Demenz: Testosteron kannst du vergessen

17. Oktober 2017
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Aktuell leiden etwa 1,6 Millionen Menschen in Deutschland an Demenz. Bis zum Jahr 2050 könnte sich diese Zahl verdoppeln. Forscher diskutieren über eine mögliche Prophylaxe durch Testosteron-Gabe. Eine aktuelle Übersichtsarbeit rät davon aber ab.

Eine aktuelle Übersichtsarbeit räumt mit dem Gerücht auf, Testosteron sei ein wirksames Mittel gegen Demenzkrankheiten bei Menschen. Seit fast 15 Jahren finden Wissenschaftler immer wieder mögliche Zusammenhänge zwischen wenig Testosteron im Blut und dem Demenzrisiko. Sie konnten belegen, dass zusätzliches Testosteron die Nervenzellen von Mäusen schützt, Demenzen hinauszögert und Symptome abmildert. Da sich Ergebnisse aus Zellkultur oder Tierversuchen nicht einfach auf den Menschen übertragen lassen, folgten diverse epidemiologische Studien. Die Ergebnisse seien „äußerst widersprüchlich“, warnt die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM).

Demenz hat viele Ursachen

Zwar schützen Sexualhormone wie Testosteron oder Östrogen möglicherweise geistige Funktionen, wie aus in-vitro-Experimenten und Tierversuchen folgt. Ihre geringere Ausschüttung im Alter ist aber nicht die einzige Erklärung, dass Patienten an einer Demenz erkranken. Risikofaktoren wie Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen, Stoffwechselstörungen, ein geringes Bildungsniveau oder eine genetische Veranlagung kommen hinzu.

„Die Einnahme von Testosteron bei einer Demenz ist deshalb im Moment nicht angezeigt“, resümiert Professor Dr. Cornel C. Sieber. Er ist Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Geriatrie am Krankenhaus Barmherzige Brüder in Regensburg und Vorsitzender der DGIM. Schließlich müsse man auch berücksichtigen, dass viele ältere Menschen sowieso schon mehrere Medikamente bekämen. „Die Gabe eines jeden weiteren Wirkstoffes muss sorgfältig erwogen werden, damit es nicht zu unerwünschten Wechselwirkungen kommt – neben dem Umstand, dass eine Testosterongabe per se Nebenwirkungen haben kann“, gibt der Experte zu bedenken.

Vorbeugen und der Realität ins Auge sehen

„Solange es keine wirksamen Therapien gegen Demenz gibt, gilt der Vorbeugung ein besonderes Augenmerk“, ergänzt Professor Dr. Ulrich R. Fölsch, früherer Direktor des Uniklinikums Schleswig-Holstein, Campus Kiel. Er verweist auf eine aktuelle Studie, der zufolge sich jeder dritte Demenzfall vermeiden ließe. Bürger sollten Übergewicht abbauen, sich gesund ernähren, nicht rauchen und körperlich, aber auch geistig aktiv sein. Fölsch nimmt auch Ärzte in die Pflicht, Stoffwechselstörungen oder Depression frühzeitig zu behandeln.

Finden Neurologen trotzdem eine Demenz, raten Forscher je nach Stadium zur Pharmakotherapie mit Cholinesterase-Inhibitoren beziehungsweise Memantin. Hinzu kommen Strategien zum Management neuropsychiatrischer Symptome wie Angst und Depressionen. Jenseits der Behandlung sollten rechtzeitig Entscheidungen über die eigene Zukunft getroffen werden.

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Bildquelle: Tristan Schmurr, flickr / Lizenz: CC BY
Forschung, Medizin

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5 Kommentare:

dr. med.dent. Wolfgang Stute
dr. med.dent. Wolfgang Stute

@laudenbach / Kohlendioxidsäure
Natürlich spielt die Übersäuerung eine erhebliche Rolle.
Sie sollte mineralienmäßig ausgeglichen werden , insb. mit Natriumbicarbonat

@Herr Andreas Lutz / Rimkus Methode
so ist es ! Testosteron allein bringt gar nichts, wichtig ist die Verbindung mit Östrogen , Progesteron und ggfl. weitere . Die entscheidende Trias die ich erlebe bei Demenz und anderen neurologischen Erkrankungen :
keine chronischen Entzündungen ( silent inflammation) ,
keine Schwermetallbelastung
qualifizierte Hormontherapie ab Zeit der Wechseljahe und Midlife crisis für Männer ( die diversen Studien zu den Wechseljahr Beschwerden von Frauen und Erfolgen von Hormontherapien sind nach m.V. komplett falsch gestrickt und bewertet ) Es ist unmöglich mit künstlichen Hormonen eine Östrogendominanz zu produzieren oder die Relation v. Oestrogen zu Progesteron nicht zu berücksichtigen .
M.E. zeigen die Studien deutlich ( 1 million women , Marie , usw.) daß die Anwendung der künstlichen Hormone gerade Tumorerkrankungen hervorrufen und die Mitochondrienfunktion stören.Gleiches gilt auch für andere neurologische Erkrankungen ( z.B. Parkinson ) .

