Gewalt in der Pflege: Mal Täter, mal Opfer

28. September 2017
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Fast jede dritte Pflegefachkraft ist in ihrem Beruf mit Gewalt konfrontiert. Sie befinden sich nicht nur in der Opferrolle, sondern werden oft selbst zu Tätern: So werden Patienten beispielsweise mit Medikamenten gegen ihren Willen ruhiggestellt.

Mindestens 90 Patienten soll der ehemalige Krankenpfleger Niels H. in niedersächsischen Krankenhäusern über Jahre hinweg getötet haben. Zu diesem Ergebnis kamen Staatsanwälte vor wenigen Wochen. Die Taten lösten neue Diskussionen über Gewalt in der Pflege aus. Professor Dr. Frank Weidner spricht von einem „Fall mit außerordentlicher krimineller Energie“. Der Wissenschaftler ist Direktor des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung (DIP) und Lehrstuhlinhaber Pflegewissenschaft an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Vallendar.

Einfach unter den Teppich gekehrt

Bei der Aufarbeitung stellt sich eine zentrale Frage: Warum hat niemand früher reagiert? Vorgesetzte bemerkten sehr wohl die hohe Sterberate, während Niels H. Dienst hatte. Sie boten ihm eine Versetzung in den Hol- und Bringdienst bei vollen Bezügen an. Alternativ solle er von sich aus kündigen und ein exzellentes Arbeitszeugnis erhalten.

Dass es sich hier um keinen Einzelfall handelt, belegen Berichte aus Bremen: „Die schlägt mich“, hatte eine 84-jährige Frau ihren Söhnen immer wieder gesagt. Gemeint war ihre Pflegerin Silke T. im Heim. Unter den Bewohnern fanden sich keine brauchbaren Zeugen. Die Heimleitung schob wiederum alle Behauptungen auf die angebliche Demenz der Patientin. Deshalb installierten Familienangehörige heimlich eine Kamera. Vor Gericht wurde das Filmmaterial als Beweis zugelassen. Doch das Urteil gegen die Pflegerin fiel mit einer Bewährungsstrafe extrem milde aus. Vor Gericht kam auf, dass der zuständige Heimleiter Beschwerden mehrerer Patienten und Angehörigen einfach ignoriert hatte.

Zwangsmaßnahmen durch Personalknappheit

Derartige Extremfälle sind selten. Trotzdem steht Gewalt in der Pflege an der Tagesordnung. DocCheck hat acht examinierte Pflegekräfte aus dem Münchener Raum befragt, um ein Stimmungsbild einzufangen. Alle Pflegekräfte gaben übereinstimmend an, im Laufe ihrer Karriere Maßnahmen gegen den Willen von Patienten durchgeführt oder dies wenigstens miterlebt zu haben.

„Wir haben zu wenig Zeit, um uns länger mit Pflegebedürftigen zu befassen“, sagt Aygün G. Ihr Kollege Piotr W. bestätigt dies: „Ich denke, in vielen Fällen wäre es gar nicht notwendig gewesen. Aber wir können die Arbeit schon so nicht mehr bewältigen.“ Aygün G. ergänzt, Vorgesetzte wüssten Bescheid, würden aber „lieber wegsehen anstatt mehr Kollegen anzustellen“. Den vollen Namen will niemand nennen, zu groß ist ihre Angst vor Repressalien durch Vorgesetzte.

Gewalt gegen Pflegekräfte sehen die Befragten nicht als das zentrale Problem. Sie verweisen übereinstimmend auf Pharmakotherapien, die von Pflegekräften eingesetzt werden, um Patienten ruhigzustellen.

Manchmal Opfer, manchmal Täter

Eine systematische Befragung mit großer Datenbasis zeigt jetzt das wahre Ausmaß von Gewalt in der Pflege. DIP-Forscher haben standardisierte Fragebögen mit 22 Positionen entwickelt und an 1.200 Personen aus Pflegeberufen verschickt. Sie erhielten 402 auswertbare Blätter (33,5 Prozent) als Rücklauf. 79,1 Prozent der Teilnehmer waren weiblich, 16,4 Prozent männlich, und 4,5 Prozent machten keine Angabe. 64,2 Prozent hatten einen Abschluss im Pflegebereich, und 17,2 Prozent befanden sich in einer entsprechenden Ausbildung. Im Detail betrachtet stellten ausgebildete Gesundheits- und Krankenpfleger die größte Gruppe dar, gefolgt von Schülern der Gesundheits- und Krankenpflege.

