Reflux-OPs: Patienten bleiben sauer

19. Oktober 2017
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Bei der Behandlung der Refluxkrankheit mit Protonenpumpenhemmern (PPI) kann es zu zahlreichen Nebenwirkungen kommen. Sind laparoskopische Antirefluxoperationen die bessere Wahl? Neue Forschungsdaten zeigen: Fast jeder fünfte Patient berichtet postoperativ von Rezidiven.

Jeder vierte Deutsche hat mehr oder minder regelmäßig mit Sodbrennen zu kämpfen. Treten die Symptome regelmäßig auf, handelt es sich um eine Refluxkrankheit. Protonenpumpenhemmer (PPI) sind zwar die Mittel der Wahl. Aufgrund zahlreicher Nebenwirkungen der Arzneistoffe, etwa Frakturen oder Infektionen, sind OPs wieder stark im Gespräch.

OP nur in Ausnahmefällen indiziert

„Der Therapieerfolg einer adäquaten und konsequent durchgeführten PPI-Therapie ist vergleichbar mit dem einer laparoskopischen Fundoplikatio“, heißt es in der Leitlinie zur gastroösophagealen Refluxkrankkheit. Bei den typischen Beschwerden und unbekanntem Endoskopie-Befund sollten vier Wochen lang PPI in der Standarddosis eingesetzt werden. Dazu gehören Esomeprazol 40 mg, Lansoprazol 30 mg, Omeprazol 20 mg, Pantoprazol 40 mg oder Rabeprazol 20 mg. Anschließend verordnen Ärzte die Pharmaka in der halben Standarddosis. „Eine Antirefluxoperation sollte nur dann durchgeführt werden, wenn ein langfristiger Therapiebedarf besteht“, schreiben die Leitlinienautoren weiter.

Postoperativ 17,7 Prozent Rezidive

Neue Forschungsdaten zeigen, dass die Rezidivrate bei laparoskopische Antirefluxoperation höher ist als bislang angenommen. John Maret-Ouda vom Karolinska-Institut in Stockholm untersuchte eine Kohorte mit 2.655 Patienten, die zwischen 2005 und 2014 operiert wurden. Innerhalb von median 5,6 Jahren berichteten 17,7 Prozent erneut von Refluxsymptomen. Als Risikofaktoren identifizierte Maret-Ouda ein höheres Alter über 61 Jahren und Vorerkrankungen generell. Frauen waren in seiner Kohorte häufiger von Rezidiven betroffen als Männer.

Chirurgische Expertise nicht der entscheidende Faktor

Ob es zu Rezidiven kommt, scheint weniger von der chirurgische Expertise abhängig zu sein als bislang angenommen. Während Maret-Ouda Querschnittsdaten aus der Praxis ohne weitere Selektion analysiert hat, wertete Jean-Paul Galmiche von der Nantes University europaweit Aufzeichnungen fachlich führender Kliniken mit hohen Fallzahlen aus. Für seine randomisierte Studie rekrutierte er 554 Patienten mit chronischen Refluxbeschwerden. Von ihnen erhielten 266 Esomeprazol (20 bis 40 mg/Tag), und weitere 248 unterzogen sich laparoskopischen Eingriffen. Einige Patienten brachen die Teilnahme vor der Intervention ab.

Nach fünf Jahren lag die Remissionsrate bei 92 Prozent (PPI) versus 85 Prozent (OP). Trotz erfahrener Kollegen waren Rezidive nach chirurgischen Eingriffen ähnlich häufig wie in Maret-Oudas Arbeit. Als Erklärung sieht Galmiche vor allem Bindegewebeschwächen, die chirurgisch gute Arbeit gelegentlich zu Nichte machen würden.

16 Wertungen (4.81 ø)
Bildquelle: Michael Nugent, flickr / Lizenz: CC BY-SA

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4 Kommentare:

Hebamme Birgit B.
Hebamme Birgit B.

P.S.: wahrscheinlich muss ich die genaue Anwendung auch noch erklären…..die trockenen Haferflocken einfach nur kauen, gut einspeicheln und runterschlucken!
Und Ruhe ist, nix brennt mehr, Feuer im Hals gelöscht!
Hab sogar erlebt, dass nach einiger Zeit das Sodbrennen völlig “von selbst” verschwunden war.

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Hebamme Birgit B.
Hebamme Birgit B.

Bin keine “Fachfrau” in diesem Krankheitsbild, habe aber trotzdem selbst (während einer Langzeit-chemotherapie) und beruflich als auch im Bekanntenkreis mit einigen Menschen zu tun, die unter diesem Übel zu leiden haben bzw. hatten.
Ich hab das Omeprazol nur kurze Zeit eingenommen, war hilfreich, aber genauso wirksam (und völlig ohne Nebenwirkungen!) war meine Selbstbehandlung !
Und zwar besteht die aus 2 Esslöffeln trockener Kölln-Haferflocken (oder anderer Herstellung).
Hilft wirklich sofort, auf der Stelle, und hat auch schleimhautberuhigende und -heilende Wirkung!
Es muss nicht immer Chemie sein!
Und vor allem: kostet fast nix, hilft IMMER, kann durchaus täglich und routinemäßig angewandt werden und hat ganz sicher keine (mir bisher bekannten) Nebenwirkungen, auch nicht bei Schwangeren, gezeigt!

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Karin Machner Heilpraktikerin und Schmerztherapeutin L&B
Karin Machner Heilpraktikerin und Schmerztherapeutin L&B

Langfristige Gabe von Protonenhemmern führt zur Übersäuerung daher Ernährungsumstellung
und das Zwechfell dehnen um den Engpass um Speise- und Luftröhre zu öffnen.
Sehr gute Erfolge habe ich mit den Schmerzfreiübungen nach Liebscher Bracht.
http://www.physio-machner.de

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Gast
Gast

Also alles nicht das “Gelbe vom Ei”. Und was sagt uns das? Ernährungsumstellung, Psychotherapie oder wie kann dem Patienten am besten geholfen werden?

#1 |
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