Cannabistik-Vorlesung fällt aus

15. November 2017
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Obwohl medizinisches Cannabis in mehr als der Hälfte aller US-Staaten verschrieben werden darf, erfahren Mediziner einer aktuellen Studie zufolge in ihrer Ausbildung so gut wie nichts darüber. In Deutschland sieht es ähnlich aus. Sollten Studenten mehr über Medizinalhanf lernen?

Seit März dieses Jahres wurde die Verschreibung von Cannabisarzneimitteln erweitert. Dies hat zur Folge, dass immer mehr Patienten Informationen über Behandlungsmöglichkeiten mit Cannabis einholen. Viele Ärzte sind hier allerdings überfragt, schließlich spielte Medizinalhanf bis jetzt eine untergeordnete Rolle. Dementsprechend macht die THC-haltige Substanz einen denkbar kleinen Teil des Studiums aus.

Nahezu 90 Prozent der Medizinabsolventen in den USA fühlen sich auf die Verordnung von medizinischem Cannabis nicht vorbereitet, hat eine Studie der Washington University in St. Louis ergeben. Und das ist auch kein Wunder: Denn bei gerade einmal neun Prozent der Universitäten in den USA steht das Thema auf dem Lehrplan. Die Studienautoren sind daher für eine Anpassung der Lehrpläne: „Die medizinische Ausbildung muss mit der Legalisierung Schritt halten“, forderte Laura Jean Bierut, Psychiatrie-Professorin an der Washington University. Ärzte in der Ausbildung müssten die Vorteile und Nachteile von medizinischem Marihuana kennenlernen, um zu wissen, wann, ob und wem sie es verschreiben könnten.

Auch bei der Ausbildung deutscher Ärzte werde das Thema Cannabis vernachlässigt, sagt Franjo Grotenhermen, er ist Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin (ACM) und einer von wenigen Experten in Deutschland für den medizinischen Einsatz von Cannabis.

Grundlagen helfen, therapeutische Breite zu verstehen

„Das Endocannabinoidsystem des Körpers und die Wirkung körpereigener Cannabinoide werden im Studium meines Wissens noch in keinem Land behandelt“, sagt Grotenhermen. Dabei sei das die Grundlage, um die vielfältigen therapeutischen Möglichkeiten von Cannabis zu verstehen. „Man muss wissen, dass körpereigene Cannabinoide wichtige Inhibitoren im Nervensystem sind. Bei Überaktivität des Nervensystems hemmen sie alle anderen Neurotransmitter.“ Pflanzliche und synthetische Cannabinoide entfalten die gleiche Wirkung, und binden an den gleichen Cannabinoidrezeptoren. So erkläre sich die therapeutische Breite, sagt Grotenhermen: „Egal, ob bei Epilepsie, Migräne, Schmerzen oder Übelkeit, die Cannabinoide helfen, alles auf Normalmaß herunterzufahren.“

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Franjo Grotenhermen © privat

All das verstehe man seit einigen Jahren immer besser. Dass solche Inhalte im Studium noch fehlen, sei im Grunde aber nicht verwunderlich, meint der Experte. „Ich habe 1985 mein Studium abgeschlossen. Alles, was wir an der Uni gelernt haben, war damals in der modernen Forschung schon kalter Kaffee. Die Cannabinoidrezeptoren sollten im Studium in Zukunft aber genauso ausführlich behandelt werden wie die Opioidrezeptoren.“ Dass es bei den praktizierenden Ärzten Informationsbedarf gibt, merkt Grotenhermen an der großen Nachfrage bei Ärzten für seine Verordnungshilfe. Auch wird er immer wieder eingeladen, um auf Fortbildungsveranstaltungen vor Medizinern zu sprechen.