Nur knapp 10 % haben noch keine Gewalt erlebt

Rund ein Drittel der Befragten gab an, häufig in der Praxis mit Gewalt Erfahrung gemacht haben. Die Hälfte der Pflegekräfte kreuzte an, dass sie selten damit in Kontakt gekommen sind. Nur 9,5 Prozent hatten derartige Vorfälle noch nie erlebt.

Weidner fand deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Personengruppen. Pflegeschüler erlebten häufiger Maßnahmen gegen den Willen von Patienten im Vergleich zu Pflegefachkräften. Rund die Hälfte der Schüler bestätigten solche Vorfälle, bei den Pflegefachkräften war es etwa ein Drittel.

Gewalt gegen Pflegende

Weitere 13,7 Prozent der Pflegekräfte berichteten, selbst Opfer von Gewalt geworden zu sein. Und zwei Drittel der Befragten gaben an, dass sich in den letzten drei Monaten Gewalt gegen sie gerichtet hat – zwar nur „eher selten“ oder „sehr selten“, aber sie konnten es nicht ausschließen. Nur 18 Prozent der Pflegekräfte konnten auf die Frage „Wie häufig erlebten Sie im Arbeitsalltag Gewalt, die sich gegen Sie selbst richtet?“ mit „nie“ antworten.

 

Pflege_A

© DIP

 

 

Pflege_B

© DIP

 

Die Vorfälle werden nicht aufgearbeitet

Ungeachtet dessen, dass häufig Maßnahmen gegen den Wunsch des Patienten durchgeführt werden, dass sich regelmäßig Gewalt gegen Patienten und auch gegen Pflegende richtet, ist es besonders bedenklich, dass die Vorfälle anscheinend nicht aufgearbeitet werden. Auf die Frage „Wie häufig erfolgte in Ihrer Abteilung die Aufarbeitung von gewaltätigem Verhalten gegenüber Patienten und gegenüber Pflegenden?“ kreuzten die meisten Befragten „sehr selten“ oder „nie“ an.

Was eigentlich von Pflegenden und Patienten, Bewohnern oder Pflegebedürftigen unter Gewalt verstanden wird, wie auch bezüglich des Vorkommens und der jeweiligen Perspektive und Rolle eines Menschen im Kontext spezifischer Pflegesituationen von großer Vielfalt be-stimmt.

Was definiert Gewalt? Sexualisierte Gewalt, verbale Übergriffe, Medikamentenmissbrauch?

Zwar liefert die Befragung keine Gründe, aber sie zeigt deutlich auf, dass etwas getan werden muss. So muss auch darauf hingewiesen werden, dass die Befragungsergebnisse methodisch ihre Grenzen haben. Es handelt sich um eine nicht repräsentative Stichprobe (402 ausgefüllte Fragebögen). Beim Studiendesign wurde auch keine einheitliche Definition des Gewaltbegriffs zugrunde gelegt. So wird beispielsweise körperliche und sexualisierte Gewalt, verbale Übergriffe, Medikamentenmissbrauch, Missachtung der Privatsphäre, finanzielle Ausbeutung und Vernachlässigung von Pflegebedürftigen als Gewalt erlebt und verstanden.

Trotz dieser Limitationen zeigen Weidner und Kollegen, dass dringender Handlungsbedarf besteht, vor allem bei der Aufarbeitung von Gewalt.

Wege aus dem Dilemma

Bleibt als Fazit, dass Gewalt in der Pflege ein komplexes Thema ist. Einfache Lösungen gibt es nicht, aber diverse Ansätze.

