Stoffwechsel: Ältere kriegen ihr Fett nicht weg

4. Oktober 2017
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Verglichen mit jungen Menschen lagert sich bei älteren deutlich mehr Fett in der Bauchgegend an. Mediziner haben nun womöglich die Ursache dafür gefunden: Eine neu entdeckte Art von Makrophagen greift in den Stoffwechsel ein und verhindert den Fettabbau.

Ältere Menschen haben in der Regel mehr Fett „auf den Hüften“, selbst wenn sie nicht übergewichtig sind. Grund ist, dass bei ihnen der Fettabbau in der Bauchgegend gestört ist: Wenn ihr Körper Energie benötigt, werden die dort befindlichen Fettspeicher nur sehr unzureichend angezapft.

Warum das so ist, war bislang unbekannt. Mediziner und Immunolgen der Yale Universität sind dieser Frage jedoch nun in Zusammenarbeit mit Kollegen der Universität Bonn einen wichtigen Schritt näher gekommen. Dazu haben sie das Fettgewebe von Labormäusen unter die Lupe genommen. Auch die Nager bauen im Alter Fett nur noch unzureichend ab. Viszerales Fett erhöht das Risiko für Diabetes oder Schlaganfälle.

Makrophagen unter Verdacht

Als Auslöser hatte die Gruppe aus Yale einen bestimmten Zelltyp im Bauchfett von Mäusen im Verdacht, eine neue Art von Makrophagen. Makrophagen sind Leukozyten, die unter anderem bei der Vernichtung von Krankheitserregern eine wichtige Rolle spielen. Die US-Forscher hatten entdeckt, dass auch im Fettgewebe derartige Makrophagen sitzen, und zwar stets in der Nähe von Nervenzellen.

Wenn Mäuse Hunger leiden, produzieren diese Nervenzellen Botenstoffe, die die Fettverbrennung stimulieren. Die Wissenschaftler vermuteten, dass die Makrophagen in diesen Kommunikationsweg eingreifen. Wie genau, wussten sie jedoch nicht.

Isolation aktiver Gene

Um diese Frage zu beantworten, isolierten sie aus den Makrophagen im Bauchfett das so genannte Transkriptom, welches sämtliche aktive Gene einschließt. Diesen Schritt führten sie sowohl bei jungen als auch bei alten Tieren durch, die sie zuvor auf Diät gesetzt hatten. „Wir haben diese Daten analysiert“, erklärt Prof. Dr. Joachim Schultze vom Life & Medical Sciences Institut (LIMES) der Universität Bonn. „Wir konnten so herausfinden, welche Gene sich hinsichtlich ihrer Aktivität in den alten und jungen Tieren unterscheiden. Darunter mussten auch die Erbanlagen sein, die für den verlangsamten Fettstoffwechsel im Alter verantwortlich sind.“

Aufwändige Analyse

Eine derartige Analyse ist sehr aufwändig, da die Aktivitätsunterschiede äußerst klein sein können. Zudem liefert ein Transkriptom-Vergleich in der Regel zahllose Kandidatengene, die weiter untersucht werden müssen. „Aufgrund unserer immunologischen Expertise konnten wir die Zahl jedoch erheblich eingrenzen“, erklärt der Wissenschaftler der Universität Bonn.

Mit diesem Wissen konnten die Forscher zeigen, auf welche Weise die Makrophagen in den Fettstoffwechsel eingreifen: Bei Hunger schütten die Nervenzellen im Bauchfett den Neurotransmitter Noradrenalin aus und kurbeln so den Fettabbau an.

Im Alter schalten jedoch die Makrophagen permanent in eine Art Entzündungsmodus um. Dadurch produzieren sie unter anderem vermehrt ein Enzym namens Monoaminoxidase (MAOA). Es zerstört wiederum das Noradrenalin – die Mäuse können das gespeicherte Fett nicht mehr abbauen.

Neue therapeutische Optionen

Bislang gelten diese Ergebnisse nur für Mäuse. Die Forscher vermuten aber, dass es beim Menschen einen analogen Mechanismus gibt – eine These, der sie momentan nachgehen. Falls sie stimmt, eröffnen sich auch neue therapeutische Optionen: Interessanterweise wird MAOA nämlich durch manche Antidepressiva gehemmt.

„Theoretisch könnte man diese Medikamente einsetzen, um den Stoffwechsel älterer Menschen zu verbessern“, erläutert Prof. Dixit von der Yale Universität.

 

Der Text basiert auf einer Pressemitteilung der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.

