Auf Station: Wer ist der Neue?

24. Oktober 2017
Teilen

Stationsapotheker überprüfen bei Patienten im Krankenhaus, welche Medikamente sie erhalten und ob die Dosis optimal ist. Sie beraten Ärzte und nehmen an der Visite teil. In Deutschland gibt es sie bisher selten. Niedersachsen erwägt nun, sie in allen Kliniken verpflichtend einzuführen.

Ein Apotheker, der im Krankenhaus arbeitet, hat viele Augaben: Er überprüft die Medikation der Patienten bei Aufnahme, Entlassung und vor der Operationen überprüft. Er nimmt an der Visite teil, er kümmert sich um eine optimale Medikation und ist für Fragen der Patienten zum Medikament ansprechbar. In vielen Ländern ist der Stationsapotheker bereits Standard. Insbesondere in den englischsprachigen Ländern wie Großbritannien, Kanada, Australien, Neuseeland und den USA . Gleichzeitig werden Apotheker dort nach ihrem Studium umfassend im Bereich klinische Pharmazie ausgebildet und können sich nach den ersten Berufsjahren in verschiedenen Fachbereichen spezialisieren.

Deutschland ist dagegen bei der Anstellung von Apothekern in Krankenhäusern das Schlusslicht in Europa. Nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) arbeiten zur Zeit nur etwa 2.000 der insgesamt 50.000 berufstätigen Apotheker in Deutschland in Krankenhäusern. Das bedeutet: Auf 100 Krankenhausbetten kommen in Deutschland laut ADKA nur 0,4 Apotheker. In Großbritannien sind es 4,4 Apotheker.

Schnittstellen sind Fehlerquellen

Doch können Apotheker tatsächlich einen Zusatznutzen im Klinikalltag bringen? Oder sind sie nur ein zusätzlicher Luxus, der unnötige Kosten verursacht? „Internationale Studien sowie Forschungsarbeiten des Instituts für Patientensicherheit der Universität Bonn haben gezeigt, dass es gerade an Schnittstellen, wo Informationen weitergegeben werden, häufig zu Fehlern kommt“, berichtet Andreas Fischer, Abteilungsleiter Stationsapotheker am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden. „Das betrifft vor allem die Aufnahme und Entlassung sowie einen Wechsel der Station. Außerdem hat sich gezeigt, dass die Arzneimittelsicherheit ein weiterer Risikoschwerpunkt ist.“ Untersuchungen aus den USA, Großbritannien und Spanien zeigen, dass Stationsapotheker dazu beitragen können, Fehlerquellen bei der Arzneimitteltherapie zu verringern, die Qualität der Versorgung zu verbessern und die Patientensicherheit zu erhöhen.

Vielfältige Aufgaben, spezielle Fachkenntnisse

Stationsapotheker betreuen die Patienten von der Aufnahme bis zur Entlassung pharmazeutisch: Zu ihren Aufgaben gehört, die eingenommenen Arzneimittel bei Aufnahme zu erfassen und die Indikationsstellung und Dosierung zu prüfen, die Arzneimitteltherapie während des Krankenhausaufenthalts und das Absetzen von Medikamenten vor Operationen zu überwachen und die Medikation bei Entlassung zu managen. Weiterhin stellen sie unter Berücksichtigung der Vitalwerte und der Leber- und Nierenfunktion eine geeignete Medikation zusammen und achten darauf, Wechselwirkungen zwischen Medikamenten zu vermeiden.

Dabei ist der Apotheker in die Abläufe der Klinik eingebunden, arbeitet eng mit Ärzten verschiedener Fachrichtungen zusammen und berät die Ärzte, um so eine möglichst optimale Behandlung zu gewährleisten. So arbeitet er bei der Gabe von Antibiotika mit Infektiologen oder bei Patienten mit psychiatrischen Vorerkrankungen mit Psychiatern zusammen. Gleichzeitig steht er den Patienten im persönlichen Gespräch zur Erklärung und Beratung zur Verfügung. Daneben übernehmen Apotheker im Krankenhaus auch Aufgaben bei der Arzneimittelherstellung, der Versorgung der Stationen mit Arzneimitteln und als Ansprechpartner für Fragen zur Arzneimitteltherapie.