Die goldene Regel: langsam steigern

Wenn weder Arzt noch Patient Erfahrung mit der Cannabis-Medikation haben, könne man den Versuch trotzdem wagen, sagt Grotenhermen. Er empfiehlt dann, mit einem der standardisierten Präparate anzufangen – selbst wenn diese deutlich schwächer wirken als Cannabisblüten. Eine goldene Regel bei der Therapie mit Cannabis sei zudem, mit einer niedrigen Dosis zu starten und diese langsam zu steigern. So finde man heraus, wie man die beste Wirkung mit wenig Nebenwirkungen erziele. Ärzte sollten sich zudem immer bewusst sein, dass Cannabis kein Allheilmittel ist, und längst nicht jedem hilft. „Bei neuropathischen Schmerzen etwa hilft es nur in einem von drei Fällen.“ Daher sollte man aber auch nicht aufgeben, nur weil man bei ein oder zwei Patienten nichts erreicht habe. Denn es sei gut möglich, dass man anderen damit trotzdem helfen könne. Den Versuch sei es gerade bei chronischen Leiden allemal wert. „Es ist nichts anrüchiges und man wird auch nicht zum Dealer, zumindest nicht mehr als bei Opiatverschreibungen.“ Einer seiner Patienten mit Cluster-Kopfschmerzen sei durch Cannabis praktisch beschwerdefrei.

Ärzte seien aber nicht nur in Bezug auf die Anwendungsmöglichkeiten, sondern auch bei Erstattungsfragen unsicher und scheuten deshalb vor der Verordnung zurück. Laut Verordnungsermächtigung müssen die Krankenkassen eine Cannabis-Verschreibung erstatten, wenn eine schwerwiegende Erkrankung vorliegt, die Standardbehandlung nicht geholfen hat, oder nicht angewendet werden kann und Aussicht auf Besserung von Krankheit oder Symptomen durch die Cannabis-Therapie besteht. „Sie tun es aber trotzdem nicht immer‟, sagt Grotenhermen. Selbst Patienten, die vorher eine der seltenen Ausnahmegenehmigungen durch das BfArM hatten, bekämen heute nicht automatisch eine Kostenerstattung. Zudem fürchteten einige Ärzte Regressforderungen. Die Krankenkassen hielten insbesondere die Cannabisblüten für teuer: „Obwohl das nicht stimmt, weil diese viel mehr Wirkstoff enthalten“, sagt Grotenhermen. Das Gesetz müsse wegen der bürokratischen Hürden noch nachgebessert werden. Bis dahin empfiehlt er Kollegen, sich nicht abschrecken zu lassen: „Die Cannabisverschreibung mag kompliziert erscheinen, so kompliziert ist sie aber auch wieder nicht. Man kann damit behandeln und kriegt zufriedene und glückliche Patienten.“

Cannabistherapie an der Uni geht zu weit

Schwalen_Foto Jochen Rolfes

Susanne Schwalen © Jochen Rolfes

Susanne Schwalen ist geschäftsführende Ärztin der Ärztekammer Nordrhein. Sie unterrichtet selbst an der Universität Witten/Herdecke zum Thema Schmerztherapie, die Anwendung von medizinischem Cannabis kommt in ihren Stunden nicht vor. Susanne Schwalen findet auch nicht, dass die Cannabistherapie unbedingt auf den Lehrplan gehört. „Schon bei der Freigabe wurde ein Sonderweg beschritten“, sagt Schwalen. Der übliche Weg zur arzneimittelrechtlichen Zulassung sei umgangen worden, mit den dafür eigentlich zu erbringenden Wirksamkeits- und Sicherheitsnachweisen. Nun auch noch zu beanspruchen, dass die Cannabistherapie an der Uni behandelt werden muss, geht ihr zu weit. Geht es nach Schwalen, soll sie erst dann einen festen Platz im Medizinstudium erhalten, wenn Wirksamkeit und Sicherheit cannabinoidhaltiger Arzneimitteln „bei definierten Indikationen hinreichend nachgewiesen“ seien.

Wäre es aber nicht umso wichtiger, dass Ärzte gut informiert sind, wenn ein Medikament verschreibungsfähig ist, aber eben noch Daten zur Anwendung fehlen? Ärzte seien durch das Medizinstudium durchaus befähigt, auch neue Therapieformen zu erlernen und neue Arzneien anzuwenden, sagt Schwalen. Zudem würden die Landesärztekammern Fortbildungen anbieten. Ärzten, die keine Zeit dafür finden, empfiehlt sie, einen Blick in die FAQ-Liste zum Thema Cannabis von Kassenärztlicher Bundesvereinigung und Bundesärztekammer zu werfen. Schwalen verweist auch noch einmal darauf, dass die Bundesärztekammer der Gesetzesänderung in ihrer nun gültigen Form kritisch gegenüber stand. Die BÄK habe die Verordnungsfähigkeit von Cannabis in Form von getrockneten Blüten und Extrakten abgelehnt.

