Sectio: Der Fluch der 2. Geburt

19. September 2017
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In kaum einem anderen Land wird so oft per Kaiserschnitt entbunden wie in Deutschland. Einer der Gründe ist laut Experten die bessere Vergütung im Vergleich zur natürlichen Geburt. Zudem wählen Ärzte aus Angst vor Klagen die Sectio als vermeintlich sicherere Option.

16 Stunden lang hatte Inken Iversen starke und schmerzhafte Wehen gehabt, als ihre Tochter zur Welt gekommen war. „Nun war ich zum zweiten Mal schwanger und fürchtete mich vor der Geburt“, sagt sie, „so eine Tortur wollte ich nicht noch einmal mitmachen.“ Die junge Frau bat ihren Gynäkologen, einen Kaiserschnitt machen zu lassen. „Er stimmte sofort zu. Dass der Eingriff auch negative Folgen haben könnte, sagte er mir nicht.“

Iversen ist mit dieser Erfahrung nicht allein: Viele Frauen werden bei einem Kaiserschnitt von ihren Ärzten nicht ausreichend aufgeklärt, erklärt Birgit Seelbach-Göbel, Direktorin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe an der Universität Regensburg: „Vor allem über Langzeit-Komplikationen wird selten aufgeklärt. Das halte ich aber für dringend nötig“, sagt sie: Wenn jemand aus medizinischen Gründen einen Kaiserschnitt bekommen müsse, dann sei es vielleicht schwierig, diese Dinge zur Sprache zu bringen, denn der Kaiserschnitt sei umgänglich. „Aber wenn jemand mit ein Wunschkaiserschnitt ohne Indikationen machen lässt, dann sollte man schon aufklären“, so Seelbach-Göbel. „Wenn keine medizinische Indikation vorliegt, hat einen Kaiserschnitt keinerlei Vorteile für Mutter oder Kind gegenüber einer natürlichen Geburt.“

90 Prozent nicht zwingend notwendig

Dennoch ist die Kaiserschnittrate hierzulande so hoch wie in nur wenigen anderen Ländern. Lag ihr Anteil an allen Geburten 1991 noch bei 15 Prozent, so sind es nach den aktuellsten Zahlen des Statistischen Bundesamts (Destatis) 2015 mehr als 30 Prozent. Insgesamt stieg die Zahl der Krankenhausentbindungen im Vergleich zum Vorjahr um 3,5 Prozentpunkte auf 716.539. Zwar sank der Anteil der Frauen, die per Kaiserschnitt entbunden haben, gegenüber 2014 geringfügig um 0,7 Prozentpunkte auf 31,1 Prozent. Dennoch liegt Deutschland damit über dem EU-Durchschnitt und weit über dem der Niederlande und den skandinavischen Ländern. „Ungefähr zehn Prozent der Kaiserschnitte sind medizinisch notwendig“, sagt Petra Kolip. Sie ist Professorin für Gesundheitswissenschaften und Mitautorin der Studie „Faktencheck Kaiserschnitt“ Bertelsmann Stiftung von 2012. „90 Prozent sind nicht zwingend medizinisch notwendig, und in Deutschland wird der Spielraum relativ eng ausgelegt“, sagt Kolip: „Es wird recht früh ein Kaiserschnitt gemacht, wo andernorts andere Möglichkeiten angewendet werden, zum Beispiel, indem man länger abwartet, oder Frauen auf anderen Wegen darin unterstützt, ihr Kind auf die Welt zu bringen.“

Petra Kolip erforschte die Gründe, warum und wo in Deutschland Kaiserschnitte vorgenommen werden.

Gesundheitswissenschaftlerin Petra Kolip erforschte, warum und wo in Deutschland Kaiserschnitte vorgenommen werden.

Gründe, die einen medizinischen Eingriff wirklich nötig machen, sind selten. Etwa, wenn die Plazenta vor dem Muttermund oder der Säugling quer zur Längsachse der Mutter liegt. Bei Zwillingsgeburten aber, bei einem hohen Geburtsgewicht des Kindes oder einer Beckenendlage, ist die Sectio eine Möglichkeit, aber kein Muss. Bei Kaiserschnitten mit einer relativen Indikation oder gar keiner Indikation, der so genannte Wunschsectio, sollten Ärzte ihre Patientinnen besser aufklären, sagt Seelbach-Göbel: „Es ist erwiesen, dass sich nach einem Kaiserschnitt, und vor allem auch nach mehreren Kaiserschnitten, in der Folgeschwangerschaft die Plazenta weitaus häufiger an der falschen Stelle einnistet, als nach einer normalen Geburt. Das ist lokal meistens  über dem Muttermund, wir nennen es die Plazenta praevia.“ Eine weitere Folge eines Kaiserschnitts könne, meistens in Kombination mit einer Plazenta praevia, dazu führen, dass die Plazenta zu tief in die Gebärmuttermuskulatur einwachse, so die Gynäkologin.

Gefahren für spätere Geburten

„Es kann dann, auch wenn man einen Kaiserschnitt macht,  zu Lösungsstörungen kommen. Dies geht mit einem hohen Blutverlust einher, der bis zur Verblutung gehen kann.“ Dass jemand tatsächlich verblute, sei natürlich sehr selten, räumt sie ein. Doch man müsse um die Gefahr wissen und am richtigen Ort entbinden: „Vor allem Ärzte müssen darum wissen“, so Seelbach-Göbel, „denn man braucht extrem viele Blutkonserven in so einem Fall. Erst im vorletzten Jahr ist eine Patientin in München in so einer Situation verstorben.“ Eine weitere mögliche Folg einer Sectio sei, dass die Plazenta vor dem Muttermund liege und damit den Geburtsweg versperre, so die Frauenärztin. Es bestehe auch die Gefahr, dass es schon während der Schwangerschaft zu Blutungen komme, weil sich die Plazenta teilweise ablöse in diesem Bezirk. Das sei für Mutter und Kind gefährlich.

Warnt vor Langzeitfolgen von Kaiserschnitten: Birgit Seelbach-Göbel.

Warnt vor unbekannten Langzeitfolgen von Kaiserschnitten: Gynäkologin Birgit Seelbach-Göbel.

„Häufig kommt es auch vor, dass die Plazenta im Bereich der alten Narbe liegt, und sie sich an dieser Stelle so fest mit der Gebärmuttermuskulatur verbindet und einwächst, dass sie sich nach der Entbindung schlecht löst. Auch das ist mit einem hohen Blutverlust verbunden ist“, sagt Seelbach-Göbel: „Dem kann man nur prophylaktisch entgegenwirken mit einer Entfernung der Gebärmutter.“ Genaue Statistiken gebe es nicht: „Für unser Kollektiv mit rund 3000 Entbindungen im Jahr kann ich sagen, dass bei ungefähr fünf bis zehn Prozent der Patientinnen dieses Vorliegen der Plazenta vorkommt.“ Die Gynäkologin hält es für wichtig, dass die niedergelassenen Ärzte frühzeitig zu erkennen versuchen, ob bei einer Schwangerschaft nach einem Kaiserschnitt die Plazenta vorliege oder in die Muskulatur einwachse. Danach richte sich dann der Ort der Entbindung: „Es muss eine Klinik der Maximalversorgung sein.“

Mehr Kaiserschnitte bei Übergewicht und Depressionen

Warum es so wenig Wissen und Warnung über die Folgen von Kaiserschnitten gibt, ist nicht bekannt. Erst im Juli veröffentlichte die Techniker Krankenkasse (TK) einen Geburtenreport, in dem die Daten von rund 39.000 versicherten Müttern ausgewertet wurden, die 2008 entbunden hatten. Der Report belegt, dass zuvor kaum beachtete Faktoren wie Übergewicht oder Depressionen der Mütter Kaiserschnitte und damit auch das Krankheitsrisiko für Kinder begünstigen. „Die Spätfolgen bei Müttern haben wir noch nicht ausgewertet”, sagte eine Sprecherin. „Erkennbar war aber bereits, dass per Kaiserschnitt entbundene Kinder häufiger unter Infektionen der oberen Atemwege, Bronchitis und Durchfallerkrankungen leiden.“

