Lückenfüller: Die autonome Zahn-OP

23. Oktober 2017
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In China hat ein Roboter erstmals selbstständig eine Kieferoperation durchgeführt. Bei der einstündigen Operation wurden einer Frau zwei Implantante eingesetzt. Auch in den USA forscht man an chirurgischen Systemen für Zahnimplantationen. Sind Zahnärzte bald überflüssig?

Ein OP-Roboter konnte einer Patientin zwei 3D-gedruckte Zahnimplantate ohne menschliche Hilfe einsetzen. Zwar waren für Notfälle während der gesamten Kieferoperation Ärzte anwesend, sie mussten aber nicht eingreifen.

Roboter arbeitet höchst präzise

Der Roboter arbeitete dabei höchst präzise: Die Abweichungen, mit der die Implantate gesetzt wurden, betrugen maximal 0,2 bis 0,3 Millimeter. Damit der Roboter derart exakt arbeiten konnte, wurden auf der Haut der Patientin Sensoren angebracht. An ihnen konnte sich der der Roboter orientieren, auch wenn sich die lokal betäubte Patientin bewegte.

Zahnarzt-Mangel

China will durch Entwicklungen im Bereich der Robotik den Mangel an Zahnärzten in den Griff bekommen. Man schätzt, dass rund 400 Millionen Chinesen Zahnimplantate benötigen. Pro Jahr können aber nur etwa eine Million Operationen durchgeführt werden. Das führt dazu, dass viele Menschen nicht lizensierte Zahnärzte aufsuchen, was häufig zu Komplikationen führt.

Auch in den USA wird bereits mit Roboter-Technik für Zahnimplantationen experimentiert. Im März diesen Jahres hat die Food and Drug Administration (FDA) das Zahnchirurgie-System Yomi zugelassen, das Zahnärzte bei Operationen unterstützt.

 

Dieser Artikel basiert auf einer Meldung aus der South China Morning Post.

15 Wertungen (3.67 ø)
Forschung, Medizin, Zahnmedizin

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8 Kommentare:

Die Versuche sind nicht neu, es gab vor 20 Jahren schon einen Hype (ROBODENT), die Geräte sind aber teurer und bis die Vorbereitungen des Patienten für den Maschineneinsatz auch nur all fertig sind, habe ich das Implantat schon freihändig gesetzt und zugenäht (näht der Roboter auch selbst?).
Ich werde noch 20 Jahre arbeiten und habe keine Angst vor solchen Systemen…
Und die Kosten werden sicher nicht sinken, das Gerät ist nicht eben billig, und wenn es nicht 12 Stunden täglich läuft, wird es sich nicht amortisieren können.

Ein “im 3-D-Druck hergestelltes Implantat” kann auch wohl kaum billiger sein als ein Dübel von der Drehbank, ich kenne bislang auch keinen 3-D-Drucker, der Titan oder Zirkonxidkeramik verarbeiten kann zu erschwinglichen Kosten.
Fazit: Netter Versuch, aber wir werden in nächster Zeit nicht mehr viel davon hören.

#8 |
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Dr. Ferdinand Ott
Dr. Ferdinand Ott

Wer selbst implantiert, wird wissen, daß der reine Implantationsvorgang, besonders bis zum Praemolarenbereich das Geringste ist.Da ist Befund und Untersuchung und vorbereitende Maßnahmen, wie Augmentation etc,wesentlich aufwändiger. Das kann ein Roboter sicher lange nicht leisten.
Ich habe keine Angst, daß ich oder meine Kinder keine Arbeit mehr haben.
Aber 90% der anderen Berufe sollten sich Sorgen machen, daß die zunehmende Automatisierung, die Arbeitskraft vieler Menschen überflüssig macht. Das wird ein gesellschaftliches Problem, das viele noch gar nicht realisieren.

#7 |
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Robodoc läßt grüßen. Profitiert haben die Industrie und anfangs die Krankenkassen. Leidtragende waren und sind noch immer die Patienten.

#6 |
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Dr. Karl Samanek
Dr. Karl Samanek

Irgendwann muss man ja damit anfangen, so etwas auszuprobieren. Aber im vorliegenden Fall implantierte die Maschine im vorderen, gut zugänglichen Teil den Kiefers in reichlich vorhandenen Knochen. Diese Situation kann ich viel schneller als in einer Stunde lösen, ganz ohne Probleme. Denke, reine Implantationszeit von fünf Minuten händisch in solch einer einfachen Situation (pro Implantat). Dafür braucht man wirklich keinen Roboter. Häufiger aber benötigen Patienten Ersatz für Seitenzähne, weiter hinten, bei meist problematischem Knochenangebot, wo die ideale Position manchmal erst intraoperativ gefunden werden kann, wo Knochenersatzmaterial verwendet werden muss, interner oder externer Sinuslift, bei dem man manchmal Verwachsungen vorfindet, etc. ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie das durch einen Roboter funktionieren soll.

#5 |
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Medizinphysiker

Und damit die Roboter Routine bekommen, üben diese wahrscheinlich an Robotern!

#4 |
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Gast
Gast

Jemand mit Zahnarztphobie wird sich darüber entweder freuen oder erst recht den Weg zum Zahnarzt scheuen. Ich persönlich grusele mich beim Gedanken daran, dass ein Roboter an meinem Kiefer herum werkelt.

#3 |
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Nichtmedizinische Berufe

ich hoffe, dass die 3D- Technik und der Einsatz von Robotern Implantate preiswerter macht, für einen Kassenpatienten sind sie nicht erschwinglich.
Aber für andere Sachen wollte ich auf meinen tollen Zahnarzt nicht verzichten, er ist menschlich und preislich absolut fair, arbeitet gut und hat volles Verständnis für Ängste und Nackenprobleme.

#2 |
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Anke Niemand
Anke Niemand

Überflüssig werden Zahnärzte nicht, aber Zahlersatz in Form von Implantaten kann man sich sicher bei Robotern besser leisten.

#1 |
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