Berufsflucht: Kein Bock auf Physio

17. Oktober 2017

Mangelnde Aufstiegschancen und unfaire Bezahlung führen dazu, dass immer mehr Physio-, Ergotherapeuten und Logopäden ihren Arbeitsplatz verlassen. Die Folge ist ein stetig steigender Fachkräftemangel. Eine Studie hat nun die Zahlen zur Arbeitszufriedenheit ermittelt.

Deutschland droht in den kommenden Jahren ein gewaltiger Mangel an Fachkräften im Gesundheitswesen. Die Hochschule Fresenius in Idstein hat in der Studie „Ich bin dann mal weg“ alarmierende Zahlen zum Fachkräftemarkt und zur Arbeitszufriedenheit von Physiotherapeuten, Logopäden und Ergotherapeuten ermittelt.

Von rund 1.000 Therapeuten, die an der Erhebung teilnahmen, ist jeder vierte schon jetzt aus seinem Beruf ausgestiegen. Fast die Hälfte denkt darüber nach. Nur knapp jeder dritte befragte Therapeut will aktuell auf jeden Fall in seinem Beruf weiterarbeiten. Besonders kritisch ist die Situation bei den Physiotherapeuten und Logopäden.

Abgänge mehr als ernüchternd

Die Gründe für den Ausstieg sind überwiegend zu geringe Verdienstmöglichkeiten und mangelnde berufliche Perspektiven. Vorgestellt wurden die Ergebnisse von den Studierenden des Masterstudiengangs Therapiewissenschaften im Rahmen eines Symposiums.

„Angesichts der Tatsache, dass wir schon allein aufgrund der demografischen Entwicklung deutlich mehr Menschen in den Gesundheitsberufen brauchen, sind die Zahlen zur schon vollzogenen Berufsflucht, insbesondere aber die zu den drohenden Abgängen mehr als ernüchternd“, sagt Dr. Sabine Hammer, Dekanin des Studiengangs. „Gerade gesetzlich Versicherte könnten in Zukunft länger auf einen Termin warten müssen: Rund 13 Prozent unserer jetzigen Aussteiger wollen nicht mehr mit den gesetzlichen Krankenkassen abrechnen.“

Weitere gut 20 Prozent sind so genannte Vollaussteiger, die die Sparte komplett wechseln, zwei Drittel bezeichnet die Hochschule als Weiterentwickler, weil sie in Forschung und Lehre abwandern.

Finanzielle Wertschätzung fehlt

Welche Gründe sind für den Berufsausstieg ausschlaggebend – beziehungsweise ursächlich dafür, dass sich jemand mit dem Ausstieg beschäftigt? „Die Unterschiede zwischen denen, die schon weg sind und denen, die darüber nachdenken, sind nicht so groß“, erläutert Hammer.

„Die Hauptrolle spielen finanzielle Erwägungen.“ Dabei geht es aber nicht allein um die pauschale Aussage „zu wenig Geld zu verdienen“, sondern um das empfundene Ungleichverhältnis zwischen dem Arbeitslohn und der geleisteten Arbeit beziehungsweise den gestiegenen Lebenshaltungskosten.

„Im ersten Fall sprechen wir auch über das Thema Wertschätzung, im zweiten über geänderte Verhältnisse: In den Gesundheitsberufen spielt oft bei den Berufseinsteigern der Verdienst noch keine so große Rolle. Das wandelt sich mit der Zeit, wenn etwa der Wunsch nach Familie und Eigenheim stärker wird und das Geld dafür nicht reicht“, so Hammer. Viele denken aber auch schon an die zu erwartenden Rentenleistungen.

Kaum Aufstiegschancen

Weitere Aspekte, sich mit einem Berufsausstieg zu beschäftigen, sind mangelnde berufliche Perspektiven und eine zu geringe Lobby. „Diese schlägt sich laut unseren Befragten in den geringen politischen Einflussmöglichkeiten der Berufsgruppe nieder“, sagt Hammer.

Bei der Betrachtung der einzelnen Berufsgruppen fällt auf, dass die Zahlen der Aussteiger noch nah beieinander liegen. Bei den Ergotherapeuten sind es 21 Prozent, bei den Logopäden 24 und bei den Physiotherapeuten 25 Prozent.

Erhebliche Abweichungen gibt es aber bei denjenigen, die aktuell über einen Ausstieg nachdenken. Bei den Ergotherapeuten machen sich laut eigenen Angaben 38 Prozent darüber Gedanken, bei den Logopäden und Physiotherapeuten hingegen schon 50 beziehungsweise 51 Prozent.

Wie lässt sich die Berufsflucht stoppen oder zumindest eindämmen und damit auch das Risiko für die Gesundheitsversorgung der Zukunft minimieren? Antworten auf diese Fragen waren Bestandteil der Diskussionen und der Workshops im Rahmen des Symposiums, in denen Lösungsansätze konstruktiv besprochen wurden.

Politik: Angst vor Entscheidungen

Prof. Dr. Volker Maihack, ehemaliger Bundesgeschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Sprachheilpädagogik und Ehrenvorsitzender des Deutschen Bundesverbandes der akademischen Sprachtherapeuten, brachte das in seinem Gastvortrag auf den Punkt: „An der Situation lässt sich nur etwas verändern, wenn die Akademisierung in den Berufsgesetzen festgeschrieben wird. Die jüngste Entscheidung der Politik, die Modellklausel in den Gesundheitsstudiengängen zu verlängern, hat nichts mit weiterer Evaluation zu tun, sondern mit Angst vor Entscheidungen. Wir brauchen außerdem eine nicht nur übergangsweise, sondern dauerhafte Abkopplung von der Grundlohnsummenanbindung und den Direktzugang der Patienten zu den Therapieberufen.“

Einigkeit herrschte unter den Diskussionsteilnehmern auch hinsichtlich der Forderung eines Mitspracherechts für Physio- und Ergotherapeuten sowie Logopäden im Gemeinsamen Bundesausschuss, dem bisher Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen angehören. „Und die Diskussion über die Einrichtung von Therapeutenkammern – analog zu den Ärztekammern – muss endlich Fahrt aufnehmen“, so Prof. Dr. Maihack.

 

Der Text basiert auf einer Pressemitteilung der Hochschule Fresenius.

34 Wertungen (4.62 ø)

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30 Kommentare:

Physiotherapeutin Ramona Ryssel
Physiotherapeutin Ramona Ryssel

Ich bin seit 20 Jahren Physiotherapeutin, seit 10 Jahren selbständig in eigener Praxis. Fortbildungen wie manuelle Therapie, CMD, Atlastherapie… bis hin zur Osteopathie habe ich alle abgeschlossen, die Bezahlung bleibt die gleiche. Eine Akademisierung, ein direkter Zugang und eine Bezahlung nach Fortbildungen und Weiterbildungen würde ich begrüßen. Es wird kein Unterschied gemacht, ob ich 20 Fortbildungen gemacht habe oder 1, ob ich 20-Minuten Rhythmus arbeite oder 25- Minuten, ob ich mich um Problem der Patienten kümmere oder einfach ein Programm abspule. Wer meint mit Übungsanleitung würden Schmerzt hilfreich gelindert, der sollte sich zu Turnvater Jan gesellen, für mich bedeutet Physiotherapie eine ganzheitliche Sicht auf den Körper und die finde ich nicht auf dem ausgestellten Rezept, das Bild muss ich mir selber machen, auch, wenn ich es nicht darf und nicht bezahlt bekomme.

#30 |
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Gast
Gast

Die ständige Überforderung im Beruf, mangelnde Wertschätzung und Diskrepanz zwischen Nettoverdienst und Arbeitsbelastung gilt für viele Berufszweige. Allen Berufen im sozialen Bereich ist gemeinsam, dass die Arbeit mit Menschen keine Lobby besitzt. Hier ist die Politik gefordert, die eine völlig falsche Steuerpolitik betreibt.

#29 |
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Gast R.
Gast R.

Wem nutzt eine Akademisierung wirklich? Deswegen haben wir nicht unbedingt bessere Physios/Ergos/Logos. Jeder möchte therapeutisch gut behandelt werden, wenn man sich aber gute Fortbildungen nicht leisten kann, weil man nicht entsprechend bezahlt wird, braucht man sich auch nicht wundern, wenn Therapeuten wenig Engagement zeigen und es sich einfach machen. Als Physiotherapeutin weiß ich, wovon ich rede. Die Bezahlung lässt wirklich zu wünschen übrig.

#28 |
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Gudrun Falkenberg
Gudrun Falkenberg

#22: Da wären wir genau da, wo wir NICHT hinwollen: Dass die Therapie von Hilfskräften ausgeführt wird. Die KK bezahlen, und das finde ich absolut korrekt und wichtig, nur die von einem staatlich geprüften Logo/Ergo/Physio selbst durchgeführten Therapien. Alles Andere wäre falsch! Ich kann Eltern zwar anleiten und bitten, die Therapie zu unterstützen, bezahlte Therapien führe ich immer selbst durch.
Da könnte man mal schnell die Putzfrau anleiten…. nicht weiter denken….

#27 |
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Gudrun Falkenberg
Gudrun Falkenberg

#24: Welche Vorteile hätte der Direktzugang der Logopäden für die Beteiligten?

– Sie, die Ärzte, könnten alles was mit Sprache und Sprechen, Stimme und Schlucken zu tun hat, uns Logopäden, den Spezialisten dafür, überlassen.
– Keine nervigen Therapeuten zwischendurch am Tresen, die irgendwelche Kreuzchen, die falsch gesetzt sind, ändern lassen müssen, da sie ansonsten Gefahr laufen, die gesamte VO nicht bezahlt zu bekommen.
– Keine Regressandrohungen für Sie als Ärzte, da Sie keine Richtgrößen mehr beachten müssen.
– Wir Logopäden haben genau diese Klinkenputzerei nicht mehr, die verbunden ist mit Fahrerei, Lauferei, Zeit, oftmals Bettelei im Sinne einer guten Therapie (ja wirklich).
– Der Patient hätte schneller Zugang zu einer Therapie.
– Eine Abrechnungsposition für Befunderhebung haben wir Logopäden seit -zig Jahren. Das müssten Sie nicht auch noch machen, da ergäben sich Ressourcen für andere Arbeiten und auch für die KK, die eine doppelte Befunderhebung nicht mehr bezahlen müssten.
– Keinem Patienten wird der Zugang zu einer Therapie verwehrt, weil es eventuell die Richtgrößen nicht hergeben.
– Wenn bei unserer ausführlichen Befunderhebung der Verdacht entsteht, dass das Kind schlecht hört, schicken wir parallel zum HNO-Arzt. Ein Kind, das uns nicht hört, hat keine Therapieerfolge, das wissen wir und sind seit jeher lieber vorsichtig.
– Das Kind erhält genau die Therapie (Anzahl der Sitzungen insgesamt, Anzahl der Sitzungen pro Woche, Therapiedauer pro Einheit), die es benötigt.
– Die Logopädin/der Logopäde führt genau die Therapie (Inhalte) durch, die sie/er auch als von den Ärzten Abhängiger durchführt. Für das Kind ändert sich inhaltlich NICHTS.

–> Vorteile für alle.

Dass wir dann wahrscheinlich Richtgrößen/Begrenzungen auferlegt bekommen, ist mir klar. Aber es ist dann unsere Sache, wie wir damit umgehen. Es werden mit Sicherheit keine “Zahlen in die Höhe schnellen”.

#26 |
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Das sehe ich anders. Die sog. Heilhilfsberufe sollten gestärkt werden.

#25 |
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Orthopäde
Orthopäde

Ich denke, die Aufhebung des Überweisungsvorbehalts wäre ein Fehler. Die zentrale und regulierende Rolle des Arztes muss künftig eher noch gestärkt werden. Man sieht es bei den Psychotherapeuten: Seit dort ein arztunabhängiger Direktzugang möglich ist, geht alles drunter und drüber und die Zahlenschnellen in die Höhe.

#24 |
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Heilpraktikerin

Mein Lebensgefährte ist Physiotherapeut. Niederländer, hat dort studiert, promoviert und kam vor über 30 Jahren nach Deutschland. Eigene Praxis, die gut läuft, Mitarbeiter. So weit, so gut (?) – die wertschätzende Entlohnung ist natürlich auch Thema.
In den meisten Fällen klappt die Zusammenarbeit mit überweisenden Ärzten gut. Meist wird die Kompetenz geschätzt, auch findet gleichberechtigter gegenseitiger Dialog statt.
Es gibt aber auch Situationen, da bleibt nur baffes Erstaunen. Anruf von ihm bei einem Orthopäden, der eine Verordnung ausstellte, die nicht zu den Beschwerden des Patienten passte. Antwort der Arztmitarbeiterin: Herr Dr. XXXX spricht nicht mit Physiotherapeuten”….
Aha!
Es wird Zeit, dass es endlich freien Zugang für Patienten zu Physio-, Psycho-, Ergotherapeuten und Logopäden gibt.
Keine Angst, werte Vertreter der KV, der “Ansturm” wird übersichtlich bleiben. Schließlich haben schon so viele Therapeuten hingeschmissen, dass die Kapazitäten endlich sind!

#23 |
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Dr. med. Antje Pauly
Dr. med. Antje Pauly

Ergotherapie bei Kindern zur Förderung der Feinmotorik, Krankengymnastik bei eingeschränkter Mobilität, und bei vielen anderen Therapien ist 2x pro Woche viel zu wenig, aber es muss auch nicht jede Stunde ein anderer Therapieablauf stattfinden. ErzieherInnen, AlltagsbegleiterInnen und Angehörige auf den einzelnen Patienten bezogen schulen und anleiten, Therapie überwachen und anpassen , aber nicht bei jeder Übung selbst daneben sitzen, dass wäre die Aufgabe einer akademisch ausgebildeten TherapeutIn und könnte auch besser bezahlt werden, auf Grund der größeren Effektivität.-

#22 |
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Gast
Gast

Es gibt leider keine Lobby für die Heilhilfsberufe, die stark genug wäre, sich dagegen zur Wehr zu setzen. Die Kinderärzte in Polen streiken zur Zeit, weil sie auch viel zu wenig verdienen. Krankenpfleger hier in Essen streiken. Aber hat es je einen Therapeutenstreik gegeben? Die Verbände sind zerstritten, statt sich gemeinsam einzusetzten und zu kämpfen. Es muß endlich einen Dachverband für alle Therapeutengruppen geben, sonst laufen diese Diskussionen, die übrigens schon seit Jahren regelmäßig geführt werden, stets ins Leere.

#21 |
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Gast
Gast

Ich bin erleichtert dass die Massenflucht aus dem erlernten Beruf im Gesundheitswesen nicht nur PTAs betrifft. Das Gesundheitswesen steht kurz vor dem Kollaps. Heute stehen wir am Abgrund, morgen sind wir einen Schritt weiter.
Eine praktikable Lösung scheint vorerst nicht in Sicht zu sein.

#20 |
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Dipl. Sozialökonom Olaf Steinke
Dipl. Sozialökonom Olaf Steinke

Die Bürokratie schlägt immer mehr um sich. Wer sich für den Beruf z.B. einer/s PhysiotherapeutIn entscheidet, entscheidet sich nicht gerade für die Bürokratie. Leider geht ein großer Zeitanteil genau dafür drauf, ohne dass oftmals irgendein wirklicher Nutzen für irgendwen zu erkennen ist.

#19 |
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Ärztin
Ärztin

Da haben sie recht Herr Dr. Benda. Was mir jedoch nicht einleuchten will ist die Tatsache dass eine zunehmende vorsätzliche und offensichtliche Verschwendung und Veruntreuung unserer Beiträge durch die Krankenkassen einfach weiter geduldet wird.

#18 |
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Dr. med.univ. Helmut Benda
Dr. med.univ. Helmut Benda

Es ist schade, dass die Disskusion hier wiederum in der Forderung nach mehr Bürokratisierung endet. Eine neue Kammer, mehr Einfluß in der Politik … und im Grunde wird mangelde Wertschätzung beklagt. Sind wir noch eine Demokratie oder schon ein Feudalstaat ? Rechnet Fr. Merkel mit einer Grundlohnsummenanbindung ? Die Mittel sind jedenfalls nicht knapp, wenn für ein Mehrzweckkampfschiff Milliarden Euro bisher zu nichts als Plänen geführt haben (siehe Bundeshaushaltsausschuß). Alles hat seine Preis. Nur die Medizin muss billig sein. Wenn ich als all-inclusive-Tourist ein Menüs um 5 Euro/Tag vorgesetzt bekomme, was wird das dann für eine Qualität sein ?

#17 |
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Dr. med. Imanuel Neuwirth
Dr. med. Imanuel Neuwirth

#15 Wir wären nicht mehr “Fußvolk” und abhängig von der Gnade der Verordnung (die vielen Patienten leider oft aus nicht nachvollziehbaren Gründen verwehrt wird).

Warum wir Ärzte den Patienten Verordnungen verwehren?
Die einfache und ernüchternde Antwort heißt: Regress.

Könnt Ihr denn nicht irgendwas “iGeLn”? Wenn ich es als Orthopäde empfehle, wären die allermeisten Patienten sofort bereit etwas dazu zu bezahlen.
Mir ist aber nicht bekannt, dass es so etwas gibt (außer bei HPs). Warum nicht?

#16 |
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Gudrun Falkenberg
Gudrun Falkenberg

#13: Ja natürlich gibt es die Möglichkeit, und viele junge Kolleginnen und Kollegen ergreifen diese. Leider ist es schwierig für Leute im mittleren Alter, wenn man in Vollzeit arbeiten muss, weil man ja auch die Familie finanziell versorgen möchte.

Momentan hat ein Bachelor- oder Master-Titel für jemanden, der in einer Praxis arbeitet, Null Effekt. Die KK zahlen nicht einen Cent mehr, weil man einen Titel hat.

Ich weiß, es geht um die grundständige Akademisierung, die uns einen Direktzugang und vielleicht bessere Preise ermöglichen würde. Wir wären nicht mehr “Fußvolk” und abhängig von der Gnade der Verordnung (die vielen Patienten leider oft aus nicht nachvollziehbaren Gründen verwehrt wird). Wir wären endlich in Europa angekommen.

#15 |
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Gudrun Falkenberg
Gudrun Falkenberg

#7: Ja, da fehlt es oft am gegenseitigen Verstehen (nicht Verständnis). Aber wie soll das zustande kommen? Auf gemeinsamen Fortbildungen und Kongressen findet manchmal ein fachlich wertschätzender Austausch statt, wie z. B. jedes Jahr auf dem Phoniatrietag in Sachsen-Anhalt. Da werden wir Logopädinnen und Logopäden explizit eingeladen und es gibt Fachvorträge in übergreifenden Themen. Diese Wertschätzung genießen wir, da sind allerdings Politik und KK-Vorstände außen vor. Aber nur die können am System was ändern. Ich habe keine Lösung parat.

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Es gibt aber durchaus die Möglichkeit, auch nebenberuflich zu studieren.

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Physiotherapeut
Physiotherapeut

Die meisten werden nicht studieren. Berufsanfänger oder die jenigen die es werden wollen ist es empfehlenswert. Für unsere momentane Situation müssen konkrete Lösungsansätze eingebracht werden. Studium ist für die meisten im Beruf nicht möglich.

#12 |
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Logopädin Antje Wolf
Logopädin Antje Wolf

Sehr schöner Artikel.
Auch ich denke ans Aussteigen.
Als Honnorarkraft möchte ich nicht dauerhaft davon leben. Von den Kassensätzen gehen immerhin 29-25 Prozent an die abrechnende Partnerpraxis.
Für die Eröffnung einer eigenen Praxis fehlt das Geld. Selbstabrechnung ist uns, die ausschließlich Hausbesuche machen, nicht gestattet.
Und da ich selbst behindert bun, kann ich nicht Vollzeit meine Berufung ausüben, veddiene daher kaum mehr als Sozialhilfeempfänger.
Ein schöner Beruf, den ich auch bald aufgeben muss.

#11 |
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Auch die vor einigen Jahren gegründete Hochschule für Gesundheit in Bochum bietet interessante Studiengänge an.

#10 |
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Gast
Gast

Studium der Osteopathie ist wohl genau die falsche Richtung der Entwicklung für die Physiotherapie. Wir sollten doch zur evidenzbasierten Physiotherapie kommen und den internationalen Standard annehmen. Geschwurbel gibt es genug in unserer Branche.

