Reflux: Mittelmeerdiät statt PPI

15. September 2017
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Oftmals werden Patienten mit einem gastroösophagealem Reflux mit Protonenpumpenhemmern behandelt, um die unangenehmen Symptome zu lindern. Nun deutet eine Studie darauf hin, dass eine Mittelmeerdiät als Behandlungsalternative ähnlich wirksam sein könnte.

Bei Patienten mit gastroösophagealem Reflux gelangt Mageninhalt zurück in die Speiseröhre. Grund ist eine Kardiainsuffizienz: Der Ösophagussphinkter funktioniert nicht einwandfrei. Patienten leiden oft an Übelkeit und Erbrechen und mittelfristig kommt es zur Refluxkrankheit. Gelangt Säure bis in den Halsbereich, droht eine Laryngitis gastrica.

Sodbrennen breitet sich aus

Zur Epidemiologie gibt es einige ältere Arbeiten. James A. Koufman vom Voice Institute of New York untersuchte 113 Patienten mit Stimmstörungen. Es stellte sich heraus, dass 50 Prozent an einer Laryngitis gastrica litten.

Zu vergleichbaren Zahlen kommt Nadine P. Connor von der University of Wisconsin-Madison. Sie hat 1.845 Einwohner befragt und anhand von Scores nach Symptomen gesucht. Bei 66 Prozent aller Studienteilnehmer fand sie Hinweise auf Sodbrennen oder eine Laryngitis gastrica. 26 Prozent zeigten sogar Anzeichen beider Krankheitsbilder.

Teure PPI

Ärzte verordnen in erster Linie Protonenpumpenhemmer (PPI) zur Behandlung der Symptome. Louisa E. N. Rees von der University of Bristol zitiert unveröffentlichte Zahlen des National Health Service. Demnach gingen vier Prozent des Jahresbudgets von fünf Millionen Pfund (5,6 Millionen Euro) auf PPI-Verordnungen infolge säurebedingter Kehlkopfentzündungen zurück.

Die Arzneistoffe haben schon bei kurzfristiger Anwendung zahlreiche Nebenwirkungen gastrointestinaler Natur. Infektionen treten ebenfalls häufiger auf. Langfristig erhöht sich unter anderem auch das Frakturrisiko, da durch einen erhöhten pH-Wert in Magen und Dünndarm die Aufnahme von Calcium gestört wird. Wissenschaftler suchen daher nach Alternativen zur PPI-Gabe.

Weniger Säure durch spezielle Diäten?

Koufman stellt deshalb auf einer Website Diäten gegen die Refluxkrankheit vor. Diese Möglichkeit hat Craig Zalvan vom New York Medical College jetzt detailliert untersucht. Basis seiner Kohortenstudie waren 184 Patienten mit laryngealem Reflux. Sie erhielten zu unterschiedlichen Zeiträumen PPI beziehungsweise führten eine Mittelmeerdiät inklusive basischem Wasser aus. Änderungen der Beschwerden wurden über den Reflux Symptom Index (RSI) erfasst.

Zalvan definierte Verbesserungen von mindestens sechs Punkten als klinisch relevant. Dieses Ziel erreichten unter Pharmaka 54,1 Prozent. In der Gruppe mit mediterraner Kost waren es 62,6 Prozent. Im Median verringerte sich der RSI-Wert um 27,2 Prozent (PPI-Gruppe) versus 39,8 Prozent (Ernährungsgruppe). Die Unterschiede waren also nicht statistisch signifikant.

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„Unsere Daten deuten darauf hin, dass PPI nicht besser wirken als eine pflanzliche, mediterrane Diät mit basischem Wasser“, resümiert Zalvan. Er schreibt, seine Idee ziele weniger auf die Säure selbst ab, sondern auf das im Magensaft enthaltende Pepsin. Dieses ist vermutlich hauptverantwortlich für die Irritationen der Schleimhäute. Gleichzeitig soll basisches Wasser in ausreichender Menge Pepsin inaktivieren, da es nur im sauren Milieu arbeitet.

Mediterrane Diät statt PPI

Zalvans Arbeit kann allenfalls Hinweise liefern, dass Patienten mit Reflux von einer speziellen Diät profitieren. Erschwerend kommt hinzu, dass Patienten über einen Fragebogen die Schwere ihrer Beschwerden selbst erfasst haben. Hier sind somit methodische Verzerrungen vorprogrammiert. Trotzdem lohnt es sich, zumindest bei leichten Beschwerden zu überlegen, ob eine Diät vielleicht ausreichen könnte.

34 Wertungen (4.09 ø)

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9 Kommentare:

Dr.E.Stamm
Dr.E.Stamm

Pardon, das war zu schnell ! Also nochmals zu #8: selbst wenn Weißwein wie Essig schmeckt, hilft er nicht, sondern provoziert, wie Mitleidende nur zu gut wissen, gesteigertes, intensives Sodbrennen.
Was aber hilft, zumindest bei mir, ist die süßsaure Flüssigkeit von Delikatess-gurken !
Zwar bin ich kein Freund von Homöopathie, aber was sagte der Erfinder dieser Lehre, der olle Hahnemann ?
“Similia similibus curentur”, also Ähnliches mit Ähnlichem heilen.
Sorry, Hahnemann, hier hast Du in meinem Falle Recht ! Gurkensüßsaures gegen Magensäure, das klappt ! Evtl. hilft´s auch Anderen, die PPI wegzulassen mit all ihren Nebenwirkungen. Probatum est !

#9 |
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Dr. Christoph Truckenbrodt
Dr. Christoph Truckenbrodt

Hatte jahrelang schmerzhaftes Sodbrennen.
Einfach mal die Kombi Zucker und Fett ( zB: Kuchen ) weglassen und viel Essig zu sich nehmen und siehe da kein Sodbrennen mehr.

