Hippocampus: Tanztee mit Folgen

12. September 2017
Teilen

Mit steigendem Alter lassen Gedächtnis und Fitness natürlicherweise nach. Eine aktuelle Studie zeigt nun, dass regelmäßiges Tanzen nicht nur die physischen, sondern auch die kognitiven Fähigkeiten im Alter stärkt. Tanzen ist anderen Sportarten sogar überlegen.

„Bewegung schützt vor dem Abbau von Gedächtnis und körperlicher Kraft im Alter.“ So fasst die Autorin der vorliegenden Studie, Frau Dr. Kathrin Rehfeldt vom Deutschen Zentrum für neurodegenerative Erkrankungen in Magdeburg, die Ergebnisse ganz allgemein zusammen. Blickt man aber tiefer wird klar, dass insbesondere Tanzen und Ausdauertraining Gehirnbereiche anregen, welche im Alter normalerweise den größten Abbau erfahren.

An der Studie nahmen ursprünglich 62 Probanden (50 Prozent Männer) zwischen 63 und 80 Jahren teil. Diese wurden für das Training in zwei Behandlungsgruppen eingeteilt: 1) in eine Tanzgruppe und 2) in eine Sportgruppe die Ausdauertraining absolvieren sollte. Nach Abschluss des Beobachtungszeitraums von 18 Wochen waren in der Tanzgruppe noch 14 Teilnehmer und in der Sportgruppe lediglich 12 Probanden im Durchschnittsalter von 68 Jahren für die Auswertung verblieben. Über die Hintergründe, weshalb nicht alle Probanden die Studie beendeten, finden sich in der Publikation leider keine Informationen.

Tanzen stärkt Hirnstrukturen

Obwohl bereits seit Längerem bekannt ist, dass sich Bewegung im Alter positiv auf das Gehirn auswirkt, war bisher unklar, ob ein Bewegungsprogramm dabei einem anderen überlegen sein könnte. Die Sportgruppe erhielt im vorliegenden Fall wöchentlich ein identisches Trainingsprogramm. Dieses bestand aus Radfahren oder Nordic Walking.

Die Tanzgruppe hingegen bekam in jeder Trainingswoche eine neue Übungseinheit in Form neuer Tanz- und Musikstile, beispielsweise Jazz, Square und Lateinamerikanische Tänze. Auch Schritte, Tempo oder Rhythmen wurden 14-tägig angepasst, um den Teilnehmern immer wieder neue Impulse zu geben. Besonders herausfordernd daran war, sich an die Übungen und Schritte in der Kürze der Zeit zu erinnern, ohne dass Tanzlehrer sie wieder und wieder vortanzten.

Welches Thema vermisst du in den DocCheck News?

Bitte geben Sie zwischen 10 und 140 Zeichen ein. Leider ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuch es später noch einmal.

Im Ergebnis zeigten beide Gruppen eine Volumen-Zunahme im Hippocampus, wobei die Tänzer sogar den größten Zuwachs hatten. Interessant daran ist, dass es sich dabei um Gehirnbereiche handelt, welche sehr stark von altersbedingten Atrophien betroffen sind und überwiegend bei der Alzheimer-Krankheit eine Rolle spielen. Darüber hinaus sind diese Gehirnareale wichtige Zentren für das Gedächtnis, das Lernverhalten und die körperliche Balance. Es verwundert daher nicht, dass die Tänzer im Vergleich zu den Sportlern eine nachweislich bessere Körperbalance ausbildeten.

Tanzen als kraftvolle Intervention

Viele möchten doch so lange wie irgend möglich glücklich und gesund leben. „Tanzen ist ein sehr starkes Mittel, um dieses Ziel auch zu erreichen“, so die Studienautoren zum Abschluss. Denn Tanzen setze in jedem Alter allumfassend – sowohl physisch als auch psychisch und kognitiv – an der Gesundheit des Körpers an. Es steigert die Körperwahrnehmung, die Ausdauer und die Kraft, aber ebenso die Balance und die geistige Fitness.

 

Quelle:
Dancing or Fitness Sport? The Effects of Two Training Programs on Hippocampal Plasticity and Balance Abilities in Healthy Seniors.
Kathrin Rehfeld et al., Frontiers in Human Neuroscience, doi: 10.3389/fnhum.2017.00305; 2017

25 Wertungen (4.6 ø)
Bildquelle: simpleinsomnia, flickr / Lizenz: CC BY
userImage

Bitte geben Sie Ihren Namen ein.
Bitte schreiben Sie einen Kommentar.