Auch Heike Schiffling, Bremer Vorsitzende des Hebammenverbands, warnt aus Sicht der Kinder: „Langfristig gesehen weiß man heute, dass das Risiko für Diabetes, Übergewicht und Asthma bei Kindern nach einem Kaiserschnitt erhöht ist.“ Die Ursachen kenne man noch nicht genau, sagt sie.  Scheinbar wirkten sich die Keime, mit denen das Neugeborene im Scheidentrakt in Berührung komme, positiv auf das Immunsystem des Kindes aus. Auch der Eingriff selbst schade dem Kind, sagt die Hebamme nach 26 Jahren Berufserfahrung: „Man sagte, ein Kaiserschnitt sei stressfreier, weil nicht gepresst wird und das Kind nicht durch den Geburtskanal gehen muss. Diese Annahme hat sich nicht bestätigt. In den ersten Stunden nach der Geburt haben Kinder nach einem Kaiserschnitt etwas höhere Anpassungsschwierigkeiten; sie haben mehr Probleme damit, die Temperatur zu halten und regelmäßig Luft zu holen.“

Trend hin zur defensiven Medizin

Warum die Kaiserschnitt-Rate in Deutschland so hoch sei, darüber gebe es keine einheitliche Meinung, so die Sprecherin der TK. Spezielle Risikofaktoren wie ein Myom, eine vorausgegangene Totgeburt oder eine festgestellte Pathologie der Plazenta gingen mit einer erhöhten Kaiserschnittrate einher. Dies gebe aber noch keine zufriedenstellende Antwort auf das „Warum“. Einer der Gründe ist laut Seelbach-Göbel eine defensiv Medizin: „Es wird schnell geklagt, wenn bei der Geburt etwas schief geht.“ Auch Gesundheitswissenschaftlerin Kolip konstatiert eine große Ängstlichkeit sowohl auf der Seite der werdenden Eltern als auch auf der der gesundheitlichen Akteure: „Eltern kommen mit der Erwartung, dass unter der Geburt nichts schief gehen darf”, sagt sie. “Die Sorge, dass etwas passiert, und dass Ärzte möglicherweise angeklagt werden, ist sehr groß. Ärzte nehmen es oft so wahr, dass sie aus berufsethischen Gründen kein Risiko eingehen dürfen. Dies ist damit gekoppelt, dass die Haftpflichtprämien  in der Geburtshilfe sehr hoch sind.“ Schließlich wolle kein Arzt sich vorwerfen lassen, zu lange abgewartet zu haben, wenn etwas passiere, so Kolip.

„Einer der Gründe ist die Angst vor Klagen“, glaubt Schiffling. „Dazu kommt, dass durch den Anstieg der Kaiserschnitte der Umgang mit schwierigen Situationen während der Geburt nicht mehr gut gelernt wird.“ Kliniken würden immer schneller einen Kaiserschnitt machen in problematischen Situationen, so dass sowohl bei den Fachärzten als auch aufseiten der Hebammen das Handwerk verlernt werde. „Hier sieht man ganz deutlich den Unterschied zwischen den neuen und den alten Bundesländern”, sagt Schiffling. „Dass die Kaiserschnittrate in den neuen Bundesländern wesentlich niedriger ist, hat damit zu tun, dass das handwerkliche Können an die nächste Generation gut weitergegeben worden ist. Das ist in den alten Bundesländern so nicht der Fall.“

Starkes Gefälle zwischen Ost und West

Tatsächlich gibt es ein Gefälle zwischen den Bundesländern, das selbst für Experten schwer zu erklären ist. So ist laut Destatis das Saarland mit 38,5 Prozent Spitzenreiter, am niedrigsten ist die Kaiserschnittrate in Sachsen mit 24 Prozent. „Es gibt im europäischen Vergleich so viele Kaiserschnitt in Deutschland, weil es als eine besonders sichere Option gilt“, glaubt Kolip. Im Faktencheck Kaiserschnitt falle ein Ost-West-Gradient auf: „In den neuen Bundesländern gibt es weniger Kaiserschnitte als in den westlichen Bundesländern, und je weiter westlich wir uns bewegen, desto mehr steigt die Zahl. Die regionalen Unterschiede verweisen darauf, dass es unterschiedliche geburtshilfliche Praktiken gibt.“ Die Rückmeldungen aus ostdeutschen Kliniken seien gewesen: „Bei uns gilt die natürliche Geburt noch etwas. Es ist ein Qualitätsmerkmal für Kliniken, wenn sie Frauen darin unterstützen, Kinder vaginal zur Welt zu bringen. Und wir investieren auch dahin. Wir sorgen für einen guten Betreungsschlüssel bei den Hebammen, wir qualifizieren uns weiter, und wir nehmen auch Zwillingsgeburten und Beckenendlagen an, wo andere Kliniken abwinken und lieber einen Kaiserschnitt machen“, sagt Kolip.

Kliniken verdienen mehr am Kaiserschnitt

Tatsächlich sind Kaiserschnitte für Kliniken attraktiv, denn sie werden besser vergütet als natürliche Geburten. Die TK veröffentlichte Zahlen, nach denen der Anteil an ungeplanten Kaiserschnitten ab 2010 kontinuierlich anstieg und 2014 bei rund 55,7 Prozent lag. Die Kasse stellt einen unmittelbaren Zusammenhang fest mit einer Abrechnungsänderung, die 2010 in Kraft trat: Nicht geplante Kaiserschnitte werden seitdem höher vergütet als geplante. „Kliniken bekommen für einen Kaiserschnitt mehr Geld, aber sie geben auch mehr aus“, sagt Kolip. „Insofern kann man nicht sagen, dass sie mehr Geld am Kaiserschnitt verdienen.” Dies sei also kein Faktor, der zu der gestiegenen Kaiserschnittrate beigetragen habe. „Was aber dazu beiträgt ist, dass ein geplanter Kaiserschnitt besser in die Klinik-Organisationen passt. Er ist leichter planbar, und man weiß im Gegensatz zur natürlichen Geburt auch, wie lange er dauert“, so Kolip. Eine Geburt sei nicht zu 100 Prozent kontrollierbar: „Die Frage ist, wie wir gesellschaftlich mit diesem Risiko umgehen.”

Mangelndes Wissen von Fachärten und Hebammen führen dazu, dass schneller zum Skalpell gegriffen wird, sagt Heike Schiffling.

Mangelndes Wissen von Fachärzten und von Hebammen führt dazu, dass heute schneller zum Skalpell gegriffen und operiert wird, sagt Heike Schiffling.

Hebamme Schiffling glaubt, fehlendes Wissen über natürliche Geburten sei der Grund für die hohe Kaiserschnittrate: „Dieser Mangel betrifft beide, sowohl Ärzte als auch Hebammen. Wer in der Praxis selten mit schwierigen Geburten konfrontiert ist, scheut sie natürlich“, sagt sie. „Es gibt  erfahrene Fachärzte, die sich auch komplizierte Geburten zutrauen, aber bei den jüngeren Assistenzärzten ist das leider nicht mehr so. Dann ist der Schnitt die einfache Lösung.“ Das Erste, was der Arzt lerne, wenn er alleine Dienst habe, sei der Kaiserschnitt. Andere Unwägbarkeiten, wie zum Beispiel eine Steißlage, müsse er nicht unbedingt allein beherrschen, sagt Schiffling. „So etwas kann man vaginal entbinden, doch dazu braucht man Erfahrung. Man muss einschätzen können, wie lange es gut geht, oder ob doch ein Kaiserschnitt angebracht ist. Da geht es um Handwerk und Erfahrung. Wer in einem Haus arbeitet, wo sehr viele Kaiserschnitte gemacht werden, ist weniger häufig mit solchen Situationen konfrontiert.“ Derzeit beginne langsam eine Rückbesinnung, dass man sich um die Qualifizierung von Fachärzten kümmern müsse, so die Hebamme. Es gebe auch vermehrt Simulationstraining für Geburtshilfe-Situationen, wo Kreißsaal-Teams von Ärzten und Hebammen Notfälle üben könnten, das sei sehr hilfreich.