BMG fühlt sich nicht zuständig

So wurde das Gesetz zwar von staatlicher Seite beschlossen. Es wurden aber keinerlei Maßnahmen eingeleitet, um sicherzustellen, dass Cannabis ordnungsgemäß und fachgerecht verschrieben werden kann. Die Weiterbildung sei Sache der Ärztekammern, heißt es dazu lapidar von Seiten des Bundesgesundheitsministeriums. Und welche Gewichtung die Hochschulen dem Thema in der Ausbildung geben, könne vom BMG nicht beeinflusst werden.

All das ist insofern verwunderlich, als dass man die Cannabis-Therapie jahrzehntelang eben gerade nicht den Ärzten überlassen wollte. Die Entscheidung darüber, ob eine Cannabistherapie stattfinden darf oder nicht, hatte bis dahin das BfArM getroffen. Dieses ist nun nur noch für eine Begleiterhebung zuständig: In einer Datenbank des BfArM speisen behandelnde Ärzte anonymisierte Daten über ihre Behandlungserfahrungen mit Cannabis ein. Dazu sind sie verpflichtet, sobald eine Therapie von den gesetzlichen Krankenkassen genehmigt wurde. So soll langfristig erkennbar werden, welche Arten der Anwendung besonders vielversprechend sind und welche nicht – und vielleicht auch, welche Fehler es bei der Therapie mit Cannabis zu vermeiden gilt.

Wie sieht man dort die neuen Verantwortlichkeiten? Hält man die Ärzte für gut genug vorbereitet? Auf die Frage, ob die Ärzte gut genug auf die neue Verantwortung vorbereitet seien, antwortet Sprecher Maik Pommer, dass das BfArm nicht zuständig sei. „Prinzipiell finden wir aber den Schritt weg vom Amt hin zum Arzt zu begrüßen.“

32 Wertungen (3.47 ø)
Bildquelle: Jurassic Blueberries, flickr / Lizenz: CC BY
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32 Kommentare:

Gast
Gast

Das ist bei Medizinern nicht viel anders als bei stinknormalen Bürgern. Du kriegst Jahrzehntelang erzählt, das Cannabis böse ist…und jetzt ist es auf einmal nicht mehr so? Da brechen ganze Kartenhäuser (Überzeugungen & Meinungen) zusammen. Kognitive Dissonanz ;-)

Die große Herausforderung der Zukunft liegt nicht darin ständig neues zu lernen… sondern auch darin die Fähigkeit zu besitzen, den ganzen gelernten Schrott wieder verlernen zu können.

#32 |
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Gast
Gast

#24 In der Praxis werden nicht selten bspw. bakteriologische mit viralen Infektionen verwechselt. Die Ausbildung zu erweitern greift zu kurz.

#31 |
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Gast
Gast

#28 Wo Sie die “ca. 98%” hernehmen, das wissen Sie wohl nur selber. Im Artikel ging es jedenfalls ausschließlich um den medizinischen Gebrauch.

#30 |
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Gast #25
Gast #25

Wenn sich mich (Gast #25) fuer einen THC-Fan oder Kiffer halten, dann muss ich Sie korrigieren. Ich konsumiere maximal Kaffee, keine Zigaretten, keinen Alkohol, keine Medikamente oder Drogen. Ich bin Molekularbiotechnologin und als Steuerzahlerin und mitfuehlender Mensch das ganze Theather einfach leid. Allerdings halte ich Cannabis weder fuer ein Allheimittel noch fuer harmlos. Ich stehe dazu nicht enthusiastisch, sondern bin entruestet, dass Dr. med. Grotenhermen dieses Jahr 2 mal in Hungerstreik gehen musste, um auf die schlechte Versorgung der Patienten und Umsetzung des Gesetzes aufmerksam zu machen!
Ich kenne auch einige Cannabis-Patienten mit schweren Erkrankungen und auch einige Konsumenten. Durch die Diskrepanz zwischen Politik, oeffentlichen Darstellungen und persoenlichen Erfahrungen habe ich mich mit viel Fachliteratur auseinandergesetzt. Warum sollten denn Cannabis-Interessierte denn nicht allgemein an wissenschaftlichen Diskussionen zum Thema Medizin und Gesundheit interessiert sein und sich im Forum anmelden? Das liest sich ja fast schon Verunglimpfend.

