eklatanter, erkennbar verfassungswidriger und viel zu sehr patriarchal-moralisch-religiös determinierender Weise Frauen gegenüber Männern in punkto Lebensrealität, Lebensverwirklichung, Kinderwunsch, Reproduktion, Selbstbestimmung  und reproduktionsmedizinischen Machbarkeiten.
Mit freundlichen und kollegialen Grüßen, Dr. med. Thomas G. Schätzler, Facharzt für Allgemeinmedizin Dortmund

#14 |
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Gast
Gast

@Gleichstellungsbeauftragte: Dazu gibt es m.E. noch mehr Fragen. Nicht nur wie die Leihmutter die Abgabe des Kindes psychisch meistert, sondern wie geht es später damit, wenn sie selbst eigene Kinder bekommen will, aber schon 2 oder 3 Schwangerschaften hinter sich hat. Wird sie das alles ohne weiteres verkraften? Man sorgt sich um sie solange es ein fremdes Kind ist, das sie trägt, wer kümmert sich, wenn sie selbst ein eigenes Kind bekommen will? Wird sie dann noch dazu in der Lage sein? Dieser Werbefilm kommt mir sehr wie ein SciFi der üblen Sorte vor. Um ihre eigene finanzielle Situation zu verbessern (wird im Film natürlich nicht gesagt) verkauft die Frau sich selbst (man kann hier nicht den Uterus von der ganzen Frau trennen, nicht den Körper aus vom Menschen heruaslösen). Hier ist ein Machtgefälle vorzufinden – zwischen den Reichen die es sich leisten können diese Dienstleistung zu bezahlen und den Frauen (!) in wirtschaftlich schwächerer Position, die dafür bezahlt werden. Wonach klingt das doch gleich?

#13 |
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Dr. med. vet. Cornelia Ehreiser-Schmidt
Dr. med. vet. Cornelia Ehreiser-Schmidt

Alles was erdacht werden kann wird erprobt. Wenn es gelingt, wird es nachvollzogen, wo und für wieviel Geld auch immer. Die Verbote einzelner Bereiche der Fortpflanzungsmedizin sind heuchlerisch, da das Fass der Manipulationen gegen die Natur schon vor langer Zeit aufgemacht wurde. Ich meine, man sollte den Betroffenen alle Möglichkeiten legal eröffnen, die der Markt anbietet . Aber bitte auf eigene Kosten, vor allem auch eigene Folgekosten. Es ist nicht einzusehen , dass die Solidargemeinschaft der Versicherten exzentrische Wünsche und deren Kollateralschäden finanziert. Das Glück der Kinder? Ich schätze mal, dass die Zahl der natürlich von ihnen bekannten Eltern geborenen Kinder, die mit diesen Eltern kreuzunglücklich werden, vermutlich sehr viel höher ausfällt als bei den wissenschaftsgenerierten Kunstprodukten. Karma is a bitch. Und was ist Leihmutterschaft neben einem Marktphänomen anderes als ein faszinierendes Versuchssetting zur Epigenetik? Hören wir doch auf, unsere Mitmenschen moralisch zu bewerten. Lassen wir sie frei entscheiden. Aber finanzieren wir sie konsequent NICHT, wenn sie auf die Schnauze fallen. Allein dieses Bewusstsein wird die Nachfrage drastisch reduzieren, das walte Hugo.

#12 |
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Dipl. Ing. Bernd H.K. Hoffmann
Dipl. Ing. Bernd H.K. Hoffmann

Soeben lese ich mit Schrecken den Kommentar 1 einer “Gleichstellungsbeauftragten”, mehrfach. Erst habe ich es für Zynismus gehalten. Aber es ist vermutlich bitterer Ernst. Das Kind ist demnach eine Ware, die verkauft wird, und dieses Geschäftsmodell wird minderbemittelten Frauen in Deutschland zur Nachahmung empfohlen. Möglicherweise direkt über die Arbeitsagentur? Dieselben Leute erregen sich vermutlich über Straßenprostitution, das ist ja vergleichsweise harmlos.