Ärzte und Hebammen arbeiten zusammen

Dass die Zahlen seit 2015 leicht rückläufig seien, sei darauf zurückzuführen, dass es in einzelnen Bundesländern Aktionen und runde Tische gegeben habe, sagt Kolip. „Alle Akteure habe sich an einen Tisch gesetzt und überlegt, wie diese hohen Zahlen zu ändern sind. Man ist miteinander ins Gespräch gekommen, und ich glaube, es ist gelungen, ein Nachdenken in das Kaiserschnitt-Geschehen zu bringen“, sagt die Gesundheitswissenschaftlerin. Es gebe heute Modelle, wo Ärzte und Hebammen Frauen gemeinschaftlich betreuen würden. Frauen erlebten dies als sehr positiv, weil sie unterschiedliche Ansprechpartner hätten. Das wäre ein Plädoyer dafür, starker über kooperative Betreuung nachzudenken.

„Eine Geburt ist nicht zu 100 Prozent kontrollierbar“, sagt Kolip, „die Frage ist, wie wir gesellschaftlich mit diesem Risiko umgehen. Ärzte, die Frauen in der Schwangerschaft betreuen, berichten davon, dass Frauen schnell an den Kaiserschnitt denken, sobald sie das Wort Risiko hören.“ Da käme Ärzten die Aufgabe zu, Geburten weniger als riskante Situation zu bewerten und Frauen darin zu unterstützen, die eigene Kräfte zu entwickeln und das eigene Potenzial zu erkennen, so Kolip.

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Bildquelle: Earls37a, flickr / Lizenz: CC BY-SA

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41 Kommentare:

Gast X
Gast X

Frau Dietrich: warum dieses Thema emotional besetzt ist und warum es mit schwierigen Erfahrungen einhergeht und selten streng nach Faktenlage diskutiert wird?
Dafür gibt es viele Gründe. Obwohl uns immer wieder von allen Seiten erklärt wird dass es “die alltäglichste und natürlichste Sache der Welt” ist macht es die Situation nicht ungefährlicher, berechenbarer, unkomplizierter, weniger schmerzhaft und anstrengend. Klar für alle Welt ist es nichts Besonderes aber für die Mutter ist es DER Tag. Dass das Risiko dass bei der Geburt das Kind stirbt, einen schweren Hirnschaden erleidet oder die Mutter verstirbt nun hierzulande sehr gering ist macht für sie keinen Unterschied, sie fürchtet sich trotzdem davor.
Einerseits herrscht ein irrer Performancedruck, möglichst keine PDA, möglichst kräftig mitarbeiten, nicht zu wehleidig sein, Vorbereitung ist alles, ein Tag an dem man alles im Griff haben sollte… andererseits bei den meisten Geburten hat man als Mutter gar nichts im Griff (nicht einmal den eigenen Darm) und fühlt sich über weite Strecken hilflos und ausgeliefert, selbst wenn man nicht alleingelassen wird. Selbst wenn alles optimal läuft sind leichte Komplikationen und Geburtsverletzungen sehr häufig, das Wochenbett ist selbst wenn die Heilung, Rückbildung und das Stillen optimal läuft eine sehr harte Zeit. Meistens läuft es aber nicht optimal und jedes Problem kann das Bonding, das Stillen, das Heilen und die Rückbildung stören und erhöht somit das Risiko für weitere Komplikationen wie postpartale Depression, ungewolltes Abstillen, Inkontinenz usw.

Die Sectio ist schön berechenbar, fast alle sind irgendwie gleich, das Risiko dass etwas Unerwartetes geschieht ist relativ gering. Viele assoziieren Berechenbarkeit mit Sicherheit und damit werden viele Komplikationen und Unerfreulichkeiten eliminiert: Übertragung, Einleitung, Geburtsstillstand, vaginal operative Geburt usw. Dass selbst mit Sectio noch viel Unerwartetes passieren kann wird gerne verdrängt. Dass in den meisten Artikeln bei den Spontangeburten nicht immer unterschieden wird liegt vermutlich daran dass immer alles passieren kann, keine Spontangeburt ist wie die andere.

Natürlich verschlechtert die mangelhafte Besetzung der Geburtsstationen die Situation und ich bezweifle nicht dass viele sich für eine Sectio entscheiden weil sie Angst davor haben im Kreisssaal allein gelassen zu werden, aber auch bei umfassender 1:1-Betreuung kann eine vaginal operative Entbindung oder ein Notkaiserschnitt erforderlich werden.

Also ja, es IST eine emotionale Diskussion und zwar deswegen weil die Fakten die Situation nicht annähernd erfassen, sie reichen einfach nicht aus. Es gibt zwar große Datenerhebungen bezüglich Sectioraten aber keine vergleichbare Datenerfassung bezüglich traumatischer Geburtserlebnisse, Wundheilungsstörungen, gestörter Mutter-Kind-Bindung, Baby-Blues und postpartaler Depression, Rückbildungsstörungen.

Hinzu kommt: JEDER bildet sich eine Meinung, auch Leute die keine Ahnung haben, vor allem andere Mütter. Aber auch Leute die selbst nie ein Kind zur Welt gebracht haben urteilen gerne und schonungslos. Aber das betrifft nicht nur die Geburt. Wenn es um Kinder geht muss man sich darüber hinaus für alles rechtfertigen was man macht oder nicht macht. “Was? Du hattest keine Akupunktur?!? Du hast während der Schwangerschaft nie Mozart gehört?!?”. In den sozialen Netzwerken übertrumpfen sich Muttis mit Fotos wer nach 3 Tagen den flachsten Bauch hat oder nach 5 Tagen schon wieder im Fitnessstudio war “no excuses”. Und von den Themen Förderung oder Impfung will ich gar nicht erst anfangen…

#41 |
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Pflegepädagogin

Ein sehr emotional besetztes Thema. Mich würde ehrlich interessieren warum das so ist. Es scheint hier wirklich um schwierige Erfahrungen auf allen Seiten zu gehen. Vielleicht ist deshalb eine rein pathologisch geprägte Diskussion nicht ausreichend. Daher wahrscheinlich auch die häufige Diskussion außerhalb der Fakten (auch Fachkräfte).
Interessant finde ich, dass hinter all den Diskussionen immer die Idee steckt, dass eine Sectio der sicherere Modus für Mutter und Kind ist.
Was mir an dem Artikel noch fehlt ist die Unterscheidung der Spontangeburten. Die verlaufen bekanntermaßen ganz unterschiedlich. Die einen kommen ganz ohne Interventionen aus, während andere sogar vaginaloperativ enden. Diese können das Kind genauso stressen, wie die Sectio. Aber auch die Mütter können aus so einer Geburt traumatisiert hervorgehen. Siehe Roses Revolution Day.
Deswegen halte ich die gestiegene Kaiserschnittrate nur für ein Symptom der, im Durchschnitt, schlechten Geburtshilfe.
@#36 Das wird vereinzelt versuchsweise schon gemacht.
@#27 An diesen Entscheidungen, die über Leben oder Nicht-Leben entscheiden zweifelt doch keiner. Es geht um die gestiegene Kaiserschnittrate in den letzten Jahrzehnten bei nicht verbessertem Outcome für Mutter und Kind.