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franz laudenbach
franz laudenbach

Vertippt, tut mir leid:
Nicht abgeatmetes Kohlendioxid, wandelt sich im Blut in Kohlensäure!
In Addition:
95,2%, stammt aus einer Presserklärung der DGK am 02.09.2014:
Aussage: Von 138 Probanden die an Herzflimmern, an Herzflattern leiden, leiden 95,2% trotz Kardioversion an:
Herzflimmern, Herzflattern auf Grund:
Schlafassoziierter Einatmungsstörungen im Schlaf!
Siehe;http://dgk.org/daten/PA-ESC-Vorhofflimmern-Schlafstörungen.pdf;
flc@live.de;

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franz laudenbach
franz laudenbach

Demenz ist eine Folge Gedächtnisschwierigkeiten.
Es ist in gut 95,2% folge der Grunderkrankung; Schlafapnoe Syndrom (OSAS/ZSA) In Kombination mit sogenannten blutdrucksenkenden Medikamenten.
Ganz einfach zu erklären.
Schlafapnoe heißt nicht mehr u. nicht weniger als im ständigen Ersticken liegend schlafen! Die Anzahl der Erstickungsanfälle pro Stunde (genannt AHI = Apnoe Hypopnoe index) ist der Zähler für Vergessen! AHI = > 40 bedeutet vergessen wie ich am Tag vor dem Nachtschlaf von Ort A, nach Ort B kam.
Ab AHI >= >47->55, werden Namen von Kunden Mitarbeiter vergessen, die man über 20 Jahre hinweg, fast täglich im Bereich EDV/IT beraten hatte.
Problem: Kurzzeit zu Langzeitgedächtnis-Austausch im Tiefschlaf, wird stetig unterbrochen! Befragen sie dazu Professor Dr. Jan Born Universität Tübingen!
Je mehr Blutdrucksenkende Medikamente desto höher der AHI, desto schwieriger wird die Ab-Atmung! Das Kohlendioxid Problem im Blut, wird eklatant: Kohlendioxid wandelt sich in Kohlendioxidsäure! Kohlendioxidsäure überwindet die Bluthirnschranke! Zerstört dort Hirn wie Nervenstränge schützendes Eiweiß! Folge: Demenz-Alzheimer; Parkinson, MS, Bechterew, etc.
Gerne mehr: flc@live.de;

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Gast
Gast

Im Zentrum der Aufmerksamkeit sollte vor allem die Schilddrüsenfunktion stehen. Schon so manche Demenz hat sich bei genauerer Betrachtung als Hypothyreose heraus gestellt.

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Gesundheits- und Krankenpfleger

Aufgrund unserer langjährig angebotenen Seminare “Leben mit Demenz” habe ich mich recht intensiv mit Ursachen und Therapien auseinandergesetzt und dabei festgestellt, dass viele Glaubenssätze bei näherem Hinsehen über Bord geworfen werden.
Sicher lässt ein multifaktorelles Geschehen nicht durch eine einzelne Substanz vermeiden. Dennoch wäre es lohnenswert, Studien zu Hormonsubstitution und Demenz weiter zu verfolgen. Ich bin ein Anhänger der Rimkus-Methode, bei der natürliche pflanzliche Hormone den Absturz des Hormonspiegels im Sinne einer Anti-Aging-Medizin abfedern sollen. Es stellt sich für mich die Frage, ob die Studien mit synthetischen oder natürlichen Hormonen gemacht wurden oder gar parallele Untersuchungen liefen. Was mir etwas aufgestoßen ist war die Aussage zum niedrigen Bildungsstand. Bislang sind mir keine Studien bekannt, welche die Theorie untermauern würden. Dafür fehlte mir der Hinweis auf Isolation und damit fehlende Ansprache, welche ebenso ein demenzielles Geschehen forcieren. Möglicherweise hängen auch niedriges Bildungsniveau und Isolation zusammen.

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