Das Geschäft mit dem Uterus ist das absolute Ende. Es muß verboten bleiben und in den anderen Staaten verboten werden.

#11 |
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Dipl. Ing. Bernd H.K. Hoffmann
Dipl. Ing. Bernd H.K. Hoffmann

Lieber Herr Dr. Keller,
es kann nicht die Aufgabe des Staates ein, Natur zu spielen und “Gottesgeschenke” in Form von Kindern zu verteilen. Ich denke, die ärztliche Kunst ist schon genug gefordert, dafür zu sorgen, daß die auf natürlichem Weg befruchteten und gebärenden Ehefrauen gesunde Kinder bekommen, um die kann sich der Staat dann kümmern (erstklassige Kitaversorgung, Lehrer…). Dafür sollte man sich vor allem einsetzen, und vor allem dafür sorgen, daß Hebammen nicht weiter dezimiert werden, weil sie sich die Versicherung nicht mehr leisten können.

#10 |
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Gast
Gast

Als ich den Film sah, dachte ich, dass es doch eigentlich nicht so leicht sein kann, ein Kind, das man im Mutterleib “gebaut” hat, so einfach weggeben kann. Aber vielleicht gelingt es ja mit dem nötigen Abstand, das Ganze als Job zu betrachten.

#9 |
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Tierärztin

Ich kenne ein Paar, das jahrelang erfolglos IVF/ ICSI versucht hat – die Eizellen waren einfach zu „schlecht“. Die beiden haben ein Vermögen aufgewendet. Letztendlich sind sie für eine Eizellspende nach Tschechien gefahren, und haben jetzt eine gesunde Tochter.
Für mich war der unerfüllte Kinderwunsch ganz lange dominant (und wenn ich Babies sehe/ auf dem Arm halte, flammt er jedes Mal auf) – aber mittlerweile haben wir uns dagegen entschieden. Ich glaube, auf einem „auf Teufel komm raus“ gezeugten Kind lastet auch eine riesige Hypothek… Es muss ja quasi perfekt sein, wo man so viel auf sich genommen hat, um es zu zeugen…
Manchmal denke ich, es ist heutzutage schwieriger, kinderlos zu bleiben – früher hieß es bedauernd, „ja, die Armen, sie können keine Kinder bekommen“, man musste sich damit abfinden (und ich glaube, das ist möglich!). Heute wird man immer wieder angesprochen, warum man nicht dies und jenes versucht, schließlich ist es doch technisch möglich!
Letztendlich sollte aber jedes Paar (und vielleicht auch jede Single-Frau?!) selbst entscheiden dürfen, wie weit sie gehen- und die Eizellspende sehe ich im Zuge der Gleichberechtigung als sinnvoll an! Allerdings ist die Gewinnung der Spender-Eizellen ja nicht so einfach und risikolos wie beim Manne

#8 |
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Gast
Gast

Glückliche Familien entstehen nicht dadurch, dass man dafür sorgt, dass Frauen jenseitsder 40 mit Männern über 50 und Babys in die Welt setzen, dann in der ganzen Schwangerschaft jammern, wie anstrengend alles sei. Dieses Beklagen der eigenen Unfähigkeit, zu leisten, was 25-jährige mit links leisten, fängt ja nach der Geburt des Kindes dann erst richtig an. Ich bin immer wieder fasziniert davon, wie Menschen sich Dinge aufhalsen, mit denen sie nicht fertig werden, bloß weil sie nicht einsehen wollen, dass sie älter geworden sind. Früher gab es nur die Männer, die sich mit jüngeren Frauen lächerlich gemacht haben Und dann mit den verrücktesten Maßnahmen versucht haben, zu vertuschen, dass sie einfach alt sind. Heute gibt es die Frauen, die unbedingt in ihren Wechseljahren sich auch noch mit einer noch nicht mal richtig pubertierenden Tochter herumschlagen müssen. Wenn’s schee macht …

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PD Dr. Ullrich Keller
PD Dr. Ullrich Keller

In der Tat ist das Embryonenschutzgesetz von 1990 schon im Jahr 2000 überholt gewesen. Seine Macher und der Ethikrat, der sich fast ausschließlich aus Moralphilosophen und und Gentechnikgegner zusammensetzte, rudern seit Mitte der 90er verzweifelt gegen den Fortschritt der Fortpflanzungsmedizin, der sich nicht aufhalten lässt. Erinnert mich an die Widerstände gegen die Transplantionsmedizin, gegen die heute kein Mensch – selbst Kreationisten – mehr etwas einzuwenden hat. Warum sollte der medizinische Fortschritt es Paaren nicht ermöglichen, Kinder mit Hilfe der Medizin zu bekommen. Manche Foristen sagen, es sei Geschäftemacherei. Das ist wahr, solange Menschen im Ausland sich nach den Möglichkeiten der in vitro Fertilisation (Eizellspende) und der Leihmutterschaft umsehen müssen. Hier ist der Staat aufgefordert, die Gesetze entsprechend zu ändern, sodass dies alles auch in Deutschland möglich wird. Man sollte sich aber hüten, zu meinen, dass das dann billig wird. Am Beispiel der Organtransplantationen sieht man es, dass aller Fortschritt seinen Preis hat. Leider ist die Hoffnung auf die Liberalisierung der Fortpflanzungsgesetzgebung gering. Dafür sitzen noch zuviele Theologen, Phoilosophen und Wissenschaftsskeptiker an den Schalthebeln der Bildung der öffentlichen Meinung. In einigen Jahren wird man über diese Fortschrittshemmer nur noch den Kopf schütteln.

#6 |
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Sylvia
Sylvia

Traurig, den Menschen immer vorzugaukeln, dass alles in Ordnung ist, wenn nur jeder Wunsch erfüllt wird. Im Gegenzug werden in diesem Krankheitssystem so viele wichtige Behandlungsmethoden und Therapien gestrichen, die v. a. für Alte und Kranke wichtig sind. Aber da lässt sich ja nicht so viel dran verdienen.

#5 |
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Gesundheits- und Krankenpfleger

Es ensteht der Eindruck, dass dem medizinischen Fortschritt im Umgang mit Leben ohne Rückbezug auf eine ethische Fragestellung zu folgen ist. Dies ist mir zu einseitig.

#4 |
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Dipl. Ing. Bernd H.K. Hoffmann
Dipl. Ing. Bernd H.K. Hoffmann

Ich halte das alles für eine riesige Geschäftemacherei.

Man sollte lieber den Leuten, die sich eben nicht natürlich vermehren können, klar machen, daß es Grenzen gibt. Und es vielleicht besser (für das Kind) ist, wenn sie es nicht bekommen, es unter krampfhaften Verhältnissen aufwachsen müßte und früher oder später in der Psychiatrie landet. Die Eltern auch, wegen dem ganzen Theater um die Kinder bzw. Nichtkinder.

#3 |
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Assistenzärztin Afet Alisade
Assistenzärztin Afet Alisade

excellent!!! Endlich jemand denkt, wie die Familien ihren Glück in Deutschland finden können…

#2 |
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Gleichstellungsbeauftragte
Gleichstellungsbeauftragte

Endlich mal (dieser) Bericht. Schade, daß die Leihmutterschaft in Deutschland verboten ist. In Gesprächen mit Politikern in der Region Hannover (CDU 2015) gab es keine Einwände. Ich bin wohl inzwischen selbst zu alt dazu. Für Alleinerziehende beispielsweise gäbe es dadurch eine große finanzielle Entlastung. Ist nur die Frage, wie die Leihmütter die Abgabe des Kindes psychisch meistern.

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