#40 |
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Gast
Gast

@#38 & 15: In diesem Review wird aufbereitet, welche Hypothesen es bereits gibt und was man dazu bereits sagen kann. Betont wird, dass man gerade erst anfängt Zusammenhänge von Krankheiten und C-Sections zu erforschen! Auch wird hier unterschieden zwischen geplantem Kaiserschnitt und Not-Kaiserschnitt, da Kinder beim Notkaiserschnitt nach mehreren Stunden Wehen etc. durchaus schon mit dem Mikrobiom in Berührung gekommen sind. Spoiler-Alert: Hier gibt es keine fundierten Erkenntnisse, dass das gehäufte Auftreten von Autoimmunerkrankungen mit C-Sections in Verbindung stehen, vielmehr stehen hier auch unsere derzeitige Lebensweise etc. auf der Speisekarte…

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3110651/

#39 |
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#15: “Das fehlende/lückenhafte Mikrobiom der Sectio-Kinder wird in Form eines nicht ausgereiften Immunsystems zum gesundheitlichen Bumerang – mehr Autoimmunerkrankungen sind die Folge!” –
Gibts dazu eine gute Studie? Die Kommentatorin vertritt ja sogar die These, solche Immunprobleme würden von Generation zu Generation zunehmen.
Gibts dann wenigstens Hinweise, dass in solchen Ländern, in denen seit >30 Jahren häufig per sectio entbunden wird, Autoimmunkrankheiten öfter auftreten?

#38 |
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Gast
Gast

#30 “Immer wieder schön zu sehen, wie alle über eine Sache diskutieren (und entscheiden wollen), die eigentlich nur einen einzigen Menschen angeht: die Gebärende.” Nunja, manche sind der Meinung, daß es nicht nur die Gebärende, sondern auch das KInd etwas angeht, denn das ist unmitellbar betroffen von den Entscheidungen der Gebärenden und dessen weitres Leben wird davon nachhaltig beeinflußt. Darüber hinaus sehen sich übrigens auch zunehmend die werdenden Väter als Betroffene und stellen Forderungen an die Beteiligten.

#37 |
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Gast
Gast

Eine dumme Frage: wenn die Übertragung des “Mikrobioms” der Mutter auf das Kind (sprich Kontamination des Kindes mit der Vaginalflora) so furchtbar wichtig ist dass es tatsächlich als Argument gegen die Durchführung einer Sectio angeführt wird (natürlich einer mehr oder weniger indizierten Sectio) warum macht man dann bei der Mutter nicht einfach einen Abstrich und überträgt die Flora aus das Kind? Kostet schließlich nichts, dürfte weitgehend ungefährlich sein (Steptokokkentest usw. wird ja sowieso bei jeder Schwangeren gemacht) und sollte ausreichen um das Baby mit mütterlichem Mikribiom auszurüsten. Also wenn das Mikrobiom so wichtig ist das man deswegen einer Frau die partout nicht spontan entbinden will die Sectio ausredet warum macht man es nicht manuell? (Ich befürworte selbst die Spontanentbindung, jedoch nur wenn die Mutter selbst auch davon überzeugt ist, eine Frau die sich das warum auch immer nicht zutraut dazu zu nötigen sehe ich äußerst kritisch, insbesondere weil dieser Kraftakt mehr Compliance erfordert als jede andere Situation und das Gefühl so etwas gegen seine Überzeugung tun zu müssen sehr traumatisierend sein kann)

#36 |
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“…Bei unter 15 Prozent sollte die Kaiserschnittrate eines Landes laut Weltgesundheitsorganisation liegen. In der Türkei liegt sie heute bei über 50 – in vielen Istanbuler Privatkrankenhäusern gar bei über 80 Prozent!…
Gülnihal Bülbül hat ein Buch über die Gründe geschrieben, aus denen die Türkei heute mit Mexiko und China die höchste Kaiserschnittrate weltweit hat. Neben dem allgemeinen Modernisierungswahn, gehe es vor allem um die Angst der Mediziner verklagt zu werden, so die Ärztin. In keinem anderen Bereich gehen so viele türkische Patienten vor Gericht, wenn es Komplikationen gab, wie in der Geburtsmedizin. Ein anderer Grund sei die starke Privatisierung des türkischen Gesundheitssystems, in dem auch Geburten planbar sein müssen.”
http://www.deutschlandfunk.de/kaiserschnitt-boom-in-der-tuerkei-kurz-schmerzlos.795.de.html

#35 |
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Gast
Gast

@ #28: Ich stimme Ihnen in fast allem zu. Nur den letzten Satz finde ich anmaßend und überflüssig. Ja, nicht alles was Pharmafirmen machen, tun sie mit dem Gedanken an Patienten und ja, Pharmafirmen wollen Profit machen. Hier ein Gedanke: Wer bezahlt denn die Forschung für neue Medikamente? Achja, die Pharmafirmen mit dem Profit aus ihren Verkäufen. Wissen Sie wieviel Forschung bezahlt wird und in die Hose geht auf dem Weg zu nur einem erfolgreichen Medikament? Ergo was es kostet nur ein Medikament zu entwickeln? Pharmafirmen sind keine Wohlfahrtsvereine und werden auch nicht subventioniert, sondern müssen sich selbst tragen. Ja, es passiert viel Mist im Bereich der Pharmaindustrie, das will ich nicht abstreiten. Aber ohne sie hätten wir gar keine Medikamente. Was würden Sie als Patient dann wohl sagen, wenn ihr Arzt Ihnen sagt: Tut mir leid, dafür haben wir nichts. ?

#34 |
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Gast
Gast

Diese vielen Kommentare und doch meistens eine Meinung, nämlich die Frau sollte selbst entscheiden. Aber wie soll sie dies denn tun? Die Stimmen, die hier zu hören sind, hört auch jede Schwangere andauernd. Wie kann man da noch Fakten abwägen, oder ein gutes Gefühl egal mit welcher Entscheidung haben, wenn man all dies hört? Und besonders Menschen, die nicht immer alles kritisch hinterfragen, bleiben doch auf der Strecke.

#33 |
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Constanze Mantel
Constanze Mantel

Vier Tage Einleitung, Dauer-Hypertonie in Bereichen von 180/110 und mehr, PDA, welche sich durch zu enge Wirbel nicht richtig setzen ließ, dadurch Schmerzen am Wehentropf, welche ich nicht hätte spüren sollen…Am Ende wurde es eine Sectio…. Anschließend noch massive Probleme wegen der Präeklampsie. Bevor ich mir diesen Horror nochmals antue, lasse ich mir lieber bei Nr. 2, sollte sich erneut eine Einleitung ankündigen, einen Termin für eine Wunsch-Sectio geben! Und von wegen BEL, Zwillibge oder 4,5 kg Gewicht…lasst diese Frauen bitte ebenfalls entscheiden, wie sie das Kind bekommen wollen. Wie es bereits beschrieben wurde…Diese Geburtsarten sind “Viecherei”.

#32 |
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Nichtmedizinische Berufe

Ich bin sooo erstaunt, dass Deutschland so führend sein soll. In Lateinamerika ist die “cesarea”, der Kaiserschnitt, die Wunschgeburt aller zukünftigen Mütter zumindest ab der unteren Mittelschicht. Fast alle meine Freundinnen und meine weiblichen Verwandten waren schockiert, als ich über meine Geburten (natürlich) in den Neunzigerjahren berichtete.
Keine Frau wäre bereit, große Schmerzen auszuhalten.
Und das in zu 95% igen katholischen Ländern.

#31 |
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Gast
Gast

Genau, Frauen sollen wieder richtig leiden müssen, um Kinder zu gebären /Sarkasmus off.
Immer wieder schön zu sehen, wie alle über eine Sache diskutieren (und entscheiden wollen), die eigentlich nur einen einzigen Menschen angeht: die Gebärende.

#30 |
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Annika Diederichs
Annika Diederichs

#27 Dort steht ausdrücklich Wunschkaiserschnitt, also ein medizinisch nicht indizierter Kaiserschnitt. Was soll es da für wichtigere Gründe geben? Urlaubspläne vielleicht?

#29 |
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Hebamme

#15 Das gern genommene Argument für die Sectio.
Aber sehen Sie sich die Zahlen an:
Die Sectiorate steigt und steigt. Die Morbiditäts- und Mortalitätsrate jedoch bleibt gleich.
Mehr Sectiones bringen eben nicht mehr gesunde Kinder hervor.
Im Gegenteil: Die Spätfolgen werden immer stärker bekannt. Das fehlende/lückenhafte Mikrobiom der Sectio-Kinder wird in Form eines nicht ausgereiften Immunsystems zum gesundheitlichen Bumerang – mehr Autoimmunerkrankungen sind die Folge! – und die per Sectio geborenen Mütter können ihren Kindern selbst kein vollständiges Mikrobiom mehr mitgeben. Werden diese Kinder dann ebenfalls per Sectio geholt verschärft sich die Problematik weiter – und von Generation zu Generation werden die Menschen kranker und kranker.
– – –
Die “Wunschsectio” gibt es ja sowieso nicht – denn die wird von den Kassen nicht bezahlt. Schonmal von jemandem gehört, der seine “Wunschsectio” selbst bezahlt hat? Ich nicht.
“Psychische Indikation” – “Tokophobie” – ja, die Angst vor Wehen… also bitte! Eine Schwangere mit “Tokophobie” gehört doch nicht auf den OP-Tisch, sondern in die Hände eines fähigen, spezialisierten Psychotherapeuten.
Traumatische erste Geburten gilt es zu vermeiden (1:1-Betreuung durch einfühlsame Hebammen!!!) und wenn es doch als traumatisch empfunden wird muss dieses Erlebnis aufgearbeitet werden – mit professioneller Hilfe.
Es muss sich ein System etablieren, dass angsterfüllte Frauen auffängt und nicht wie jetzt das “Problem” in den OP abschiebt!

Und es kann auch nicht sein, dass etwas zur Sectioindikation wird, weil die Geburtshelfer es nicht mehr können wie die Beckenendlage. Da wird mangelnde Ausbildung und daraus resultierende mangelnde geburtshilfliche Kompetenz verschleiert, indem aus dieser geburtshilflichen Varianz eine Pathologie kreiert wird, die in den meisten Kliniken zu 100% auf dem OP-Tisch “erledigt” wird.

Da kann man es sich gleich ganz leicht machen.
Wir entbinden alle per Sectio. 100%
Da brauchen wir nur einen OP und ein OP-Team. Sectiones im 30-Minuten-Takt. Geburtshilfe verschwindet aus dem Medizinstudium und Hebammen sind überflüssig.
Was da an Geld eingespart würde!
Und die Pharmafirmen würden sich auch freuen über den steigenden Umsatz an Medikamenten gegen Diabetes, Allergien, Neurodermitis ect…

#28 |
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Gast
Gast

An Nr 26: ihr Beitrag ist wichtig, allerdings gibt es viel wichtigere Entscheidungsgründe für oder gegen eine Sectio, so wie Leben oder Nicht Leben.

#27 |
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Heilpraktikerin

Ich kann nur als 2-fache Mutter Stellung nehmen: Der Beitrag Nr. 11 entspricht meiner subjektiven Wahrnehmung, die sich auf den Erlebnissen meiner beiden vollkommen natürlichen Entbindung und den Beobachtungen in meinem Freundes- und Bekanntenkreis stützt, wo viel Angst und Sicherheitsdenken zu sehen ist. Es ist immer eine sehr persönliche Entscheidung eines Paare, für welche Art der Entbindung sie sich entscheiden, aber Angst vor der natürlichen Entbindung ist ein schlechter Ratgeber. Sich für einen Wunschkaiserschnitt und gegen den naturgegebenen Ablauf der Geburt zu entscheiden, nimmt den werdenden Eltern eine Gelegenheit die Stärke des weiblichen Körpers und des Wunders ‘Leben’ erfahren zu dürfen.

#26 |
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https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2016/10/PD16_355_231.html
“Mehr Krankenhausentbindungen 2015 bei niedrigerer Kaiserschnittrate
WIESBADEN – Die Zahl der Krankenhausentbindungen in Deutschland ist im Jahr 2015 im Vergleich zum Vorjahr um 3,5 % auf 716 539 gestiegen. Der Anteil der Frauen, die per Kaiserschnitt entbunden haben, sank nach Mitteilung des Statistischen Bundesamtes (Destatis) gegenüber 2014 geringfügig um 0,7 Prozentpunkte auf 31,1 %. Entgegen dem Trend zu insgesamt leicht niedrigeren Kaiserschnittraten nahm der Anteil der Kaiserschnittentbindungen in Hamburg und in Sachsen-Anhalt zu (+ 0,7 beziehungsweise + 0,5 Prozentpunkte). Im Ländervergleich war die Kaiserschnittrate im Saarland mit 38,5 % am höchsten. Die wenigsten Kaiserschnittentbindungen wurden mit 24,0 % in Sachsen vorgenommen. ”

https://www.bundestag.de/presse/hib/2014_08/-/295904
Kaiserschnittrate in Mexiko am höchsten
Gesundheit/Antwort – 26.08.2014 (hib 428/2014)
Berlin: (hib/PK) Die Kaiserschnittrate fällt international sehr unterschiedlich aus. Laut einer 2013 von der OECD veröffentlichten Statistik liegen Island und die Niederlande mit einer Quote von 14,7 beziehungsweise 15,6 Prozent am Ende der dargestellten Länderskala, während in der Türkei (46,2 Prozent) und Mexiko (49,0 Prozent) beinahe jedes zweite Neugeborene per Kaiserschnitt geholt wird. In Deutschland steigt die Zahl der Kaiserschnitt-Entbindungen in der Tendenz. 2012 lag die Quote bei 31,9 Prozent…”

#25 |
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Gynäkologin
Gynäkologin

Die Polarisierung zwischen den Fronten Sectio vs. Spontangeburt finde ich falsch. Denn beide Seiten haben ihre Berechtigung, Indikationen und Kontraindikationen. Die Grenzen sind keine festen Bestandteile, sondern fließend.
Wichtig erscheint mir, dass nicht nur wir Ärzte, sondern auch die Hebammen ausreichend und korrekt informieren und aufklären. Denn sowohl Angstmache als auch Verharmlosung sind falsch, und führen bei unseren Patientinnen zu Unsicherheiten und falschen Vorstellungen (z.B. bei der Spontangeburt: natürlich = risikofrei/schmerzfrei oder Sectio=schnell und unkompliziert, unbedingte Vermeidung von Schmerzmitteln, heroische Spontangeburt auf „Teufel-komm-raus“).
Allerdings wird uns allen die Entscheidung nicht einfach gemacht: Angst vor Fehlern mit entsprechendem finanziellen Belastungen durch Haftpflichtversicherung, zu wenig Personal im Gesundheitssektor (Hebammen, Ärzte, Pflegepersonal), Budgewünsche der Verwaltung, Kostendruck und natürlich auch die „Wünsch-Dir-Was“-Haltung mancher Patienten. Gleichzeitig leidet auch die Ausbildung, denn Sectiones werden einem Assistenzarzt immer beigebracht, die korrekte Durchführung einer VE oder sogar einer BEL-Geburt unter Anleitung sehr selten.
Ich finde wir sollten versuchen zum Wohl unserer Patienten (Mutter und Kind) zu arbeiten und jede Entscheidung individuell sehen.
Persönlich muss ich noch hinzufügen, dass ich ohne Sectio wohl bei der Geburt gestorben wäre oder einen schweren hypoxischen Hirnschaden erlitten hätte. Denn nach 10 Tagen über den Termin, Geburtsstillstand in frühen EP und Chefarzt, der initial keine Sectio machen wollte, verdanke ich nur dem „Glück“ des Not-Kaiserschnitts, dass ich heute über dieses Thema schreiben kann.

#24 |
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Gast
Gast

China ist führend, ca. über 50% aller Geburten kommen per Sectio .Es sind vornehmlich Wunschkaiserschnitte.

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D.O., BSc. Stephan Klemm
D.O., BSc. Stephan Klemm

Interessant wäre in diesem Zusammenhang die Komplikationsrate nach oder durch Entbindung. Ist diese in Deutschland geringer gegenüber den restlichen europäischen Ländern? Ebenso interessant wäre, welche Vor- oder Nachteile den kleinen Patienten entstehen durch die Sectio.. sicher gibt es hierzu Daten?

#22 |
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Gast
Gast

Guten Morgen,
für mich als Beleghebamme ist der Artikel leider hinfällig!
Ich denke ich kann für den Großteil meiner Kolleginnen sprechen wenn ich sagen wir würden fast immer eine Spontangeburt bevorzugen!
Ob das jetzt wirklich langfristige emotionale Auswirkungen auf Mutter und Kind hat sei mal dahingestellt…

Leider wird sich mit dem Schiedsspruch von Anfang September die Geburtshilfe drastisch ändern! Der GKV Spitzenverband fordert ab 1.01.18 eine 2/1 Betreuung! Prinzipiell eine tolle Geschichte, nur bei dem massiven Hebammenmangel nicht durchführbar!
Wir werden ab nächsten Jahr bestimmt einen weiteren Anstieg von prim See-Sectiones haben!
Wer setzt sich denn über Stunden hin und betreut die Damen!
Das sind in der Regel wir Hebammen!
Wir würden es auch weiterhin auch gern machen, aber gegen entsprechende Honorierung!

…ach ja, dem GKV ist es im übrigen egal wieviel Gebärende im Angestelltenverältnis betreut werden…

#21 |
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Gast
Gast

Jede Geburt ist anders. Nach vielstündiger schmerzhafter Anstrengung habe ich mir (wollte ich eigentlich nicht) eine PDA geben lassen und es nicht bereut. Der Oberarzt wurde geholt, weil es zwischenzeitig nicht weiterging und eine Sectio im Raum stand. Er hat beherzt geschnitten, die Saugglocke mit einer heftigen Wehe genutzt und den Schnitt schmerzfrei und perfekt in Ruhe vernäht, so dass der “Love Channel” keinen Schaden genommen hat. Das ist ärztliche Kunst.

#20 |
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Gast
Gast

#9@#17: Falls sich das: “Es gibt doch Paracetamol. Wieso Schmerzen?” auf meinen Eintrag bezüglich der Schmerzen nach der Sectio bezieht, eine kleine Anmerkung. Ich habe bewusst nur einen halben Tag am Tag der Sectio Schmerzmittel genommen, da auch Paracetamol in die Muttermilch übergeht und ich gestillt habe. War eine persönliche Entscheidung.
Wenn Schmerzmittel prinzipiell für einen in Frage kommen, kann man diese allerdings ja auch nach einer natürlichen Geburt verwenden. Ist dann ja nicht verboten, nur weil man keine Sectio hatte..

#19 |
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Dr. med. Arnaud Carasso
Dr. med. Arnaud Carasso

Sehr geehrter Herr Kollege, Dr. Wilfried Aschauer,
Mit ähnlicher, etwas längerer Erfahrung und am Schluss mit Hausgeburten bin ich mit Ihnen vollkommen einverstanden.
Nun warum irgendwann nachts aufstehen und schlecht bezahlt vor allem warten, wen mann ruhig in weniger als einer Stunde, morgens vor der Sprechstunde eine dankbare Routine ausführen darf. Ich bin froh seit nun 4 Jahren, Gott sei Dank ohne Gerichtsverfahren, alles hinter mir zu haben. Freuen sie Sich !

#18 |
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Gast
Gast

Ich kann da auch nur von mir sprechen.
Mein erstes Kind wurde eingeleitet, weil 13 Tage über Termin. Schreckliche Wehen. Nach 16 Stunden wurde dann ein Kaiserschnitt gemacht.
Im Mutterpass stand nachher Kaiserschnitt wegen hohem Gradstand-
Mein 2. Kind wollte ich nun natürlich Entbinden. Ohne Einleitung. Das war mir wichtig. Mein Arzt riet ab, das Krankenhaus riet ab. Meine Hebamme gab mir eine 50% Chance. Das kann schon entmutigen. Mein Gefühl war aber immer gewesen, dass meine erste Tochter nur ein Kaiserschnitt wurde, wegen der Einleitung und nicht wegen einem Missverhältnis.
Ich weiß jetzt rufen wieder alle, es ist aber statistisch so, dass nach Einleitung nicht häufiger ein Kaiserschnitt notwendig ist. Ich sage aber, es dauert länger, es tut mehr weh, ich hatte keine Wehenpausen und dann noch eine PDA.
Zum Glück habe ich eine Klinik gefunden, die sich bereit erklärt hat mir 10 Tage über Termin zu geben und nicht gleich das Messer anzusetzten.
4 Tage über Termin kam dann das 2. Kind spontan. 4 Stunden, keine PDA.
Meine Erfahrung im Wochenbett mit Kaiserschnitt war, dass ich deutlich schneller wieder fit war. Es gibt ja Paracetamol. Also wieso Schmerzen?
Aber auch mit Dammriss und definitiv mehr Beschwerden, würde ich immer wieder die normale vaginale Geburt bevorzugen. Der Hormoncocktail, der auf die Mutter wirkt ist einfach 1000x stärker. Ich habe erst nach der 2. Geburt verstanden, was viele Mütter meinten mit ” ach die Geburt – den Schmerz vergisst man”. Nein man vergisst es nicht, aber der Schmerz und die Wunden wird relativ zum Glück das man empfindet.
Nach einem Kaiserschnitt hat man zwar auch ein Neugeborenes im Arm, aber das Gefühlsleben ist einfach deutlich reduzierter.

#17 |
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Tierärztin

Hallo Gast #7: was bitte soll an einem Kaiserschnitt bequemer als bei einer Spontangeburt sein? Warum müssen manche Mütter damit angeben, wie toll und stark sie die schlimmsten Geburten gemeistert haben und andere damit noch niedermachen, die es nicht so toll hingekriegt haben? Ich schätze, Sie hatten einfach Glück, freuen Sie sich darüber!

#16 |
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Gast
Gast

….und was ist mit Spätschäden beim Kind, nur weil die Sectiorate gering gehalten werden muss???
Hauptsache vaginale Entbindung, egal ob kindliche Asphyxie ??

#15 |
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Gast
Gast

#9 @10: Das stimmt, da haben Sie Recht. Es gibt auch bei der natürlichen Geburt durchaus Schwierigkeiten in der der Wundheilung bei Dammriss, Dammschnitt oder auch bei Nachblutungen. Jedoch sind diese auch nicht so oft der Fall. Auch bei meiner natürlichen Geburt war ein Dammriss dabei, der jedoch sehr gut verheilt ist. Persönliches Glück gepaart mit guter Arbeit würde ich sagen. Aber unter dem Gesichtspunkt, dass Dammrisse/-schnitte sehr, sehr häufig vorkommen (an alle aktuell Schwangeren: Bitte keine Angst haben!!), denke ich, dass die Komplikationsrate hier auch eher gering ausfällt. Trotzdem haben Sie natürlich Recht, wenn es hier Komplikatonen gibt, sind die Einschränkungen ähnlich denen beim Kaiserschnitt.

#14 |
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Heinz Brettschneider
Heinz Brettschneider

Es müsste noch viel mehr Forschung in die Evidenz der ACE-Studie investiert werden, die an 17000 südkalifornischen Patienten einer privaten Krankenkasse durchgeführt wurde ( Literatur: Felitti, V. & al (2007): Ergebnisse der Adverse Childhood Experiences (ACE) – Studie zu Kindheitstrauma und Gewalt. Epidemiologische Validierung psychoanalytischer Konzepte. Trauma & Gewalt, Mai 2007, 1. Jahrgang, Heft 2, pp 18-32), die klar erwiesen hat, dass alle Krankheiten, die mit Diabetes zusammenhängen, insbesondere Kaiserschnitt, Fettsucht, Suizidalität und inhalatives Tabakrauchen offenbar psychogenen Ursprungs sind, jedenfalls in einer Dosis-Wirkungs-Beziehung zu frühkindlichen Traumata wie Gewalt, Emotionale Vernachlässigung und sexueller Missbrauch stehen. Bis auf wenige Ärzte, die dies für fundamental halten, bildet aber leider die Mehrheit meiner Kollegen eine Mauer des Schweigens um diese Tatsache.
Heinz Brettschneider, Internist, Stuttgart

#13 |
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Miriam Joseph
Miriam Joseph

Island hat eine Sectiorate von 15 % und insgesamt sehr gute Zahlen. Dort werden Hebammen und Ärzte angestellt, sie sind staatlich finanziert und die Frauen werden ausreichend betreut. Das Krankenhaus muss keinen Gewinn erwirtschaften und siehe da, gute Geburtshilfe funktioniert!!! Armes Deutschland kann keine ausreichende Betreuung für Hebammen und Ärzte bezahlen, auch ohne Haftungsfond wird es nicht gehen.

#12 |
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Dr. Wilfried Aschauer
Dr. Wilfried Aschauer

Ich bin 57 Jahre alt und seit 32 Jahren in der Gynäkologie tätig davon 25 Jahre als niedergelassener Gynäkologe. Ich habe sechs Jahre im Krankenhaus gearbeitet und hatte das Glück in diesen sechs Jahren mit alten Hebammen der Nachkriegszeit zu arbeiten, die weder Tod noch Teufel fürchteten. Jeder Kaiserschnitt bedeutete für diese Hebammen eine persönliche Niederlage! Die Damen waren mit allen Wassern gewaschen und wir arbeiteten mit sehr vielen Tricks, die zwar offiziell nicht erlaubt waren aber zum Ziel führten. Ich habe dabei auch gesehen was Schwangere und auch die ungeborenen Kinder wirklich aushalten. Die Kaiserschnittrate betrug in etwa 8% , der Anteil der PDAs war
minimal, da die Anästhesisten in der Nacht jedes Mal ein riesen Tamtam machten, wenn sie aufstehen mussten. Unsere damaligen Waffen waren Lachgas und Dolantin . Die heutige Medizin ist von purer Angst geprägt. Das betrifft sowohl die im Krankenhaus tätigen Gynäkologen als auch die Hebammen. Ich persönlich finde es inzwischen schrecklich in diesem Umfeld arbeiten zu müssen und bin froh in ein paar Jahren in Rente gehen zu dürfen. Ich habe jahrelang versucht Frauen den Wunschkaiserschnitt auszureden. Inzwischen habe ich jedoch resigniert , da diese Bemühungen von den umliegenden geburtshilflichen Abteilungen durch ihr Verhalten konterkarikert werden .
Medizin würde ich unter den heutigen Umständen prinzipiell nicht mehr studieren. Die heutige Medizin ist allgemein nur noch technikorientiert und hat mit Menschlichkeit nichts mehr zu tun!
Die allgemeine Gewinnorientierung mit Vernachlässigung des humanitären Faktors ist teilweise erschreckend!

#11 |
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Gast X
Gast X

@9: in einem Punkt muss ich Ihnen widersprechen. Geburtsverletzungen nach Spontangeburt müssen ebenso wie eine Sectiowunde abheilen. Ein Dammriss oder -schnitt kann ebenfalls über Tage und Wochen hinweg heftige Beschwerden verursachen. Dass jemand der eine Spontangeburt absolviert automatisch mit rascher Genesung “belohnt” wird, während die Sectiopatientin mit langwierigen Wundschmerzen “bestraft” werden ist ein Mythos. Alle denken immer die Geburt ist der beschwerlichste Teil, für viele Frauen ist es das Wochenbett, ungeachtet des Geburtsmodus.

#10 |
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Gast
Gast

Ein leidiges Thema. Ich selbst habe bei meiner ersten Geburt einen sekundären Kaiserschnitt haben müssen, aufgrund eines hohen Gradstandes, nach 12 h Wehen und Einleitung mit Wehentropf, weil ich schon 1 Woche überm Termin war und das CTG schlecht aussah. PDA? Ja. Meine 2. Geburt, rasant, natürlich, innerhalb von 3 h, ohne PDA. Warum erzähle ich das? Alles ist möglich. Bei jedem ist es anders. Jede Geburt tut weh, ob mit PDA oder ohne, ABER man schafft das. Pro Kaiserschnitt? Definitiv nein. Eine Geburt tut sehr weh, keine Frage, aber ein Kaiserschnitt schmerzt noch mind. eine Woche danach, und das stark. Ich denke auch, man sollte versuchen Frauen die Angst vor der Geburt zu nehmen, aber bitte ehrlich bleiben, dass es auch schmerzt. Und ja, es wird zu wenig über die Folgen eines Kaiserschnittes aufgeklärt, nichts desto trotz finde ich, dass in diesem Artikel etwas überzogen wird und auf Angst abgezielt wird, weil viele der genannten Komplikationen doch eher selten sind. Wichtiger finde ich den Fakt, dass ein Kaiserschnitt einem die Geburt nicht leichter macht, da man im Nachhinein viel eingeschränkter ist, als nach der natürlichen Geburt. Man möchte sein Baby doch gern selbst tragen und in den Schlaf wiegen, oder? Geht mit Kaiserschnitt erstmal nicht. Trotzdem, mein erstes Kind und ich wären beide wohl ohne die Möglichkeit der Sectio verstorben. Und trotz Sectio konnte ich mein 2. Kind natürlich gebären. Fazit: Nachfragen, informieren und in diesem Fall auch immer gern die Hebamme fragen, die nehmen sich meistens viel Zeit für dieses Thema.

#9 |
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Gast
Gast

Bei aller Rechnerei… Ich lese hier etwas von “länger warten”, “Madame hat keine Lust mehr…” “anderweitig bei der Geburt unterstützen…. Klingt ja ganz nett.
Ich frage mich, wer kompetent genug ist zu entscheiden, ob eine Frau “keine Lust mehr” haben darf, wenn sie nach 20 Stunden Wehen einfach am Ende ist? Wer darf darüber urteilen, ob sich eine Frau die Quälerei mit Zange oder Glocke geben möchte? All die Statistikersteller lassen eines außer Acht: Es ist die Frau, die all das bewältigen muss, die den Schmerz aushalten muss und die letztlich die Kraft aufbringen muss, auch noch Stunde 23, 24 und 25 auszuhalten. Sie ist es auch, die mit den Folgen einer unbedingt natürlichen Geburt leben muss.
Unwissenschaftlich… aber die Sicht einer 3-fach- Sectio- Mutter.