#29 |
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Gast
Gast

Man hat bei allzu vielen Cannabis-Enthusiasten – und gerade auch bei denen, die sich eine medizinische Rechtfertigung für ihren Cannabis-Konsum ( “Kiffen”, das wollen sie doch alle) ganz besonders wünschen – das Gefühl, dass “medizinisches Cannabis” bei ihnen als moralische Begründung für Drogen-Konsum herhalten soll bzw. damit das Gewissen nicht mehr “zwickt”. “Chronische” Drogen-Konsumenten sind ganz oft in der Wahrnehmung der Mehrheit der Bevölkerung einfach “Versager”, die ihr persönliches Scheitern damit verdrängen und sie stehen in der gesellschaftlichen Hierarchie fast ganz unten, vielleicht eine Stufe über JVA-Insassen. In ca. 98% der Fälle ist Cannabis-Konsum genau das: Drogen-Konsum! Den Finger in diese Wunde zu drücken, das nehme ich mir hier heraus.

#28 |
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Ebensowenig, wie es in der Zeit absoluter Cannabis-Prohibition eine unabhängige Forschung und Lehre zum Thema Cannabis gab, wird es sie jetzt nach Ende dieser Prohibition zeitnah geben können! Zu dieser intellektuellen Unabhängigkeit und Selbständigkeit sind wir als Ärzteschaft vielleicht auch gar nicht fähig. Menschen können doch im Allgemeinen nicht etwas vertreten, was sie zuvor falsch gefunden haben oder falsch finden mussten. Nur wenige Menschen sind in der Lage, vor sich und anderen solche Wechsel zeitnah zu vollziehen. Das wird also länger dauern, bis Menschen/Ärzte mit dem Thema unbefangen und objektiv werden umgehen können!

#27 |
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Gast
Gast

Wodurch werden eigentlich die ganzen THC-Fans auf Doccheck-Artikel wie den obigen aufmerksam?

Ich selbst bin ansonsten gegen Drogen-Konsum jeglicher Art. Drogen zerstören nicht nur das Individuum, sondern auch die Gesellschaft. Angesichts einer laut den Statistiken starken Zunahme der Drogen-Kriminalität in den letzten Jahren gehört gegenüber dieser Drogen-Kriminalität rigoros durchgegriffen, egal ob bei verhältnismäßig harmlosen Drogen wie Cannabis oder bei härteren wie Crystal Meth etc. Während man früher Cannabis überzogen kriminalisiert hat, ist heute eine “hippe” Verharmlosung von Cannabis der Fall. International betrachtet gibt es Beispiele von Ländern, wo die Drogen-Kriminalität erfolgreich zurückgedrängt werden konnte. Deutschland gehört mit Sicherheit nicht dazu.

#26 |
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Gast
Gast

Bitte unterzeichnen Sie die Petition Cannabis Legalisierung. Die Patienten muessen trotz dem CAM-Gesetz schon viel zu lange warten.

https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2017/_09/_25/Petition_73900.$$$.page.7.batchsize.10.html#pagerbottom

Da waere viel Informationsbedarf. Die Wirkstoff-Zusammensetzung der verschiedenen Sorten bzw. Batches und die Auswirkungen auf Patienten sind noch recht unuebersichtlich. Gewisse Sorten enthalten je nach Anbaubedingungen auch Tropan-Alkaloide. Die ueberhoehten Preise belasten das Gesundheitssystem, die Patienten werden eingeschraenkt, zum Beispiel bestehen dann Berufsverbote bezueglich Arbeit mit Kindern etc. So schnell kann man Aerzte gar nicht schulen. Sollen wir das Thema nicht einfach gleich vergessen? Bedenken Sie bitte: Es geht meistens um schlimme Krankheiten.

Vorlaeufig waere eine Entkriminalisierung von Cannabis-Anbau und legale Abgabe an Erwachsene, ohne Haftung von Aerzten meiner Meinung nach besser. Patienten mit langem Leidensweg wissen, welche Sorte bei welchen Anabubedingungen ihnen gut hilft und vertragen wird. 3 Patienten haben immerhin 2016 eine Anbaugenehmigung vor Gericht erstritten.

#25 |
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Auf der Universität sollten Kenntnisse in Phytotherapie, Osteopathie, Chirotherapie, Traditioneller chinesicher Medizin und Neuraltherapie gelehrt werden. Dann hätte man viel Möglichkeiten gezielt Schmerzursachen anzugehen, der Gebrauch von Cannabis würde nicht so oft erforderlich sein. Also Ursachenbekämpfung, und nicht am Syndrom mit Cannabis ansetzen.

#24 |
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Gast
Gast

Ich zitiere noch mal nur kurz aus meinem Lehrbuch
der Psychopharmakologie:
“To drink is a Christian diversion, unknown to the Turk or Persian”
Stimmtja gar nicht!Wie gerne reichten die Perser , diese Dichter, Saadi oder Hafi den Becher Wein herum!Oder erst Dschellaladin Rumi (Mevlana)
Stimmt alles.
Ich sag nix mehr und mag ohnehin den Vergleich von Bier oder Wein mit Narkotika überhaupt nicht.

#23 |
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Gast
Gast

Also: Auch wenn ein Arzt sich weiter informiert über Haschisch und Marihuana etc., so wird er bei all dem vielen erworbnen Wissen wohl doch bezüglich der medizinischen Praxis feststellen, dass er diesbezüglich nichts gelernt hat.Denn eben hier ermangelt alles.Wenn ich mich nunmehr frage, ob das verlorenes Wissen sei, ob diese Arznei früher einmal gängig war und nunmehr vergessen wurde,so meine ich, dass der Umgang mit Hanf eher unüblich hierzulande war. Konträr etwa zur Opiumtinktur, die längst nicht mehr im Einsatz ist, aber vom Guten war.Jedenfalls kann ich mir nicht vorstellen, dass diese Droge unnütz oder gar nur schädlich sei: Nein,das glaube ich nicht.Es geht darum, Vorurteile zu überwinden.

#22 |
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Gast
Gast

“Auch bei der Ausbildung deutscher Ärzte werde das Thema Cannabis vernachlässigt”,so zitiere ich aus obigem Artikel.Das stimmt wohl sehr zutreffend.
Wer aber interessiert ist, wird sich selbst psychopharmakologisch durchaus weiter zu bilden gewußt haben.Wobei es hier in erster Linie ja um die physiotherapeutische Applikation vom Haschisch oder Marihuana ging.
Und zudem geht es auch um ein politisch aktuelles Thema der Legalisierung von diesem Zeug.Da würde es quasi dem Genusse freigegebenund diente nicht mehr bloß medizinellen Werten.Ich meine und sage hierzu, dass Gras sogar nicht einfach als ein Genußmittel wie Tabak oder Kaffee genommen werden darf.Es ist weit potenter.Die medizinische Anwendung wird wohl noch einige Zeit in der Diskussion stehen-zu Recht.Also ich habe meine Vorlesungen zu Haschisch durchaus absolviert-bin kein Mediziner:Ich studierte das privat in einer Psychophamakologie.(von Elbert-Rockstroh, Tübinger,woher ich aus der Nähe auch komme, Springer)
Na ja, was soll ich zitieren aus dem Schriftwerke?: Etwa dies:
“Die genauen molekularbiologischen Wirkungen von THC sind noch weitgehend ungeklärt”:Schon ein Rätsel und Mysterium,gel, diese Arzneidroge
Kurz erwähntdie bronchodilatatorische Wirkung-sorry:Scheint mir nebenrangig zu sein.Obsolet wie Asthmazigaretten: Die wirkten aber gut bronchospasmolytisch: Ja ja, daswirkten sie sehr wohl.(Kraut der Tollkirsche, Atropa belladonna)Also, wer sich informieren will über das , was in den Vorlesungen im Studium hinausgeboten wird, kann schon einiges Wertvolle durchaus finden-auch zu Haschisch.Dass es hierbei über das Grundwissen hinausgeht, ist klar.Und often wird das psychopharmakolische Wissen angezielt:Wie auch immer jemand oder einer oder eine das auslegen will.

#21 |
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Gast
Gast

NICHT EINMAL HASCHISCH-NUR GRAS
Die starke Abwehr der Krankenkassen, eine Therapie mit Marihuana zu bezahlen, wundert mich bei den total überhöhten Preisen für diese Arzneidroge wenig.Dabei handelt s sich nicht einmal umdas Haschisch-Harz, sondern nur um die Blüten des Hanfs.Der hohe pharmazeutische Wert dieser Arzneipflanze wird von mir nicht angezweifelt- in vielfacher Hinsicht- z.B. spasmolytischer und hiermit analgetischer Wirksamkeit, nicht.Die Arznei leidet wohl unter schlimmen Vorurteilen, die der Wahrheit nicht entsprechen.Dass die Pharma -Lobby dahinterstecken könnte, solange sie nicht gut mitverdient, wie das andere hier schrieben,ist durchaus möglich.Welche Arznei ist auch immer schon apriori für jeden gut und einsetzbar? Wenn Cannabis nicht jedem hilft, so darf deswegen diese wertvolle arznei nicht im Vornherein jedem verweigert werden: Was gibt es da mal wieder Aufstände!Diese frappierend-hysterisch-grandiose Aversion gegen Haschisch kann ich wenig nachvollziehen-verstehe sie anderseits aber schon gut. Wir sehen: Es sollte nicht allzuviele Jahre dauern bis zur Klärung dieser Tatsachen: Es litten nämlich darunter viel zu viele, denen das Mittel aus reinen Vorurteilen gnadenlos verweigert wurde.Die Substanz hat ihr Gutes: Und das zweifelsohne.

#20 |
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Gast
Gast

SCHON SELTSAM, mit welch einer wirklich schon hysterischen Phobie diese Arzneidroge behandelt wird.Obwohl doch anderseits so schmeichelnd Werbung gemacht wird mit Arzneidrogen, die ja rein pflanzlich seien.

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Altenpflegerin

Jeder Mensch hat selbst zu entscheiden was das Richtige für ihn ist.
Ist Cannabis das richtige? Dann soll er es nehmen.

Zumindest besser als alle anderen Nicht Natürlichen Schmerz Substanzen.

Außerdem wird in naher Zukunft bei vielen Ärzten deren negative Meinung zu Cannabis sich nicht ändern , weil sonst die mächtige Pharmalobby nicht weiter an ihren Medikamenten verdienen kann.

Übrigens sollte man sich mit dem Thema Hanf besser informieren welcher Inhaltstoff welche Effekte hat. CBD zum Beispiel hat durchaus ein hohes Therapeutisches Potenzial. Aber es ist eben das Zusammenspiel der Inhaltsstoffe von Hanf Terpene , CBG , CBD , THC was Hanf zu einer interessanten Pflanze macht. Außerdem darf nicht unerwähnt bleiben warum er überhaupt verboten wurde und als Teufelszeug deklariert wird.

#18 |
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Gast
Gast

ein gewisser Varoufakis hat übrigens auch ADHS , so wie quasi fast halb Griechenland

#17 |
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Max Schlommski
Max Schlommski

Damit lässt sich kein Patent erwirtschaften und kein Gewinn machen! Nur deshalb ist es so schwer damit zu arbeiten. Weltweit wurden schon sehr viele und gute erfahrungen gemacht, aber wer sich nur gegen alles neue und für ihn unwirtschaftliche sperrt, braucht sich nicht wundern wenn die Patienten in die illegalität gehen müssen um um wieder ein lebenswertes Leben haben zu dürfen. Der ganze Aufschrei und Hype um das Mittel welches im Verhältnis zu legalen Drogen noch das harmlosere ist kann einem nur ein Kopfschütteln abverlangen….

#16 |
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Gast
Gast

Die Studienlage geht an der Realität vorbei. Wenn keine gesicherten Erkenntnisse vorliegen, womit natürlich nur die wenigen qualitativ hochwertigsten, aufwändig gestalteten Studien gemeint sind, dann spricht das auch nicht gegen die Wirksamkeit. Fallberichte gehen bei dieser Bewertung z.B. komplett unter.

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Silvana Beer
Silvana Beer

In Ländern wie Holland ist der Konsum bei Jugendlichen eher gesunken. Der Reiz des Verbots entfällt. Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass der Cannabiskonsum als Einstiegsdroge zu härterem führt. Vor kurzem gab es auf 3sat eine Doku zum medizinischen Gebrauch. Interessant fand ich, dass in Israel 25.000 Patienten per Rezept sich das in einer speziellen Apotheke holen können. Ich habe vor ein paar Tagen an einem Vortrag dazu teilgenommen. Der Gesetzestext zur Verordnung hat schon merkwürdige Formulierungen. Dennoch begrüße ich sehr diese therapeutische Möglichkeit. Cannabis wird seit Jahrtausenden angewendet als Medikament. Und für ein breites Indikationsspektrum gibt es für viele Patienten Chancen auf zumindest Besserung

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Dr. med. Wilfried Schmidt-Habel
Dr. med. Wilfried Schmidt-Habel

In der konkreten Praxis können die gesetzlichen Bedingungen nicht weiterhelfen. Ich sehe hier ein unwürdiges Versagen des Gesetzesgebers, der ein unklares Gesetz erlassen hat und alle Beteiligten leider ratlos zurück lässt.

#13 |
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Gast
Gast

Was ich hier lese, stellen sich bei mir die Nackenhaare auf. – In Bezug auf Thema “… zu teuer für die Krankenkassen …”. Ich kann noch nur empfehlen die die Pharmaindustrie zu boykottieren. – Wir hatten letztens einen Fall da kostete das Präparat des medizinischen Cannabis ca. EUR 322,–, (Mengenmäßig ein Witz – wird so od. so nicht von der Kasse erstattet) dann sollte man dem Patienten noch nur die richtige Addresse eines Dealers (qualitativ sicher) mitteilen und er bekommt es um ein vielfaches günstiger. – Und seine Leiden um ein vielfaches gelindert. … In was für einer eigenartigen Welt wir hier leben. …

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Dazu gerne die Ausgabe von “Der Schmerz” 2016 lesen, die sich vollständig mit dem Thema befasst. Hilfreich auch: http://bergmannsheil.bg-kliniken.de/fileadmin/Dateien/bergmannsheil/files/anaesthesie/schmerz/download/Vortrag_Cannabis_Schmerzmedizin.pdf

Fazit: ein schwaches Analgetikum mit einer NNT von 9. Allerdings in Einzelfällen sinnvoll.

Warum sollte man deshalb die Studienordnung umstellen?

#11 |
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Gast
Gast

Man wundert sich beim Doccheck-Kommentariat jedes mal, was das für Leute sein müssen.

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Gesundheits- und Krankenpfleger

@ #1

Statt ziemlich irrelevanter 2-Seiter aus der FAZ könnte nicht schaden sich etwas qualifizierter zu informieren.

Leseempfehlung!

National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine. 2017. The Health Effects of Cannabis and Cannabinoids: The Current State of Evidence and Recommendations for Research. Washington, DC: The National Academies Press. https://doi.org/10.17226/24625

. The Health Effects of Cannabis and Cannabinoids provides a comprehensive review of scientific evidence related to the health effects and potential therapeutic benefits of cannabis. This report provides a research agenda—outlining gaps in current knowledge and opportunities for providing additional insight into these issues—that summarizes and prioritizes pressing research needs.

Das Werk ist kostenlos online lesbar:
https://www.nap.edu/read/24625/chapter/1

#9 |
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Gast
Gast

Und was die USA angeht, die sind taugen ja mit ihren pharmakotherapeutischen “Moden” nicht gerade als Vorbild… das sieht man ja aktuell allzu deutlich an der Opiat-Krise in den USA samt offiziell “verhängtem” nationalen Gesundheitsnotstand… wir wollen doch mal sehen, welchen Stellenwert medizinisches Cannabis in 10 Jahren noch haben wird… vielleicht gibt es dann aber auch in den USA oder auch Europa nur noch arbeitsverweigernde, in den Tag hinein lebende “Kiffer” samt dramatisch dort eingebrochener Produktivität der Gesellschaft … dieses Szenario mag vielleicht übertrieben sein… jedoch gibt es abschreckende Beispiele, wie die unkritische gesellschaftliche und kulturelle Akzeptanz einer Droge Gesellschaften zu Grunde richten kann… in Jemen und Somalia wird statt Getreide nur noch Kat angebaut … dort ist quasi jeweils die gesamte Bevölkerung im kollektiven Kat-Rausch … was das aggressiv machende Kat in Jemen u. Somalia alles zu Gunsten des Terrorismus und islamistischer Strömungen wohl schon “geleistet” hat, ist nicht auszudenken … anderes Beispiel: der massenhafte, kulturell dort akzeptierte Genuss des Wässerchens in Russland: die durchschnittliche Lebenserwartung in Russland war nach dem Zerfall der Sowjet-Union um 20 Jahre gefallen… ein hauptsächlicher Verdienst des Alkohols… Wehret den Anfängen !!!!