  • Mehr Schulung, mehr Supervision: Eine Antwort liefern Weidner und Kollegen selbst, indem sie Hinweise auf die fehlende Aufarbeitung von Gewalterfahrungen finden. Rund vier von fünf Befragten kreuzten an, in ihrer Einrichtung gäbe es Fallbesprechungen, regelmäßige Supervision oder ein Deeskalationsmanagement „eher selten“ bis „sehr selten“. Rund drei Viertel aller Pflegefachpersonen und Pflegeschüler haben nach eigenem Bekunden Interesse an Fort- und Weiterbildungen zum Themenfeld „Gewalt in der Pflege“. Dem stehen wenig Angebote der Arbeitgeber gegenüber.
  • Verbesserung der Fehlerkultur: Anonyme Möglichkeiten zur Meldung wie das Critical Incident Reporting System (CIRS) kannten nur 45,8 Prozent. Hier besteht dringender Nachholbedarf.
  • Mehr Personal: Die von DocCheck befragten Pflegefachkräfte sahen das Problem unisono im Fachkräftemangel und in der Überlastung. „Nach wie vor fehlen in unseren Krankenhäusern Zehntausende Mitarbeiter in der Pflege“, kommentiert Andreas Westerfellhaus, Präsident des Pflegerats. „Zahlreiche aktuelle Studien zeigen, mit welchen enormen und stetig steigenden Arbeitsbelastungen die professionell Pflegenden umzugehen haben.“ Mittelfristig fordert er eine Personalmindestbesetzung für die Pflege in allen Krankenhausbereichen, ohne die notwendige Flexibilität zu gefährden. Personalschlüssel sollten auch in anderen Bereichen gelten.
  • Mehr Zivilcourage: Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen wird es immer Personen wie Silke T. oder Niels H. geben. Bei der gerichtlichen Aufarbeitung wurde klar, dass Vorgesetzte sehr wohl Hinweise auf das Fehlverhalten hatten. Sie sahen lieber weg, anstatt der Sache nachzugehen.
50 Wertungen (4.26 ø)
Bildquelle: Pete and Noe Woods, flickr / Lizenz: CC BY-SA

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25 Kommentare:

Aber trotzdem einmal an dieser Stelle: Ein Hoch und ein riesiges Dankeschön an alle Pflegekräfte, die sich aufopferungsvoll um ihre Patienten kümmern und dabei ihre körperliche und manchmal auch geistige Gesundheit gefährden.

#25 |
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In jeder Berufsgruppe gibt es schwarze Schafe, auch bei Pflegekräften. Bei meiner langjährigen Tätigkeit im KV-Dienst und bei der Betreuung von Verwandten und Bekannten in den hiesigen Altersheimen konnte ich feststellen, dass der allergrößte Teil der Pflegekräfte hochmotiviert, interessiert und auch verantwortungsbewußt mit den Patienten umgeht. Einige wenige sind desinteressiert, vielleicht auch einfach ausgebrannt. Körperl. Gewalt konnte ich bisher glücklicherweise nirgends vermuten. – Nur eines schlägt mir auf den Magen: Die Windelversorgung der nicht mehr so mobilen Bewohner, um den unterbesetzten Nachtdienst mit den WC-Gängen zu entlasten.

