Zum Abschuss freigegeben: die Kopfpauschale

1. Juli 2010
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Philipp Rösler ist mit der Kopfpauschale gescheitert. In einer Umfrage von DocCheck stimmten die meisten befragten Ärzte der Aussage, dass die Kopfpauschale eine wichtige Maßnahme zur Sicherung der Finanzierung der Gesundheitsversorgung ist, nicht zu. Wie ist Ihre Meinung?

Ein Kommentar aus der DocCheck Community:

„Nach einem Überschuss der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) von 1 Milliarde
Euro in 2009 jetzt Kassandrarufe mit geschätzten Defiziten von 9 Milliarden in 2010.
Hektische Streichorgien bei der Koalition, Panik bei den Krankenkassen, Verunsicherung
seitens der Patienten. Und dann die nach der Einführung des Kopfstands in
der Geburtshilfe zweitdümmste Idee in der Gesundheitspolitik: Die Kopfpauschale!
Die GKV ist aber keine Versicherung, sondern eine Umlagekasse. Alle Mitglieder dieser
Risiko-Lebensgemeinschaft zahlen ein: Jeder prozentual nach seinen Einkünften und
Möglichkeiten gemeinsam mit einem dynamisierten Arbeitgeberanteil.1

Und dann kommt ein sozial inkompetenter, angelernter FDP-Mann und kündigt eine
 kollektive Einheitspauschale an. Eine Flatrate, mit der jede(r) Gesundheits- und
Krankheitsleistungen, ambulante, stationäre, konservative, operative und palliative
Medizin beliebig oft abgreifen kann, ohne dass ärztliche Vernunft und Augenmaß
gefragt wären? Die Flatrate bei Alkohol, die „all-you-can-eat“ Mentalität, das
besinnungslose Abgreifen von Ressourcen, sonst überall vernünftigerweise geächtet und
gefürchtet, in unserem Gesundheitswesen soll die organisierte Maßlosigkeit per
Flatrate-Gesundheitsprämie eingeführt werden?“ Weiter lesen

1 vgl.: „Kopflos in die Kopfpauschale“ in Theorie und Praxis der Sozialen Arbeit (TUP) 61,
H. 3, Juni 2010, S. 207-210, Juventa Verlag, Weinheim

Autor:
Dr. med. Thomas G. Schätzler,
Facharzt für Allgemeinmedizin Dortmund

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16 Wertungen (3.5 ø)
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2 Kommentare:

Jakob Mehlmann
Jakob Mehlmann

Man kann sich wirklich nur wundern, wie die Politiker der FDP gegen jede Logik handeln. 2009 wurden die Kassenbeiträge drastisch erhöht, woraufhin die Krankenkasse Überschüsse erzielt haben. Jetzt heißt es, wird eine Defizit 11 Milliarden 2011 erwartet. Woher solche Kostenexplosion? Plötzliche Steigerung des Krankenstandes der Bevölkerung ? Drastische Absenkung der Beschäftigungsquote mit entsprechendem Beitragsausfall? Beides trifft nicht zu.
Die vorgeschlagene Kopfpauschale soll nun das Problem lösen, wobei die Beiträge bei höheren Gehältern um fast 50% sinken (!?). Woher kommt denn die Finanzierung? Von den Beitragszahlern mit niedrigerem Einkommen? Es wird jedoch behauptet, dass bei diesen ein Sozialausgleich aus Steuermitteln vorgesehen ist, und gleichzeitig eine erhebliche Steuerentlastung wird versprochen.
Und diesen Wahnsinn sollen wir akzeptieren. Die FDP hält die Bevölkerung für Idioten?
Zuletzt wurde ein Zusatzbeitrag 30 Euro pauschal vorgeschlagen. Stellen sie sich mal eine Rentnerin vor, der mit ihrer Rente 600 gerade noch 200 zum Leben bleibt. Für die wäre es eine Beitragserhöhung um 5%(!) bedeuten.
Die Politiker mit ihren ständigen Diätenerhöhungen und vor allem Nebeneinkommen haben schon jede Skrupel verloren, um ihre Klientel zu bedienen.

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Olaf Ramm
Olaf Ramm

Grundlegende Bedürfnisse der gesundheitlichen Massenversorgung lassen sich nur solidarisch decken. Solidarität ist dabei kein Zeitgeistbegriff oder ursozialdemokratisches Wortgut sondern die Fähigkeit und die Einsicht in ihre Notwendigkeit ein Merkmal, durch das sich unsere humanen Gene von der animalischen Gegenseite am deutlichsten differenzieren lassen. Eine entwicklungsbiologische Errungenschaft. Der Stärkere hilft dem Schwächeren, der Gesunde dem Kranken. Das ist durchaus im Interesse derjenigen, die heute stark und gesund sind, im Verlauf der Generationen aber auch schwächere Mitglieder hervorbringen werden und auch selbst Veränderungen im Zeitablauf ausgesetzt sind.

Dass die umlagefinanzierte Solidarität an demografischer Schwindsucht leidet ist bekannt. So ist nicht auszuschließen, dass die Kopfpauschale weder die letzte noch die unsozialste Idee bleiben wird. Ebenso wenig schließe ich jedoch aus, dass es der Solidargemeinschaft mit forcierter Geistes- und Willensanstrengung gelingen wird, eine tragfähige Lösung zu finden, bei welcher die Geschäftsgrundlage des Systems ¿ das Solidarprinzip ¿ erhalten bleibt.

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