Brustkrebs: Therapie revolutioniert

29. Juni 2010
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Forschungsarbeiten österreichischer Ärzte machen weltweit Schlagzeilen: Prämenopausale Brustkrebs-Patientinnen haben mit einer Kombination aus Antihormontherapie und Bisphosphonatbehandlung bessere Überlebenschancen.

Das Mammakarzinom ist die häufigste Krebserkrankung von Frauen in westlichen Industrieländern. In Europa ist die Inzidenz 8 bis 10 mal höher als in Südamerika oder Japan. Sie zeigt eine deutliche Abhängigkeit vom Alter: Zwei bis drei von 1.000 Frauen im Alter zwischen 55 und 60 Jahren erkranken an Brustkrebs. Der Anteil des prämenopausalen Mammakarzinoms liegt bei rund einem Viertel: In der Gruppe der 35- bis 39-Jährigen erkranken etwa 50 von 100.000 Frauen. Eine österreichische Forschungsgruppe hat in Bezug auf die Brustkrebstherapie einen wichtigen Beitrag geleistet: Sie kombinierte die Antihormontherapie mit dem Bisphosphonat Zoledronsäure. Die Wirkung der adjuvanten Therapie war positiv, wie Langzeitergebnisse zeigen: Die Wiedererkrankungsrate behandelter Patientinnen ist wesentlich niedriger, ihre Überlebenschancen spürbar verbessert. Mehr als 98 Prozent sind fünf Jahre nach der Diagnose noch am Leben – auch ohne adjuvante Chemotherapie.

Neue Chance mit Zoledonsäure

Die Austrian Breast & Colorectal Cancer Study Group hat sich auf klinische Studien zum Mammakarzinom und zum kolorektalen Karzinom spezialisiert. Durchgeführt werden die wissenschaftlichen Untersuchungen von 700 Ärzten an rund 100 Zentren in Österreich. Sie ABCSG-12 Studie wurde im Jahr 1999 begonnen. Sie ist eine offene, multizentrische Phase-III-Studie, beinhaltet 1803 prämenopausalen Frauen mit Östrogenrezeptor-positivem Brustkrebs (Stadium I oder II) mit weniger als 10 befallenen axillären Lymphknoten. Nach einer Operation und Beginn einer Goserelintherapie zur Suppression der Ovarfunktion wurden die Patientinnen in 4 Studienarme randomisiert: 1. Arm: Anastrozol + Zometa; 2. Arm: Anastrozol allein; 3. Arm: Tamoxifen + Zometa; 4. Arm: Tamoxifen allein. Die Frauen wurden drei Jahre lang behandelt und anschließend zwei Jahre lang beobachtet. Patientinnen in den Studienarmen 1 und 3 erhielten während des Behandlungszeitraums alle sechs Monate eine Infusionen mit 4 mg Zoledronsäure.

„Schlafende“ Tumorzellen attackiert

Nach einem medianen Follow-up nach fünf Jahren erfolgte die Datenauswertung: Die Zugabe von Zoledronsäure zu Anastrozol oder Tamoxifen verlängerte das krankheitsfreie und rezidivfreie Überleben signifikant. In der Gruppe der Frauen, die Zoledronsäure zusätzlich zur Hormontherapie erhalten hatten, waren 3 Prozent weniger Rezidive aufgetreten. Das entspricht einer Risikoreduktion von 36 Prozent. Zoledronsäure reduzierte nicht nur das Auftreten von Knochenmetastasen, sondern auch von anderen Fernmetastasen, kontralateralem Brustkrebs und lokoregionären Rezidiven. Studienleiter Univ.-Prof. Dr. Michael Gnant von der Medizinischen Universität Wien fasst die Erkenntnisse zusammen: „Die ABCSG-12 Studie hat gezeigt, dass eine neue Form der Brustkrebstherapie die Überlebenschancen von prämenopausalen Frauen mit hormonrezeptorsensitivem frühen Brustkrebs deutlich steigert und die Gefahr von Rezidiven senkt.“ Die jüngsten Ergebnisse der Forschungsgruppe zeigen, dass damit eine Beeinflussung des Mikroklimas in bestimmten Bereichen des Knochenmarks gelungen zu sein scheint, die für das Überleben „schlafender“ Tumorzellen sorgen. Der exakte Wirkmechanismus ist noch nicht geklärt. „Zoledronsäure könnte disseminierte Tumorzellen angreifen“, so Gnant. Im Labor konnte gezeigt werden, dass Zoledronat die Tumorausbreitung auf verschiedene Weise erschweren kann: durch die Hemmung des Wachstums von kleinen Blutgefäßen, durch die Stimulierung von krebsbekämpfenden Abwehrzellen, durch Induktion der Tumorzellapoptose, sowie durch die Verbesserung der Aktivität anderer antitumoraler Therapien.

Behandlungsstandard verbessert

Viele Brustkrebspatientinnen erhalten Bisphosphonate intravenös, zur Metastasenbehandlung in vierwöchigen Abständen. In der vorliegenden Studie wurde der spektakuläre Effekt durch Infusionen im Halbjahresabstand erzielt. Die Behandlung mit Zoledronsäure war sicher und gut verträglich. Es traten keine unerwarteten Nebenwirkungen auf, insbesondere kein Fall von Kieferosteonekrose oder Nierenversagen. „Wir können mit Bestimmtheit sagen“, erklärt Gnant, „dass die adjuvante Therapie mit Zoledronsäure in Betracht gezogen werden sollte, um den Behandlungsstandard prämenopausaler Brustkrebspatientinnen zu verbessern“.

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