Gynäkologie-Reihe: Wechseljahre

24. Juni 2010
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In den letzten Ausgaben unserer Campus News haben wir Euch bereits einige Themen aus dem Fach Gynäkologie vorgestellt. Nun kommen wir zum vorerst letzten Teil unserer Reihe: Wechseljahrsbeschwerden.

Was sind Wechseljahrsbeschwerden?

Wechseljahrsbeschwerden werden auch als Östrogenmangelsyndrom oder klimakterisches Syndrom bezeichnet. Dabei klagen die Betroffenen vor allem über körperliche und psychische Beschwerden während der Wechseljahre (Klimakterium). Die Beschwerden sind bei etwa einem Drittel der Betroffenen behandlungsbedürftig, da sie die Frauen in ihren normalen Alltagsleben stark einschränken.

Etwa 60 bis 70% aller Frauen zwischen 45 und 54 Jahren leiden unter leichten bis mittelschweren Wechseljahrsbeschwerden. 90% dieser Betroffenen sind vor allem nervös und reizbar, 80% klagen über Erschöpfung und Leistungsabfall, 70% über Hitzewallungen und Schweißausbrüche sowie depressive Verstimmungen. 60% stellen eine Gewichtszunahme fest. Schlafstörungen oder Gelenk- und Muskelschmerzen treten bei etwa der Hälfte der Frauen auf, Herzbeschwerden und Darmträgheit bei 40%.

Was ist die Ursache?

Mit zunehmendem Alter reifen in den Eierstöcken der Frau immer weniger Eibläschen (Ovarialfollikel) heran. Dadurch verlaufen etwa ab dem 45. Lebensjahr die Menstruationszyklen häufig ohne Eisprung (anovulatorische Zyklen). Bleibt der Eisprung aus, wird im Eierstock auch kein Gelbkörper gebildet. Die Konzentration des Gelbkörperhormons (Progesteron) im Blut steigt somit kaum noch an. Da jedoch vor dem Eintritt in die Wechseljahre meist noch ausreichend Östrogene gebildet werden, nimmt die Gebärmutterschleimhaut trotzdem zu und Monatsblutungen finden weiterhin statt. Durch das Ungleichgewicht der Hormone Östrogen und Progesteron wird die Schleimhaut in der Gebärmutter zum Teil zu hoch aufgebaut. Die Intensität und die Dauer der Monatsblutung können in dieser Phase deshalb stärker sein als zuvor. Auch die Östrogenproduktion vermindert sich im Verlauf der Wechseljahre. Dadurch kann es zu unregelmäßigeren Blutungen sowie plötzlich auftretenden Hitzewallungen und Schweißausbrüchen kommen. Die herabgesetzte Östrogenkonzentration bewirkt zudem, dass mehr Stresshormone produziert werden. Daraus resultieren in vielen Fällen Herzrhythmusstörungen, Kreislaufbeschwerden, Schwindel sowie vermehrte Nervosität.
Die Abnahme der Geschlechtshormone beschleunigt zudem eine Verkalkung der Blutgefäße (Arteriosklerose) und den Abbau von Knochengewebe (Osteoporose). Dadurch kann es im Alter leichter zu Knochenbrüchen, am häufigsten in den Wirbeln, kommen.

Wie können Wechseljahrsbeschwerden behandelt werden?

Das Ziel einer Therapie von Wechseljahrsbeschwerden sollte zum einen die Linderung der akuten Beschwerden sein, zum anderen sollte den langfristigen negativen Auswirkungen auf Knochen und Gefäße vorgebeugt werden. Aufgrund des Hormonmangels war eine Hormonersatztherapie sehr lange die Therapie der ersten Wahl um Beschwerden während der Wechseljahre zu bekämpfen. Nach den Ergebnissen einer 2002 durchgeführten Studie (“Women’s Health Initiative Studie”) ist der Einsatz der Hormonersatztherapie jedoch inzwischen stark zurückgegangen. Seitdem wird die Hormonbehandlung oft nur noch bei Frauen mit sehr starken Wechseljahrsbeschwerden empfohlen. Da unter reiner Östrogenbehandlung Krebserkrankungen der Gebärmutterschleimhaut auftreten können, werden Östrogene mit Gestagenen kombiniert. Nur bei Frauen, deren Gebärmutter zuvor entfernt wurde (Hysterektomie), ist eine alleinige Östrogenbehandlung möglich.

Als Darreichungsformen der Hormonpräparate stehen Tabletten, Spritzen, Vaginalzäpfchen und Pflaster zur Verfügung. Frauen, die an Bluthochdruck, Gerinnungsstörungen, starkem Übergewicht, ausgeprägten Krampfadern oder Lebererkrankungen leiden, oder Raucherinnen sind, wird von einer Hormonbehandlung eher abgeraten. Auch bei Frauen, die eine hormonempfindliche Krebserkrankung hatten, dürfen die Wechseljahrsbeschwerden nicht mit Hormonen behandelt werden.

Neben der Hormonersatztherapie stehen eine Reihe alternativer Therapiemaßnahmen zur Verfügung. Dazu zählen

  • Eine Ernährung die reich an Hülsenfrüchten wie Soja, Erbsen und Bohnen ist. Auch Nahrungsmittel wir Leinsamen, Haferflocken, Roggen und Weizen wird eine phytoöstrogene Wirkung zugeschrieben, die die Hormonentzugsbeschwerden lindern sollen
  • Sportliche Aktivität, die vor allem Hitzewallungen lindern soll. Bewegung lässt die betroffenen Frauen zudem besser schlafen, stärkt Herz und Kreislauf und vermindert das Osteoporoserisiko.
  • Kalziumreiche Lebensmittel, wie Frischmilch, Käse und andere Milchprodukte, die das Osteoporose-Risiko senken sollen.
  • Eine Reduktion von Nikotin-, Kaffee- und Alkoholkonsum.

Was fragt das IMPP?

1. Eine 48-jährige Frau mit Zustand nach vaginaler Hysterektomie vor 4 Jahren leidet unter vegetativen klimakterischen Beschwerden. Ihr wird eine hormonelle Therapie mit einem Monopräparat angeraten.
Welche der genannten Substanzen kommt hierfür in erster Linie in Betracht?

a. Testosteron
b. Norethisteron
c. Östradiol
d. Medroxyprogesteronacetat
e. Androstendion

2. Die Menopause ist
a. die Altersperiode nach der letzten Regelblutung
b. die letzte reguläre Menstruation
c. die Übergangsperiode bis zum Erlöschen der Ovarialfunktion
d. Folge des Sekretionsausfalls im Hypophysenhinterlappen
e. gekennzeichnet durch die Abnahme der Gonadotropinproduktion

Lösung: 1c, 2b
Quelle: Mediscript: Hammerexamen 10/2006-4/2009 (CD), Urban und Fischer Verlag

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