Thrombose: Über Baumstämme zu Diamanten

18. September 2017
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Um einer Thrombose vorzubeugen, können gezielte Übungen unterstützend sein. Die empfinden Betroffene als monoton und langweilig. Aktuell wird eine App für Smartphone und Tablet entwickelt. Sie soll spielerisch dafür sorgen, dass Patienten Übungen regelmäßig und lange genug durchführen.

Die Thrombose ist nach dem Herzinfarkt und Schlaganfall die dritthäufigste Kardiovaskuläre Erkrankung. Neben Medikamenten und anderen Präventionsmaßnahmen, wie etwa Kompressionsstrümpfen, helfen auch gezielte Bewegungsübungen, das Thrombose-Risiko zu senken.

„Bekannt ist dabei vor allem die Fußwippe oder sogenannte Muskel-Venen-Pumpe, kurz MVP“, sagt Daniel Steffen, Wissenschaftler in der Nachwuchsgruppe Wearhealth an der TUK. Dabei wird die Fußspitze zunächst weit nach vorne gestreckt und anschließend soweit wie möglich an den Körper herangezogen. Diese Bewegung soll mit beiden Füßen möglichst oft und regelmäßig wiederholt werden.

Keine Fußwippe mehr

Bei der Ausführung sieht Steffen Probleme, denn die Übung ist seines Erachtens „sehr monoton und ermüdend. Die Patienten haben hierbei oft keine hohe Motivation und Ausdauer. Aus Studien wissen wir, dass rund 65 Prozent der Patienten solche Übungen nicht oder nur teilweise durchführen“, erläutert Steffen.

Abhilfe soll hierbei die App Jumpball schaffen, die der Informatiker entwickelt hat. Es handelt sich dabei um ein Computerspiel, bei dem ein Wasserball über Baumstämme springt, auf denen sich verschiedene Gegenstände wie Diamanten, Münzen, Sterne oder Monster befinden. Springt der Ball darauf, erhält der Spieler Bonuspunkte. Landet der Ball auf einem Monster, werden ihm Punkte abgezogen. „Das Besondere ist, dass die Spieler es mit den Füßen steuern müssen und so gleichzeitig die MVP-Übung durchführen“, so Steffen weiter. Unterstützt wurde er bei der Entwicklung von den Medizinern Dr. Markus Muhm und Dr. Tim Danko vom Westpfalz-Klinikum in Kaiserslautern. Die Entwicklung des ersten Prototypen startete Ende 2016 und dauerte drei Monate.

Exergames in der Medizin

Viel Technik ist nicht notwendig: Neben Smartphone oder Tablet gibt es zwei kleine drahtlose Sensoren, die mit Klettbändern auf den Füßen befestigt werden und die Bewegungen erfassen. „Mit dem linken Fuß etwa springt ein Wasserball einen Baumstamm weiter, mit dem rechten Fuß springt der Ball bis zum übernächsten Stamm“, fährt der Informatiker fort. Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang von sogenannten Exergames. „Hierbei werden Videospiele mit körperlichen Übungen verbunden“, erläutert Steffen.

Ein Motivationsschub

In einer ersten Studie mit 40 Probanden hat Steffen überprüft, wie gut das Spiel die Motivation fördert. Zudem hat er untersucht, wie oft und wie lange die Teilnehmer die Übungen durchführen. Auch ging es darum, die Gebrauchstauglichkeit zu testen. Dazu wurden die Probanden in zwei Gruppen eingeteilt.

„Eine Gruppe hat Jumpball gespielt, die Kontrollgruppe verwendete eine Spiel-Variante mit reiner Zählfunktion. Als Anleitung sollten die Probanden der Kontrollgruppe sich vorstellen, Tretboot zu fahren“, so Steffen. Beide Gruppen konnten das Spiel jederzeit aus freien Stücken beenden. „Wir haben festgestellt, dass die Jumpball-Gruppe die Übungen deutlich länger und mit mehr Wiederholungen durchgeführt hat, die Motivation also deutlich höher war“, sagt der Informatiker.

Ansätze in Zukunft nutzen

Inwiefern das Spiel zukünftig von Thrombose-Patienten genutzt werden kann, ist noch unklar. „Aktuell gibt es noch keine Planungen für die Veröffentlichung der App. Die Software bietet aber beispielsweise auch die Möglichkeit, die Anwendung in einem Webbrowser laufen zu lassen, wodurch man sie auch auf einem Laptop oder Desktop-PC nutzen könnte.“, so Daniel Steffen gegenüber DocCheck.

Neben der App selbst müssten die dazugehörigen Bewegungssensoren entweder im behandelnden Therapiezentrum zur Verfügung gestellt oder für die mögliche Nutzung zu Hause erworben werden. Das Spiel richtet sich vor allem an Thrombose-Patienten und ältere Personen im Allgemeinen. In Langzeitstudien wollen die Forscher nun untersuchen, wie diese mit der Technik zurechtkommen und inwieweit diese spielerischen Ansätze für weitere Bewegungsübungen im Reha-Bereich genutzt werden können.

 

Der Text basiert auf einer Pressemitteilung der Technischen Universität Kaiserslautern.

 

Quelle:
jumpBALL – Ein mobiles Exergame für die Thromboseprophylaxe
D. Steffen et al., Mensch und Computer 2017 – Tagungsband, doi: 10.18420/muc2017-mci-0198 ; 2017

9 Wertungen (4.67 ø)

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2 Kommentare:

Physiotherapeutin Heike Klauser
Physiotherapeutin Heike Klauser

Es gibt schon seit Jahren die WII Konsole die ähnliche Spiele bietet. Nix neues also.
Wir setzen die WII schon lange in unserer Praxis ein!

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Angela Leyrat
Angela Leyrat

Super.

Es gibt nicht’s Gutes, außer, man tut es.

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