Ironman: Kraulen bis zum Herzstillstand

13. Oktober 2017
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Am 14. Oktober treffen auf Hawaii die besten Triathleten der Welt aufeinander. Ärzte befürchten, dass es wieder zu kardialen Ereignissen kommen wird. Sie erklären dies mit unentdeckten Grunderkrankungen, aber auch mit der hohen Belastung während des Wettbewerbs.

Beim Ironman müssen Sportler 3,86 Kilometer im Meer schwimmen, 180,2 Kilometer mit dem Fahrrad zurücklegen und 42,195 Kilometer laufen. Sportliche Extremsituationen fordern immer wieder Todesopfer. Zuletzt starb ein Läufer beim Köln-Marathon am 1. Oktober. Auch der Ironman Austria endete für einen Teilnehmer fatal. Er wurde bewusstlos, stürzte vom Fahrrad und erlag wenig später seinen Verletzungen. Jetzt haben sich Forscher intensiv mit den Gefahren befasst und Patientenregister ausgewertet.

Schwimmer besonders gefährdet

Der Kardiologe Kevin M. Harris vom Minneapolis Heart Institute hat Daten zu 135 Fällen mit Herzstillstand, plötzlichem Herztod und Todesfällen durch Traumata ausgewertet. Dabei handelt es sich um Teilnehmer von Triathlon-Wettbewerben von 1985 bis 2016. Meistens handelte es sich um Männer (85 Prozent). Das mittlere Alter lag bei 46,7 Jahren. Mit zunehmendem Alter steige auch das Risiko, schreibt Harris. Bei 61 Personen lagen Autopsie-Befunde vor. Besonders häufig (44 Prozent) seien kardiovaskuläre Anomalien, konstatiert der Wissenschaftler.

Die meisten Ereignisse traten beim Schwimmen (n=90), seltener beim Fahrradfahren (n=7) oder beim Laufen (n=15) auf. Erklärungen dieses Effekts sind bei der retrospektiven Datenauswertung nicht möglich. Harris und Kollegen diskutieren aber verschiedene Hypothesen: Sie halten eine Freisetzung von Katecholaminen zu Beginn des Wettkampfes für plausibel. Der Ironman und ähnliche Veranstaltungen beginnen mit der Disziplin Schwimmen. Offene Gewässer mit Wellengang oder niedrige Temperaturen belasten den Körper ebenfalls. Und nicht zuletzt kommt es durch Kollisionen der Teilnehmer immer wieder zu Unfällen.

Was sollten Ärzte Sportlern raten?

Für den plötzlichen Herztod oder Herzstillstand gibt es in Deutschland seit 2012 ein Register. Die Gesamtinzidenz liegt bei 1,2 bis 1,5 Ereignissen pro Million Einwohner und pro Jahr. Es handelt sich größtenteils um Männer.

Bei jüngeren Patienten bis 35 war häufig eine Myokarditis Auslöser des kardialen Ereignisses. Ältere Personen litten eher an Erkrankungen der Koronararterien. Häufig hatten die Betroffenen keine Ahnung von ihrer Grunderkrankung. Kardiologen geben Sportlern deshalb einige Tipps mit auf den Weg:

  • Sportler sollten sich regelmäßig vom Kardiologen untersuchen lassen.
  • Bei Beschwerden sofort das Training abbrechen und den Arzt kontaktieren. Weit bevor es zum Herzstillstand kam, hatten etliche Personen Thoraxschmerzen. Das geht aus Kohortenstudien hervor.
  • Bei grippalen oder gastrointestinalen Infekten mindestens drei Wochen pausieren.
  • Gab es in der Familie bereits kardiale Ereignisse unklarer Ursache, sollten Tests durchgeführt werden, um genetisch bedingte primäre Kardiomyopathien zu erkennen.
  • Leistungssteigernde Mittel sind auch bei Hobbyathleten tabu.

Und nicht ohne Grund nimmt Harris Organisatoren in die Pflicht, Wettkämpfe sicherer zu machen. Wichtig seien ausreichend viele Helfer vor Ort, aber auch gut erreichbare Kliniken im Wettkampfgebiet.

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Bildquelle: Johann Schwarz, flickr / Lizenz: CC BY-SA
Kardiologie, Medizin

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6 Kommentare:

Manfred L. DIETWALD, Apotheker
Manfred L. DIETWALD, Apotheker

Extremsport hat sich seit Marathon stark differenziert und wird bei wachsender Weltbevölkerung das Babyalter, die Tefe der Erde und das Planetensystem benötigen, um beim Streben nach Wahnsinn im Namen der Forschung mitzuhalten, anstatt die Ernährung, das Wasser und die Behausung zu regeln.

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Histo-korrig.
Histo-korrig.

ad 6) Dieser Mensch ist wissenschaftlich nicht belegt, sondern viel später als Marathonläufer so und anders von Euklid benannt.

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Gast
Gast

das Phänomen ist seit dem Lauf des Pheidippides bekannt.

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Best-auner
Best-auner

ad 3) Anonym wird man nie anerkannter Extremsportler.

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Manfred L. DIETWALD, Apotheker
Manfred L. DIETWALD, Apotheker

Extremsport ist vergeudete Lebenszeit, unter der auch Mitmenschen leiden müssen. Nichts gegen Ausgleichsport oder -gymnastik und vernünftige Ernährung. Wieviele Extremsportler werden über 100 Jahre alt? Wer 80 wird, hat meist schon mehrmals den Tod vor Augen gehabt. Hat ihn dann sein ursprünglicher Sport geholfen, ausser bei der Rekonvaleszenz?

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Dr. med. Claus Christians
Dr. med. Claus Christians

Als Kinderkardiologe und derzeit weniger aktiver Triathlet finde ich den Titel wie so oft doch sehr reisserisch gewählt. Neue Erkenntnisse werden nicht geliefert. Die sportliche Betätigung ist nicht die Ursache, sondern der Auslöser bei einer nicht erkannten Erkrankung. O. g. Überschriften unterstützen Ignoranten mit Aussagen wie: ” Sport ist Mord”
Fakt ist, jeder Mensch mit ernsthaften sportlichen Ambititonen sollte sich eines intensiven Checks unterziehen. Dann ist Sport in der Regel nur gesundheitsfördernt (Lesitungsport ausgenommen). Sein Risiko für solche Ereignisse kann jeder Laie mittels “PAPS-Test” im Netz abfragen.
Gerade in meinem Fach fällt mir aber immer wieder auf wieviele Jugendliche Trainigsumfänge wie Profis absolvieren, und erst bei Beschwerden zum ersten Mal einen Kinderkardiologen oder Sportmediziner aufsuchen. Das muss in die Köpfe der Trainer und ambitionierten Eltern, wenn jemand so intensiv Sport betreibt, gehört er vorher ordentlich untersucht. Auch dann werden solche Ereignisse auftreten aber hoffentlich deutlich seltener.

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