Was steckt hinter dem Sjögren-Syndrom?

13. November 2017

Trockene, lichtempfindliche Augen und Mundtrockenheit haben viele Ursachen. Dahinter kann sich das Sjögren-Syndrom, eine anfangs oft übersehene Autoimmunerkrankung, verbergen. Die Behandlung ist so komplex wie das Krankheitsbild selbst.

Gerade zu Beginn äußert sich das Sjögren-Syndrom, eine chronische Autoimmunerkrankung, anhand wenig spezifischer Beschwerden. Fatigue, trockene, gereizte Augen und Lichtempfindlichkeit führen Patienten zum Ophthalmologen. Mundtrockenheit und damit verbundene Probleme wie Karies sind eher ein Fall für Zahnärzte. „Die vielfältige Symptomatik des Sjögren-Syndroms führt dazu, dass die Patienten unterschiedliche Fachärzte, zum Beispiel Allgemeinmediziner, Augen-, HNO- oder Zahnärzte, zur Erstkonsultation aufsuchen“, schreibt Dr. Ana-Luisa Stefanski von der Charité Universitätsmedizin Berlin in einem Übersichtsbeitrag. Bis zur Diagnose kann viel Zeit vergehen. Schuld daran ist die Komplexität des Erscheinungsbilds.

Breit gefächertes Spektrum an Symptomen

Zum Hintergrund: Das Sjögren-Syndrom ist eine Autoimmunerkrankung aus der Gruppe der Kollagenosen. Antikörper richten sich gegen Bindegewebsstrukturen.

Ärzte unterscheiden zwischen dem primären Sjögren-Syndrom (pSS) und dem sekundärem Sjögren-Syndrom (sSS). Bei der primären Form treten neben den Leitsymptomen Keratokonjunktivitis sicca und Xerostomie keine zusätzlichen Autoimmunerkrankungen anderer Organsysteme auf. Hier werden vor allem die Tränen- und Speicheldrüsen in Mitleidenschaft gezogen. Das sekundäre Erscheinungsbild geht mit Lupus erythematodes (15 bis 36 Prozent aller sSS), mit einer rheumatoiden Arthritis (20 bis 32 Prozent) oder einer progressiven systemischen Sklerose (11 bis 24 Prozent) einher. Beide Formen zusammen haben eine Prävalenz von mindestens 0,4 Prozent.

Erweiterte Diagnostik erforderlich

Diagnostisch ist die Sache nicht immer einfach. Sicca-Beschwerden geben zwar wichtige Hinweise. Dabei darf nicht übersehen werden, dass sie viele Ursachen haben. Mit zunehmendem Alter und mit einer steigenden Zahl an Medikamenten in Dauertherapie häufen sich entsprechende Symptome, ohne dass ein Sjögren-Syndrom vorliegt. Deshalb ist neben der Anamnese eine erweiterte Labordiagnostik von besonderer Bedeutung.

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Im Blut von bis zu 83 Prozent aller Sjögren-Patienten sind antinukleäre Antikörper (ANA) zu finden. Diese Antikörper richten sich gegen Bestandteile des Kerns körpereigener Zellen. Im Unterschied zu anderen Autoimmunerkrankungen handelt es sich um SSA(Ro)- beziehungsweise SSB(La)-Antikörper. Histologisch findet man im Gewebe exogener Drüsen Infiltrate aus verschiedenen Lymphozyten.

Therapie anhand vorherrschender Beschwerden

Nach Abschluss der Diagnostik stehen Ärzte vor der Herausforderung, Sicca- und Fatigue-Symptome zu therapieren, um die Lebensqualität ihrer Patienten zu verbessern. Gegen Beschwerden im Bereich der Augen gibt es unterschiedliche Tränenersatzmittel. Stefanski weist auf den Mehrwert antiinflammatorischer Cyclosporin-A-Augentropfen hin. Schwieriger wird es beim Thema Mundtrockenheit. „Therapeutisch lassen sich die komplexen Funktionen des Speichels nicht optimal kompensieren“, schreibt die Expertin. Deshalb sei die zahnärztlichen Betreuung besonders wichtig.

Sind andere Organsysteme beteiligt, verordnen Ärzte systemische Arzneistoffe. Bei Arthralgien, Arthritis, kutanen Läsionen und Fatigue ist Hydroxychloroquin Mittel der Wahl. Kommt es zu schwerwiegenden Organmanifestationen, haben sich Methylprednisolon und Cyclophosphamid bewährt.

Auf Basis ihrer Literaturarbeit muss Stefanski jedoch feststellen, dass bislang kein sicherer Nachweis über die Wirksamkeit von krankheitsmodifizierenden Antirheumatika oder Biologika erbracht werden konnte.

23 Wertungen (4 ø)

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5 Kommentare:

Logopädin Antje Wolf
Logopädin Antje Wolf

Lieber Max , in Bad Aibling können Sie eine gute Chance auf Reha bekommen. Rein diagnostische Kliniken gibt es zahlreiche in Deutschland. Und in Berlin macht die Charite immernoch Sjögren-Studien, allerdings nur mit Anti-Ro/Anti-La (SSa) positiven Patienten.
Ich hoffe, dass ich Ihnen helfen konnte.

#5 |
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Gast
Gast

Ebenfalls Sjörgren durch Biopsie von 4 Speicheldrüsen diagnostiziert, keine Ana`s nachweisbar, kein Lupus E. jedoch Morphea, Livedo vasculitis im Rahmen des Sneddon Syndroms, Rheumawerte neg. , Fatique, Muskel-Gelenkschmerzen. Augentropfen egal welche haben nicht geholfen. Nehme nur noch kaltes Wasser um d. Augen zu benetzen , saure Drops o. Zitrone und drücke die Ohrspeicheldrüse regelmäßig aus wenn sie dick ist. Meist entleert sie sich selber -auch bei kl. Berührung. Zähne sind sehr in Mitleidenschaft gezogen. Systemische Sklerodermie ist weiterhin in Abklärung.Schade das diese doch seltenen Erkrankungen keinen Raum für d. Forschung haben. Bringt wohl nicht viel Gewinn f. die Pharma-Lobby. Bisher ertragbar mit Novalgin 1-2 x tgl. 40 Tropfen. Durch andere Sachen zusätzlich Lyrika niedrig dosiert.Mit MTX und anderen Mitteln warten wir noch ab -solange es so erträglich ist. Allen Betroffenen -alles Gute

#4 |
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Sieke Schmitt
Sieke Schmitt

Bei mir wurde ebenso das Sjögren-Syndrom diagnostiziert! Nach einigen Jahren Hin und Her die erlösende Antwort – Ja, sie haben das Sjögren! Deswegen bin ich bei einer Rheumatologin in Behandlung und spritze mir u.a. das MTX einmal in der Woche. Durch die Medikamente bin ich nicht beschwerdefrei, aber es läßt sich damit gut leben.

#3 |
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Gast
Gast

Zu 1#
Ich habe ebenfalls das Sjögren-Syndrom, allerdings die sekundäre Form in Kombi mit einem Lupus Erythemathodes.
Wie im Artikel beschrieben bekomme ich Hydroxychloroquin, Augentropfen zum Befeuchten, Ciclosporin AT zur Nacht und ich muss auf eine gute Mundhygiene achten.
Vielleicht sollten sie einen guten Rheumatologen bzw eine Uniklinik mit rheumatologischer Fachambulanz konsultieren. Vielleicht haben die Gelenkschmerzen eine andere Ursache/Erkrankung (siehe im Artikel oben) und die reine Schmerzmedikation behandelt rein ein Symptom, aber nicht die Ursache. Auf Dauer hohe Fentanyldosen, die nicht wirklich helfen, ist unbefriedigend.
Ich wünsche Ihnen alles Gute!

#2 |
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Max Schlommski
Max Schlommski

Ich habe Sjögren. Zumindest die Symptome mit sehr stark erhöhten SSa und SSb werten und zusätzlich Schmerzen in den Armen und Beinen, also den Gelenken.
Irgendwie ist man sich aber wohl nicht einig wie man damit umgehen soll, einige mehrere Ärzte bestätigen die Diagnose, andere wenige verneinen dies…
Letztendlich bin ich neben den Mitteln wegen Tränenflüssigkeit und Lutschbonbons für besseren Speichel bei Fentanyl in hoher Dosis und Neupro gelandet. Das hilft zwar gut, aber mit den weiteren Medikamenten raubt es mir den Schlaf, die Konzentrationsfähigkeit und einen geregelten Tagesablauf.

Da ich aus der Schweiz komme frage ich mich ob es nicht in Deutschland eine spezialisierte Klinik gäbe die der Sache auf den Grund gehen könnte.

Weiss da jemand was?

#1 |
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