Cardio im Fernsehsessel

13. September 2017
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Was macht man mit Herzpatienten, die dringend ein Cardiotraining im Fitnessstudio bräuchten, dafür aber zu schwach sind? Im Moment wird die Behandlung mit einem Protein erforscht, durch die das Herz in Zukunft auch bequem vom heimischen Fernsehsessel aus trainiert werden könnte.

Der Trick: Das Protein Cardiotrophin 1 (CT1) lässt das Herz glauben, dass es trainiert würde. Das Herz wächst daraufhin in einer gesunden Weise und pumpt sogar mehr Blut. Noch ist das alles aber leider nur Zukunftsmusik.

Erste Tierstudien mit humanem CT1 deuten jedoch darauf hin, dass sich daraus eine medizinische Anwendung entwickeln lassen könnte. Cardiotrophin 1 wird vor allem während des sportlichen Trainings oder in der Schwangerschaft ausgeschüttet.

Idee für eine sinnvolle medizinische Anwendung

Vor allem infolge eines Herzinfarktes kommt es häufig zur Schädigung des Herzmuskels. Überlebt der Patient, muss das belastete Herz versuchen, die fehlenden kontraktilen Strukturen auszugleichen und beginnt, relativ unkontrolliert zu wachsen (Hypertrophie). Die Zunahme der Herzmasse führt aber unter solchen Bedingungen nicht zu einem Funktionsgewinn, im Gegenteil: Das Herz dilatiert und eine Herzinsuffizienz ist die Folge. Diese kann dann tödlich enden.

CT1 regt den geschädigten Herzmuskel im Experiment ebenfalls zum Wachstum an, jedoch in geordneter gesunder Form. Darüber hinaus wird die Bildung von Blutgefäßen am Herzen stimuliert, was die Sauerstoffversorgung des Herzmuskels verbessert, die Pumpleistung erhöht und so den Blutfluss steigert.

Dementsprechend wirkt CT1 ganz ähnlich wie ein gut geführtes Cardiotraining. Im Tiermodell zeigte sich zudem, dass die Wirkung des CT1 nach dem Aussetzen der Behandlung wieder zurückging, genauso als würde ein Sportler ganz mit seinem Training aufhören.

Training trotz körperlicher Einschränkungen

Patienten mit Herzinsuffizienz haben meist körperliche Einschränkungen. Diese verhindern, dass die Betroffenen ein effektives Training wie z. B. in einem Fitnessstudio oder auch daheim aufnehmen können. CT1 könnte hier also zukünftig als interessante Option weiter untersucht werden, um den Herzmuskel auch ohne Cardiotraining positiv zu beeinflussen.

 

Quelle:
Cardiotrophin 1 stimulates beneficial myogenic and vascular remodeling of the heart.
Mohammad Abdul-Ghani et al., Cell Research, doi: 10.1038/cr.2017.87; 2017

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Bildquelle: Francis Bourgouin, flickr / Lizenz: CC BY-SA
Kardiologie, Medizin

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3 Kommentare:

Nichtmedizinische Berufe

Erst die Klinische Phase wird zeigen, ob Cardiotropin1 OHNE KRITISCHE NEBENWIRKUNGEN in Langzeitstudien ein körperliches Training wird ersetzen können.

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Gast
Gast

@#1: Sie haben ja eine hohe Meinung von ihren Patienten. Die Arroganz mancher Ärzte ist direkt widerwärtig.

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Dennoch steht an erster Stelle das Training – und das geht auch vom Fernsehsessel aus mit Hanteln und Beintrainern. Es ist allein die Faulheit der Patienten, daß sie dies nicht tun. Denn kaum eine Herzinsuffizienz ist so schwerwiegend, daß sie diese Art von Hockergymnastik nicht machen könnten. Und sie haben alle eine Reha hinter sich, in der sie dies gelernt haben. Wer zum Kühlschrank laufen kann, kann auch so ein einfaches Training machen. Im übrigen wäre ein derart selektives Training absolut unphysiologisch, da zum Erhalt der Herzfunktion der gesamte Körper trainert werden muss.

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