Mentoring: einschreiben oder abschreiben?

14. Juli 2010
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An vielen Unis können Medizinstudenten an so genannten Mentoring-Progammen teilnehmen: ein Arzt steht dem Studenten dabei als Mentor bei und gibt ihm praktische Einblicke in den Klinikalltag. Ob diese Programme aber nur Vorteile bringen oder ob auch Nachteile zu verzeichnen sind, erfahrt Ihr hier.

Viele Universitäten bieten heutzutage so genannte Mentoring-Programme an, um Studenten in bestimmten Fachbereichen zu fördern und ihnen Kontakte für die berufliche Zukunft zu verschaffen.

Besonders für das Fach Psychiatrie gibt es mittlerweile ein spezielles Mentoring-Programm, welches gezielt junge Studenten jedes Fachsemesters mit Interesse an Psychiatrie und Psychotherapie fördert. Der interessierte Student kann sich im Internet anmelden und erhält sogleich die jeweiligen Kontaktdaten des teilnehmenden Klinikums. Danach kann er sich entscheiden, in welchem Bereich er gerne gecoacht werden möchte. Bei diesem Mentoring-Programm für junge Psychiater kann man sich für die Bereiche Psychopathologie, Psychotherapie, Pharmakotherapie und natürlich Psychiatrie entscheiden. Danach wird dem Studierenden der jeweilige Arzt oder auch Oberarzt zugeteilt, der ihn betreut. Oftmals darf der Student einen eigenen Patienten betreuen, bei dem die entsprechende Therapieform im Vordergrund steht, für die sich der Studierende vorher entschieden hat. Die Dauer des Mentorings kann der Student selbst entscheiden und zusammen mit seinem zugeteilten Mentor einen Plan über den Ablauf erstellen.

Vorteile

Die Teilnahme an einem solchen Mentoring bringt selbstverständlich viele Vorteile. Der Studierende, auch Mentee genannt, bekommt einen Einblick in das spätere Berufsleben und kann sich dadurch sogleich einarbeiten und einen Überblick gewinnen. Außerdem lernt er, sich ein gewisses Führungsverhalten anzugewöhnen, dass ihm für den späteren Beruf sehr von Nutzen sein kann.

Der Studierende erlebt auch in dieser Zeit eine Art Reflexion und Austausch von erlebten schwierigen Situationen mit dem jeweiligen Patienten und dessen Krankheitsbewältigung. Er baut ein wichtiges Selbstvertrauen durch das Wissen, dass er nicht alleine dasteht und immer von erfahrenen Kollegen unterstützt wird, auf. Außerdem ist es sehr wichtig für die Zeit als Mentee, dass ein Arzt hinter ihm steht, der das Erlebte mit ihm teilt und auf dessen Erfahrung er immer zurückgreifen kann. Durch dieses gestärkte Selbstvertrauen besteht bei dem Mentee eine größere Bereitschaft, sich auch an schwierige Aufgaben heranzutrauen und auch Verantwortung zu übernehmen.

Außerdem lernt der Student die informellen Strukturen des Klinikalltags im jeweiligen Fachbereich noch intensiver als in einer Famulatur kennen und verstehen und kann dieses Wissen für seine späteren Aufgaben als Arzt nutzen. Wichtig ist natürlich auch, dass der Mentee Zugang zu den Netzwerken seines Mentors bekommt, welche ihm nach dem Studium sehr nützlich sein können.

Nachteile

Andererseits entstehen durch solche Programme auch ein paar Nachteile. Oftmals ist es sehr schwierig, aus Zeitgründen konstant an solchen Programmen teilzunehmen. So kann der Student manchmal nicht regelmäßig seinen zugeteilten Patienten betreuen, besonders, wenn er in der Klausurenphase steckt. Die Programme können wichtige Zeit in Anspruch nehmen, die der Studierende eventuell für seine Lern- und Klausurenphase benötigt, da man ja den Kontakt zu seinem Mentor und dem Patienten nicht verlieren möchte.

Ein weiteres Problem besteht darin, dass man meist nur die Behandlungsmethode eines Arztes beziehungsweise seines Mentors mitbekommt, aber nicht den kompletten Überblick von mehreren Behandlungsmethoden anderer Ärzte. Man schaut praktisch durch die Brille des einen Mentors, was mit der Zeit auch eintönig werden und für Alternativen blind machen kann. Gerade im Studium ist es ja besonders wichtig, mehrere Arten der Behandlung kennenzulernen und dies wird nicht umfangreich gefördert, wenn man immer durch den gleichen Arzt gefördert und betreut wird, anstatt mehrere Mentoren kennen zu lernen.

Fazit

Im Gesamten betrachtet sind die Mentoring-Programme sehr nützlich und hilfreich für das Studium sowie den späteren Beruf im ausgesuchten Fachbereich. Mit etwas Zeitmanagement und Interesse für das entsprechende Mentoring-Programm bekommt man sein Studium und die Teilnahme an solch einem Programm hin, ohne eines von beiden aus den Augen zu verlieren.

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