1743_Apotheker-auf-Station_block

Apotheker und Arzt gemeinsam am Krankenbett: Stationsapothekerin Wencke Walter und Oberarzt Tilo Meyner vom Universitätsklinikum Dresden bei der morgendlichen Visite. © Universitätsklinikum Dresden

 

„Ein typischer Fall, bei dem ein Stationsapotheker Risiken reduzieren kann, ist die genaue Erfassung der Medikation bei Aufnahme, die auch gelegentliche Medikamente und Nahrungsergänzungmittel umfasst“, berichtet Fischer. „Denn diese werden von den Patienten häufig nicht angegeben oder sind nicht in den Medikationsplänen aufgeführt.“ So kann zum Beispiel die mehrmalige Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS) vor einer Operation das Blutungsrisiko erhöhen, die Einnahme von Magnesium oder Calcium kann die Aufnahme bestimmter Antibiotika hemmen. Auch Doppelverordnungen, zum Beispiel von Schmerzmitteln, können so auffallen.

Versorgungsdichte in Deutschland sehr unterschiedlich

Doch in Deutschland werden Stationsapotheker bisher nur an einigen Kliniken eingesetzt – zum Beispiel an einigen Universitätskliniken, aber auch an kleineren Krankenhäusern und Privatkliniken. Die Versorgungsdichte ist sehr unterschiedlich: An manchen Kliniken hätten Apotheker nur die Möglichkeit, die Patienten im eingeschränkten Rahmen zu betreuen, so Fischer. Zum Beispiel gebe es drei oder vier Apotheker, die sich um die Krankenhausapotheke kümmern und etwa einmal pro Woche zur Visite auf Station kommen würden.

Am Universitätsklinikum in Dresden gibt es dagegen seit über 10 Jahren ein Projekt, das in Deutschland Ausnahmecharakter hat: Hier arbeiten inzwischen 19 Apotheker, die mehr als die Hälfte der Stationen betreuen. Zugleich wurde ein Unit-Dose-System zur effizienten Bereitstellung der Arzneimittel eingeführt. Auch an den Universitätskliniken in Hamburg und Heidelberg arbeiten bereits viele Apotheker bei der Betreuung der Patienten im Stationsalltag mit.

1743_Knoth-Fischer_block

Holger Knoth, Leiter der Klinikapotheke und Andreas Fischer, Abteilungsleiter Stationsapotheker am Universitätsklinikum Dresden. © Uniklinik Dresden

„Gerade Chirurgen und Orthopäden, die viel im OP sind, empfinden Stationsapotheker als Entlastung“, berichtet Fischer von seinen Erfahrungen. „Manche Ärzte sind am Anfang skeptisch, aber sie wissen das zusätzliche Augenpaar bald zu schätzen.“ So seien immer mehr Patienten multimorbid und müssten viele Medikamente einnehmen, gleichzeitig stehe immer weniger Zeit pro Patient zur Verfügung.

„Generell sind die Ärzte in Fragen der Medikation in ihrem Fachbereich natürlich sehr kompetent“, sagt Fischer. „Aber durch die Beteiligung eines Apothekers wird weniger übersehen und die medikamentöse Behandlung kann noch sicherer gestaltet werden. Und bei etwa 10 bis 20 Prozent der Patienten gibt es sehr spezielle Fragestellungen oder Probleme mit der Medikation, bei denen das Fachwissen eines Stationsapothekers gefragt ist.“ Denn während sich Ärzte vor allem in der Medikation ihres Fachbereichs sehr gut auskennen würden, habe der Apotheker einen fächerübergreifenden Gesamtblick auf die Medikation.

Gesetzentwurf gibt Anlass zur Diskussion

Für neuen Diskussionsstoff sorgt nun ein Gesetzentwurf in Niedersachsen: Nach Patientenmorden in Krankenhäusern in Delmenhorst und Oldenburg hat die Landesregierung einen Gesetzentwurf vorgelegt, der vorsieht, in allen Krankenhäusern verpflichtend Stationsapotheker einzuführen, um so den Medikamentengebrauch besser zu kontrollieren. Danach sollen auf die etwa 40.000 Krankenhausbetten in Niedersachsen 134,5 Stationsapotheker kommen – ein Stationsapotheker würde dann etwa 300 Betten betreuen. Als Voraussetzung sollen Stationsapotheker eine Weiterbildung zum „Fachapotheker für klinische Pharmazie“ durchlaufen oder zumindest begonnen haben. Im Moment liegt der Gesetzentwurf wegen der vorgezogenen Neuwahlen am 15. Oktober allerdings auf Eis.