#24 |
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Gast
Gast

Wissen u. Supervision reicht bei der Unterbesetzung in Pflegheimen/ im KH nicht. Kenne keinen Hausarzt, der beschriebenes Verhalten durch Pflegekräften von Bewohnern hinterfragt. Beruhigungsmittel, Antidepressiva auch als Bedarfsmedikation, werden ohne weiteres verschrieben, auch von Fachärzten. Falls diese noch nicht ausreichen, gibt es für die überarbeiteten Pflegekräften in den Heimen u. im KH noch die Lösung (unverstandene) sich oft als aggresiv gezeigte Bewohner o. Patienten, einfach in die Psychiatrie als Notfall einzuweisen. Dies ist bei nicht alltägl. Verhalten, wegen auch dort oft nicht freien Plätzen, nicht immer gleich möglich, doch auf die Warteliste kann man dies ja schon für den Notfall setzen. Macht man bei solchem Verhalten nicht mit, o. beanstandet dies, wird man von Vorgesetzten / Leitung/ Team gemobbt. Mehr Personal gibts nicht, sind welche krank, muss dies von anderen mitübernommen werden. Schreiben an MDK u. Gesundheitsminister/ Abgeordnete laufen ins Leere. Keiner interessiert sich für das total überfordertes, unterbezahlte Personal 0. für schlagende Bewohner/ Patienten etc. Es wird bei Wahlen viel geredet, aber nichts getan. Tritt mal ein Einzelfall wie bei dem Pfleger in die Öffentlichkeit, werden plötzlich gleich alle als neg. hingestellt. Es gibt aber viele Pfleger/Pflegerinnen in Heimen u. im KH die ihre letzte Kraft dafür hergeben nur damit die Menschen dort noch einiger Maßen gut betreut werden! Dafür erhalten sie später weder eine Medaillie noch eine bessere Rente. Im Gegenteil! Es wird Zeit, dass sich dies endlich ändert u. nicht nur Versprechungen gemacht werden! Einsatz u. verschriebene Psychopharmaka sollte in Heimen/ im KH u. bei der B’eliebtheit von Ärzten bei Bewertungen, zu negativen Qualitätssiegeln mit großem Punkteabzug führen. Einsatz von höherem Personal, dass wirkl. Bewohner-/Patientenorientiert arbeitet u. gezielte von ex Pflegekräften durchgeführten Angeboten anbietet sollte mit Goldsiegel prämiert werden!

#23 |
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Gast
Gast

Nur mal nebenbei – wenn Leute ihren vollen Namen nicht nennen wollen, um sich zu schützen, ist das O.k. Dann sollten aber auch so beeindruckende Vornamen wie oben benannt (oder sind sie schon geändert?) nicht erscheinen. Im Ernstfall sind Arbeitgeber auch nicht doof und bei der beschriebenen Lokalisierung……

#22 |
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Gast
Gast

@ Schneider: die Vergabe von Psychopharmaka (Oberbegriff für verschiedene Wirkstoffklassen) basiert auf ärztlicher Anordnung und darf nicht nach Belieben vom Pflegenden verabreicht werden – ähnliches gilt für Bedarfsmedikation. Das Problem -gerade in Pflegeheimen – ist, dass viele Heimbewohner noch von ihrem Hausarzt betreut werden, der nach längerem Zeitraum aber kaum noch einen Überblick über den jeweiligen Gesundheitszustand und damit über die aktuelle Wirkweise der vor längerem Zeitraum verordneten Medikation auf seinen Patienten haben kann. Im Grunde müssten entweder die Hausärzte verpflichtet werden, den Gesundheitszustand von ihren Patienten im Pflegeheim in regelmäßigen und kürzeren Abständen zu evaluieren. Oder die Träger von Pflegeheimen müssten verpflichtet werden, mind. einen Facharzt für das jeweilige Heim über Kooperationsverträge zu verpflichten. Beide angedachte Möglichkeiten sind aber kaum für einen Mediziner wirklich lukrativ.
Ferner können Nebenwirkungen von Medikamenten in Pflegeheimen kaum erkannt werden, weil diese Heime häufiger Pflegehilfskräfte (GPAs) einsetzen – auch für Aufgaben in der Behandlungspflege, für die die eigentlich erforderliche Qualifikation wie bei einer Pflegefachkraft aber nicht vorliegt.

#21 |
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Schneider
Schneider

Problematisch finde ich die häufige Vergabe von Psychopharmaka bei älteren Menschen. Allerdings ist der Stress in Pflegeheimen immens. Ich bin für jeden PflegerIn dankbar, der diesen Beruf ausübt, auch wenn ich das Niveau im Pflegeheim z.T. schlimm finde. Dennoch, unser Pflegeheimsystem ist hochgradig zu hinterfragen und der PflegerIn kann nicht zu einer aufgeweckten, liebevollen Persönlichkeit heranwachsen, wenn die Bedingungen im Pflegeheim das eigentlich verhindern. Andersherum ist es sicherlich für einen alten multimorbiden und hochgradig pflegebedürftigen Menschen sicherlich schwierig in einem Pflegeheim sich umsichtig und auch mal Gebend zu verhalten. SCHWIERIG:
In politischen Diskussionen frage ich meine Mitmenschen immer wo sie denn denken ihre letzten Lebensjahre zu verbringen. Ich gehe davon aus die meisten! Komisch, dass die breite Masse das nicht sieht und die Politik auch nicht. Was ist eigentlich lebenswert, was braucht der Mensch?? Generell eine große Frage und gerade in den letzten Lebensjahren durchaus sichtbar. Perfekt organisierte und durchstrukturierte Pflegeheime? Gewalt; ist das kein Ausdruck von Not in unterschiedlichsten Bereichen?

