Zink gegen Speiseröhrenkrebs

19. Oktober 2017

Patienten mit einem Ösophaguskarzinom haben oft einen ausgeprägten Zinkmangel. Nun haben amerikanische Molekularbiologen den zugrunde liegenden Mechanismus aufgedeckt. Das könnte die Präventions- und Therapiemaßnahmen bei Speiseröhrenkrebs revolutionieren.

In Deutschland erkranken jährlich rund 3.900 Männer und 1.050 Frauen an einem Ösophaguskarzinom. Damit gilt diese Krebserkankung als relativ selten. Zwar haben sich seit den 1980er Jahren die Überlebenschancen verbessert, die Prognose ist jedoch nach wie vor ungünstig: Damals lag die 5-Jahres-Überlebensrate bei unter 10 Prozent, heute werden Werte um etwa 20 Prozent erreicht.

Als wesentliche Risikofaktoren kommen Alkohol- und Zigarettenkonsum, insbesondere in Kombination, in Frage. Auch Ernährungsdefizite, die häufig mit starkem Alkoholkonsum auftreten, spielen eine Rolle.

Zinkmangel begünstigt Speiseröhrenkrebs

Ernährungsdefizite gelten schon lange als Auslöser für die Entwicklung verschiedener Krebserkrankungen. Die zugrundeliegenden Mechanismen sind aber oft unbekannt. So auch im Fall von Speiseröhrenkrebs: Der Zusammenhang zwischen Zinkmangel und einem Ösophaguskarzinom ist schon länger bekannt. Patienten, die an dieser Krankheit leiden, haben häufig einen zu niedrigen Zinkspiegel. Welche Rolle Zink genau bei Wachstum und Vermehrung dieser epithelialen Tumorzellen hat, konnte bisher aber nicht geklärt werden.

Zink blockiert Kaziumkanal

Molekularbiologen der Universität in Texas Airlington haben nun eine Studie veröffentlicht, die neue Erkenntnisse bringt. Dazu entnahmen sie Speiseröhrenkrebs-Patienten mit schlechter Prognose Tumorzellen sowie gesundes Gewebe der Speiseröhre. Sie fanden heraus, dass die Tumorzellen im Vergleich zu den gesunden Zellen eine besonders hohe Menge eines spezifischen Kalziumkanals (Orai1) aufweisen. Behandelten die Forscher die Zellen dieser Patienten in Kultur mit Zink, wuchsen und vermehrten sich die Tumorzellen nicht weiter. Interessanterweise hatte Zink dabei keinen Einfluss auf die gesunden Zellen der Speiseröhre.

Prof. Zui Pan, Hauptautorin der Studie, erklärt: „Zink blockiert die Kalziumkanäle, die in gesunden Zellen nicht vorkommen. Dadurch verhindert es spezifisch das Wachstum der Tumorzellen.“ Für ihre starke Proliferation seien die Tumorzellen auf einen erhöhten Kalziumein- beziehungsweise Ausstrom während der Zellteilung angewiesen. Zink führe vermutlich über die Blockierung der Kanäle dazu, dass der Zellzyklus unterbrochen wird.

Die Wissenschaftler erhoffen sich durch ihre Studie in Zukunft noch bessere Präventions- und Therapieoptionen für Speiseröhrenkrebs, die auf die Kalziumkanal-Zink-Interaktion abzielen. Eine generelle Empfehlung für Zink-Supplementationen sprach Pan aber nicht aus. Die Wirksamkeit, auch in Hinblick auf andere Krebserkrankungen, müsse in klinischen Studien weiter untersucht werden.

 

Quelle:

33 Wertungen (4.79 ø)

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12 Kommentare:

Sixta Regier
Sixta Regier

Ahh! Endlich einen hilfreichen Beitrag zu diesem Thema gefunden! Vielen lieben Dank! :)

[Kommentar wurde von der Redaktion gekürzt]

#12 |
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Gast
Gast

Höchst interessant!
Werde weiter nachforschen.

#11 |
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Gast
Gast

Daumen hoch für den Artikel. Es wäre wirklich wünschenswert, wenn bei vielen Beschwerden das Augenmerk im Rahmen der Diagnostik auch auf den Status der Vitamine und Spurenelemente gerichtet wäre. So könnte frühzeitig größerer Schaden verhindert werden.

#10 |
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Gast
Gast

zu # 8:die haben damit zu tun,dass unsere Lebensumstände und Ernährung nicht mehr in Ordnung sind.Und dort womöglich die Ursachen zu finden sind.

#9 |
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Gast
Gast

Hier wird wohl nur um des Kommentierens willen kommentiert – was haben all diese Bemerkungen mit dem Artikel zu tun???

#8 |
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Gast
Gast

Hallo Anja und Gast #6: sehr naive Einstellung – Unkraut wächst auch auf ausgelaugten Böden – guten Appetit und ein langes Leben ohne Zivilisationskrankheiten, trotz fast food und Mineralstoffmangel

#7 |
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Gast
Gast

Das mit den Äpfeln und dem Boden ist Blödsinn. Da müßte jemand zentnerweise behandeltes Obst und Gemüse zu sich nehmen, um irgendwie riskante Konzentrationen zu erreichen.

#6 |
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Gast
Gast

nicht nur Zink, auch Progesteron, Selen,
by the way —eine “neue” erfolgreiche Therapieoption ist die PDT.
Photodynamische Therapie mit dem Farbstoff CHLORIN e6 u.Laser

#5 |
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Gast
Gast

Hallo Anja, selbstverständlich ist die Aussage von Gast #1 zutreffend. Auf einem insuffizienten Boden wachsen nur insuffiziente Pflanzen. Insuffizienz heißt ja nicht tot. Insuffiziens ist hier krank, schlecht gereift, uvollkommen in der Bestimmung sich gesund fortzupflanzen oder als gute Nahrung anderen Lebewesen zu dienen. Das unsere Anbaumaßnahmen von Lebensmitteln falsch sind und zu insuffizienten Böden und der Reduktion von Leben insgesamt beitragen sieht man am besten an der Nachricht, die jetzt durch die Medien geht, daß 75%!!!! der heimischen Insekten seit 1989 verschwunden sind.

#4 |
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Gast
Gast

Hilfreich wäre der Hinweis, dass sich der Artikel auf das Plattenepitheca. und nicht auf das Adenoca. (z.B.) Barrett bezieht. Im übrigen wird es sich in der Klinik dann wie bei allen diesen Substitutionen herausstellen: s. Vitamin A, beta Karotin usw.

#3 |
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Anja
Anja

Hmm wenn der Boden insuffizient wäre, würde auf ihm doch gar nichts mehr wachsen?

#2 |
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Gast
Gast

Umweltgifte, Glyphosat Quecksilber schon mal darüber nachgedacht?jeder Apfel aus Südtirol hat 30 Spritzungen hinter sich bis er halbreif geerntet im Supermarkt auf die Dummen wartet, die glauben, das sei für den Menschen und die Umwelt kein Problem. Defizite entstehen durch massiven Verbrauch und ungenügenden Nachschub. Ausglaugte Böden ergeben insuffiziente Pflanzen, was die Inhaltsstoffe angeht.

#1 |
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