Während die Apothekerkammern und -verbände den Vorschlag begrüßen, kritisiert die Niedersächsische Krankenhausgesellschaft (NKG) den Gesetzentwurf. Sie stellt zwar nicht in Frage, dass Krankenhausapotheker die Versorgungsqualität verbessern können, kritisiert aber, dass im Moment gar nicht genug qualifizierte Apotheker zur Verfügung stehen würden. Außerdem sei ihre Finanzierung unklar und könnte möglicherweise zu Lasten anderer Stellen im Krankenhaus gehen. Es sei bisher nicht klar, ob von den Krankenkassen zusätzliche Gelder zur Verfügung gestellt werden sollen oder ob die Kliniken die Stellen aus ihrem eigenen Budget finanzieren müssten.

Fachliche Qualifikation sicherstellen

„Stationsapotheker achten bei der Arzneimitteltherapie auch auf die Wirtschaftlichkeit und können so zu Kosteneinsparungen beitragen“, sagt Fischer. „Trotzdem ist die anfängliche Einsparung bei den Arzneimitteln natürlich nicht mit den laufenden Personalkosten gleichzusetzen.“ Hier sei es nicht immer einfach, nachzuweisen, dass ein konkreter finanzieller Nutzen gegeben sei. „Dieser zeigt sich möglicherweise erst später im ambulanten Bereich, ist aber für die Klinik nicht direkt spürbar“, so der Apotheker.

Das Argument, dass nicht genügend qualifizierte Apotheker zur Verfügung stehen, hält Fischer nur für eingeschränkt gültig. „Im Moment ist es tatsächlich teilweise problematisch, gut ausgebildete Apotheker für die Tätigkeiten im Krankenhaus zu finden. Aber Umfragen haben gezeigt, dass viele Pharmaziestudenten großes Interesse an einer solchen Tätigkeit haben. Wichtig ist, dass sie eine fundierte Ausbildung im Fach klinische Pharmazie haben, das in Deutschland bereits seit 10 Jahren ein Prüfungsfach ist.

Anschließend können sie durch Fort- und Weiterbildung in der Praxis die fachlichen Fähigkeiten erwerben, die für die Tätigkeit als Stationsapotheker notwendig sind.“ Dabei sei es gleichzeitig wichtig, Qualitätsstandards für die Ausbildung zum Stationsapotheker zu entwickeln und die Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten zu verbessern. „Bis genügend hoch qualifizierte Stationsapotheker zur Verfügung stehen, wird es sicher noch eine Weile dauern“, so Fischer. „Doch das ist in ein paar Jahren durchaus erreichbar.“

Situation in Deutschland wird sich ändern – die Frage ist nur, wie schnell

Wie könnte nun die Zukunft des Stations- und Krankenhausapothekers in Deutschland aussehen? Die ADKA und der deutsche Apothekertag – ein wichtiges berufspolitisches Forum der Apotheker – fordern jetzt, Stationsapotheker verpflichtend in Kliniken in ganz Deutschland einzuführen. „Der Hochrisikoprozess der Arzneimitteltherapie im Krankenhaus bedarf als Fachmann den Krankenhausapotheker auf Station“, so die ADKA.

Bisher würden dafür noch die Strukturen in der Fläche fehlen, sagt Holger Knoth, Leiter der Klinikapotheke am Universitätsklinikum Dresden. „Ziel der Berufspolitik sollte es sein, die Kosten- und Entscheidungsträger dafür zu sensibilisieren, dass Stationsapotheker zu einer erhöhten Arzneimitteltherapiesicherheit beitragen können.“

In Großbritannien und anderen angelsächsischen Ländern seien Stationsapotheker schon in den Klinikalltag integriert und hätten umfassende Aufgaben und Befugnisse, berichtet Fischer, der selbst 15 Jahre in Großbritannien tätig war. „Hier in Deutschland muss das Konzept erst einmal etabliert werden. Ich denke aber, dass sich auch hier immer mehr tun wird und auch an kleineren Kliniken mehr Stationsapotheker eingestellt werden“, so der Experte. „Die Frage ist, wie schnell wir es schaffen, dieses Konzept zu etablieren.“

