Zystitis: In 30 Minuten zur perfekten Therapie

10. Oktober 2017

Rezidivierende Blasenentzündungen sind ein häufiges Problem bei Frauen. Das Wiederaufflammen der Infektion wird meist durch die falsche Behandlung von resistenten Keimen verursacht. Mit einem Schnelltest sollen Resistenzen erkannt und die Therapie optimiert werden.

„Fast zehn Prozent der in Praxen verordneten Antibiotika werden aufgrund von Harnwegsinfektionen verschrieben, und ein Viertel der betroffenen Frauen erleidet bereits innerhalb von sechs Monaten eine erneute Blasenentzündung“, weiß Prof. Dr. André Gessner. Er ist Direktor des Instituts für Mikrobiologie und Hygiene am Uniklinikum Regensburg.

Häufig betrifft das Thema junge Frauen. Geschlechtsverkehr und spermizide Kontrazeptiva erhöhen bei ihnen die Gefahr, zu erkranken. Als Auslöser rezidivierender Zystitiden gilt Escherichia coli. Dass Therapien oftmals scheitern liegt immer häufiger daran, dass  E. coli gegen Antibiotika widerstandsfähig werden.

Antibiotikaresistenz

Antibiotikaresistenzen in Deutschland bei rezidivierenden Harnwegsinfektionen (R: resistent, I: Intermediär) © Professor Dr. Florian Wagenlehner, Uniklinikim Essen

Um Antibiotikaresistenzen zu bestimmen, arbeiten mikrobiologische Labors meist mit der direkten Kultivierung als Goldstandard. Das kann ein bis zwei Tage dauern. Jetzt präsentiert Nathan G. Schoepp vom California Institute of Technology ein Verfahren, das schon nach 30 Minuten Ergebnisse liefert.

Im ersten Schritt werden bakterienhaltige Urinproben ohne weitere Aufarbeitung mit beziehungsweise ohne Antibiotika-Zusatz 15 Minuten lang im Wärmeschrank inkubiert. Dann folgt die Lyse, also die Zerstörung bakterieller Membranen, durch Chemikalien.

Resistenzen schnell erkennen

Um bakterielle Gene zu vermehren, arbeitet Schoepp nicht mit der Polymerase-Kettenreaktion (PCR), sondern mit der „Schleifen-vermittelten isothermalen Amplifikation“ (loop-mediated isothermal amplification, LAMP). Bei dieser Methode ist dank spezieller DNA-Polymerasen kein Thermocycler erforderlich. Das spart Zeit und Geld. Anhand der Menge bestimmter Genmarker ermittelt Schoepp, ob Resistenzen vorliegen: Gibt es in beiden Reaktionsgefäßen nur geringe oder keine Unterschiede, ist das Antibiotikum wirkungslos. Resultate liegen nach 30 Minuten vor, bei der PCR dauert es mindestens zwei Stunden. Bakterielle Kulturen, sie gelten als Goldstandard, nehmen ein bis zwei Tage in Anspruch.

Antibiotikaresistenz2

Ablauf und Auswertung der Untersuchung per LAMP © Nathan G. Schoepp

Großes Potenzial für die Diagnostik

„Das Verfahren überzeugt durch Schnelligkeit, Präzision und die Möglichkeit der Testung direkt aus dem Urin der Patienten“, sagt André Gessner. Schoepps Methode habe „bei ausreichend hoher Keimzahl im Patientenmaterial und Optimierung für verschiedene Keime, Antibiotika und Proben (Blut, Liquor, Punktate) großes Potenzial für einen breiten Einsatz in der Infektionsdiagnostik.“ Sollten größer angelegten Studien die positiven Ergebnisse bestätigen, rechnet Gessner mit einer „deutlichen Verbesserung der Antibiotikaverschreibung in der Praxis“. Aktuell wurden 54 Urinproben untersucht und die Resultate mit Standardmethoden verglichen.

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Was können Ärzte schon heute empfehlen?

Bis zum Einzug in die Praxis wird also noch Zeit vergehen. Umso wichtiger sind ergänzende Maßnahmen zur Antibiotikatherapie. In einem Übersichtsbeitrag gibt Dr. Winfried Vahlensieck aus der Kurpark-Klinik Bad Nauheim Ratschläge, was Patientinnen schon heute gegen wiederkehrenden Harnwegsinfektionen tun können:

  • Auf eine ausreichende (aber nicht zu hohe) Trinkmenge achten,
  • Fruchtsäfte und probiotische Bakterien konsumieren,
  • sexuelle Abstinenz,
  • keine wirkstoffhaltigen intravaginalen Verhütungsmethoden verwenden,
  • die Harnblase nach dem Koitus entleeren,
  • übertriebenen Hygienemaßnahmen vermeiden.

