Schizophrenie: Die-Anti-Stimmen-Stimulation

28. September 2017
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Neurologen haben herausgefunden, welche Regionen des Schläfenlappens bei Halluzinationen eine zentrale Rolle spielen. Per Magnetstimulation genau dieser Bereiche gelang es, bei jedem dritten Patienten die Beschwerden deutlich zu lindern.

Menschen mit Schizophrenie leiden an unterschiedlichen Symptomen. Etwa sieben von zehn Patienten hören Stimmen. Das Phänomen ist als Auditory Verbal Hallucinations (AVH) bekannt und belastet Betroffene und Angehörige gleichermaßen. Die Behandlung erwies sich bislang als schwierig. Dabei sind transkranielle Magnetstimulationen (TMS) schon länger als mögliche Behandlung im Gespräch.

Bislang fehlten jedoch methodisch hochwertige Daten, um den Mehrwert zu beurteilen. Wissenschaftler um die Psychatrie-Professorin Sonia Dollfus von der Universität Caen haben erstmals gezeigt, dass sich AVHs durch hochfrequente magnetische Impulse kontrollieren lassen. Dollfus hat ihre Ergebnisse auf der Konferenz des European College of Neuropsychopharmacology (ECNP) vorgestellt.

Erste randomisierte kontrollierte Studie

Für die Studie rekrutierten Forscher 59 Patienten mit Schizophrenie und AVH. Anschließend ordneten sie alle Teilnehmer randomisiert zwei Gruppen zu: 26 Personen erhielten über vier Wochen hinweg regelmäßige TMS-Behandlungen. Per Magnetresonanztomographie (MRT) wurden die Impulse auf einen Hirnbereich im Schläfenlappen gelenkt, der mit der Sprache in Zusammenhang gebracht wird. Weitere 33 Personen dienten als Kontrollgruppe. Hier fand lediglich eine Scheinintervention statt. Die Studie wurde doppelt verblindet.

Schizophrenie

Magnetische Stimulation und MRT in Echtzeit © Universität Caen

Dollfus befragte alle Teilnehmer mit der Auditory Hallucination Rating Scale zu ihren Symptomen. Als Endpunkt definierte die Forscherin eine mehr als 30-prozentige Abnahme von Halluzinationen, gemessen an dieser Skala.

„Willkommene Ergänzung zum therapeutischen Repertoire“

Nach zwei Wochen hatten 34,6 Prozent der Teilnehmer, die mittels TMS behandelt worden waren, dieses Ziel erreicht, verglichen mit 9,1 Prozent unter der Scheinintervention. Alle Unterschiede waren statistisch signifikant. „Dies ist die erste kontrollierte Studie, bei der ein anatomisch definiertes Gehirngebiet bestimmt wurde, in dem hochfrequente magnetische Impulse gegen das Hören von Stimmen wirken“, kommentiert Dollfus.

Laut Andreas Meyer-Lindenberg, Direktor des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim, baue die Arbeit auf älteren Studien auf. Bereits früher hätten Neurologen gezeigt, dass übermäßig aktive Regionen des Schläfenlappens mit Halluzinationen in Verbindung stünden. TMS sei eine „willkommene Ergänzung zum therapeutischen Repertoire, besonders für Patienten, die nicht auf Medikamente reagieren“.

 

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Bildquelle: Ashley Van Haeften, flickr / Lizenz: CC BY
Forschung, Medizin, Neurologie

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