40 Wertungen (4.83 ø)
Bildquelle: Toms Baugis, flickr / Lizenz: CC BY

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

23 Kommentare:

Gesche Hijazi
Gesche Hijazi

Ich habe in der Uni-Klinik in Jordanien als Stationsapothekerin gearbeitet (inzwischen bin ich pensioniert). Wir haben zwar nicht an den Visiten teilgenommen, waren aber ein sehr nuetzlicher Beratungs – und Kontroll – Punkt in der Station, fuer Aerzte und auch Patienten. Rezept-Korrekturen konnten schnell vor Ort vorgenommen werden.
Sehr viel haben wir die Krankenschwestern bei der aktuellen Verteilung der Medikamente unterstuetzt.Wir haben fuer sie Zubereitungen von bestimmten i.v. Loesungen ausgerechnet;beaufsichtigt, dass Trocken-Ampullen richtig geloest , mit Datum versehen und vorschriftsmaessig aufbewahrt wurden;und auch auf Wirtschaftlichkeit geachtet, ob z.B. teure Injektionen, sowie Saftflaschen mit anderen Patienten geteilt werden konnten….
Wenn eine Klinik sich nicht fuer jede Station einen Apotheker leisten kann, sollte er/sie auf keinen Fall in der Paediatrie fehlen!

#23 |
  0
Gast
Gast

#19
“Zumal wir jetzt schon viel zu wenige Apotheker in der Peripherie haben, weil keiner diesen elenden Job mehr machen will.”
Davon wird leider immer wieder in der Presse berichtet: Aber ebenso davon , dass niemand mehr Dorfarzt werden will. Ich schweige , zumindest vorerst einmal hierzu: Zu bedenken gibt das aber sehr.
Wirtschaftliche Aspekte können da ins Spiel kommen, was aber schade ist, wenn dieser Job wirklich im Elend enden müßte.Ein gewisser Idealismus wird von mir hierbei, bezüglich der Pharmaka, jederzeit hocherhoben werden, ohne zu übertreiben: Also in realistischem Sinne zugleich

#22 |
  0
Gast
Gast

Also dies Thema bewegt mich nicht nur enorm, sondern eigentlich fast extrem, weil es jederzeit nicht nur brisant ist, sondern jederzeit zumeist auch bleiben wird.
Dass da zwischenzeitlich Ruhe und Satisfaktion einkehren, ist wirklich wohltuend: Dass Pharmakologie, gar Toxikologie(als negative Kehrseite der Pharmaka, die dazugehört: Ich meine der Pharmaka, nicht der Gifte als solcher), Pharmazie als Anwendung der Pharmaka bis hin zum individeullen Fall und Medizin harmonieren, das sollte jederzeit so sein- auch wenn zuweilen ein progressiver
Fortschritt, eine erwünschte Optimierung, immer wieder an der Tagesordnung ist. Wenn es wenigstens gut genug ist und alle zusammen zufrieden sind, dann reicht es für heute.Wer liebt nicht das, was wir Harmonie nennen?Ich freute mich, wenn eine solche Kooperation verwirklicht werden würde.

#21 |
  2
Gast
Gast

Die Notwendigkeit der Medikationsüberprüfung bzgl. Dosierung, Nebenwirkungen/ Wechselwirkungen, Kompatibilität usw. stellt niemand in Frage. Aus Gründen der Arzneimittelsicherheit ist dieses zwingend erforderlich.
Die Kompetenz eines Arztes, dieses durchzuführen, ist in der Regel sicher gegeben, allein, ES WIRD häufig NICHT oder unzureichend GEMACHT, aufgrund des bereits erwähnten ZEITMANGELS.
Es ist verwunderlich, dass die Zusammenarbeit von Ärzten und Apothekern nicht als Aufgabenteilung gesehen und von den überarbeiteten Ärzten dankbar angenommen wird, sondern vielfach immer noch als Infragestellung ihrer Kompetenz gesehen wird.
Es sollte das, was am Ende herauskommt beachtet werden!!
Bei uns im Klinikum haben viele (meist junge..) Ärzte das Selbstbewusstsein, hier die effektive Zusammenarbeit zu sehen und nehmen das Angebot der Pharmazeuten dankbar an (und können sich einmal mehr Ihrer Hauptaufgabe widmen).
Ein Kompetenzgerangel ist hier wohl fehl am Platze. Ganz davon abgesehen freuen sich Pharmazeuten auch, wenn eine Medikationsüberprüfung/ -anamnese usw. bereits hinreichend durchgeführt wurde.