Damit lässt sich die Einnahme von so manchem Antibiotikum ersparen.

24 Wertungen (4.67 ø)

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7 Kommentare:

Gast
Gast

Zystitis : In 30 Minuten zur perfekten Therapie ??
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mit Erstaunen stelle ich fest wieder ein Fortschritt ? Bereits vor Jahrzehnten
haben wir bereits als Klinikreferenten kostenlose Tests verteilt. Jeder Fortschritt,
wie auch immer dieser aussehen mag, krankt an der optimalen Umsetzung.
Es ist im niedergelassenen Bereich (z.B. Landärzte) seit Jahrzehnten bereits bekannt, Patienten die, aus welchen Gründen auch immer, länger im Krankenstand verharren wollen, nehmen das verordnete Antibiotikum eben nicht, auch wenn Ihre Genesung sich verzögert und Rezidive auftreten.
Es gibt seit Jahrzehnten Teststreifen womit jeweiligem unwilligen Patienten nachgewiesen werden kann dass er das hilfreiche Antibiotikum nicht eingenommen hat. Solchen unwilligen Patienten MUSS die rote Karte gezeigt werden, oder ? Es gibt aber auch Ärzte die sich, nach wie vor, leider NICHT intensiv genug mit der Antibiotikatherapie hinreichend beschäftigen. Wie sonst kommt es vor Ärzte verschreiben auf 1 Rezept gleichzeitig 2 Antibiotika.
Seit Jahrzehnten habe Ärzte simple Möglichkeit , früher Resistogramm , zu erstellen. In Praxisrealität wird leider diese nicht hinreichend , wenn überhaupt genutzt . Warum nicht ? Solche Verhaltensweisen haben mit einen wesentlichen Anteil an der prekären Situation von Resistenzen !
Wann wird sich endlich ein verantwortliches Umdenken , auch bei Ärzten einstellen ? wann ?

#7 |
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Gast
Gast

ch werde sehr häufig geplagt. Nun hat mir letztens eine Apothekerin Femmanose empfohlen… Das hilft und entspannt sehr kurzfristig und beim letzten Segelurlaub habe ich es auch prophylaktisch genommen… klappt super…
Nun meine Frage: Besteht die Gefahr dass ich dadurch resistente Keime übersehe und die endgültige Auskurieren verschleppe?
LG
eine Geplagte

#6 |
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Dr. Marianne Putlitz
Dr. Marianne Putlitz

Ich kann über gute Erfahrungen mit Uro-Vaxom nach etlichen Coli-Zystitiden und sogar einer Coli-Sepsis berichten. Auch E+R-ausgeteste Antibiotika haben mir immer nur für ganz kurze Zeit Besserung gebracht, auch D- Mannose war nicht besonders wirkungsvoll. Allerdings ist meine Immunabwehr nach Laryngektomie wegen Epiglottis-Carcinom nach knapp zwei Jahren immer noch geschwächt. Nachdem ich postoperativen ( Sept.15) bis Dezember 16 mindestens 6-7 Cystitiden hatte, hat mir ein Urologe diese uralt bewährte Mittel lt. Schema empfohlen, will heißen: 3 Monate täglich 1 Kapsel und nach 3-4 Monaten Boosterungen von jeweils 10 Tagen in drei aufeinander folgenden Monaten. Ich hatte seit Januar 2017 keine einzige Blasenentündung.

#5 |
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Stefanie Roché
Stefanie Roché

D-Mannose ist erstaunlich wirksam, mit wenig Nebenwirkungen. Es gibt zwar auch dagegen resistente Keime, aber es spart einiges an Antibiotika, bei gleich schnellem Wirkungseintritt.

#4 |
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Susann Bürger
Susann Bürger

Strovac-Impfung klappt bei den meisten meiner rezidivierenden Zystitis-Patientinnen und Mannose im Akutfall auch. Warum stürzt jeder gleich ans Antibiotika-Regal? Wenn keine komplizierenden Faktoren bestehen, halte ich dieses Vorgehen für vernünftiger.

#3 |
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Studentin der Humanmedizin

Aminosäuren sind da wie immer wichtiger, hauptsächlich L-Methionin.

#2 |
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Dr. Wilfried Aschauer
Dr. Wilfried Aschauer

Die ganzen Empfehlungen sind uralt und bringen gar nichts!Werden empfohlen,
um den Patientienten überhaupt etwas zu bieten!Die Empfehlung sexuelle Kontakte zu meiden ist wohl praktisch nicht umzusetzen!Gute Erfahrungen mache ich
mit Strovac und postkoitaler Antibiose!

#1 |
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