 

Quelle:

Inflammasome-driven catecholamine catabolism in macrophages blunts lipolysis during ageing.
Christina D. Camell et al., Nature, doi: 10.1038/nature24022; 2017

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Bildquelle: Emilio Labrador, flickr / Lizenz: CC BY-SA

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10 Kommentare:

Gast
Gast

Dass ältere Menschen mehr Fett über dem Bauch entwickeln, ist völlig normal. Selbst wenn die Extremitäten schlank sind. Die Fettverteilung ändert sich mit zunehmendem Alter. Natürlich gibt es Menschen, die von jeher wenig Fettgewebe über ihren Muskeln haben, aber das ist Veranlagung. Ein richtig dicker Bauch muss natürlich nicht sein, da muss man schon aufpassen: das ist Fehlernährung.

#10 |
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Dipl. Sozialökonom Olaf Steinke
Dipl. Sozialökonom Olaf Steinke

#7 Nein es ist nicht nur eine Einstellungssache und ich verwahre mich dagegen, dass alle Menschen, die mit dem Fett kämpfen grundsätzlich zu faul sind Sport zu treiben. Damit muss mal Schluss sein und es muss mal erwachsen diskutiert werden: Ich verweise auf Menschen z.B., die aufgrund muskulärer Probleme nicht in der Lage sind, Sport zu treiben – jedenfalls nicht soviel, wie sie es realisieren müssten, um das Fett-Problem nachhaltig in den Griff zu bekommen. Nichtsfür ungut, aber ich bin es leid, täglich mit anzusehen, wie sich diese Menschen bemühen, dass alles in den Griff zu bekommen und dann stehen am Straßenrand Leute, die mit den Finger auf die Betroffenen zeigen und rufen “Mach mehr Sport und sei nicht so faul”. Das geht garnicht. Natürlich gibt es Leute, die……. Es gibt immer Leute. Aber es muss differenziert werden, sonst geht dieser Schuss effektiv nach hinten los.

#9 |
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Dr. nikolai Klemm
Dr. nikolai Klemm

Monoaminoxidase wurde bisher mit MAO abgekürzt.

#8 |
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Studentin der Humanmedizin

zu Gast #5 natürlich brauch man vorher auch die richtigen Nährstoffe über die orthomolekulare Medizin zum Einbau in den Körper um Entzündungsreaktionen und oxidativen Stress zu bekämpfen, dann funktioniert das auch bei diesen Patienten mit dem Sport. Es ist alles eine Einstellungssache ;-)

#7 |
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Gast
Gast

Ja, ich kenne das auch nur so, dass man bei Antidepressiva zunimmt. Ich habe noch niemals jemanden getroffen, der abgenommen hätte. Zudem sind die Nebenwirkungen der AD nicht ohne und Hormone auch nicht so weitestgehend erforscht und greifen massiv ins Geschehen ein.

#6 |
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Gast
Gast

to Ines Ade was macht jemand mit dem Fatigatio Syndrom — Chronische Müdigkeit – – hier – ist Sport kontraindiziert.

#5 |
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Nichtmedizinische Berufe

“nteressanterweise wird MAOA nämlich durch manche Antidepressiva gehemmt.

„Theoretisch könnte man diese Medikamente einsetzen, um den Stoffwechsel älterer Menschen zu verbessern“, erläutert Prof. Dixit von der Yale Universität.”

AD haben so viele Nebenwirkungen – interessant hierür ist jedoch, dass GEWICHTSABNAHME selten dazu gehört, eher das Gegenteil. Wie wäre die Wirkung dann? Bauchfett wird reduziert, doch der Patient wird präadipös?

#4 |
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Heilpraktiker Gerhard Hildebrandt
Heilpraktiker Gerhard Hildebrandt

….”Im Alter schalten jedoch die Makrophagen permanent in eine Art Entzündungsmodus um.”….

Warum wohl? ….. Vielleicht, weil die zivilisatorische Nahrung Entzündungen hervorruft und damit falsch für den Menschen ist? Aber nein, daß kann gar nicht sein…. die Makrophagen MÜSSEN(!) was falsch machen!

Was für idiotische Forschungen.

#3 |
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Studentin der Humanmedizin

interessanter Artikel….aber „tolle“ Idee, durch die Antidepressiva ist dann der Kopf zwar lahm aber der Stoffwechsel schneller. Wie wär‘s mit Sport bis ins hohe Alter?

#2 |
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Dr. rer. nat. Frank Werner
Dr. rer. nat. Frank Werner

gibt es schon Erkenntnisse welchem Zweck diese spezialisierten Makrophagen dienen?

#1 |
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