#20 |
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Mitarbeiter Industrie

zu dem sehr umfänglichen Beitrag Gewalt in der Pflege, mal Täter mal Opfer…
sei schlicht und ergreifend die grundsätzliche Frage erlaubt…… für Pflegekräfte und zu” pflegende Menschen” gelten nicht die gesetzlichen Vorgaben sowie das Grundgesetz der BRD gleich ?
Wer alt und auch noch pflegebedüftig ist wird degradiert, entmündigt ? Pflegekräfte sind Freiwild ? und massiv unterbezahlt….
Seit Jahrzehnten sind die zum Himmel schreienden Missstände hinreichend bekannt. Die Justiz und die Betreiber von sogenannten Seniorenresidenzen sitzen die z.T. sogar höchst strafbaren Missstände aus. Schließlich geht es um Milliarden EUROS an Gewinnen, nahezu unkontrolliert finanziert durch die Pflegekasse.
Der MDK führt ein Milliarden EURO teures Dasein, auf Kosten der Beitragszahler.
Eine unheilige Allianz zwischen ” Heimbetreibern” und dem MDK , seit Jahrzehnten eingespielt, zementiert die total menschenunwürdige Situation.
Da auch sogenannte Gesundheitspolitiker, gerade der CDU / CSU, sich an der Erhaltung dieses menschenunwürdigen Systems abarbeiten wird sich kein Yota
ändern. Wehe den pflichtbewußten Pflegekräften, wehe den wehrlosen zu Pflegenden.
Wer sich einen Eindruck der Zustände in deutschen Heimen verschaffen will
kann sich gerne über http://www.pflege-shv.de informieren.
Hierzu sieht NUR starke Nerven notwendig, keine Pflegeforschung ( DIP)
kein Präsident des Pflegerates, kein Lehrstuhl Pflegewissenschaft.

#19 |
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Gast
Gast

@elfenbein:
Vom Wissen allein kann niemand seine Miete bezahlen und einkaufen, geschweige denn eine Familie gründen.

#18 |
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ivory
ivory

Viele sind einfach nicht für einen helfenden Beruf geeignet, auch wenn das “Wissen” hervorragend ist.

#17 |
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Dr. rer. nat. Michael Johannes Reuter
Dr. rer. nat. Michael Johannes Reuter

Viel schlimmer als die schon verabscheuungswürdige Gewalt gegen zu pflegende
Personen ist die mangelnde Pflege im Alten- und Behindertenbereich von heute.
Der Mindeststandart der Hygiene wird in vielen Fällen unterschritten was auf
zu wenige Pflegekräfte und zu wenige unabhängige Kontröllen durch Aufsichts-
organe zurückzuführen ist. Von diesen Kontrollen sollten auch nicht große soziale
Einrichtungen der Kirchen ausgenommen werden.

#16 |
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Dipl.oec-troph.J.Ritschel
Dipl.oec-troph.J.Ritschel

Wir fahren (anonym) Auto und leben Gewalt…kleine Kinder werden von ihren Erziehungspersonen gemaßregelt- auch hier oft mit selbstverständlicher Gewalt(Zerren/wegziehen/Schlagen)- die wenigsten greifen dabei ein, obwohl das Kind das Recht auf Unversehrtheit hat(vor allem seelisch) ist Privatsache- was hast du mir zu sagen-willst du auch eine reingehaut bekommen…Ich möchte an den eben beendeten Wahlkampf erinnern-ganz böse Gewaltorgien-und sie hören nicht auf ;Sprachgewalt in Medien, auf sog.Protestaktionen jeden Montag, usw. usw. Fazit: nicht auf andere schauen- sich an die eigene Nase fassen!!! Wie wär es mit einem Miteinander, Empathie- bitte nicht den Pflegeberuf hier anprangern.