#20 |
  0
Gast
Gast

Das wird niemals funktionieren. Die Ärzte sehen sich quasi von Haus aus, als etwas besseres. Die Apotheker aber auch und dann wird gestritten wer jetzt die größte und beste Fachkompetenz hat. Zumal wir jetzt schon viel zu wenige Apotheker in der Peripherie haben, weil keiner diesen elenden Job mehr machen will.

#19 |
  13
Ärztin
Ärztin

Da haben Sie schon recht Frau Wegener, allerdings sind es nicht ausschließlich die Entlassmedikationen aus Klinken die einem die Haare zu berge stehen lassen. Auch so manch eine in der Notaufnahme als übliche und “bewährte” hausärztliche Standardmedikation angegebene Kombination löst hin und wieder Schnappatmung und Kopfschütteln aus und ist alles andere als eine zulässige Behandlung. Hand aufs Herz, ein bisschen mehr pharmakologischer Beistand tät uns allen gut, nicht nur in der Klinik.

#18 |
  0

Eine dringend notwendige Maßnahme angesichts der Polypragmasie, die vor allem auf den nicht-chirurgischen Stationen betrieben wird. So manches Verordnungsblatt, das die Patienten nach ihrer Entlassung mitbringen, läßt uns Hausärzten die Haare zu Berge stehen. Bewährtes wird innerhalb von drei Tagen stationärer Behandlung “über den Haufen geschmissen” ohne Rücksprache mit dem Hausarzt, Unverträglichkeiten nicht beachtet oder nicht erfragt, Leitlinien “abgearbeitet”. Ein Apotheker kann hier sehr gut beratend und regulierend eingreifen.

#17 |
  0
Gast
Gast

#5
Ich dürfte mich hier eigentlich gar nicht mehr einbringen,tue es aber doch, weil ich früher einmal sehr gerne Pharmazie studiert hätte.Und so hänge ich bis heute dem Thema an.
Ich zitiere aus Kommentar #5:
“Ferner gibt es von der Definition her eine klare Unterscheidung zwischen Pharmakologie und Pharmazie.”
Ich sehe den Unterschied darinnen, dass die Pharmakologie die physiologischen Auswirkungen untersucht, die Pharmazie aber ihre Stärke in der Applikation der Arzneidrogen erweisen soll, wozu allerdings unabdingbar ein stetes pharmakologisches Grundwissen stets gehört.Der Arzt aber ist extrem auf die phamazeutische Mithilfe angewiesen: Und somit sollten alle in einem Verhältnis bester Kooperation stehen.

#16 |
  0
Gast
Gast

@ Klaus Samer,
Bezueglich 6 Jahre volle Bezahlung in der FA-Ausbildung, dies ist auch erst der Fall seit die 18-monatige AiP Zeit abgeschafft wurde…vorher waren es auch 1 1/2 Jahre Almosen.

#15 |
  0
Ärztin
Ärztin

@Prof. Rieg: volle Zustimmung. Ebenso für Dr. Eiden. Ich bin mir nicht sicher ob es wirklich erfolgreich und praktikabel ist dass zwingend eine Visitenbegleitung durch den Aoptheker erfolgen sollte aber eine Prüfung der Medikation und entsprechende Beratung mit dem behandelnden Arzt wäre spätestens zum Erstellen der Entlassmedikation ausgesprochen sinnvoll. In Taiwan verordnen Ärzte überhaupt keine Medikamente, durch den Arzt erfolgt die Diagnostik und dann begibt sich der Patient mit dem Brief in die Apotheke, dort erstellt der Apotheker entsprechend der Diagnosen eine passende Medikation.