#8 |
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Gast
Gast

@ #4: Cannabis wird seit 5000 Jahren in Asien, Europa und Afrika hauptsächlich dazu verwendet, “gut drauf” zu sein… das kennen wir exakt genau so vom Alkohol , es würde aber niemand auf die Idee kommen, Alkohol bei irgend einer Erkrankung als Therapie zu empfehlen (außer vielleicht bei Methanol-Vergiftung, so Zeitgenossen, die damit ihren Vollrausch für´s Wochenende gratis bekommen haben, die soll es ja geben oder zumindest gegeben haben)… dass Cannabis bei manchen Erkrankungen eine einigermaßen berechtigte Indiaktion haben mag… ok… das rechtfertigt aber nicht im Geringsten den Hype, der aktuell um Cannabis in der Medizin gemacht wird…

#7 |
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Gast
Gast

Ich persönlich halte die Propagierung von Cannabis gegen ADHS für sehr gefährlich: Es wird dadurch eine ohnehin für Cannabis (und auch andere, viel härtere Drogen) überdurchschnittlich anfällige Personen-Gruppe, eben Menschen mit ADHS, zusätzlich gelockt…und nicht nur halbwegs gefestigte Persönlichkeiten werden angelockt, sondern viel mehr noch ungefestigte, unreife junge Menschen mit ADHS, die bis zum ca. 30. Lebensjahr diverse Weichenstellungen in ihrem Leben vor sich haben… man erweist Eltern von Jugendlichen mit ADHS, die ihrem 16-jährigen ADHS-Sohn das Kiffen ausreden und ihn zur stärkeren Beschäftigung mit schulischen Angelegenheiten animieren wollen, einen Bärendienst. Der sich ohnehin in einer schwierigen Lebensphase befindende Jugendliche kann dann sagen. “Aber das Kiffen ist doch gut gegen mein ADHS!” …eine Zunahme an gescheiterten Schulkarrieren, abgebrochenen Berufsausbildungen und manchmal auch dem Einstieg in den völligen sozialen Absturz… daran machen sich fahrlässig agierende Propagierer von Cannabis bei ADHS mitverantwortlich…

#6 |
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Gast
Gast

Für die Wirksamkeit und Sicherheit von Methylphenidat in der Therapie der ADHS gibt es eine klare wissenschaftliche Evidenz … das ist für Cannabis bei ADHS nicht der Fall http://news.doccheck.com/de/blog/post/7638-keine-empfehlung-fuer-cannabis-bei-adhs/ plus … ADHS-Deutschland eV. zu Cannabis bei ADHS: http://www.adhs-deutschland.de/Portaldata/1/Resources/pdf/1_1_aktuelle_infos/2017-07_Stellungnahme__ADHS_und__Cannabis_(00000002).pdf

#5 |
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Gast
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Cannabis ist ein Heilmittel, dass seit 5000 Jahren in Asien, Europa und Afrika verwendet wird. Es ist eine Schande wie sperrig die Praxis nun für Patienten, Ärzte und Apotheken gemacht wird. Noch immer müssen sich Menschen mit ernsten gesundheitlichen Nöten strafbar machen, um ihr einfaches, natürliches, erprobtes Medikament zu bekommen… Und das in Zeiten, in denen Tausende Kinder mit Giften wie Ritalin massenhaft vollgestopft werden. Traurig!!

#4 |
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In der Tat gibt es kaum GESICHERTE Erkenntnise, und nur solche sollten auch vermittelt werden. Gerade in Zeiten des von Lobbyisten entfachten medialen Dauerfeuers, zu dem auch DocCheck beiträgt.

#3 |
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Gast
Gast
#2 |
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Gast
Gast

Das liegt eben auch daran, dass der medizinische Nutzen von Cannabis weitgehend vernachlässigbar ist:

http://www.faz.net/aktuell/wissen/drogen-in-der-medizin-cannabis-auf-rezept-14919955.html bzw.: “Und wir haben damit keine wirklich guten Erfahrungen gemacht. Es gibt Einzelne, denen die Mittel gut helfen, aber bei den meisten stellen wir die Behandlung nach kurzer Zeit wieder ein.“ Mangels Wirkung oder wegen zu vieler Nebenwirkungen.” … der Artikel in der faz ist recht aufschlussreich, wie wenig berechtigt der Hype um Cannabis in der Medizin in Wahrheit ist…

#1 |
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