#15 |
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Dr. med. Monika Kuppe
Dr. med. Monika Kuppe

Ich bin ehrlich geschockt darüber, wie unempathisch und offen Frau Dr. VET. Ehreiser-Schmidt über hilfsbedürftige Menschen in Pflegesituationen schreibt. Ich habe sofort ihren Web-Eintrag/Haustierpraxis gelesen, leider gab es da keine Möglichkeit zur direkten Kommunikation….. Es ist die Rede von ihrem sehr individuellen Blick auf das jeweils so individuelle Haustier…….

Ich finde, Sie sollten bei den Tieren bleiben, davon verstehen Sie vielleicht mehr…… und im greisen Alter haben Sie dann vermutlich auch eine passende Lösung für sich selbst parat.

#14 |
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Medizinphysiker

Mehr Schulung, verbesserte Fehlerkultur, Supervision, das sind alles Alibimaßnahmen.
Eine vernünftige Bezahlung löst das Problem “mehr Personal” von selbst und nicht überfordertes Pflegepersonal neigt auch weniger zur Gewalt in der Pflege.

Aber das kostet halt…..

#13 |
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Gast
Gast

Und was schlägt Frau Dr anstatt dessen vor? Euthanasie?

#12 |
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Dr. med. vet. Cornelia Ehreiser-Schmidt
Dr. med. vet. Cornelia Ehreiser-Schmidt

Das sind Überlegungen, die unter der normativen Kraft des Faktischen dahinschmelzen werden wie Butter in der Sonne. Wir werden uns diese Schneckentänze in kurzer Zeit nicht mehr leisten können. Greise, kognitiv abgestürzte Menschen sind nichts anderes als Untote, deren Körper künstlich am Leben erhalten werden. Mit “Pflege” hat das wenig zu tun. Wozu, außer zur Generierung von Umsatz und Gewinn, soll das gut sein?

#11 |
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Genauer definiert werden müsste: Was ist Gewalt und wo fängt sie an, wo hört sie auf? Welche Gewalt ist systembedingt, durch mangelnde Organisation, Unterbesetzung, dem Denken Patienten müssen diese oder jenes tun, Hirarchie: was der Chefarzt /die PDL ec. sagt ist wichtig was der Patient sagt nicht…und welche Gewalt ist persönlich bedingt beispielsweise durch narzistische Persönlichkeitsstörungen ec. Sie findet dann auch nicht nur durch Pflegekräfte sondern auch durch andere Mitarbeiter der Kliniken, Ärzte ec statt. Neben Supervision, Deeskalationstraining braucht es Mut Grenzen zu ziehen und klar zu sagen: wer Gewalt ausübt hat 0 Toleranz, fristlose Kündigung. Leider wird dann in den meisten Fällen vom Arbeitsgericht entschieden, Kündigung muss fristgerecht sein und ein gutes Zeugnis muss ausgestellt werden. Das ist Doppelmoral. Wieso muss ich einer Pflegekraft die nachweislich gewalttätig gehandelt hat, ein gutes Arbeitszeugnis ausstellen?

#10 |
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Gast
Gast

In der Schweiz gibt es EXIT Humanes Sterben in der Schweiz
Die Schwerstkranken können selber bestimmen wann u. wie
sie begleitet sterben.Auch ist die Bezahlung für die Pflegekräfte in der Schweiz besser

