CTE: Sport ist reine Kopfsache

18. Oktober 2017
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Wiederholte Schläge gegen den Kopf können Hirnschäden verursachen, welche in einer chronischen traumatischen Enzephalopathie (CTE) münden. Bisher konnte diese Erkrankung nur post mortem festgestellt werden. Doch das soll sich dank eines neuen Risikomarkers zukünftig ändern.

Zum ersten Mal ist es US-Neurowissenschaftlern gelungen, ein Protein nachzuweisen, welches als Warnzeichen für eine sich entwickelnde chronisch traumatische Enzephalopathie (CTE) dienen könnte. Bisher war diese progressive, degenerative Erkrankung des Gehirns nur nach dem Tode anhand von Hirnschnitten diagnostizierbar. Doch der neue Marker CCL11, ein Protein das mit altersbedingten kognitivem Abbau assoziiert wird, könnte frühzeitig – noch zu Lebzeiten – ein Risiko anzeigen.

Insbesondere Athleten aus Kontaktsportarten, wie beispielsweise dem in den USA beliebten American Football oder auch Eishockey, Boxen und Wrestling, sind von der CTE gefährdet. Studien zeigten, dass schon wenige aktive Jahre mit sich wiederholenden Kopfschlägen ausreichen, damit sich die charakteristischen Veränderungen im Gehirn ausbilden. Im Verlauf der Erkrankung degenerieren Teile des Gehirns zunehmend und es treten Wesensveränderungen, Vergesslichkeit und Depressionen bis hin zur Suizidalität auf – die Betroffenen sterben meist in jüngerem Lebensalter, z.B. durch Suizid.

Biomarker CCL11 bei Sportlern erhöht

In einer aktuellen Studie untersuchten Wissenschaftler aus Boston (USA) die Gehirne von 23 früheren Footballspielern mit CTE, 50 Alzheimer-Patienten und 18 Nicht-Sportlern ohne Hirnerkrankungen. Dabei fiel auf, dass der Marker CCL11,  bei den Footballspielern im Vergleich zu den beiden Kontrollgruppen signifikant um den Faktor 1,234 erhöht war (p = 0,050).

Interessanterweise ließ sich darüber hinaus eine Verbindung zwischen dem CCL11-Level und den Jahren der aktiven Footballzeit herstellen. Je länger die Verstorbenen aktiv gespielt hatten, desto mehr Markerprotein fanden die Forscher in den Hirnproben.

Inwieweit der neue Biomarker CCL11 hilfreich sein wird, andere Erkrankungen des Gehirns und CTE voneinander zu unterscheiden, bleibt Aufgabe weiterer Studien. Das Gleiche gilt für die Frage, ob CCL11 im lebenden Patienten bereits im frühen Krankheitsstadium erfolgreich das CTE-Risiko anzeigen kann. Weiterführende Studien werden dringend gebraucht. Das zeigen die Zahlen der  vorliegenden Studie: Demnach hatten 99 % der post mortem getesteten Hirnproben von Profi-Footballspielern der National Football League die charakteristischen Gewebeveränderungen einer CTE, bei den Collegespielern waren es immerhin noch 91 % der Fälle.

Quelle:

CCL11 is increased in the CNS in chronic traumatic encephalopathy but not in Alzheimer’s disease.
Cherry JD et al., PLOS ONE, doi: 10.1371/journal.pone.0185541

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Bildquelle: Mrs. Gemstone, flickr / Lizenz: CC BY-SA

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