#14 |
  1
Gast
Gast

Die enorme Bedeutung der Pharmazie (Medikation) in der medizinischen Therapie darf nie unterschlagen werden.Gute Kooperation ist hierzu allen von mir gewünscht.

[Kommentar wurde von der Redaktion gekürzt]

#13 |
  0
Klaus Samer
Klaus Samer

P.S. Ein Apotheker der sich die Medikation des Patienten genauer anschaut , wäre sicherlich wünschenswert. Insbesondere in der Intensivmedizin wo zwangsläufig viel infundiert, sehr viel gemörsert (enterale Verabreichung) und noch mehr gemischt wird.

#12 |
  0
Klaus Samer
Klaus Samer

Sehr geehrter Dr. Schulz,

definieren Sie doch bitte Weiterbildung in Vollzeit. Für die anderen Fachärzte gilt die berufsbegleitende Weiterbildung. Nach dieser Definition :http://flexikon.doccheck.com/de/Facharzt_%C3%BCr_Klinische_Pharmakologie
würde ich mal vermuten das dies für den von Ihnen genannten Facharzt auch gilt.

Ich frage mich warum so viele Ärzte in der Weiterbildung, dazu neigen so zu tun als sei die Weiterblidung zum Facharzt nicht eine Ausbildung während der beruflichen Tätigkeit,sondern mit dem Studium zu vergleichen wo man tatsächlich ausschließlich den ganzen Tag über den Büchern gehockt und nicht bezahlt Patienten in Vollzeit Patienten betreut hat.

Naturwissenschaftliche Doktoranden durchlaufen hingegen tatsächlich 3-5 Jahre eine Vollzeitausbildung, für die eher schlecht als Recht bezahlt werden und die ausschließlich Forschung beinhaltet und eben nicht berufsbegleitend sondern Beruf ist.

Mir ist derzeit kein Facharzt bekannt der für seinen Facharzt tatsächlich 12 Jahre Vollzeit studiert und nicht schlicht 6 Jahre studiert und anschließend sich während seiner vollbezahlten beruflichen Tätigkeit fachlich auf die Facharztprüfung vorbereitet hat.

Aber ich lasse mich gerne mit Hinweis auf entsprechende Prüfungs-, Ausbildungs-und Studienordnungen vom Gegenteil überzeugen. Bitte zeigen Sie mir eine Facharztprüfung die eine ausschliessliches Studium zum “Facharzt” beinhaltet dass in Vollzeit ohne die bezahlte Tätigkeit als Arzt in der Patientenversorgung abläuft.

#11 |
  3

Der Gesetzesanliegen geht an den wirklichen Personalproblemen im Krankenhaus vorbei. Wie so oft, ist auch hier das Anliegen der Politik, sich durch Aktionismus selbst aus der Schußlinie zu bringen. Vielleicht ist es tatsächlich “nur ” gut gemeint, dann spiegelt er um so mehr die Realitätsferne der Gesundheitspolitik wieder. Ärzte und Krankenpflegepersonal leiden unter der permanenten betriebswirtschaftlichen Schraube mit immer weniger Personal das gleiche oder ein noch größeres Arbeitspensum zu leisten. Good clinical practice wird erst unterboten, dann mit Qualitätsmanagement die tiefen Löcher übermalt. Patienten einer Fachabteilung liegen nicht mehr auf definierten Krankenstationen, sondern werden über die ganze Klinik verteilt, damit ja jedes Bett “genutzt” wird. Effienziente Patientenbetreuung sieht anders aus. Der OP-Betrieb läuft mit Pseudo-Notfalldefinitionen bis in die Puppen, die chirurgischen Assistenzärzte kommen den ganzen Tag an den OP-Tischen fest und müssen die Stationsarbeit – auch die Patientenvisiten – nach Feierabend absolvieren, fern jeden Arbeitszeitgesetzes. Patienten, Ausbildung, Gesundheit und Familie des Personals leiden unter solchen Zuständen. Selbst eine Oberarztposition ist keine Grundlage für ein geordnetes Arbeiten mehr. Ich habe jahrelang die gute Arbeit von Physiotherapeuten auf Normalstationen der Lungenheilkunde gesehen – plötzlich waren sie weg, kein Geld mehr dafür, die Leistungserbringung ist bei Patienten mit Lungenentzündungen und COPD nicht Pflicht. Statt dessen leisten wir uns in Deutschland den neuen Berufsstand der DRG-Kodierer, welche Diagnosen und Leistungen in einen Buchstaben- und Zifferncode übersetzen. Ja sicher, in einem Gesundheitswesen mit überbordenen Bürokratiewust kann diese finanziell entscheidende Tätigkeit nicht mehr (nur) den Ärzte überlassen werden. Noch schlimmer, obendrein müssen Oberärzte die alltägliche Arbeit gegenüber fachfremden Ärzten des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen rechtfertigen, die mit fadenscheinigen Spitzfindigkeiten ihnen die Zeit rauben und die Kassen aus ihrer Zahlungspflicht rausboxen wollen. Wohlgemerkt die wollen selber nicht mehr unter solchen Bedingungen arbeiten, so mit Nacht- und Wochenenddiensten und 60 Wochenstunden. Was wir wirklich brauchen, ist eine Festlegung, wieviel Personal zur sicheren Patientenversorgung vorgehalten werden muss, eine verpflichtende elektronische Zeiterfassung und eine Überprüfung des Arbeitszeitgesetzes wie es auf der Straße selbstverständlich ist. Damit der Apotheker auch einen Arzt auf Station vorfindet, wenn er gerne Visite machen möchte.

#10 |
  0
Dr. Sabine Beck
Dr. Sabine Beck

Sehr geehrter Herr Schulz,

Nichts für ungut, aber erstens beinhaltet die Pharmazie genauso die Pharmakologie einschließlich Wechselwirkungen, Interaktionen, etc. wie die pharmazeutische Technologie als Kernfächer. Und zweitens will Ihnen niemand die überaus spezialisierte Ausbildung in ihrem Fachberecich streitig machen. De facto zeigt es sich im Alltag immer wieder, dass das Gro der Ärzte in ihrem Fachbereich bestens Bescheid wissen, aber wenn es pharmakologisch übergreifend wird schnell Schluss ist. Da bekommt man zu manch pharmakodynamischer Wechselwirkung, mit der Bitte die Medikation anzupassen, als Antwort das entsprechende Arzneimittel doch einfach zwei Stunden später einzunehmen?! Von den Zahnärzten sprechen wir am Besten gar nicht.
Die Rücksprachen zu Wechselwirkungen unter Polymedikation einschließlich Anbieten entsprechender Alternativen gehört zu unserem laufenden Alltag. Und oft stellt sich dabei heraus, dass der ein oder andere Arzt doch nicht wirklich auf dem Laufenden ist was der Patient gerade einnimmt.
Und ehrlich gesagt sollte der Orthopäde auch in erster Linie seine Knieprothese bestens einsetzen können und an anderer Stelle, wenn nötig, das entsprechende Know How in Sachen Medikation abfragen können. Und dafür sind klinische Pharmazeuten bestens geeignet.

#9 |
  2
Gast
Gast

Besser wäre es, wieder mehr Krankenpflegepersonal einzustellen. Die haben mehr Kontakt zum Patienten und von daher den besseren Überblick. So war das jedenfalls mal früher.

#8 |
  14

Ach, ja, ich vergaß:
Facharzt für Klinische Pharmakologie
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
Diplom für Pharmazeutische Medizin DGPharMed

#7 |
  7
Christian Philipp Jüttner
Christian Philipp Jüttner

Vielleicht sollte sich dieses Gesundheitssystem generell mal überlegen, wie es seine Apotheker adäquat einsetzt. Denn nach 5 Jahren Studium jemanden hinter die Theke (oder in der Klinik in den Keller) zu stellen und bunte Päckchen packen zu lassen ist a) eine enorme Verschwendung von Ressourcen und Potential und b) schwachsinnig

#6 |
  2

Seit vielen Jahrzehnten gibt es in Deutschland den Facharzt für Klinische Pharmakologie. Dies wird bei diesem Artikel mit keinem Wort erwähnt, obschon er in der Weiterbildungsordnung jedes Bundeslandes mit Weiterbildungscurriculum aufgeführt ist. Es handelt sich um eine 5-jährige Mindestweiterbildung in Vollzeit nach der Approbation und Facharztprüfung am Ende wie bei jeder Facharztanerkennung. Wie lange die Weiterbildung des “Fachapothekers für klinische Pharmazie” dauert und ob sie in Vollzeit geleistet wird oder nur berufsbegleitend, lässt der Artikel unerwähnt. Die Bezeichnung “Fachapotheker für klinische Pharmazie” lässt erkennen, wie wenig das Pharmaziestudium auf den pharmakologischen Bedarf auf Station vorzubereiten scheint. Ferner gibt es von der Definition her eine klare Unterscheidung zwischen Pharmakologie und Pharmazie. Bei der Pharmakologie geht es um Wirkungen, unerwünschte Wirkungen, Interaktionen, etc.. Bei der Pharmazie geht es um die “Formulierung eines Pharmakons z.B. als Dragée, als Infusion, um Herstellung, Zubereitung, etc. Klinische Pharmakologie ist im Medizinstudium schon ein Querschnittsfach in den klinischen Semestern. Anzunehmen, dass Ärzte sich in der klinischen Pharmakologie für ihren Alltag nicht auskennen, Pharmazeuten aber schon, ist leider, wie so oft, der schlechten standesrechtlichen Ärztevertretung geschuldet, während die Standesvertretung der Pharmazeuten und der Psychologen in Laufe der Jahre deutlich erfolgreicher ihre Politik betreiben. Der Verweis auf angelsächsiche Länder sticht auch nicht. Wenn Politiker vor Wahlen sich Vertrauen im Gesundheitswesen verschaffen wollen, dann verweisen sie gerne auf die deutlichen Schwächen im Gesundheitssystem dort, z.B. im NHS des UK. Deutschlands Patientenversorgung genießt immer noch ein hohes Ansehen in der Welt, nicht so sehr bei der akademischen Forschung. Wer mal im Ausland (Frankreich ausdrücklich ausgenommen) ernsthafter erkrankte, wird den Unterschied erfahren haben. Es wäre interessant die Meinung der Deutschen Gesellschaft für pharmazeutische Medizin dazu zu hören, die ja Mitglied im AWMF ist oder der Deutschen Gesellschaft für Klinische Pharmakologie, Pharmakologie und Toxikologie (DGPT). Die melden sich wahrscheinlich erst nach der Gesetzgebung zu Wort, wie auch immer.

#5 |
  23
roland
roland

warum fürchten die krankenhausärzte den einsatz von pharmakologisch besser als ärzte ausgebildeten apothekern in kliniken so sehr.sollen vielleicht die verbindungen zur pharmaindustrie nicht durchschaut werden.
im ausland-z.b. australien sind apotheker in kliniken schon längst die norm

#4 |
  9
Dr. med. habil. Werner Muehle
Dr. med. habil. Werner Muehle

Ich wäre ja eher dafür, dass Fachärzte für klinische Pharmakologie dort eine Chance bekämen. Denn die sind eigentlich für diese Art von Service ausgebildet. Gemeinsam mit einem Apotheker, der entsprechend fortgebildet ist, bekommt man ein wirklich gutes Team.

Aber in einem Land, in dem das Drug monitoring in den Händen von Laborärzten liegt, die leider wenig Ahnung von Pharmakokinetik haben (Kunststück ist auch nicht Inhalt ihrer Weiterbildung.) tun’s auch Apotheker auf den Stationen.

#3 |
  3

Als FA fuer Pharmakologie und Toxikologie ist mir das schon lange ein Dorn im Auge. Eigentlich sollte ein Pharmakologe(in)/Apotheker(in) immer mit auf Visite gehen, da waere wahrscheinlich schon so mancher toedlicher, Pillen-induzierter Behandungsfehler vermieden worden. In vielen anderen Laendern ist dieses Verfahren schon Gang und Gaebe. Abgesehen davon erfahren ca. 50% aller im Krankenhaus aufgenommenen Patienten medikamentoese Nebenwirkungen. In meinen Augen ist die Zeit ueberreif.

#2 |
  1
Dr. K. Fischer, Kelkheim
Dr. K. Fischer, Kelkheim

Der Artikel ist wieder zu übergeordnet oben gehalten, eigentlich wie immer zu politisch. Welch große Unwissenheit bei der Medikation aber existiert bleibt auch bei der Apothekerei unbeachtlich.

#1 |
  14


Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: