Der Mammografisch-industrielle Komplex

14. Juli 2010
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"Ich weiß nicht, was passiert wäre, wäre der Knoten nicht so früh entdeckt worden", so eine Teilnehmerin des Mammografie-Screenings. "Ich fand es so schrecklich, dass ich wahrscheinlich nicht wieder hingehe", eine andere. Ebenso gegensätzlich urteilen die Experten.

“Das modernste und größte Brustkrebs-Früherkennungsprogramm weltweit”, so der O-Ton der Kooperationsgemeinschaft Mammographie, feierte vor einigen Wochen fünften Geburtstag. Die Kooperationsgemeinschaft, von den Spitzenverbänden der Krankenkassen und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung gegründet, ist verantwortlich für Koordination, Qualitätssicherung und Prozessevaluation des Mammascreenings. Auf der offiziellen Geburtstagsfeier zeigten sich die Gastgeber zufrieden mit dem Erreichten. Die aktuellen Zahlen sind denn auch durchaus beachtlich. Bundesweit werden inzwischen alle zwei Jahre rund 10 Millionen Frauen zwischen 50 und 69 schriftlich eingeladen. Für das Screening stehen 94 Screening-Einheiten inklusive mobiler Einrichtungen für den Einsatz in ländlichen Regionen zur Verfügung. Etwa 4,9 Millionen Frauen zwischen 50 und 69 haben bisher am Programm teilgenommen. Das entspricht einer Beteiligungsquote von 54 Prozent. Bundesgesundheitsminister Dr. Philipp Rösler ist das zu wenig. Er forderte auf der Festveranstaltung: “Das ist ein guter Anfang, aber wir müssen noch mehr Frauen überzeugen. Überzeugen durch Information und Aufklärung.”

Screening geringen Einfluss auf Brustkrebssterblichkeit

Dass es an Aufklärung fehlt, ergab auch eine europäische Studie, die vom Harding Center for Risk Literacy zusammen mit der Gesellschaft für Konsumforschung durchgeführt wurde, allerdings in einem anderen Kontext. Die Wissenschaftler stellten fest, dass die Europäer den Nutzen der Krebsfrüherkennung deutlich überschätzen – allen voran die Deutschen. Grund sei, dass in vielen Informationsbroschüren fälschlicherweise behauptet wird, dass die Mammografie eine Risikoreduktion um plusminus 20 Prozent ermögliche. Daraus würden Frauen schließen, dass 200 von 1.000 nicht an Brustkrebs sterben. Nur 0,8 Prozent der Befragten in Deutschland wussten, so das Ergebnis der Studie, dass Früherkennung die Brustkrebssterblichkeit nur um etwa eine von je 1.000 Frauen in einem Zeitraum von zehn Jahren reduziert. Zu dem mangelhaften Informationsstand trage auch die schlechte Ausbildung der Ärzte in punkto Interpretation von statistischen Ergebnissen wissenschaftlicher Studien bei, so Prof. Dr. Gerd Gigerenzer, Direktor des Harding Center for Risk.

Bessere Heilungschancen für kleine Mammakarzinome

Die Nutzenbetrachtung ausschließlich auf die Reduktion der Brustkrebssterblichkeit zu beschränken, das wird dem Screening-Programm sicherlich nicht gerecht. Auf der Website der Kooperationsgemeinschaft heißt es: “Ziel des Screening-Programms ist es, Brustkrebs möglichst früh zu entdecken, um ihn noch erfolgreich und schonend behandeln zu können.” Dieses Ziel habe man dank hochwertiger und zuverlässiger Früherkennung erreicht. Die Erfahrungen aus fünf Jahren hätten gezeigt, so Dr. Wolfgang Aubke, Beiratsvorsitzender der Kooperationsgemeinschaft Mammografie, dass bei drei Viertel der Frauen, bei denen Brustkrebs im Rahmen des Screening-Programms entdeckt wurde, weder befallene Lymphknoten noch Metastasen vorhanden waren. Die Betroffenen können von besseren Heilungschancen und von weniger belastenden Therapien profitieren. Und darin liege der unbestreitbare Nutzen des Screenings, so Aubke. Geschätzt wird, dass bisher fünf Prozent der Frauen, die an der Früherkennung teilgenommen haben, einen Verdachtsbefund erhalten haben. Stimmt die Aussage von Aubke, hätten dann bereits rund 38.000 Frauen von der Teilnahme am Screening profitiert. Trotzdem gibt es Kritik.

Nicht erkannte Mammakarzinome

Professor Dr. Friedrich Wolff, Chefarzt an der Frauenklinik der Stadt Köln GmbH, beurteilt positiv, dass das Programm die Wichtigkeit der Brustkrebsvorsorge signalisiert und dass es Frauen, die sonst keine Vorsorge wahrnehmen, dazu ermuntert, wenigstens die Brust untersuchen zu lassen. Aber “andererseits muss das Screening preiswert sein und ohne Arztkontakt und zusätzliche Gespräche über vielleicht vorhandene Beschwerden in der Brust auskommen.” Wolff hat schon zweimal Mammakarzinome von über 3 cm Größe behandelt, die in der zuvor durchgeführten Screeningmammografie nicht entdeckt wurden. Nur weil die Frauen dem Befund aufgrund der Beschwerden nicht glaubten, wurde der Tumor entdeckt. Die Mammografien waren auch im Nachhinein unauffällig. “Das heißt”, so der Chefarzt, “die Grenzen der Methoden werden oft verharmlost und signalisieren eine falsche Sicherheit. Ein guter Hausarzt oder Frauenarzt wird sich deshalb nicht allein auf das Screening verlassen.” Die geschätzten Gesamtkosten für das deutsche Screening-Programm liegen bei etwa 300-400 Millionen Euro pro Jahr oder 0,1 Prozent der Gesamtausgaben im Gesundheitswesen.

Überbehandlung durch Fehldiagnosen

Auch der Berliner Gynäkologe Dr. Hans-Joachim Koubenec ist kein genereller Kritiker des Mammografie-Screenings. Aber er kritisiert, dass die Frauen nicht auf die Nachteile in Verbindung mit Fehldiagnosen hingewiesen werden. Er schätzt, dass 30 Prozent der Diagnosen eine Übertherapierung zur Folge haben. Er bezieht sich auf Studien von Peter C. Götzsche und M. Nielsen vom Nordic Cochrane Center in Kopenhagen. Die beiden Wissenschaftler berechneten, dass von zweitausend Frauen, die zehn Jahre lang regelmäßig an der Früherkennungsmaßnahme teilnehmen, im Mittel eine Betroffene nicht mehr an Brustkrebs stirbt. Koubanec: “Um diese eine Frau vor dem Tod an Brustkrebs zu bewahren, werden zehn Frauen übertherapiert – das heißt sie werden an Brustkrebsen operiert, die ohne Screening möglicherweise nie in Erscheinung getreten wären, und in Behandlungen verwickelt, die überhaupt keinen Nutzen für sie haben.” Und warum verhallt diese Kritik? “Meiner Einschätzung nach ist Screening bereits eine richtige Industrie geworden, von der eine Menge Leute profitieren. Und die haben natürlich kein Interesse daran, dass immer mehr informierte, kritische Frauen nicht mehr am Screening teilnehmen”, erklärt der Gynäkologe.

Mehr Wissen in zehn Jahren

Eine uneingeschränkt positive Einstellung zum Mammascreening-Programm hat Dr. Susanne Briest, Leiterin des Brustzentrums am Universitätsklinikum in Leipzig. Es sei eine wichtige Ergänzung zur normalen Vorsorgeuntersuchung, weil Karzinome, die in der Tiefe liegen, nicht ertastbar sind. Die Gynäkologin unterscheidet zwei Kategorien von Patientinnen. Bei der einen Gruppe war bisher alles normal, keine Tastbefunde, aber beim Screening wurde ein Karzinom festgestellt. Dabei habe es sich überwiegend um kleine Tumore gehandelt, die mit einer leichten OP plus Bestrahlung gut behandelbar waren. Wie viele Tumore damit für immer besiegt bleiben, könne man verlässlich erst in zehn Jahren sagen. Aber Briest ist optimistisch. Die zweite Gruppe seien Patientinnen, die einen Tastbefund haben, keine Beschwerden haben, aber den Gedanken daran bisher verdrängt haben. Diese Frauen, so Briest, gehören in die kurative Mammografie und nicht ins Screening. Das werde auch so praktiziert. Was sagt Briest den Kritikern? “Ich schätze den Beitrag, den das Mammascreening zur Reduzierung der Mortalität leistet, sehr hoch ein. Aber genaues werden wir erst in zehn Jahren wissen.”

130 Wertungen (4.34 ø)

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19 Kommentare:

Kristina Walker
Kristina Walker

Gut recherchierter und kontrovers geschriebener Artikel, vielen Dank.
Auch ich ignoriere bewußt die regelmäßigen “Einberufungsbefehle” und kann nur bestätigen, dass Massenuntersuchungen selten den Patienten nutzen.
Ferner ist es richtig, dass das MRT bei der Mammadiagnostik unendlich überlegen ist.

#19 |
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Mittlerweile kann ja anhand der dänischen Daten, wo Provinzen mit und ohne Screening über immerhin 15 Jahre verglichen werden konnten, belegt werden, dass Mortalität und Inzidenz des Mammakarzinoms ausserhalb der Screening-Regionen im gleichen Maß gesunken sind wie in der Screeningregion! Das Mammografiescreening ist somit nicht mehr und nicht weniger als kostspieliger gesundheitspolitscher Aktionismus mit wenig Nutzen für sehr viel Geld

#18 |
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Dr. med. Ursula Leopold
Dr. med. Ursula Leopold

Ohne persönliche Einladung wäre ich nicht zum Screening gegangen, da ich leichtfertig dachte, es sei alles in Ordnung.Jetzt – fast zwei Jahre später – bin ich immer noch sehr dankbar, daß mein Mammaca in einem Frühstadium ohne LK entdeckt wurde. Die etwas unangenehme Untersuchung ist schnell vergessen, die Statistiken interessieren eine Betroffene in solch einem Fall wenig. Was bleibt ist die Erleichterung wahrsscheinlich noch rechtzeitig behandelt worden zu sein. Ich jedenfalls empfehle allen Bekannten dringend zum Screening zu gehen.

#17 |
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Gesundheits- und Krankenpflegerin

Mir persönlich sind einige Frauen bekannt, die durch das Screening “herausgefischt” wurden und dankbar sind.
Aber es kann nicht sein, dass zusätzlich (und da werden Kämpfe mancherorst geführt, WER den Zuschlag bekommt)
Mobile Anlaufstellen für viel Geld geschaffen werden, die bei entsprechendem Know how (mit Beratung) auch durch den hauseigenen Gynäkologen abgedeckt werden könnten.
Natürlich passiert bei Nichtinanspruchnahme dieser”Dienstleistung” auch nichts, aber unsere Medizin bewegt sich noch weiter weg von Individualität und Aufklärung. Einmal im Jahr wird in Augsburg ein 4-tägiger Kongress für an Brustkrebs erkrankte Menschen (auch Männer) durchgeführt, wo Chefärzte der Unikliniken, Krebsforcher und Radiologen zu den neuesten Therapien, Forschungen und Studien referieren.
Die Aufklärung erfolgt aufgrund von Privatinitiativen und ist ein bemerkenswert positives Beispiel.
Auf die Gesundheitspolitik darf man nicht warten und bei schlecht informierten Ärzten mimimieren sich die Überlebenschancen.

#16 |
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Apotheker

Man gewinnt ein bisschen den Eindruck,Massenscreenings sind ein
Mittel zum produzieren zukünftiger Medizinmarktverbraucher.Überall
wird von Kosten geredet,wo macht die verantwortliche Politik sich Gedanken über die Folgekosten (emotional und materiell) von zu-
vielen falschpositiven Diagnosen und den etwa 20 mal mehr Frauen mit anfänglich positivem Befund. Letztere stellen 10% derUntersuchten!
Im routinemässig versandten Material fehlt bis heute eine saubere Er-
klärung der Risiken- abgesehen von dem barschen Kommandoton.
Hierzu gehört auch die Überlegung zur Auswirkung der Strahlenbelastung. Ein Todesfall soll auch zu lasten dessen gehen.
Wer ist in der Lage,sich aus eigener Kraft zu informieren?Ist es nicht schon als Absicherung notwendig,dem Mainstream zu folgen?
Was passiert denen,die das nicht tun?

#15 |
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Dr. H.-J. Koubenec
Dr. H.-J. Koubenec

Ich möchte noch etwas ergänzen, zu dem, was ich in Artikel gesagt habe. Wenn von den Befürwortern des Screeningsmit einer Verringerung der Krebssterblichkeit argumentiert wird unterliegen diese Berechnungen möglicherweise dem “lead time bias”. Der Überlebens Gewinn wird oft als Überleben in einem Zeitintervall angegeben, zum Beispiel 10-Jahres-Überleben, da das tatsächliche Sterbedatum selten zu erheben ist. Beim “lead time bias” ergibt sich nur ein scheinbar längeres Überleben durch die Vorverlegung der Diagnose, verglichen mit einer Frau, bei der erst später die Diagnose durch klinische Symptomatik gestellt wird. Ein Beispiel: Zwei Frauen versterben mit 70 Jahren an ihren Brustkrebs. Die erste erhält die Diagnose im Screening 15 Jahre vor ihrem Tode, wird also in der 10-Jahres-Überlebens Statistik als Überlebende gezählt. Die andere Frau erhält ihre Diagnose klinisch fünf Jahre vor ihrem Tode fällt also in der Zehn Jahres Statistik als verstorben. So ergibt sich ein scheinbarer Überlebensvorteil für die Screening-Frau, der tatsächlich gar nicht vorhanden ist

#14 |
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Vielleicht kommt mal der Tag, an dem wir erkennen, dass bildgebende Verfahren die Biologie des Mammakarzinoms hinsichtlich der Therapieentscheidungen nicht adäquat beschreiben.

#13 |
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Hebamme

@ PD Dr.Wolf
ich denke der “Nutzen” wird schon erreicht, nur nicht für die Bevölkerung, sondern um die Taschen der obersten Riege der “Kooperationsgemeinschaft” in Politik, Spitzenverbände d.GKV u. ärztl. Verbandsfunktionäre zu füllen.
Diese ganze Screeniglobby hat in meinen Augen schon mafiöse Strukturen angenommen, denn es ist ein Milliardengeschäft.

Frage mich allerdings wielange sich die Bevölkerung noch so verschaukeln läßt.
Speziell Frauen rennen ständig zu allen möglichen “Vorsorgen”, in der Hoffnung ihr Defizit an Zuwendung auszugleichen und sind dann ent-täuscht, wenn sie aggressiv abgefertigt werden.

#12 |
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Dr. rer. nat. Petra Krause
Dr. rer. nat. Petra Krause

Ich habe vor Kurzem ein Screening machen lassen und die Einstellung der Apparatur ist wirklich unangenehm. Mir waren die Nachteile der Untersuchung in Hinblick auf die Diagnoseunsicherheit bekannt, aber ich hatte Beschwerden in der Brust und finde eine zertifizierte Untersuchung sinnvoll. Allerdings stimmt es, dass auf die Einzelsituation der Patientinnen nicht eingegangen wird. Die Technische Assitentin machte auch einen prfessionellen Eindruck. Allerdings bekommt man keine vernünftige Diagnose, nur eine Mitteilung, dass alles in Ordnung ist. Ich war in Duisburg zum Screening und dort bekommt man die Bilder nicht ausgehändigt bzw. kopiert, obwohl sie laut meiner Krankenkasse verpflichtet sind mir Einblick zu gewähren. Das bewerte ich als eine Entmündigung der Patientin und kann neben vielen anderen Nachteilen, die hier schon dargestellt wurden, das Screening nicht empfehlen. Ich jedenfalls war das erste und letzte Mal da und behalte mir rechtliche Schritte vor.

#11 |
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Dr. Gitta Dorn
Dr. Gitta Dorn

Liebe Frau Bäck,
ergänzend zu Ihrem sehr ausführlichen Artikel kann ich ergänzen, daß ich erlebt habe, daß im eigenen Vervandten- und Bekanntenkreis
trotz Mammographie (und das in einem zertifizierten Brustkrebszentrum) ein tastbarer TU als harmlose Veränderung
eingeschätzt wurde, der sich wenig später im MRT als hanfester CA entpuppte – und das nicht nur in einem Fall.
Dies stellt für mich den Nutzen eines Massenscreenings indem die persönliche Situation der Betreffenden in keinsterweise mit einbezogen wird sehr in Frage. Es wundert mich nicht, daß unter diesen Voraussetzungen die Kosten im Gesundheitssystem steigen. Würde man diesen Aufwand zugunsten einer verbesserten Einzelbetreuung wandeln, daß jeder Arzt weniger Patienten besser behandelt und vor allem auch persönlich kennt und sich mit der Krankengeschichte wirklich befaßt, was ich von meinen bisherigen Gynäkologen trotz meines Status als Privatpatientin nicht behaupten kann , wäre viel geholfen für Patient, Behandler und Gesundheitssystem und Behandlungsmotivation und ärztlichem Prestige.
Im übrigen erhielt ich auch dies Aufforderungen zum massenmammographischen Screenig, was bei mir im Papierkorb landete ohne weitere Konsequenzen.

#10 |
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ute kortebein
ute kortebein

Männer würden ihr ding auch nicht unter so ein gerät quetschen lassen. unglaublich die ganze technische vorgehensweise. muß irgendein sadischtisches schwein erfunden haben. aber frauen lassen ja alles mit sich machen. es gäbe durchaus methoden, die genauer und wesentlich humaner sind. denn human ist diese methode nicht!

#9 |
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Gesundheits- und Krankenpflegerin

Ärzte, wie Frau Dr.Kuhl, die in Forschungsarbeiten die
wesentlich höhere Effizienz von MRT nachgewiesen haben, fanden kein Gehör bei Spitzenverbänden und Politikern, obwohl Sie sich massiv dafür eingesetzt hat.
Sie ist von den Amerikanern abgeworben worden und wurde dort 2008 für die zentrale Leitung der Screening-Programme berufen.Mit MRT!

#8 |
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Dietmar Zausig
Dietmar Zausig

Leider kein einziger Hinweis auf die Vorteile von MRT!
Wesentlich detailliertere Darstellung von Weichgewebe,
keine Röntgenstrahlenbelastung!
In Anbetracht der Kosten für einen einzigen Krankenhaustag von ca. 400,00 ¿ und mehr, wären die Mehrkosten für MRT-Untersuchung äußerst sinnvoll investiert.
Evtl. frühere und sicherere Diagnose von Mamma-CA,
wesentlich bessere Therapiechancen, vom persönlichen
Schicksal der betroffenen Patientinnen und Ihrer Familien bzw. Angehörigen ganz abgesehen.

#7 |
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Gesundheits- und Krankenpflegerin

Obwohl mir die Datenlage bekannt ist, freue ich mich über diesen mutigen Artikel.
Als betroffene Patientin weiß ich aber um die Problematik von Intervallkarzinomen (in meinem Fall 3 Monate) und die zunehmende Anzahl von betroffenen jüngeren Frauen, die in kein Screening passen !?
Gut ist, dass die Bilder von mehreren Ärzten befundet werden müssen, denn auch das teuerste Gerät ist nur so gut, wie sein “Betrachter”.
Die Art und Weise der Umsetzung dieses Projektes ist eher abschreckend und wohl nicht mit Auge auf einen mündigen Patienten. Mehr als nachdenklich sollten die erreichten Ergebnisse stimmen und nicht die Größe eines Tumors, der nichts über die tatsächliche Aggressivität aussagt.
Niedergelassene Ärzte sollten “Ihre” Patienten in gut
organisierte Zentren (moderne Geräte, Pflicht der Doppelbefundung, MRT bei zwingenden Gründen, ohne Altersbegrenzung) schicken können.
Und für den Ernstfall:
Eine Bitte an alle Ärzte da “draußen”: Ein chemotherapiebelasteter Mensch braucht Unterstützung für das hochbelastete Immunsystem ! Er braucht eine Ernährung, die noch etwas mit “Lebensmitteln”zu tun hat, Zuversicht durch seinen Arzt! Vertrauen in “seine” Medizin und immunologisch aufbauende Substanzen! Wie auch immer diese dann ausgewählt werden!

#6 |
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Medizinjournalist

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20146798

Promotion of variant human mammary epithelial cell outgrowth by ionizing radiation: an agent-based model supported by in vitro studies.

CONCLUSIONS: Our studies indicate that ionizing radiation can promote the outgrowth of epigenetically altered cells with pre-malignant potential.