#8 |
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Gast
Gast

Reflux und Angina pectoris sollten keinesfalls verwechselt werden.

#7 |
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Nichtmedizinische Berufe

@ Gast No 2
Sicherlich werden heutzutage oft leichtfertig PPI gegeben. Im Falle chronischer Beschwerden ist dies jedoch nötig. Und vertrauen Sie nicht nur Ihrem Hausarzt.

Nur ein Gastroenterologe kann mittels Gastroskopie feststellen, ob Ihre Speiseröhre geschädigt ist, bzw. weiter wird. Denn auch wenn subjektiv kein Sodbrennen empfunden wird, kann es zu Schädigungen durch Reflux kommen.

Bei mir war das so und ich bin sehr froh, dass mein schon bestehender short segement Barett Oesophagus sich mit den Jahren unter PPI-Therapie weitgehend zurück gebildet hat. Speiseröhenkrebs ist nichts, was man haben möchte.

#6 |
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Gast
Gast

Die Mittelmeer-Diät enthält viel Olivenöl, was bei empfindlichen Personen zu was führen kann..? Genau, zu Sodbrennen.

#5 |
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Es wird hier eher ein irreführender Grund für die gastro-ösophageale Refluxkrankheit (GERD) angegeben: “Grund ist eine Kardiainsuffizienz: Der Ösophagussphinkter funktioniert nicht einwandfrei”, ist in den meisten Fällen eher eine Hiatus-Hernie, Gleithernie bzw. Hiatus-Insuffizienz des Zwerchfelldurchtritts mit einer im zunehmenden Alter vergrößerten Lücke im Zwerchfell (Diaphragma).

DocCheck schreibt selbst dazu: “2.2 Unterer Ösophagussphinkter –
Der untere Ösophagussphinkter befindet sich im Übergangsbereich vom Ösophagus zum Magen. Er wird im Wesentlichen von der zweischichtigen Wandmuskulatur der Pars abdominalis des Ösophagus und der dreischichtigen Magenmuskulatur gebildet und auch als Kardia oder Vestibulum cardiacum bezeichnet.
Die genauen Anteile und die Ausdehnung beider Sphinkteren [oberer und unterer] wird oft kontrovers diskutiert, da es sich eher um funktionell zusammenwirkende Muskelfasern handelt, als um eine klar abgrenzbare anatomische Entität.”
http://flexikon.doccheck.com/de/%C3%96sophagussphinkter

#4 |
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Dazu ein Kommentar “Dietary Modifications in the Treatment of Laryngopharyngeal Reflux—Will “an Apple a Day” Keep the Laryngopharyngeal Reflux Away?” von Robert T. Kavitt in
JAMA Otolaryngol Head Neck Surg. doi:10.1001/jamaoto.2017.1449 ist ebenso diplomatisch wie unverbindlich salopp, weitschweifig und ungenau:

“Laryngopharyngeal reflux (LPR) can manifest as a number of symptoms that can be challenging for patients to tolerate and for physicians to effectively diagnose and treat. These symptoms have been shown to lead to extensive health care costs…There is a paucity of literature regarding the role of dietary modificationretrospective study comparing the treatment of patients with LPR with PPI therapy and standard reflux precautions for 6 weeks with those treated with alkaline water, a 90% plant-based Mediterranean-style diet, and standard reflux precautions for 6 weeks… “The results suggest with the former metric that PPI therapy is not significantly better than a dietary approach”…”Patients are increasingly hesitant to initiate or continue acid suppression with PPIs over time. “Will “an apple a day” (ie, plant-based dietary modifications and/or alkaline water) keep the LPR and PPI away, as well as have the potential to reduce health care costs? We can look forward to future studies to build on the findings of Zalvan and colleagues to help answer this question.”

Der JAMA-Kommentar spricht langatmig von angeblich hohen PPI-Kosten, zu wenigen Publikationen, obskuren, zu 90% (?) pflanzlichen Mittelmeerdiäten und Nicht-Unterlegenheit des Diät-Ansatzes: Lange Rede kurzer Sinn, eine unkontrolliert durchgeführte retrospektive Studie im “wait and see what happens”-Design wie von Zalvan et al. ist wissenschafts- und erkenntnistheoretisch absolut wertlos. Und haben Sie schon einmal basisches Wasser getrunken? Schmeckt original nach Seife – fehlt nur noch die Rückkehr zur “Säfte-Theorie”!

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Gast
Gast

Ich habe 20 Jahre PPI genommen, weil meine damalige Hausärztin meinte, da gibt es jetzt was Feines. Niemand hat diese Medikation hinterfragt oder geändert und ich kam wegen des Rebound nicht davon weg (weil ich nicht wußte, was ein Rebound ist, dachte ich, mir hilft nichts außer PPI) Inzwischen habe ich mich durchgekämpft und nebenbei noch von anderen Medikamenten befreit, deren Verordnung jeder Arzt vom anderen übernommen hat, und mir geht es gut. Die Ernährung gehört dazu wie auch, die vier Wochen brennenden Magen durchzuziehen (Mandeln fein kauen hilft ungemein gegen die Säure). Seit einem Jahr kein PPI mehr gesehen wie ich auch nach einem Jahr von der Droge Betablocker runter bin (es hat wirklich so lange gedauert nach 20 Jahren Einnahme ohne direkte Indikation). Dank an meinen Hausarzt, der da mitzieht!

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Andrea Dierkes
Andrea Dierkes

Versucht’s doch mal bei den Ernährungsdocs! Bei Sodbrennen. Hat schon des öfteren geholfen. Dort gibt es gute Ernährungstipps.

#1 |
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