#9 |
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Physiotherapeut
Physiotherapeut

Endlich erreicht das Thema unser gesamtes Medizinisches Umfeld.

Wie schön kommentiert gibt es genügend Geld im System, welches schlecht verteilt ist.

Ich selbst war am Anfang meiner Beruflichen Laufbahn sehr begeistert und hatte nur den Blick auf den Patienten und nicht auf die Zeit.
Ein richtiger Idealist ;)

Seitdem ich Familie habe, merke ich erst Recht wie wenig Geld man verdient mit einem sehr hohen zeitlichen – (psychischen) Aufwand.

Leider merke ich selbst, Seiden man sich mit dem System und seinem Berufsbild beschäftigt, man deutlich unzufriedener wird, da man viel mehr Hintergrundwissen hat. Vor allem in dem Betriebswirtschaftlichen Teil.

Die Therapien allein sind ja nicht anstrengend, nur der enge Zeittackt mit dem Wissen, dass man nicht angemessen Verdient, treibt einen im totaler Unzufriedenheit.

#8 |
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Ärztin
Ärztin

Vielen Dank für den Artikel und die Kommentare. Ich würde hier gerne mehr über unsere Kollegen der Physio-, Ergotherapie, Logopädie, aber auch Geburtshilfe und Krankenpflege lesen. In vielen Fällen schwingen wir Ärzte nur den Stift während die tatsächliche Therapie dann durch Euch erfolgt. Da braucht es definitiv mehr Aufmerksamkeit und Wertschätzung auch seitens der Politik.

#7 |
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Dr. med. Christine Aresin
Dr. med. Christine Aresin

In Mannheim gibt es jetzt die Hochschule für gesundheitsorientierte Wissenschaften (HGWR) um Ärzten und Physiotherapeuten das Studium der Osteopathie zu ermöglichen. Einfach mal googlen!

#6 |
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Ergotherapeutin

Vielen Dank für den Artikel, wichtige Worte, irgendwie scheint sich keiner “da oben” darüber zu sorgen, dass ihnen irgendwann die Trümmer der tragendenen Säulen des Gesundheitssystems um die Ohren fliegen.
Schlimm schon die Tatsache, dass meines Wissens nach Deutschland das einzige Land ist, dass die Gesundheitsberufe noch nicht akademisiert hat. Shame on us.
Ich selbst habe 2006-2009 eine Ausbildung als Ergotherapeutin absolviert, eine Weiterbildung (Kosten rund 4500 Euro) als Handtherapeutin angeschlossen. Da die Qualitätsstandards sowohl in meiner Grundausbildung als auch in der Weiterbildung meiner Ansicht nach nicht genügend in die Tiefe gehen – v.a das meines Erachtens so wichtige wissenschaftliche Arbeiten (um kritisch und eigenständig Studien für neue Interventionen zu lesen und zu hinterfragen) oft komplett fehlt – habe ich nun ein Vollzeitstudium an der ZHAW als Physiotherapeutin Bsc aufgenommen. Tatsächlich kostet mich das weniger als in Deutschland an einer privaten Hochschule berufsbegleitend meinen Bsc zu machen! Armes Deutschland

#5 |
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Gudrun Falkenberg
Gudrun Falkenberg

Ich arbeite in Sachsen-Anhalt als Logopädin in eigener Praxis. Die vdek-Kassen haben ab 01.10.17 die Vergütungen erhöht: Ich erhalte pro 45-min-Therapie jetzt 40,35 €, AOK und IKK 34,81 €. Das sind 45 Minuten im aktiven Patientenkontakt.

Ich arbeite immer störungsbild- und patientenzentriert, d. h., jeder bekommt seine eigene Therapie; keine zwei Störungsbilder sind gleich. Ich erkundige mich nach dem aktuellen Befinden des Patienten (ja, auch bei kleinen Kindern), richte das Niveau der Übungen darauf ein, ich versuche zu ermitteln, ob und wie der Patient häusliche Übungen durchgeführt hat und sichere das Niveau, mit dem ich beginne. Ich leite an, beobachte die Ausführung jedes einzelnen Therapieschrittes, gebe Über- oder Unterforderungshilfen, hole mir Feedbacks vom Patienten, ob für ihn die Übung zu schwer, genau richtig oder zu leicht ist, ändere das Setting, bin empathisch, freundlich; oft erfordert es die Situation auch mal lustig zu sein, erkläre, motiviere, tröste, baue auf, gebe am Ende Feedback, freue mich mit dem Patienten über das Erreichte, und lobe, lobe, lobe, mache Angehörigenberatung. Nach 45 min ein völlig anderes Störungsbild, und wieder ebenso viel Einsatz und Motivation. Das ganze 5 Therapien vor dem Mittag und mindestens 5 am Nachmittag, jeweils ohne Pause dazwischen. Am Abend Telefonate und Berichte, für die ich kein Honorar erhalte (“mit dem Preis ist alles abgegolten”). Fünf Tage die Woche. Hausbesuche fahre ich auch, die Fahrtzeit kommt noch drauf.

Ich vergleiche meine Tarife jetzt nicht mit allen möglichen Handwerkern, obwohl ich Beispiele hätte.

Die Fixkosten sind so hoch, dass ich es kaum schaffe, mir etwas für die Rente anzusparen.

Meine Praxis besteht seit fast 20 Jahren. Einen schweren Burnout habe ich bewältigt und ich kenne Kollegen, denen es ähnlich ergangen ist. Ich verstehe jeden, der aussteigen will. Es ist einfach ein Knochenjob, auch wenn ich keine schweren Sachen tragen muss.

Die KK schlagen sich an die Brust, wenn sie unsere Honorare um ein paar Cent erhöhen, dabei machen sie Milliarden Gewinn jedes Jahr. Also genug Geld wäre tatsächlich da, wie #2 schon betont hat. Eine gerechtere Bezahlung würde uns erlauben, nicht über unsere Kräfte zu arbeiten.

#4 |
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Ergotherapeutin

Vor zwei Jahren bin ich aus meinem Beruf als Ergotherapeutin ausgestiegen. 14000€ hatte die Ausbildung gekostet, ich zahle noch immer an einem KfW Kredit dafür. Ich hatte für durchschnittlich 1500 brutto 35 Stunden in der Woche gearbeitet, im Wechsel auf der Stroke, Praxis und Hausbesuche ohne Ende. Ausfallstunden wurden nicht bezahlt. Fortbildungen nur bezuschusst. Und das als alleinerziehende Mutter. Jetzt bin ich künstlerisch tätig und erlebe das erste Mal Wertschätzung meiner Arbeit – und dafür muss ich mir nicht 8x 45 Minuten Leid, Verbitterung und Ärger anhören und durch den Tag hetzen. Es wäre toll wenn sich endlich eine Perspektive für diese Berufsgruppe auftun würde!

#3 |
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Mitarbeiter Industrie

Tja – ohne Moos nix los…

Dabei wäre Geld genug im System, alleine die Verteilung funktioniert nicht richtig.

Mehr Geld für Zuwendung und weniger für Apparate wäre z. B. ein Ansatz.

Wir haben alleine im Großraum München mehr Computertomographen als in ganz Italien.

Vom Massensterben der Italiener aufgrund fehlender Geräte habe ich aber noch nix gehört…

#2 |
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HP Annette Uebach
HP Annette Uebach

Ich bin schon 2011 ausgestiegen. Die Gründe: fehlende Perspektiven, fehlende Anerkennung trotz akademischem Abschluss, schlechte Bezahlung, ständiger Ärger mit den Krankenkassen und Ärzten, Fachkräftemangel schon damals,…
Erst habe ich noch als HP gearbeitet. Inzwischen habe ich die Branche gewechselt. Wie soll ich den jungen Kollegen erklären, dass ihre Ausbildung soviel wie ein Studium kostet, sie anschließend ohne teure Zertifikatsfortbildungen kaum einsetzbar sind und sie weil die Kassen politisch gewollt den Praxen einen Hungerlohn für die einzelne Leistung zahlt kaum mehr als Mindestlohn erwarten dürfen. Die neueste Tarifvereinbarung für Lymphdrainage lautet 18€/Behandlung. Mit dem Wunsch gehen Sie bitte zu Ihrer Autowerkstatt und verlangen für diesen Betrag mal eine Reparatur……

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