#5 |
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Sehr gut dieser kritische Artikel. Auch ich versuche immer wieder, meine Patientinnen zu informieren, und auch die Grenzen und den “Nutzen” des Screenings darzustellen. Natürlich muß jede Frau selbst entscheiden. Aber die vielen falsch positiven “Ergebnisse” stürzen Frauen in nicht zu verantwortende Ängste. Frauen berichten auch über oft sehr rüde/schmerzhafte Untersuchungen, ihnen fehlt das verständnisvolle Gespräch, auf Beschwerden wird nicht eingegangen. Und wenn eine Frau nicht erscheint, erhält sie einen zweiten “Einberufungsbefehl”, der für manche Frau in seinem Tenor sogar einen bedrohlichen Charakter hat. Viele Frauen meinen, sie seien in jedem Fall verpflichtet, dort teilzunehmen, auch wenn sie schon in Behandlung sind. Hier müssen dann wir niedergelassenen Ärzte viel Aufklärungsarbeit und Psycho-Gespräche führen, um den Schaden einigermaßen zu begrenzen. Übrigens habe ich ebenfalls eine solche “Einladung” und anschließend eine unfreundliche “Anmahnung” erhalten. Und auf meine telefonische Bitte hin wurde ich sehr barsch darauf hingewiesen, daß man mich nur aus der Liste nehmen könne, wenn ich dies schriftlich (Brief!) hinterlege.
Ganz besonders ärterlich ist, daß ich als Hausärztin von der Mammographie-Stelle regelmäßig “Befunde” bekomme, und zwar als “SAmmelbrief”, auf dem die Patientinnen, die teilgenommen haben, aufgelistet sind. Wie sollen wir das archivieren? Für jede Akte kopieren? Wo bleibt die Schweigepflicht? Wir müßten dann bei jedem Patienten die andern Namen schwärzen. Und eine eigene Kladde anlegen und das Papier sammeln, ist schlicht grober Unfug. Müssen wir aber machen und aufheben. Für jede Patientin ein eigenes SChreiben anfertigen, ist dann offenbar aber wohl zuviel verlangt. Ein haarsträubendes Vorgehen, das die Schweigepflicht und den Datenschutz mit Füßen tritt.

#4 |
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Dr. med. Susanne Bihlmaier
Dr. med. Susanne Bihlmaier

Dr. Susanne Bihlmaier: Vielen Dank für diesen recht breit recherchierten Artikel. Abrundend wäre noch der Hinweis gewesen, wonach akutelle Untersuchungen den Verdacht äußern, dass tatsächlich sehr frühe Mamma Ca’s entdeckt werden, die aber womöglich vom Körper selbst wieder elimiert würden, bzw. laut Untersuchungsergebnis auch eliminiert wurden. Also ein weiterer Schritt in Richtung Übertherapie, die mehr Leiden schafft, wie sie eigentlich zu verhindert versucht.

#3 |
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Liebe Frau Bäck,
vielen Dank für den informativen Artikel. Ich bin gespannt welche Diskussionen er hervorruft und wünsche ihm eine entsprechende Beachtung und Resonanz, wie die polarisierenden Artikel ihres Kollegen Herrn Graetzel mit seiner aktuellen Serie zu den Naturheilverfahren. Dort ereifern sich Kollegen jeden Standes (ÄrztInnen, Apotheker, Heilpraktiker, usw.) über den vermeintlichen Sinn oder Irrsinn alternativmedizinischer Methoden wie Irisdiagnostik, Bach-Blüten oder ähnlichem. Über den Quatsch in den eigenen (ärztlichen) Reihen, der durch solche Studien offenbar wird verlieren viele kaum ein Wort. Dabei kosten vermutlich alleine die Mammographien der 4,9 Mio. Teilnehmerinnen mehr als die Versorgung jedes Bundesbürgers mit beispielsweise Bachblüten. Vermutlich wird eine Nutzenanalyse nicht zugunsten der Bachblüten (z.B.) ausfallen, eine Schadensanalyse allemal.
Wenn man die erweiterten Gesamtkosten für sämtliche Screeningprogramme hinzu rechnet kommt man auf erhebliche Kosten bei zweifelhaftem Nutzen und einem nicht zu vernachlässigendem Schaden.
Wie auch immer, ich wünsche Ihrem Artikel eine reiche Leserschaft!!

#2 |
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Erfreulich, dass darauf hingewiesen wird, dass die statistischen Kenngrößen richtig interpretiert werden müssen, bevor Schlüsse gezogen werdenDann zeigt sich in diesem Fall, dass der erreichbare Nutzen marginal ist.

Umgekehrt: nicht betrachtet wird dauernd,was mit den durchaus nicht seltenen Fällen falsch positiver Befunde geschieht. Dahinter verbirgt sich Schrecken bis hin zum Suizid!

#1 |
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