#9 |
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Gast
Gast

Rein theoretisch könnte jede pflegerische Unterstützungsmaßnahme des Patienten, die zu einer Verhaltensänderung des Patienten im Sinne einer Wiederherstellung seiner selbstständigen Lebensbewältigung führen soll, als eine Art “Gewalt” betrachtet werden. So wäre evtl. schon in den gängigen Pflegebegriffen “Gewalt” implizit gegeben. Denn solche Notwendigkeiten von Pflegebegriffen – wie “soziale Interaktion”/”Kommunikation” – beinhalten im Sinne ihrer dialektischen Struktur immer die Beeinflussung des Gegenübers. Also geht es Kern darum, ob der Patient “den guten Wille des Pflegenden im Sinne des Patienten” erkennen kann oder/und will. Diese Überbrückung der Diskrepanzen vonseiten der Pflege ist m.E. ihre zeitaufwendigste und schwierigste Aufgabe im Patientenkontakt. So ist manchmal leider auch zu erkennen, dass ein Patient nicht therapiewillig ist (mir auf Suchtstation manchmal passiert), sodass nach mehrmaligen Abmahnungen dann doch der Therapieabbruch empfohlen werden muss.
Solche Leute wie Nils H. aber treffen keine der Definitionen von gängigen Pflegebegriffen, da sie ihre Berufserlaubnis dazu verwendet/missbraucht haben, zum Schaden ihrer anvertrauten Patienten sich selbst zu erhöhen, um eigene narzisstische Bedürfnisse zu befriedigen. Hört sich nach Helfersyndrom an, die bei fehlender Rückbestätigung (vonseiten des Patienten) zu depressiv-aggressiven Verhalten führen können. In diesem Beruf gibt es manchmal Menschen, die überengagiert sind und enttäuscht wirken, wenn das Lob für dieses Überengagement ausbleibt. Vielleicht müssten diese Menschen vom Setting besonders gestützt und vor Überlastung geschützt werden – aber zunächst erstmal erkannt werden.

#8 |
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Renate Steinert
Renate Steinert

Pflege nach Minuten im ambulanten Bereich war ja die abartige Spitze eines Eisbergs, indem immer mehr Geld, das ins Gesundheitssystem gepumpt wird, bei Trägern und Besitzern von Pflegediensten, Heimen oder Kliniken landet bzw. deren Aktionären. So wenig Personal wie nur gerade noch möglich soll ethisch hochstehende hochqualifizierte Arbeit leisten. Und wenn es klappt, ziehen wir doch noch jemand ab und sehen, ob es weiter gut geht… Gewinnmaximierung und Wachstum sind Begriffe, die in dieser Branche einfach ekelhaft sind.

#7 |
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Gesundheits- und Krankenpflegerin

Ohne das ganze schon wieder kompliziert zu machen, wozu wir Menschen ja neigen, ist es doch letztendlich eine ganz persönliche Einstellung des Einzelnen Kollegen oder Kollegin. Ich sehe das eher aus einem christlichen Kontext heraus… Soweit stelle ich mir die Fragen: Wie weit bin ich belastbar? Kann ich meine persönliche Probleme hinten an stellen? Kann ich großzügig mit Alzheimer Patienten und deren Reaktionen umgehen? Kann ich barmherzig sein? Bin ich gelassen genug? Ist die Nächstenliebe ein Thema? Habe ich Mitleid und kann ich auch Verständniss und eine große Portion Empathie für eine kranken Menschen aufbringen? Möchte ich selbst so behandelt werden, wie ich jetzt vielleicht handle?Solche Fragen sind aus meiner Sicht das Wichtigste. Die Bibel gibt uns da ein Erfolgsrezept an die Hand: Behandle andere Menschen so, wie du selbst behandelt werden möchtest – und das, meine Lieben, ist eine tägliche Herrausforderung!