12 Kommentare:

Gast
Gast

-Laut Studie dauerte die Intervention 18 Monate an und nicht 18 Wochen, wie im Artikel beschrieben, wenn ich das richtig sehe.

“Die Sportgruppe erhielt im vorliegenden Fall wöchentlich ein identisches Trainingsprogramm. Dieses bestand aus Radfahren oder Nordic Walking.”

-Wäre es nicht sinnvoller gewesen, sich auf eine Sportart zu konzentrieren, um wenigstens dahingehend eine Aussage/einen Vergleich treffen zu können? Intensität/Dauer beim Sport war die gleiche wie beim Tanzen (Bei der Stichprobengröße habe ich aufs genaue Durchlesen der Studie verzichtet)?
-Größere Volumenzunahme im Hippocampus überrascht nicht unbedingt, da beim Tanzen mehr Wert auf die Erlernung von Schrittfolgen und Koordination gelegt wird, als bei den beiden Vergleichssportarten.

#12 |
  0
dipl. med. Rainer Hansen
dipl. med. Rainer Hansen

Ob das Tanzen anderen Sportarten überlegen ist, sei einmal dahingestellt. Die Trainingsform mit dem Erlernen neuer Tänze, anderer Musik etc. scheint mehr entscheidend zu sein für die unterschiedlichen Resultate. Der Lernprozess als solcher stimuliert. Ohne neue, gesteigerte Anforderungen kann man lediglich ein bestimmtes Niveau halten und nicht steigern. (allgemeine Trainingswissenschaft) – unabhängig von geistiger (z.B. Fremdsprachen) oder physischer Anforderung, am besten natürlich beides kombiniert.
Im Seniorenclub würde ich natürlich nicht asiatische KAMPFsportarten betreiben, aber deren Bewegungsgrundlagen (tai chi/qui gong) sind sehr geeignet, sowohl Beweglichkeit, Koordinationsvermögen und Balance und nicht zuletzt auch die Kondition nachhaltig zu verbessern, ohne physisch zu überlasten.

#11 |
  0
Prof. Dr. Friedrich Randow
Prof. Dr. Friedrich Randow

Angesichts so kleiner Gruppen eine gewagte Aussage!

#10 |
  0
thomas haase
thomas haase

@Manf
Letzteres entspricht auch meinen Erfahrungen.
Ob im Umkehrschluss exzessives Exerzieren ein signifikantes Risiko für kognitive Degeneration darstellt? :-)

#9 |
  1
Manfred L. DIETWALD, Apotheker
Manfred L. DIETWALD, Apotheker

Am ersten Tag beim Militär lernten wir marschieren: Links 2 – 3 – 4, – rührt euch ein Lied ! Seither tanze ich ungern nach anderen Pfeifen, singe aber gerne modulierte Lieder.

#8 |
  1
Manfred L. DIETWALD, Apotheker
Manfred L. DIETWALD, Apotheker

Viele Tänzer reden nur ein paar Floskeln,- wenn überhaupt,- meist jedoch nicht. Still denken kann man auch bei anderen Tätigkeiten.

#7 |
  2
Gast
Gast

…ähnlich einzustufen sind asiatische Kampfkünste. Koimmt vor allen den Personengruppen entgegen, die aus irgendwelchen unerklärlichen Gründen im Laufe ihres Lebens eine kaum mehr überbrückbare
Abneigung gegen das Tanzen entwickelt haben.

#6 |
  1
Gast
Gast

Oder aber auch Tantra und Kamasutra Praktiken

#5 |
  1
Gast
Gast

Ich denke, komplizierte Yogaübungen sind auch sehr gut für Körper und Geist

#4 |
  1
Gast
Gast

Nicht nur als Mann.

#3 |
  2
Joachim Bedynek
Joachim Bedynek

Ich denke als Mann sieht man beim Tanzen auch die erotische Komponente.

#2 |
  7
Dr. rer. nat. Andreas Köpke
Dr. rer. nat. Andreas Köpke

Tanzen ist bestimmt sinnvoll und macht den meisten wohl auch im Alter Spaß, was sie dabei hält. Das schlimmste ist nämlich das Nichtstun bzw. der einfache Konsum z.B. Fernsehen. Es gibt allerdings auch viele andere Tätigkeiten, die den Hippocampus schulen, so hatten Londoner Taxifahrer bei weitem den größten Hippocamus, weil sie ein ganzes Grossstadtstrassennetz im Kopf haben mussten um sich zurechtzufinden.

Gegen neurodegenerative Erkrankungen hilft das jedoch nichts, denn die töten Neuronen. Klar ist nur: Je besser das Gehirn arbeitet, je später merkt man das.

#1 |
  0
Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: