Leukämie: APL-Therapie ohne Chemo

15. Juli 2013
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Ein Ärzteteam hat eine neue Therapie bei einer besonderen Form der akuten Leukämie, der so genannten akuten Promyelozyten-Leukämie, entwickelt. Das Besondere dieser Therapie ist, dass sie ganz ohne den Einsatz von Chemotherapie auskommt.

Die Therapiestudie wurde gemeinsam von drei Studiengruppen, der italienischen Gruppe GIMEMA, der Studienallianz Leukämien (SAL) und der Deutsch-Österreichischen Akuten Myeloischen Leukämie Studiengruppe (AMLSG) durchgeführt. „Wir haben festgestellt, dass die Kombination aus zwei Wirkstoffen, einem Vitamin A-Abkömmling (Vitamin A Derivat All-Trans Retinsäure, ATRA) und der Arsenverbindung Arsentrioxid, die Heilungsaussichten bei der Erkrankung im Vergleich zur herkömmlichen Therapie deutlich verbessert“, erläutert Prof. Dr. Hartmut Döhner, Ärztlicher Direktor der Ulmer Universitätsklinik für Innere Medizin III und Leiter der AMLSG, einer der weltweit größten und bedeutendsten Studiengruppen zur Erforschung und Behandlung der akuten myeloischen Leukämie. Bisher wird die Promyelozyten-Leukämie meist mit einer Kombination aus Chemotherapie und der Gabe des Vitamin A-Abkömmlings ATRA behandelt.

„Die Studie ist ein Beleg dafür, wie wichtig es ist, kontrollierte klinische Studien in der Behandlung von Leukämie– und Krebserkrankungen durchzuführen. Ohne diese randomisierte Studie, bei der Patienten zufallsmäßig einem der beiden Therapiearme zugeteilt wurden, hätten wir dieses Ergebnis nicht erzielen können“, sagt Prof. Dr. Richard Schlenk, Oberarzt und Leiter des Studienzentrums der Klinik und der AMLSG.

Leukämien sind Erkrankungen des blutbildenden oder lymphatischen Systems, im Volksmund auch „Blutkrebs“ genannt. Bei der akuten Promyelozyten-Leukämie handelt es sich um eine Unterform der akuten Leukämie, die etwa 5-7 % der akuten myeloischen Leukämien ausmacht und lebensbedrohlich ist. Eine Besonderheit dieser Leukämieform ist, dass sie mit einer bestimmten erworbenen genetischen Veränderung einhergeht: Zwischen den Chromosomen 15 und 17 sind Chromosomenstücke ausgetauscht, Fachleute nennen das Translokation. Der Austausch führt zu einem Zusammenschmelzen von zwei Genen (PML und RARA). Dadurch wird ein neues, krankhaftes Eiweiß gebildet, das direkt für die Entartung der für die Blutbildung zuständigen Knochenmarkzellen verantwortlich ist.

Sowohl der Vitamin A-Abkömmling ATRA als auch das Arsentrioxid führen zu einem Abbau dieses Eiweißes und erlauben wieder eine normale Ausreifung der Knochenmarkzellen. Der Vitamin A-Abkömmling ATRA, der aus der traditionellen chinesischen Medizin stammt, wurde bereits Anfang der 90er Jahre in die Behandlung der akuten Promyelozyten-Leukämie eingeführt.

Frühe Diagnose für Therapieerfolg wichtig

Um die neue Therapie erfolgreich einsetzen zu können, ist es außerordentlich wichtig, dass die Diagnose innerhalb der ersten Stunden gestellt wird und die Behandlung sofort eingeleitet wird. Denn die akute Promyelozyten-Leukämie kann mit schweren, lebensbedrohlichen Blutungskomplikationen einhergehen. „Wir können die Verdachtsdiagnose bestätigen, indem wir das für die Leukämieform typische Zusammenschmelzen der beiden Gene (PML und RARA) molekulargenetisch nachweisen. Dies geschieht in unserem Labor innerhalb von 24 Stunden, 7 Tage die Woche“, erläutert Prof. Dr. Konstanze Döhner, Oberärztin und Leiterin des Labors für molekulargenetische Diagnostik der Klinik für Innere Medizin III, das gleichzeitig Referenzlabor für die genetische Diagnostik innerhalb der AMLSG und anderer weltweit durchgeführter Studien ist.

Originalpublikation:

Retinoic Acid and Arsenic Trioxide for Acute Promyelocytic Leukemia
Hartmut Döhner et al.; The New England Journal of Medicine, doi: 10.1056/NEJMoa1300874; 2013

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4 Kommentare:

Dr. med. Thomas Held
Dr. med. Thomas Held

@Sven: Diese kurze Nachricht kann keine Auskunft über Dosierung und das Anwendungsschema geben, dies ist nicht ihre Aufgabe. Dazu muss man sich bemühen, die Originalpublikation zu lesen, in der steht alles drin und sie wird auch noch mit einem Link am Ende des Artikels angeführt.

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Gast
Gast

@Sven:
ja sorry, aber ohne Therapie stirbt ein Leukämie Erkrankter sowieso in kürzester Zeit.
Wie kann man da über die”Therapie” schimpfen?

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Sven Mielordt
Sven Mielordt

ok… also Arsentrioxid ist praktisch ungiftig (grins). Ist für mich auch eine Chemotherapie und HAT mit Sicherheit Nebenwirkungen. Siehe “Arsen und Spitzenhäubchen”, Arsen gilt auch als kanzerogen, wie leider fast jedes klassische “Chemotherapeutikum”. Arsen wird übrigens an Stelle von Phosphor u.a. in die DNA eingebaut und das Produkt funktioniert dann nicht richtig –> sicher ein erheblicher Teil der Wirkung! (+Nebenwirkungen, weil das leider sehr unspezifisch wie ein Schrotschuss reichlich Kollateralschäden auslösen dürfte)… Schade, dass ATRA alleine nicht wirkt. Immerhin haben früher Alpenbewohner (insbesondere Bergsteiger) gerne laufend geringe Mengen Arsenik zu sich genommen (“Arsenikesser”). Viele sind uralt geworden, aber viele auch früh an Krebs gestorben. Wie immer macht die Dosis das Gift, leider gibt der Artikel keine Auskunft über die therapeutische Breite und Dosierung.

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Sven Mielordt
Sven Mielordt
#1 |
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