#8 |
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Gast
Gast

#1 Was soll ich denn da sagen. Ich hab vor 28 Jahren ein ziemlich großes Kind (3850/53 cm) ohne PDA auf die Welt gequetscht. Hat gut 20 Stunden gedauert und war gefühlt eine “Geburt aus der Hölle”. Und doch bin ich persönlich im nachhinein unendlich froh, das alleine gemeistert zu haben. Nicht ohne Schmerzmittel, aber zum Glück ohne Kaiserschnitt. Es hat sich unheimlich viel auf dem Gebiet der Geburt getan. Bei mir gab es 20 Stunden nichts zu trinken, nichts zu Essen. Das wäre heute absolut undenkbar! Und trotzdem habe ich es geschafft mein Kind auf natürlichem Wege in diese Welt zu bringen. Da merkt man erst mal zu was der Mensch eigentlich fähig ist. Und obwohl ich solche Schmerzen meinem ärgsten Feind nicht wünschen würde, würde ich mich immer wieder für eine natürliche Geburt entscheiden. Ein Kaiserschnitt wäre für mich nur im absoluten Ausnahmefall in Frage gekommen. Für mich gehört der Geburtsprozess einfach dazu, auch wenn ein Kaiserschnitt natürlich wesentlich bequemer ist.

#7 |
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Annika Diederichs
Annika Diederichs

716.539 ist die Zahl der Krankehausgeburten aus 2015. Davon waren 31,1 % Sectios, 5,9 % mit Vakuumextraktion und 0,4 % mit Geburtszange. Details dazu unter: https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2016/10/PD16_355_231.html

Es könnte schon hinkommen, daß von den 222 919 Sections nur bei ~ 10 % eine absolute Indikation für eine Sectio vorlag. Was nicht heißen soll, daß eine Sectio bei vorliegen relativer Indikation automatisch als unnötig einzustufen wäre. Die Frage ist vielmehr, in wie vielen dieser Fälle es auch ohne Sectio geklappt hätte, mglw. sogar zum Vorteil von Mutter und Kind. Zur Bantwortung dieser Frage müßte man allerdings jeden Fall einzeln im Detail betrachten.

#6 |
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Gast
Gast

Diesen Artikel kann ich nicht unkommentiert lassen.
Erstens enthält er sachliche Fehler. Z. B. kann es bei rund 700.000 Geburten in D pro Jahr insgesamt nicht sein, dass in gleicher Höhe operative Entbindungen vorgenommen werden.
Zweitens stellt sich für mich die Frage, welche medizinische Qualifikation die Studienleiterin hat. Wenn sie der Meinung ist, dass nur jeder 10. Kaiserschnitt wirklich medizinisch gerechtfertigt sei, würde das bei rund 30% Sectiorate also bedeuten, dass wir auf etwa 3% kommen sollten. Da wäre ich gespannt, wie sie das als verantwortliche Chefärztin umsetzen würde.
Drittens liegen die meisten diesbezüglichen Artikel m. E. daneben, wenn über die Ursachen spekuliert wird. Es ist völliger Unsinn zu behaupten, das Krankenhaus würde damit mehr verdienen. Gewinn ist bekanntlich Umsatz minus Kosten, und die Kosten für OP, Narkosearzt, Hintergrunddienst, erhöhten Pflegebedarf usw. übersteigen bei Weitem die Mehreinnahmen. Im Gegenteil wäre die sogenannte ambulante Geburt mit den geringsten Einnahmen die gewinnträchtigste, weil die Wochenbettstation komplett entfiele – ist natürlich nicht machbar. Schauen wir doch mal auf einige andere Faktoren: Wer hat eigentlich in D entschieden, dass ein Kaiserschnitt ohne medizinische Indikation keine unerlaubte Körperverletzung mehr ist, wie das bis in die 90er war? Warum nehmen Schwangere jetzt 20-30kg zu, statt 8-12? Wer forciert den Wahnsinn, wegen jeder Kleinigkeit oder auch einfach nur so -Madame hat keine “Lust” mehr- die Geburt einzuleiten, und dann im Kaiserschnitt zu landen? Warum muss eine Mutter den Kaiserschnitt wählen, um kostengünstig an eine Sterilisation zu kommen? Warum haben Ärzte in den Praxen keine Gefuld mehr, die Schwangeren über den errechneten Termin gehen zu lassen?
Auf diese und weitere Fragen geben solche Studien nie eine Antwort.

#5 |
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Gast X
Gast X

Um eine Spontangeburt zuverlässig ohne größere Komplikationen zu meistern (was viele Frauen sich wünschen) und am Ende der Quälerei auch ein gesundes Kind im Arm halten zu dürfen (was das wichtigste ist) braucht es erfahrene Geburtshilfe durch Hebammen und Ärzte, die auch Zeit und Kapazitäten haben die Geburt notfalls auch über die Verlängerung hinaus zu betreuen. Das funktioniert aber nicht wenn niemand dafür bezahlt. Solange weiter Hebammen und Kreisssäle Mangelware sind und deshalb die Frauen ihre Geburt über weite Strecken allein absovieren müssen oder kristellert werden und einen Dammschnitt bekommen nur damit der Kreisssaal möglichst schnell für die nächste frei wird werden verängstigte und vorsichtige Frauen sich immer wieder für Wunschsectios entscheiden und auch immer einen Gynäkologen finden der um die Missstände weiß und ihnen deshalb dazu rät.

#4 |
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monic flores
monic flores

Ach was bin ich froh das ich vor 33 Jahre überhaupt einen Kaiserschnitt bekommen habe. Weil -“sie” nicht durchs _Becken kam. Auch meine zweite Tochter habe ich vor 31 Jahre durch Kaiserschnitt bekommen. -Wieso jetzt wieder alles in Frage stellen…..lass es doch so geschehen wie es soll!!
Es gibt über 5 milliarden Menschen alle mit einem Geburtsstory machen sie doch den Frauen keine Angst, Kaiserschnitt ist ok…..meine zweite war keine Indikation……..ist trotzdem per Kaiserschnitt geholt weil ich es wollte…..Lang-zeitprobleme null, ausser das mein Bauch etwas doof aussieht………..so what=!!==??!

#3 |
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Dr. med. Erika Plöntzke
Dr. med. Erika Plöntzke

Seitens der Gesellschaft der Gynäkologie gibt es Kriterien für die Sectio seitens
des Kindes ,der Mutter und Geburtsverlaufes.Aber mit Patientinnen werden
Wunschtermine vereinbart um zu verdienen !
Man sollte die Kriterien bekannt machen wann die Sectio zwingend erforderlich ist!
Denn die Hebammen würden am Liebsten jede Entbindung alleine machen! Erika

#2 |
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Gast
Gast

Also, das es Sectios gibt, die aufgrund von “Save your lovechannel” gemacht werden und daher überflüssig sind, da kann ich nur zustinmmen. Aber bei Beckenendlagen und großem Gewicht sind sie sinnvoll. Denkt eigentlich jemand an die Frauen? Was das für eine Viecherei ist? Und erklären Sie mir jetzt bitte nicht, dass das mit Lokalanästhesie (PDA…) gut zu handhaben sei- ist es nicht, aufgrund der schlecht spürbaren Wehen und dem Pressen. Der Hintergrund ist, Kosten im Gesundheitswesen niedrig zu halten, und das gelingt mit Schelte auf die ach so honorargeilen Ärzte am besten. Dabei ist das politisch gewünnscht, wie so vieles andere. Ich war bei vielen Geburten als Kinderkrankenschwester dabei und habe Jahrzehnte als Anästhesiefachkraft gearbeitet.

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