#6 |
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Gast
Gast

Bedauerlicherweise ist Gewalt in der Pflege heute leider keine Seltenheit. Physisch oder psychisch wird insbesondere der ganz jungen oder der älteren Klientel Gewalt angetan. Nicht immer mit so gravierenden Folgen wie im oben benannten Fall. Wo fängt Gewalt an bzw. wo endet sie? Theoretisch wissen wir mit den Krankheitsbildern Demenz oder Multimorbidität, seelische Traumata etc. umzugehen. In der praktischen Umsetzung erleben wir das ganz anders. z. B. das Legen von Kathetern oder PEG Sonden (aus Zeitersparnis), weil Pflegekräfte keine Zeit (bzw. keine Lust) auf aufwendige und häufige Toilettengänge, bzw. Nahrungsmittelvergaben haben. Demenzkranke werden mit Sedativa ruhig gestellt. Auch dies ist eine Form von GEWALT. Aber alles was GELD kostet ist unwirtschaftlich! Müssen wir uns nicht endlich die Frage stellen, wie man diese Situtation für die Betroffenen verbessern kann? Würden im sozialen Bereich genügend Gelder zur Verfügung stehen, dann hätten wir innerhalb kürzester Zeit keine Probleme mehr. Egal ob es sich um Fachkräfte oder Kinderbetreuung handelt. Gleichwohl muss aber auch bedacht werden, dass Ausbildungen sehr teuer sind. Um hier Anreize zu setzen, muss dies für die Arbeitgeber entweder kostenfrei oder aber zumindest mit einer festzusetzenden beruflichen praktischen Verpflichtung verbunden werden. (Früher musste man im Pflegebereich 5 Jahre Berufspraxis in Vollzeit nachweisen, bevor weitere Qualifizierungen überhaupt in Frage kamen). Das oben genannte Beispiel zeigt wieder einmal auf, das nicht JEDER für den Pflegeberuf in Frage kommt, und das Arbeitgeber und Führungskräfte den Weg des geringsten Widerstandes wählen. Was nutzt es dem Sektor wenn derartig auffällige Arbeitsweisen auch noch mit einem “exellenten Zeugnis” belohnt werden? Ach ja ich vergaß: die entscheidenden Akteure unserer Arbeitsgerichte sind hier nicht ganz unbeteiligt!!! Durch deren Vorgehensweise zwingen sie Einrichtungen dazu im Personalwesen derartige Entgleisungen hinnehmen zu müssen. Und noch eine Anmerkung zum Schluss: Die negative Kritik betrifft auch diejenigen die mit allergrößter Empathie und Sorgfalt in diesen Bereichen ihrer Arbeit nachgehen.

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Medizinjournalistin

“Sie befinden sich nicht nur in der Opferrolle, sondern *werden oft selbst zu Tätern*.”
Disen Satz kann man aus meiner Sicht so nicht formulieren, wenn man mal representative Zahlen betrachten würde, statt eine nicht repräsentative Umfrage und einen Einzelfall, wenn auch einen mehr als tragischen. So kann der falsche Eindruck entstehen, dass Gewalt seitens Pflegenden an der Tagesordnung ist.
Den Hinweis des Gastkommentars (16:58), nicht alle Maßnahmen in einen Topf zu werfen, finde ich ebenfalls sehr wichtig.

#4 |
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Gast
Gast

In manchen Bereichen bleibt es eben nicht aus.
In der Anästhesie zum Beispiel steht es an der Tagesordnung, dass ein nicht orientierter Patient der gerade aufwacht auch mal mit den Armen um sich schlägt. Das ist aber nicht an meine Person gerichtet, sondern ergibt sich aus der Situation und vor allem Medikation. Man sollte hier klar differenzieren zum geistig klaren Patienten der bewusst Gewalt ausübt.

#3 |
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Gast
Gast

Finde ich mehr als grenzwertig, hier alles in einen Topf zu werfen.
Es gibt für mich doch noch einen gewaltigen Unterschied zwischen Mördern wie Nils H. und (zeitlich begrenzte) Zwangsmaßnahmen wie z.B. das Fixieren der Hände beim deliranten beatmeten Patienten, der dadurch akut selbstgefährdet ist und ein paar Tage später dankbar, dass man ihn davon abhalten hat sich alle Zugänge etc. zu ziehen (mit potentiell tödlichen Folgen).
Aber wenn man allgemein einfach jede Art von Gewalt zusammenzählt, kriegt man natürlich schönere Schlagzeilen und gleichzeitig hohe Zahlen.

#2 |
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Gast
Gast

Das hat auch mit den hierarchischen Strukturen in den Kliniken zu tun. Die Fahrradfahrer: nach oben buckeln, nach unten treten.

#1 |
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