Causa obscura: Herzschmerz

18. Oktober 2017
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In der Notaufnahme klagt eine 79-jährige Patientin mit koronarer Herzkrankheit über starke Schmerzen in der Brust. Bei genauerer Untersuchung stellt sich jedoch heraus, dass nicht das Herz der Auslöser ihrer Symptome ist.

In einer Notaufnahme stellt sich eine 79-jährige Patientin mit massivem Brustschmerz vor. Der Fall scheint klar: bekannte koronare Herzkrankheit, erhöhte D-Dimere und Troponin-I-Werte, im EKG ein Rechtsschenkelblock und T-Negativierungen in den Ableitungen v1 bis v3. Die Ärzte tippen zunächst auf Beschwerden kardialer Genese.

Unauffällige Ergebnisse

Als bei Betrachtung eines alten Befunds dann jedoch auffällt, dass die EKG-Veränderungen bereits in der Vergangenheit zu sehen waren, fordern sie weitere Diagnostik an. Das Röntgenbild des Thorax ist unauffällig, auch die CT-Angiografie zeigt weder Hinweise auf einen Koronarverschluss, noch auf eine Aortendissektion oder Lungenembolie.

Das Herz schmerzt nicht

Nachdem die Patientin plötzlich Blut erbricht, führt man eine Ösophagogastroskopie durch. Der Herd der Schmerzen wird hier unmittelbar sichtbar: eine deutlich nekrotische Mucosa in der Speiseröhre. „Acute esophageal necrosis“ (AEN) ist ein seltenes Krankheitsbild, das bei der Diagnostik daher oft nicht bedacht wird. Die Ursache hierfür ist meist unklar, das häufigste Symptom sind obere Gastrointestinale Blutung.

 

Quelle:

Oesophageal ischaemia: an uncommon cause of chest pain
Ayodele Sasegbon et al., BMJ Case Reports, doi: 10.1136/bcr-2017-221274; 2017

29 Wertungen (4.21 ø)
Bildquelle: Carla216, flickr / Lizenz: CC BY

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7 Kommentare:

Gast
Gast

interessant

#7 |
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Gast
Gast

@3+4: Als jemand der in einer Klinik im Einzugsgebiet mehrerer psychiatrischer Einrichtungen tätig ist muss ich ihnen zustimmen und widersprechen. Wir behandeln regelmäßig psychisch kranke Patienten und die Zusammenarbeit klappt wunderbar. Ja, oft werden somatische Erkrankungen bei psychisch kranken Patienten später erkannt oder gar übersehen. Einer der Hauptgründe liegt hier häufig in der erschwerten Anamnese. Das kann sowohl Psychiatern als auch Internisten zum Verhängnis werden wenn ein Herzinfarktpatient auf die Frage was ihm fehlt lediglich antwortet „innere Unruhe und ein Kloß im Hals“. Hier kam es auch schon vor dass der Psychiater Tavor verordnete anstatt ein EKG zu schreiben. Oder dass ein von einem Psychiater lange wegen „Depressionen“ behandelter Patient in der Klinik plötzlich mit extrem erhöhten TSH-Werten auffiel. Dass Nicht-Psychiater grundsätzlich davon ausgehen dass psychisch kranke Menschen immer organisch gesund sind ist -mit Verlaub- Blödsinn.

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Gast
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@#4
stimme als psychisch Kranke aus vollem Herzen zu.

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Gast
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Die verfasserin des beitrags nr 3 ist seit 25 jahren psychiaterin.

Ganz schlecht erwischt es übrigens vorbekannt psychisch kranke pat, die bekommen noch nicht mal eine gastro oder coro, man guckt denen beim verhungern oder beim myocardinfarkt zu,

weil, wie jeder weiss,

psychiatrische patienten NIEMALS somatische erkrankungen haben.

Ein bekanntenweise psychiatrischer patient ist IMMER eingebildet krank!

Grundregel, die alle ärzte aller fachrichtungen im schlaf anwenden!

Herr, lass hirn regnen!

Die statistik spricht dagegen!

Zb sind depression und khk sogar genetisch zusammen codiert, depression ERHÖHT das risiko für khk erheblich, aber was kümmern den kollegen im feld die erkenntnisse der psychocardiologie!

Herzliche grüsse, ihre kollegin aus der psychiatrie

#4 |
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Gast
Gast

Im aip in 1992 hab ich gelernt: vernichtungsschmerz bei oesophagitis. Daher DIE differentialdiagnose zum akuten koronaren geschehen. ICU, mi ausschluss, gastro.

Das weiss aber niemand!

In der praxis werden oesophagitispatienten regelhaft als hypochonder/herzneurotiker abgestempelt, noch bevor sie durch die tür des ambulanzzimmers der inneren oder beim niedergelassenen durch sind. Z b die angehörigen sind schuld, es bestehen konflikte, deswegen erbricht die patientin (85 jahre alt) immer, wenn besuch kommt. Sie erbricht zwar jeden einzelnen schluck zu jeder uhrzeit, aber egal.

Sehr gerne tun sich internisten als selfmade-psychiater nach schnellstudium am küchentisch mit diesen spontandg unangenehm hervor.
So berichtet immer wieder gehört.

Ich habe das als kollegin leider auch selbst erlebt. Akute oesophagitis unter laufenden ppi. Bin vier monate mit schmerzen rumgelaufen, die mich irgendwann nur noch an suizid denken liessen. Irgendwann hab ich den gasteoenterologen gewechselt, erneute gastro, ppi wechsel, problem gelöst.

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Ärztin
Ärztin

Ein schöner Bericht, aber der Vollständigkeit halber hätte man ihn noch mit ein paar zusätzlichen Informationen zur AEN würzen können. Das erhöht den Lerneffekt.

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Gast
Gast

Und siehe da, die Big Five des Thoraxschmerzes weist hier zumindest die anatomische Richtung, Stichwort Boerhaave-Syndrom.

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